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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-12-25 · 52 (25.12.1896) · page 23

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
52 (25.12.1896)
Date
1896-12-25
Page
– (sequence 23)
Language
German
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Nr. 52 Vr. Vloch's Wmhrnptzrtst Seite 1047 erschüttern und die besseren Elemente des Volkes tit Widerspruch zu der Staatsleitung zu bringen. Zu diesen Braven gesellt sich noch Sebald t. Dieser racenreine Germane, wie er sich selbst nennt, schrieb an den Herrn Oberstaatsanwalt Dresche r eitlen Briefs in welchem er einräumt, der Polizei gegen Bezahlung gewünschte Informationen gegeben zu haben, was er selbstredend für ehrenvoll hält. Dieser polizeigefällige Herr ist aber bis vor Kurzem Redactenr der „Deutschen Zeitung" des Obergermanen Friedrich Lange gewesen, er ist also zweifellos ein waschechter Antisemit. So also sieht die auserlesene Gesellschaft ans, die es wagt, von der Verkommenheit der Judenpresse zu sprechen. ^Das also ist die Moral dieser Geister, die täglich über die Sittlichkeit der Juden zu Gericht zu sitzen sich erdreisten. Wahrlich, die Judenheit kann sich zu diesen Feinden gratuliren, denn von solchen verkrachten Existenzen gehaßt zu werden, ist eine Ehre. - F. S. Madame Furtado-Heine. Paris, 14. December 1896. Madame Furtado-Hein , welche gestern im Park ihres Schlosses Rvcquencourt, an der Versailler Bahnlinie, beerdigt worden ist, war eine große Wohlthäterin. Es war in den letzten Jahren viel von ihr und von ihren Wohlthaien die Rede, und es war vielleicht sogar ein ganz klein wenig zuviel davon die Rede. Aber wenn auch die oft etwas geschmacklosen Huldigungen, mit welchen die Boulevard- Journalisten diese Wohlthäterin überhäuften, ganz dazu angethan waren, den Widerspruch hervorzurufen, so kann doch Niemand es bestreiten : Madame Furtado-Heine hat ihrem Vaterlande und besonders den Armen und „Enterbten" ihres Vaterlandes gut gedient. Zu ihren vornehmsten Schöpfungen gehören eine Armenapotheke und eine Kleinkinderbewahranstalt. Daneben lieh sie besonders einem Blindeninstitnt und mehreren Waisenhäusern ihren Beistand. Im vorigen Frühjahr machte sie ihre Billa in Nizza dem Staate zum Geschenk, mit der Bedingung, daß Reconvalescenten ans dem Osficiersstande, zunächst besonders die ans Madagaskar heimgekehrten Fieberkranken, dort Aufnahme fänden. Als vor einigen Monaten die Kleinkinderbewahranstalt eröffnet wurde, überreichte ihr der Minister des Innern, Bart hon, im Namen der Regierung das Kreuz der Ehrenlegion .... ein Kreuz, das nur sehr wenigen Frauen bisher zu Theil ward. Im Ganzen soll Madame Furtado-Heine in den letzten Jahren zwanzig Millionen für wohlthätige Zwecke verwendet haben. Trotzdem bleiben ihren Erbe», wie mau sagt, noch hundert und zwanzig Millionen, das Schloß Rvcquencourt und mehrere Häuser in Paris. Madame Furtado-Heine — von Hause aus eine Fonld — hatte in zweiter Ehe einen Sohn Salomon Heine's, des Hamburger Onkels unseres Heinrich, geheiratet. Die Fonld, die Furtado und die Heine waren und sind bekanntlich recht begüterte Familien. Nur das e i n e Genie,das in diesen Familien austaucht, der eine Heinrich Heine, war „ein armer Verwandter". Die hundertundzwanzig Millionen sollen angeblich (nach Ausscheidung der Legale rc.) in zwei Theile getheilt werden. Den einen Theil erbt die Adoptivtochter der Verstorbenen, die Herzogin von R i v o l i, welche in erster Ehe mit dem General Michel Ney, Herzog von Elchingen, vernrält g,wesen (der G n-'ral hat sich 1881 unter ziemlich mysteriösen Umständen erschossen) und fünf Kinder aus ihrer ersten Ehe hat: Napoleon von Elchingen. Fürst von der Mvskawa, Jean, Herzog von Elchingen, Rose und Charlotte von Elchingen und Cacilia von Elchingen, vermält mit dem Prinzen Joachim Murat. Den anderen Theil der Millionen erbt diese letzte Enkelin Cäcilia, die sich damit auf lange Zeit hinaus vor jeder Roth geschützt sieht. Man bemerkt, daß Madame Furtado-Heine mit der Creme des napoleonischen Adels verwandt war. Sie hatte die Ney und die Murat in ihrer Familie. Dieser Adel ist nicht ganz so gut wie der orleanistische er ist gewisiermaßen nur zweitclassig, aber immerhin — der alten Dame hat es gewiß Vergnügen gemacht, einen Enkel zu haben, der „Prinz von der Moskawa" heißt. Eine der Ersten, welche nach dem Tode der Madame Furtado-Heine den Hinterbliebenen telegraphisch ihr Beileid kundgaben, war die Exkaiserin Eugenie. Doch auch der Herzog von Orleans sandte ein Telegramm. Bonapartismus, Orleanismns und Republik beugten sich vor der Wohlthäterin. Madame Furtado-Heine war Jüdin geblieben, eine im Herzen gläubige Jüdin. Sie hatte den Wunsch ausgesprochen mit dem ganzen Ceremoniell ihres Glaubens beerdigt zu werden. An ihrer Bahre beteten und sprachen vier Rabbiner: der Großrabbiner von Frankreich, Zadoc-Kahn, der Großrabbiner von Paris, der Rabbiner von Paris und der Rabbiner von Versailles. Die Synagogenchöre sangen. Und im Park, am Wege zu der Grabstätte, machten Dragoner mit ihren Lanzen Spalier. Als die Gärtner des Schlosses den Sarg vorübertrugen, senkten sie die Lanzen. Dem Sarge voraus schritt ein Officier, der auf einem Kiffen das Kreuz der Ehrenlegion trug. Neben dem Sarge schritten die männlichen Mitglieder der Familie: die Herzoge von Nivoli und von Elchingen, die Prinzen von der Moskawa, Murat, Della Rocca, der Graf Fery d'Esclands und die Herren Heine, Curdvza und Rodrigues, und dahinter: der Minister des Innern ' Barthon, als Repräsentant der Regierung, der Commandant Moreau, } als Vertreter des Präsidenten der Republik — dann die Vertreter des Kriegsministers, des Gouverneurs von Paris, der Seine-Präfectur; Mitglieder der französischen Aristokratie, wie die Herzoge von Montmorency und Monchy, die Grafen de Breteuil und de Beaumont; Mitglieder der Geldaristotratie, wie die Rothschild, die Weißweiller, Ephruffi, Ster», Fould, Beer, Schlumberger und die Deputationen aller Wohlthätigkeitsanstalten, welche Madame Furtado-Heine gegründet oder beschenkt. An dem gleichen Tage war der russische G r o ß s ü r st N i k o l a s N i k o l a j e w i t s ch der Gast einer anderen französischen Finanzgröße, des Grafen Raphael Cahen d'A n v e r s. Ans dem Jagdschloß ins Finanzmannes im Departement Seine-et-Oise fanden sich bei Vieser Gelegenheit die Töchter des Grafen, die Schwiegersöhne — lauter Herzoge! — und zahlreiche Aristokraten mit klangvollen Namen zusammen. Und diese zwei so verschiedenen Ereignisse — das Begräbniß der wohlrhätigen Frau Furtado-Heine und das Gastmahl der Cahen d'Anvers — sind doch in ihrem Verlaus Beweise für ein und dieselbe Sache. Sie zeigen, wie wenig in Frankreich der Antisemitismus das gesellschaftliche Leben störend beeinflußt hat. Nicht wie anderswo hat er hier die Gesellschaft in zwei Lager geschieoen, und ich möchte hinzufügen, daß das nicht nur für d i e Gesellschaft zutrifst, in welcher die 120 Millionen-Bermögen zu Hause sind, sondern auch — und fast mehr noch — für die Gesellschaft mit bescheidenen Einkünfte.", für die Kreise des guten Bürgerthums. Oesterreichische Moralstatistik. Das soeben zur Ausgabe gelangte VrüteHestdeS45 Bandes der österreichischen Statistik enthält dieErgebnisse der Strafrechtspflege während des Jahres 1893. Uns interessirt natürlich nur der Antheil, den die ö st e r r e i ch i s ch e n Juden an dieserStatistik haben, undzwar gerade umsomehr. a!S eine lebhafte Hetze in neuester Zeit gegen die galizischen und ungarischen Inden, welche sich in Preußen aushalten, ins Werk gesetzt worden ist, die viel Schrecken anzurichten und selbst auf die Anschauungen jüdischer Kreise zu reflectiren droht. Nun denn, die österreichischen Juden dürfen mit Stolz auf die Ergebnisse dieser amtlichen Veröffentlichungen sehen, und die viel geschmähten galizischen Juden haben noch mehr Grund zu diesem Stolz als die anderer Provinzen der Nachbarmonarchie. Die Zahl aller Verbrechen ist von 30.867 ans 28.498, d. h. um ca. 7 pCt., gefallen, die der bestraften jüdischen Verbrecher von 1157 aus 1012, d. h. nm ca. 13 pCt., zurückgegangen. Da die Jaden 4 8 pCt. der ganzen Bevölkerung des österreichischen Staates ausmachen, so hätten nach der Seelenzahl auf sie 1349 Bestrafungen entfallen sollen; es waren aber nur 1012, also nm ein Viertel weniger, als zu erwarten war, oder statt 4 8 PCt. (wie bei der Bevölkerung), bei den Verbrechen nur 3-6 PCt. Wenden wir uns nun zu den galizischen Juden speziell, so finden wir folgende Ziffern: Bestrafunqen wegen Verbrechen überhaupt: Rückgang: 1892: 8112, 1893: 6943. Ul/2 pCt. Galizische Juden bestraft: Rückgang: 1892: 773,1893: 628. 19 pCt. Ferner: Bestrafungen wegen Verbrechen in Galizien überhaupt 1893 sind 6943, da nun die Juden in Galizien 11 ^/3 pCt. der Bevölkerung bilden, würden auf sie 788 Fälle kommen, da aber nur 628 bestraft sind, so ist bei den Juden in Galizien der Stand der Criminalität viel günstiger als bei den Nichljuden. Aber auch gegenüber den Israeliten der anderen Provinzen Oesterreichs trifft dasselbe zu, wie aus der folgenden Gegenüberstellung hervorgeht: 1893 wurden in Oesterreich bestraft im Ganzen 1012 Juden wegen Verbrechen; da nun 69 pCt. der Israeliten dieses Staates aus Galizien entfallen, so könnte man erwarten, daß auf die 69 pCt. der Seelenzahl auch 69 pCt. der Bestrafungen kommen würden, also 689 Fälle. Dies ist aber nicht richtig, es sind nur 628, d. b. 10 pCt. weniger, oder, mit anderen Worten, d,e galizischen Juden stehen noch um etwas besser als die Juden der anderen Provinzen Oesterreichs, die ihrerseits wiederum viel besser stehen als die Nichljuden. Auch noch nach einer anderen Richtung sind die amtlichen Zahlen eine Ehrenretiung für die geschmähten Juden. Diese sind bekanntlich in einigen Delikten ungünstiger gestellt als die Nichtjuden, nämlich der sogenannte, kaufmännischen. Es ist nun aber nachzuweisen, daß die christlichen Kaufleute in viel höherem Procentfatze bestraft werden als die jüdischen, was folgende Tabelle bei einem den Juden gerade besonders oft zur Last gelegten Vergehen zeigt: Wegen Verschulden von in Cvncurs verfallenen Schuldnern wurden bestraft 786 Kaufleute, darunter 234 Inden. Nun sind aber die Juden fast die Hälfte dieser Berufsgruppe, es hätten daher statt 234 fast 390 sein können; wir sehen also die christlichen Kaufleute mit 552 Bestrafungen doppelt so oft betrügerischen Bankerott machen als die Juden, welche, fast ebenso viel M Zahl, nur 234 Bestrafungen aufzuweisen haben. Das Gleiche haben wir schon bei früheren Jahrgängen von Betrug, Veruntreuung u. s. w. nachgewiesen. Immer und immer wiederholt sich die Thatsache, daß die beste Widerlegung der gegen die Juden erhobenen Vorwürfe die Klarstellung der wirklichen Verhältnisse bildet._

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