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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-01-01 · 1 (1.1.1897) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
1 (1.1.1897)
Date
1897-01-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 Vr. Vloch's Wochenschrift. Nr. 1 Ein Bericht der Colonie Moosomin wurde verlesen, desgleichen ein äußerst geistiger Bericht des Cvmites für Abendcurse. Ruffischen Studenten, die sich nach der Schweiz geflüchtet haben, wurde Hilfe versprochen. Es wurde beschlossen, das Bureau-des Arbeitscomites anderswohin zu verlegen. London. Ein interessantes Werk ist soeben bei A. und C. Black erschienen: Ueber hebräische Eigennamen (Stadies in Hebrew Prosper Names) von G. Buchanan Gray. London. Das Evelina-Kinderspital in London ist, nachdem es behufs Renovirung drei Monate lang geschlossen war, wieder der Benützung übergeben worden. Alles ist frisch gemalt worden, sämmtliche Wände sind iir einer Höbe von 5 Fuß mit blanken, weißen Kacheln garnirt, elektrisches Licht ist überall eingeführt worden. Baron Ferdinand Rothschild hat dem Kinderspital 10.000 Pfund (etwa 125.000 Gulden) , hauptsächlich behufs Erweiterung des Spitals gespendet, und aus diesem Fond wurden nun die Renovirungsarbeiten bestritten. Auch ein Stück Land hat Baron Ferdinand Rothschild demselben Spitale geschenkt und die Vorarbeiten zur Aufführung eines neuen Flügels haben bereits begonnen. Jetzt befinden sich 66 Betten im Gebäude; nach Herstellung des neuen Flügels dürsten sich dieselben auf 100 erhöhen. London. Durch den plötzlichen und unerwarteten Tod des Sir Benjamin Ward Richardson verliert London nicht nur einen ausgezeichneten Arzt und einen Gelehrten ersten Ranges, sondern die Juden verlieren auch einen warmen Freund. Er besaß zahlreiche Verehrer und persönliche Freunde unter den englischen Juden, und Alle, die Gelegenheit hatten, seine Vorträge im jüdischen Seminar (Jews College) zu hören, werden sich derselben stets dankbar erinnern. Nur ein Mann, der tiefe Sympathie für das jüdische Volk empfand, konnte ein Werk schreiben, wie Dr. Richardson's „Der Sternensohn" (The Son. of a Stai), welches 1888 erschien. Der Autor verräth darin eine seltene Kenntniß der jüdischen Geschichte und Literatur des zweiten Jahrhunderts. „Der Sternensohn" basirt auf dem heroischen Leben und tragischen Ende Bar Kochba's. Die letzten Monate über, beschäftigte er sich eifrig mit dem Entwurf einer Geschichte, welche den „großen Maimonides", wie er ihn stets nannte, zum Helden haben sollte. Noch vor wenigen Tagen hat der Oberrabbiner Dr. Adler — er und seine Brüder waren intime Freunde des Verstorbenen — an die jüdisch-amerikanische Verlagsgesellschast wegen Herausgabe dieses Werkes geschrieben. Dr. Richardson glich in seiner wunderbaren Vielseitigkeit jenen berühmten jüdischen Aerzten im Mittelalter, die wie Maimonides, nicht nur große Aerzte, sondern auch bedeutende Schriftsteller waren. Die Bewunderung, die er den Juden zollte, verdanken dieselben nicht zum geringsten Theil ihren sanitären Gesetzen; schon vor 20 Jahren gab er dieser Bewunderung in einem Bortrage für jüdische Arbeiter und in einer Vorlesung für die Geistlichkeit Ausdruck. In dieser Vorlesung ermahnte er feine Zuhörer, sich mit den Aerzten in den Bemühungen zu vereinigen, eine Beaufsichtigung der Nahrungsmittel einzuführen, in ähnlicher Weise, wie es bei den Juden geschieht. Bei derselben Gelegenheit führte er aus, daß man, wenn man viele jüdische Einrichtungen nachahmte, einer Menge oft sehr schmerzvoller physischer Krankheiten Vorbeugen würde. London. Alle englischen Tagesblätter bringen Artikel oder Notizen über den Verkauf der seltenen, reichhaltigen und kostbaren Münzensammlung des verstorbenen Mr. H y m a n M o n t a g u. ' Mr. M o n t a g u war ein ungewöhnlicher Mann. Aus allen Theilen der Welt suchte er Münzen zusammen, von denen nun wieder ein Theil versteigert wurde.. Schon als Kind, als er die Schule in der Eich von London besuchte, zeigte er großes Verständniß und unendliche Freude für Münzen aller Art. Seine Leidenschaft wuchs mit den Jahren, sie ließ nie nach, wurde nie schwächer. Zuerst legte er sich eine Sammlung sämmtlicher in England von den ftühesten Zeiten bis in die Gegenwart geprägten Münzen an; als das Feld ganz erschöpft war, richtete er sich ein griechisches und römisches Münzcabinet ein. Oft kaufte er ganze Münzcabinete an, so z. B. das Münzcabinet des verstorbenen großen Wollhändlers Mr. Addington, das von Mr. Brice in Clifton, ferner erwarb er fast die ganze berühmte Sammlung des Vicomte Ponton d'Amecourt und die des Pariser Antiquitätenhändlers M. Hoffmann. Unermüdlich bereiste Mr. M o n t a g u den Continent und stand mit sämmtlichen Antiquitätenhändlern Europas und Kleinasiens irr beständiger Correspondenz. Die englische Münzensammlung ist entschieden die schönste, die jemals ein Einzelner besessen hat. Er war als Numismatiker hochgeschätzt, und seine Beiträge in den Sitzungsberichten der numismatischen Gesellschaft („Transactions of the Numismatic Society“) waren ebenso werthvoll als zahlreich. Sein Werk über „Kupfer-, Zinn- und Bronce-Prägung in England" (The Copper, Fin, and Bronze Coinage in England) ist das maßgebendste über diesen Gegenstand. Es wurden sehr hohe Preise erzielt, für ungefähr tausend Stück wurden gegen neuntausend Pfund (ungefähr 110.000 Gulden) bezahlt, darunter die berühmte „Juseon Medal“ um 770 Pfund (fast 10.000 Gulden).. Diese Münze ist nicht nur eine der berühmtesten Arbeiten des Thomas Rawlins, sondern sie hat auch eine Geschichte. Es ist dies dieselbe Münze, welche Karl I. von England dem Bischof Zuxon zum Geschenke machte, als er schon auf dem Schaffot stand. Die Münze ist in den Besitz des Britischen Museums übergegangen. Perth (Westaustralien). Die Zahl der jüdischen Bewohner von Perth ist in den letzten Jahren eine bedeutende geworden, so daß sich die Nothwendigkeit der Errichtung eines Tempels ergab. Ein solcher wird nun in Brisbane Street erbaut; es ist die erste Synagoge in Perth sowohl, als in der ganzen Provinz Am 13. Öctober fand die feierliche Grundsteinlegung statt, welche Se. Excellenz der Gouverneur persönlich vornehmen sollte. Da er aber an Influenza zu Bett liegt, so vertrat ihn Lady Smith. Ihr folgte Se. Ehrwürden A. T. Boas aus Adelaide, welcher die Festrede hielt. Das Gebäude wird 360 Personen fassen. Die Regierung hat der Gemeinde den Bauplatz im Werthe von 2000 Pfund (25.000 fl.) geschenkt. Neben dem Tempel wird eine Wohnung für den Rabbiner und ein Schulzimmer erbaut. Cambridge. Der hiesige philologische Verein (Cambridge Philologien! Society) hat Mr. L. D. Barnett zu seinem Mitglied erwählt. Mr. Barnett wird einen Vortrag über schwierige Stellen in Aeschylus und Marcus. Aurelius halten. Grimsby. Der Earl of Jarborough hat der hiesigen Gemeinde für ihren neuen Friedhof 3500 Bäume, Sträucher und verschiedene Pflanzen geschenkt. Manchester. Mit tiefem Bedauern melden wir den Tod eines der thätigsten und aufopferungsvollsten Mitglieder des Cultusvorstandes, des Mr. William Frederic Bernstein. Der Verstorbene war als Sohn einer äußerst frommen Familie aus Danzig hier eingewandert. Er hat all seinen Einfluß dreingesetzt, daß englische Gebete in den Gottesdienst ausgenommen werden, und es war auch nur ihm zu verdanken, daß die zehn Gebote in englischer Sprache in unserer Synagoge gelesen wurden, lange bevor dies in einer anderen orthodoxen Synagoge geschah. Er hinterläßt keine Kinder, aber seiner Frau und seinen zahlreichen Freunden wird er unvergeßlich bleiben. Chicago. (Ein jüdisch-nationaler Frauen- V e r e i n.) Es hat sich hier ein Verein constituirt, der seinesgleichen noch nicht hat: der erste jüdisch-nationale Frauenverein. Frau Hannah G. Solomon ist Präsidentin, Frau Emanuel Mandel, Vicepräsidentin, Frau Harry Selz, Schatzmeisterin, Frau I. Wolf und Fräulein Sadie American sind Secretäre. Zwecke und Ziele dieses interessanten Vereins sind, die religiösen philanthropischen und erziehlichen Interessen des Judenthums zu fördern. Das soll in erster Reihe geschehen durch die Förderung des Studiums jüdischer Sittenlehre, jüdischer Geschichte und Literatur. Es bestehen zwei Cvmites, eines für Religion und eines für Menschenliebe! Diese beiden umfassen Alles, was die Wohlfahrt des Menschen begründet, die eine lehrt ihm seine Pflichten, die andere findet die Mittel, diese Pflichten auszuüben. Dem Verein wird das günstigste Prognostikon gestellt. Denver (Colorado). Mr. Simon G u g g e n h e i m ist von den beiden politischen Parteien von Colorado zum Gouverneur- Stellvertreter vorgeschlagen worden, lehnte aber die Wahl aus dem Grunde ab, weil ihm zu dem gesetzlichen Alter von dreißig Jahren noch einige Monate fehlen. Mr. Guggenheim ist einer der bestbekannten und meistgeschätzten Juden Denvers. Er zeigt immer großes Interesse für das allgemeine Wohl der Stadt und bethätigt sich in freigebigster Weise, wenn es gilt, Wohlthätigkeit zu üben. So ist er eine der Hauptstützen der städtischen vereinigten Wohlthätigkeitsanstalten (Organized Charities) sowohl,

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