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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-01-01 · 1 (1.1.1897) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
1 (1.1.1897)
Date
1897-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Dr Vloch's Wochrnfchrtfl Nr. 1 Der Vorsitzende schließt: Geehrte Versammlung! „Frieden und Eintracht bezeichneten stets das Verhältniß zur Gemeinde, der wir ja angehören, der wir in Liebe zugethan find. Wir hoffen und wünschen, daß auch in der neuen Aera die Beziehungen der beiderseitigen Vorstände dieselben bleiben, daß die Gemeinde auch uns mit Liebe und Wohlwollen entgegenkommen wird." . „Ueber Antrag des sehr geehrten Delegirten hat uns der Vorstand im vorigen Jahre schriftlich seinen Dank und die Anerkennung für unser ehrliches Streben und erfolgreiches Wirken zugemittelt. Wir wollen beflissen sein, auch in Zukunft die Liebe und Achtung unserer Gemeinde und unserer Mitglieder zu verdienen und zu erlangen."" (Lebhafter Beifall.) Nach Verlesung des Berichtes ergreift das Wort der als Delegirter anwesende Cultusvorsteher Herr Salo Cohn, beglückwünschte den Verein zu seinen Resultaten im abgelaufenen Verwaltungsjahre Dank der musterhaften Vereinsleitung und verspricht, über den erfreulichen Stand dem Vorstande der Muttergemeinde zu berichten. (Lebhafter Beifall.) Herr.kaiserlicher Rath Friedrich Pollak als Cassaverwalter verliest den Rechnungsabschluß und die Bilanz. Ein Cassasaldo von 10.054 fl., abgeschrieben wurden 1426 fl., dem Altersversorgungsfond zugewiesen 1230 fl., so daß dieser bereits 2500 fl. beträgt; das sind interessante Ziffern; ein Bermögenszuwachs von über zweieinhalbtausend Gulden. Die Generalversammlung begrüßte die Mittheilungen mit lebhaftem Beifall. Herr Ignatz Reschovsky verliest den Bericht der Revisoren und über deren Antrag wird dem Vorstand das Absolutorium einstimmig ertheilt. Auf Antrag des Herrn Leopold Stowasser votirt die Versammlung dem Vorstande den Dank für die erfolgreiche Wirksamkeit durch Erheben von den Sitzen. Als letzter Gegenstand der Tagesordnung ist eine Neuwahl auf die Dauer von drei Jahren für die aus dem Vorstande austretenden Herren: S. E i s e n b e r g e r, Max Fleischer, Albert Janowitzer und Josef T o s f l e r vorzunehmen. Der Vorsitzende überträgt nunmehr das Präsidium dem Senior des Vereines, Herrn Moses Feßler und derselbe erthellt das Wort dem Herrn Commercialrath S. Eisenberger. Redner dankt zunächst in herzlichen Worten dem Vorstande, welcher ihm anläßlich seines 70. Geburtstages durch eine Deputation eine'Adresse überreichen ließ, welche er stets als ein kostbares Pfand der Freundschaft ehren werde. Redner erinnert daran, daß er bereits 40 Jahre in dem Vereine thätig sei, daß ihm sonach in den Dreißiger-Jahren seines Lebens bereits ein ernster Sinn ffür's Judenthum nicht gefehlt hat; damals wie heute in der schweren Zeit der Anfeindungen hat er das Judenthum offen und freimüthig bekannt und getrachtet, es überall zu Ehren zu bringen. (Lebhafter Beifall.) Im Vereine habe er stets den Gedanken vertreten, daß, wer in den Vorstand gewählt werden wolle, auch persönlich vor den Vereinsgenossen zu candidiren habe. Das hat eine glückliche Zusammenstellung des Collegiums bewirkt, welches in gutem und stetem Einvernehmen ftiedfertig zusammenarbeitet. Wenn die Generalversammlung mit seinem bisherigen Wirken zufrieden sei, so will er auch fernerhin dem Verein seine Kräfte widmen. (Lebhafter Beifall.) Herr Max Fleischer überrascht die Versammlung mit nachfolgender Erklärung: „Wer in öffentlicher Stellung wirkt, muß eine seine Empfindung und Empfindlichkeit haben für die öffentlichen Vorgänge und Geschehnisse. Vor einigen Wochen haben in diesem Locale die Wahlen in den Vorstand der israelitischen Cultus gemeinde stattgefunden. Wenn man sich erinnert, welchen Kampf es vor Jahren gekostet hat, um den westlichen Bezirken im Cultusvorstand eine Vertretung zu erobern, welche Anstrengungen die anderen Bezirke zu dem gleichen Behufe, zum Theil sogar vergeblich gemacht haben, so wird man erstaunen, daß von den 1400 Wählern dieser Bezirke imGanzen blos 242 an der Wahlurne erschienen sind und daß auch von den Erschienenen nicht einmal alle ihm die Stimme gegeben. 38 Wähler des Bezirkes haben ihm ihre Stimme entzogen. Aus der Wahlurne ist er allerdings mit nahezu der größten Stimmenzahl, 2680, hervorgegangen; allein in den westlichen Bezirken scheint eine Mißstimmung, eine Unzufriedenheit .gegen chn zu herrschen. Wenn seine Thätigkeit den Wählern nicht mehr entspricht, will er gerne das Feld einem Anderen überlassen. Er habe lange genug das Ehrenamt verwaltet, sein Mandat sei erloschen, möge die Generalversammlung eine geeignetere Person an seine Stelle berufen." (Widerspruch und Protestrufe in der Versammlung.) Herr Ad. Ruzicka: „Das war jedenfalls.die originellste Candidatenrede, die wir je vernommen. Kein Stein ist in dem Tempel zu finden, der nicht von dem Geiste, der Arbeitskraft und Arbeitsfteudigkeit Max F l e i s ch e r's Zeugniß ablegt; Alles Erreichte und Errungene ist Resultat seines Wirkens; seine Empfindlichkeit ist darum wohl zu begreifen, aber nicht zu rechtfertigen. Wie seit Jahrzehnten besitzt er das unerschütterte Vertrauen der Bereinsgenossen, die allerdings nicht hindern können, daß Einzelne außerhalb des Vereines gegen ihn wühlen. Allein diese Leute können keinen Schäden stiften. Getragen von dem Vertrauen des Vereines möge Präses Fleischer weiter an unsere Spitze treten, unser Führer sein." Ueber Antrag des Redners wird dem Herrn M. Fleischer neuerdings einstimmig das Vertrauen votirt. Cultusvorsteher Salo Cohn will gerne erwähnen, in welch selbstloser Weise Herr Fleischer innerhalb des Cultusvorstandes wirkt, welche die uneingeschränkte Anerkennung Aller verdient und findet. Die Gegnerschaft einzelner Personen ist aber nicht verwunderlich bei der streng modernen Richtung des Gottesdienstes in diesem Tempelverein; diese Gegnerschaft muß und darf er sich gefallen lassen. Die Wohlthätigkeits - Institutionen der Wiener Cultusgemeinde stehen leider sehr tief zurück hinter denen der jüdischen Gemeinden in Berlin und Budapest; nur in Einem ist Wien bevorzugt, durch die Eintracht und den Frieden in der Gemeinde. Im Interesse des Friedens bitte er aber den Collegen Fleischer, das Präsidium des Vereines wieder gu übernehmen. Herr Steiner aus Fünfhaus empfiehlt, die einstimmige Wiederwahl des abtretenden Präses als eine Kundgebung der Harmonie zwischen Vorstand und Verein zu erachten. Der Vorsitzende Herr Moses Feßler bestreitet, daß der Präsident irgendwelche Gegner habe, blos einige wenige orthodoxe Bewohner des Bezirkes, die einen eigenen Tempel anstreben, bilden sich ein, unser verehrter Herr Obmann sei das Hinderniß ihrer Wünsche. In unserer Mitte aber zählt er blos eifrige Verehrer, in denen das Bewußtsein seiner Verdienste lebt. (Lebhafter Beifall.) Handelskammerrath Janowitzer will für seine Person auf eine Candidatenrede verzichten. Ein lebhaftes, in unserer heutigen schweren Zeit wohl begreifliches Interesse für das Judenthum und seine Ehre hat sein Wirken bisher inspirirt; geleitet von denselben Empfindungen ist er bereit, auch fernerhin sich dem Verein zu widmen, wenn das Vertrauen der Wähler ihn dazu beruft. (Lebhafter Beifall.) Herr Josef Dossier bemerkt, daß er im Vorstandscolleginm viel zu lernen Gelegenheit hatte. Die Bemühungen zielten dahin, eine immer würdigere Ausgestaltung des Gottesdienstes und Herbeiführung geordneter Finanzen. Zu diesem Behufe wird friedlich und einträchtig gearbeitet. Wenn die Wähler ihn auch für die Folge mit ihrem Vertrauen auszeichnen, so will er gerne sich zur Verfügung stellen. (Beifall.) Es wird nunmehr zur Wahl geschritten. Als Scrutatoren fungirten die Herren L. Goller st epper, Jgll. Klein, Richard Schüller und Karl Reiß. Gewählt wurden einstimmig: S. E i s e n b e r g e r, Max Fleischer, Albert Janowitzer und Josef Toffler. Der Präsident Herr Max Fleischer übernimmt den Vorsitz, spricht Herrn F e ß l e r für seine taktvolle Leitung der Versammlung und dem Delegirten des Cultusvorstandes für seine lebhafte Theilnahme den Dank aus und erklärt die Generalversammlung für geschlossen. Dichter und Patriot. „So steht heute der greise, ehrwürdige Dichter nach einem im Dienste der höchsten Ideale verausgabten Leben am Rande des Grabes als ein armer Mann da, der mit der Nothdurft des Lebens zu kämpfen hat." So klingt die Biographie aus, die in dem soeben erschienenen Buche des Oberrabbiners Dr. I. H. Margulies- Florenz „Dichter und Patriot. Eine Studie über das Leben und die Werke David Levis"*) *) Berlin 1896, Verlag M. Poppelauer.

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