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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-12-25 · 52 (25.12.1896) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
52 (25.12.1896)
Date
1896-12-25
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 52 Dr. Bloches WochrnptzrM Seite 1043 ja, dieselbe Eskanasygemeinde, die Ihr verachtet — gerade jetzt habe ich mit ihrem Schatzmeister gesprochen. — Das ist eine Gemeinde, die täglich an Wohlstand und Größe zunimmt, während Ihr in Eurer Trägheit schlummert." Seine hohe Gestalt beherrschte das Zimmer, sein Kopf schien die Decke zu berühren. Die Räthe saßen betäubt da, wie in einem Gewittersturnl. „Lump! Gotteslästerer! Schamloser Renegat!" schrie der Vorsitzende, und da er sich bereits erhoben hatte, stürzte er zur Glocke, an der er wie toll riß. Der Kanzler erbleichte, als er bemerkte, daß er eine Gelegenheit verloren hatte. „Ich werde dieses Zimmer nicht eher verlassen, als es mir paßt", sagte Manasse, indem er sich auf dem nächsten Stuhle niederließ und die Arme über der Brust verschränkte. Ein Schrei des Entsetzens und der Bestürzung tönte aus allen Kehlen; sämmtliche Räthe sprangen drohend in die Höhe und Manasse bemerkte, daß er aus dem Lehnstuhle des Vorsitzenden thronte. Aber er wich und wankte nicht. „Nicht doch, behaltet Eure Plätze, Ihr Herren", sagte er ruhig. Bei deni Geräusch drehte sich der Vorsitzende um, erblickte den Schnorrer auf seinem Stuhl, taumelte und hielt sich anl Kaminsims fest. Die Räthe standen tute erstarrt, während die Augen des Kanzlers wild über die Wände schweiften, als erwarte er, daß die goldenen Namen aus den Tafeln herausspringen würden. Der Tempeldiener, von deni heftigen Geklingel erschreckt, stürzte herein, blickte, der Befehle gewärtig, instinctiv zum Throne hinüber und wurde auf der Schwelle versteinert. Sprachlos starrte er Manasse an, während der Vorsitzende sich gleich einem Stockfisch am Lande vergeblich bemühte, den Befehl zum Hinauswerfen des Bettlers auszusprechen. „Starrt mich nicht so an, Gomez!" rief Manasse gebieterisch. „Seht Ihr nicht, daß der Präsident ein Glas Wasser braucht?" Der Tempeldiener warf einen Blick auf den Vorsitzenden und stürzte dann, da er seinen Zustand bemerkte, wieder hinaus, um Wasser zu holen. Das war das letzte. Als der arme Vorsitzende sah, daß seine Autorität ebenso usurpirt worden war, wie sein Platz, wurde er ganz rasend. Ein paar Secunden lang bemühte er sich, einen Fluch auszustoßen, der ebenso gegen seine geschlagelien Räthe, wie gegen den triumphirenden Bettler gerichtet war. Aber er brachte nur einen unarticulirten, heiseren Schrei heraus und taumelte seitwärts. Manasse sprang aut und fing die sinkende Gestalt in seinen Armen auf. Einen furchtbaren Augenblick lang hielt er sie aufrecht, während tiefes Schweigen herrschte, das nur durch das unzusammenhängende Gemurmel des Bewußtlosen unterbrochen wurde. Dam: rief er zornig: „Rührt Euch, Ihr Herren! Seht Ihr nicht, daß der Präsident krank ist?", schleppte seine Last zu dem Tisch, legte sie, von den erschreckten Rüthen unterstützt, flach darauf nieder und riß das gekrauste Hemd auf. Mit einer fast boshaften Bewegung schleuderte er das Merkbuch zu Boden, um dem Vorsitzenden Platz zu machen. Der Tempeldiener kehrte nnt deni Glas Wasser zurück, das er beinahe fallen gelassen hätte. „Lauft um einen Arzt, gebot Manasse; dann schüttete er das Wasser nachlässig in der Richtung des Kanzlers aus und fragte, ob Jemand etwas Branntwein bei sich hätte. Niemand gab Antwort. „Nun, nun, Herr Kanzler", sagte er, „zieht nur Eure Flasche heraus". Und der beschämte Beamte gehorchte. „Hat Einer von Euch seine Equipage draußen?" war die nächste Frage, die Manasse an den Machamad richtete. Es war nicht der Fall; Manasse schickte daher den Vorsteher der Aeltesten fort, uni eine Sänfte zu holen. Dann blieb nichts übrig, als auf den Arzt zu warten. „Ihr seht, Ihr Herren, wie unsicher die irdische Macht ist", sagte der Schnorrer feierlich, während der Vorsitzende, gegen seine eindringliche Moralpredigt taub, röchelnd athmete. „Sie wird im Nu verschlungen, wie Lissabon von der Erde verschlungen ward. Verflucht ist, wer die Armen verachtet. Wie wahr ist das Wort unserer Weisen: „Ein Haus, das sich den Armen nicht öffnet, öffnet sich dem Arzte." In der zunehmenden Dämmerung leuchteten seine Augen in unheimlichem Glanze. Die eingeschüchterte Versammlung beugte sich vor seinen Worten wie Schilf vor dem Winde oder ein vom Gewissen geplagter König vor einem furchtlosen Propheten. Als der Arzt kam, gab er das Urtheil ab, daß der Vorsitzende einen leichten Schlaganfall und eine zeitweise Lähmung des rechten Fußes erlitten habe. Der Kranke, der mittlerweile zum Bewußtsein gekommen war, wurde in der Sänfte nach Hause geschafft und der Machamad löste sich in Verwirrung auf. Manasse war der Letzte, der die Rathsstube verließ. Als er in den Corridor hinaus stvlzirte, drehte er den Schlüssel der Thür mit einem rachsüchtigen Ruck hinter sich zu. Dann steckte er die Hände in die Hosentaschen und gab denr Tempeldiener eine Krone, indem er heiter bemerkte: „Ihr müßt wohl Eure gewöhnlichen Sporteln haben, wie?" Der Tempeldiener war auf das Tiefste bewegt und hatte einen Anfall von Ehrlichkeit, dem er nicht zu widerstehen vermochte. „Ter Vorsitzende gibt mir immer nur eine halbe Krone", murmelte er. „Ja, aber er wird vielleicht nicht im Stande sein, der nächsten Versammlung beiznwohnen. Vielleicht bin auch ich nicht dabei." (Fortsetzung folgt.) Literatur. Voranzeige. Ta ich andauernder Kränklichkeit halber öfter als mir geschäftlich, d. h. materiell zuträglich sein kann, genöthigt bin, zumal während der rauhen Jahreszeit, das Zimmer zu hüten, so benütze ich faut de mieu — diese meine, leider unfreiwillige Muße dazu, meine vor Jahren nnterbrochenelk bibliographischen Arbeiten wieder aufzunehmen. Ich beabsichtige nicht allein meinen im Jahre 188;» unvollendet gebliebenen II. Band bibliographischer Lexikons zu vervollständigen, ich will vielmehr gleichzeitig einen voluminösen Supplement-Band erscheinen lassen. Allein obwohl ich mich bezüglich der Personalien der in allen Weltheilen zerstreut lebenden Rabbinen und Fachgelehrten so ziemlich vrientirt glaube und obzwar ich nnt den Erscheinungen dieser Fachliteratur in allen ihren Ausläufern und in allen civilisirten Cultsprachen mich zu meinem speciellen Zwecke wenigstens genügend eingelesen und versirt halte, so sind bei einer solch großangelegten und ganz eigenartigen Arbeit störende Jrrthümer nicht leicht zu vermeiden. Um aber solche Jrrthümer auf das alleringste Maß einschränken zu können, bedarf ich der Unterstützung der beregten Fachkreise. An diese verehrlichen Fachkreise, Rabbinen, Autoren, Verleger und Editoren jüdisch-theologischer Fachzeitschriften richte ich die ergebenste Bitte, mir auch diesmal ihre Unterstützung in der Richtung angedeihen lassen zu wollen, daß sie mich rechtzeitig über die neuesten Publicationen auf dem Gebiete der jüdischen Literatur in Kenntniß zu erhalten die Gewogenheit haben möchten. An sämmtliche Redactionen jüdischer Facbzeitungen richte ich das Ersuchen, von dieser Voranzeige wohlwollende Noliz nehmen und in ihren respectiven Blättern bringen zu wollen. Meine der Vollendung entgegengehende Veröffentlichung wird diesmal entfallen. Eine bibliographische Darstellung der gesammten hebräischen jüdischen Literatur der Gegenwart mit Einschluß der S hriften über Juden und Judenthnm, mit besonderer Berück s i ch t i g n n g der einschlägigen Public at i o n e n auch n i ch t j ü d i s ch e n Autoren niögen solche in welch' immer Sprache erschienen sein, mit möglichst genauer Angabe der Verfasser, Verleger, Jahreszahl, Format und der Preise in österreichischer Währung, Mark und Rubel, ferner ein lexikalif -eordnetes Schema und Adressen von Rabbinen, Fachgelehr^.t, Autoren, Freunden mti) Förderern der jüdischen Literatur, Bibliotheken, Rabbiner-Seminarien in der alten und neuen Welt, sodann Zeitungsschau. Uebersichtlich geordnete Zusammenstellung aller speciell jüdischen Interessen der jüdischen Literatur und Wissenschaft, der biblischen Theologie und der hebräischen Sprachwissenschaft gewidmeten Tagesblätter, Zeit-, Monats- und Wochenblätter mit Namhaftmachung der ''Adressen der Redactionen, resp. der Verleger und der Pränumerations-Bedingungen. Ich habe nur noch zu bemerken, daß das Lexikon nicht wie früher in Lieferungen, sondern in zwei Halbband-Bänden wird ausgegeben werden und verharre einer löblichen Redaction Hochachtungsvoll ergebenster Ch. D. L i p p e Buchhändler in Wien, II., Praterstraße 13.

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