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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-01-01 · 1 (1.1.1897) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
1 (1.1.1897)
Date
1897-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 1 Vr. Vloch's Vochrnschrtfi Seite 7 den ersten Theil bildet. Es ist ein tief betrübendes und beschämendes Zeugniß von der Indifferenz unserer Glaubensgenossen, die leider nicht allein bei diesem einen Falle zu constatiren ist, daß die Werke von Männern, auf die das Jndenthum stolz zu sein alle Ursache hätte, die unsere höchsten Ideale verherrlichen, in den weiteren Kreisen völlig unbekannt bleiben. Das war das Los der Dichter aus der Heineperiode, das ist das Los der in hebräischer Sprache schaffenden Schriftsteller der jüngsten Vergangenheit und der Gegenwart. Wer kennt zum Beispiel den Namen, noch viel weniger aber die Werke eines Frug, der als einer der ersten russischen Dichter der Neuzeit mit Recht, allerdings nur in seiner engeren Heimat genannt wird? So ist auch der Name David Levis', den der Vergessenheit zu entreißen der Zweck des Verfassers des uns vorliegenden Buches ist, wie es auch unser Bestreben, in den nachstehenden Zeilen Interesse für Levi und seine Werke zu verbreiten, das bisher wohl auf die Kreise beschränkt war, die die Geschichte der Einigung Italiens studirt haben. Diesen allerdings wird der Name wohl bekannt sein; trat er doch nicht nur als ein treuer Sohn seines Stammes auf, der mit wahrer und echter Hingebung an dem Judenthum hing, dessen Dichtungen eine glühende Liebe für Zion durchhauchte und die Helden seiner Geschichte verherrlichten, sondern auch als hervorragender Kämpfer für die Einigung Italiens, als begeisterter Patriot für sein liebliches Vaterland hat er sich in seinem Schaffen und Dichten gezeigt. Gerade darum ist es von Wichtigkeit, daß unsere Zeitungen Kunde bringen von dem Leben und Wirken dieses unseres großen Stammesgenossen, dessen treues Festhalten am Judenthum seinem glühenden Patriotismus nicht den geringsten Eintrag that, eine Thatsache, die in unserer Zeit nicht genug hervorgehoben werden kann. Schon vor 2 Jahren brachte Dr. Margulies in der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums", Jahrgang 58, Nr. 26, einen Aufsatz über D. Levi, wozu ihm die von demselben veröffentlichte Selbstbiographie die Anregung bot. Schon damals versprach er eine ausführliche Biographie und Besprechung seiner Werke und hat nun in dankenswerther Weise sein Wort eingelöst. David- Levi wurde im Jahre 181.6 in Chieri bei Turin geboren und wuchs im altfrommen Elternhause auf. Der Eindruck von den religiösen Festen, die in dem feierlichen, hehren Ernst begangen wurden, war für des lebhaften Knaben empfängliches Gemüth ein tiefer und bleibender und gab der Phantasie des künftigen Dichters lebhafte Nahrung. Sein elterliches Haus war der Sammelpunkt der Gebildeten, die dort allsabbathlich die Bibel, sowie die besten Erzeugnisse der italienischen Literatur eifrig lasen und besprachen; ebenso auch die über Angelegenheiten in der Gemeinde disputirten und ein freimüthiges Urtheil über die schmachvolle Bedrückung fällten, in der sie lebten. Es warum diese Zeit, in dem Jahre 1815, die Reaction in Italien ausgebrochen; statt der bürgerlichen Gleichberechtigung des Code Napoleon, machte wieder der Kastengeist seine Vorrechte geltend; die Juden wurden in das Ghetto gesperrt und von Schulen und Universitäten ausgeschlossen. Die Gespräche, die dort geführt wurden, konnten auf die Entwicklung des ungewöhnlich begabten und stolzen Knaben nicht ohne Einfluß bleiben. Die Eindriicke seiner Kinderjahre brachten ihm die Ueberzeugung bei, daß die Leiden seiner Glaubensgenossen und die seines Vaterlandes aus derselben Quelle flössen, und so faßte mit dem Hasse gegen die Tyrannei die zwiefache Liebe zu Israel und zu Italien, die sein ganzes Leben und Wirken beherrschen sollte, gleich feste Wurzeln in seinem jungen Herzen." Schon als Schüler trat er mit einem hebräischen Gedichte auf den Tod seines Großvaters hervor; auch seine ersten italienischen Verse datiren aus jener Zeit. Seine Eltern hatten ihn zum Kaufmannsstande bestimmt, allein sein unstillbarer Wissensdrang konnte unmöglich Befriedigung darin finden, sein Geist sehnte sich aus der Enge des alltäglichen Lebens in die freien Regionen des Wissens und der Knnst hinaus. So erlaubten ihm denn seine Eltern, sich dem Studium der Jurisprudenz zu widmen. Er bezog zunächst die Universität Parma, bald darauf Pisa, wo er neben juristischen sich vorwiegend mit literarischen und philosophischen Studien befaßte. Sein heißer Wahrheitsdrang trieb ihn von einem philosophischen System zum anderen, ohne daß er von einem Befriedigung empfand, und so suchte er durch eigenes Studium der Natur dieser ihre Geheimnisse abzulauschen. In dieser Zeit entstanden seine lyrischen Gedichte philosophischen Inhalts, von denen eine Probe in meisterhafter Uebersetzung vonl Verfasser in den Tert eingeschoben ist. Bon der unbewußten Statur konnte er eine Lösung der Fragen über Ursprung und Zweck des Seins nicht empfangen und so wandte er sich wieder den bewußten Schöpfungen des Menschengeistes zu, und zwar beschäftigte er sich mit den um jene Zeit im Mittelpunkte des Interesses aller Forscher stehenden Religionsurkunden der allen Inder, die ihn zum Vergleiche mit der Bibel führten, und je mehr er sich in das Studium jener vertiefte, desto klarer ward es ihm, welch ein gewaltiger Abstand sie von der erhabenen Klarheit und Majestät der Bibel trennt. Gerade aus ihn mußte der Gegensatz zwischen Fatalismus und Kasteneintheilung einerseits und Freiheit des Willens neben Gleichheit aller Menschen andererseits einen ganz besonders tiefen Eindruck machen, und so war es das vergleichend religionsgeschichtliche Studium, das ihn den Glauben seiner Väter von einer ganz neuen Seite würdigen und lieben lehrte. In ihm fand er den höchsten und reinsten Ausdruck seiner eigenen Ideale, und zugleich mit der Liebe zu seinem Vaterlande erstarkte in seinem Innern immer mehr die Liebe zum Judenthum. Das Studium der Geschichte Israels ließ ihn eine gewisse Aehnlichkeit zwischen dem Schicksal Italiens und dem Palästinas entdecken und beider Unglück fand einen tiefen Wiederhall in seiner Dichterseele: „Und zweifachen Zions Verbannter ich bin, Zu zweifachem Zion, ach, zieht es mich bin; Doch wehe, im Elend muß beide ich schauen, Und ein> am und traurig durch düsteres Thal Sich wälzet der Jordan und stöhnet, o Qual! Die Woge des Tibers, sie seufzet, o Grauen?" Aber nicht blos in lyrischen Ergüssen nahm er daran Theil, was Aller Gemüther bewegte, er war nicht nur Rufer im Streit, sondern einer der Vordersten in den Reihen der Kämpfenden. Im Alter von 20 Jahren trat er in den politischen Geheimbnnd ein, den Mazzini unter dem Namen „Das junge Italien" begründet hatte und der über ganz Italien verbreitet war. Bei seinen öfteren Reisen von Piemont nach Pisa nützte er der Vereinigung durch Gründung von Zweigvereinen und Uebermittlung des Gedankenaustausches in hohem Grade. Infolge eines Dnells mit einem College», dem eine Beleidigung seines Glaubens zu Grunde lag, mußte er Pisa verlassen und ging nach Genua. 1841 promovirte er zum Doctor jnris und ging nach Paris, wo er sich den italienischen Patrioten, die dort in der Verbannung lebten, anschloß und auch sich an der Vorbereitung zu einem Aufstande betheiligte, der die Abschüttelung des österreichischen Joches zum Zwecke hatte. Im Dienste dieser Sache, die durch vorzeitigen Ausbruch scheiterte, begab er sich nach Venedig. Dieses übte aus ihn eine ganz besondere Anziehungskraft und' machte durch seine eigenartigen Reize gewaltigen Eindruck auf seine Phantasie. Hier entstand eine Reihe lyrischer Gedichte und gleichzeitig auch die drei speciell auf das Judentbum bezüglichen Gedichte „Die drei Pilger", „Der ewige Jude" und „Tie Bibel". Hier entstand auch der erste Entwurf zu seinem hochbedeutsamen Drama „11 Profeta“. In allen diesen flammt sowohl die Begeisterung für die herrliche Vergangenheit Jsrael's, sowie auch ein liebevolles Vertrauen auf eine bessere Zukunft warm daraus entgegenleuchtet. Es bricht aber auch der bittere Groll daraus hervor ob der Unterdrückung seiner Glaubensgenossen, der sich in ihm seit seinen Kinderjahren angesammelt hatte und der durch die Verhältnisse fortdauernd genährt wurde. Erst im Jahre 1846, als Pius IX. den päpstlichen Stuhl bestieg, machte sich eine Wendung zum Besseren bemerkbar. Er erließ eine Amnestie und einige liberale Reformen und ganz Italien hallte von Jubelhymnen aus ihn wieder. Auch Levi widmete ihm eine begeisterte Ode, die ihm des Papstes Dank und seinen päpstlichen Segen eintrug. Vor Allem lag ihm auch jetzt das Wohl seiner Glaubensgenossen am Herzen, wofür er denn auch mit seiner ganzen Beredtsamkeit eintrat und wirklich fielen im Jahre 1847 die Ghettomauern. Bei Ausbruch des Aufstandes in Venedig und der Lombardei zog er als einer der Ersten mit in den Kampf und seine feurigen Melodien „La Italiaua“ fachten den Muth seiner jungen Mitkämpfer zu Heller Begeisterung an. Als im Jahre 1848 die Aussicht auf die Einigung der italienischen Stämme wirklich zur Wahrheit zu werden schien, gab er dem ihn durchstürnlenden Jubel in seiner damals erschienenen Liedersammlung „Patria cd affetiflammenden Ausdruck und erträumte die herrlichsten Pläne zur Gestaltung einer vom ganzen

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