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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-12-25 · 52 (25.12.1896) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
52 (25.12.1896)
Date
1896-12-25
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 52 Vr. Bloch's WochrurrtzriN. Geile 1037 Minorität sich befinden. Dagegen hat der zweite Wahlkörper, zu welchem die Kaufleute und die größeren und mittleren Hausbesitzer gehören, der jüdischen Bevölkerung stets eine jüdische Vertretung gesichert, weil in diesem Wahlkörper die Inden in den meisten Städten, nänilich in Tarnow, Gorlice, Sanok, Rzeszow, Przemysl, Drohobycz, Stanislau, Buczacz, Kolomea (wahrscheinlich auch in Tarnopol und Jaroslau, worüber uns neuere Daten fehlen) in der Majorität sind. "Wenn aber der in Rede stehende Entwurf Gesetz wird, geht dieser Wahlkörper den Juden verloren und die Wahl von Inden aus diesem Wahlkörper wird unmöglich gemacht. Nämlich der Gesetzentwurf will die kleinen Beamten von der 10. Rangclasse abwärts sowie die Landes-Communalbeamten und die den obigen Rangclassen entsprechenden zahlreichen Eisenbahnbeamten ans dem 3. Wahlkörper, wo sie bisher stimmten, in den 2. Wahlkörper versetzen. Hiedurch würden die Juden im 2. Wahlkörper zu einer offenbaren Minorität herabgedrückt. Es würde also den Inden in Zukunft die Erwählung in den Gemeinderath sehr erschwert, da sie im ersten Wahlkörper in allen Städten und im 3. Wahlkörper tit den meisten Städten (mit Ausnahme von Tarnow, Rzeszow, Stanislau, Buczacz, Brody) in der Minorität sind. Es würde also in Zukunft in Galizien überhaupt nur sehr wenig jüdische Gemeinderaths-Mitglieder geben. Da aber der Gemeinderath zugleich als Wahlcollegium für Theilnahme an der Bezirksvertretung, für die Verwaltung der städtischen Sparkasse, für den Ortsschulrath und andere städtische Anstalten fnngirt, so ist es klar, daß in allen diesen Körperschaften wohl kein Jude mehr einen Sitz einnehmen wird. („Israelit".) Budapest. (A n t i s e m i t i s ch e s F i a s c o.) Man schreibt uns aus Budapest: Die „Bolkspartei", die mit so viel Spectakel und Lärm ausgetreten ist, hat ein jämmerliches Fiasco erlebt. Die antisemitischen Allüren, mit denen die ungarischeil Volksbeglücker auftraten, haben den gesunden Sinn der Bevölkerung nicht verwirren können. Die greulichen Lügen, die Kirchen würden von den Juden zu Kornmagazinen verwendet werden, haben doch nicht gewirkt. Die kleinen Hetzrapläne, die hier nach österreichischem Master mit den infamsten Lügen und Verleumdungen das Volk anfhetzten, konnten schon darum keinen besonderen Erfolg erzielen, weil es offenkundig war, daß die Bischöfe ihr Treiben verdammten. Es ist ein erfreulicher Beweis für die gesunde politische Gesinnung des ungarischen Volkes, daß selbst einzelne Mitglieder der kleinen „Bolkspartei" ihrem Abscheu vor dem Antisemitismus unverhohlen Ausdruck verliehen und andererseits die Absagen an diese Partei sich von Tag zu Tag mehren. Daß die ungarischen Antisemiten aber mit denselben Mitteln wie in Oesterreich arbeiten, nämlich mit der Lüge, kann man aus einem Beispiel ersehen. Erst verbreiteten sie, die Demonstrationen gegen Professor Kovacs hätten darin ihren Grund, daß Kovacs Antisemit sei. Als aber bekannt wurde, daß seine Lieblingsschüler gerade Inden waren, kehrten sie den Spieß um und hetzten gegen Kovacs im Namen des Antisemitismus. Man sieht, ohne Lüge gibt es keinen Antisemitismus. Budapest, 12. December. Frau Elise Fisch er in Arad hat ihr ganzes Vermögen im Betrage von einer M illion Gulden der jüdischen Gemeinde zur Gründung eines Mädchen- Waisenhauses letztwillig hinterlassen. Die Zöglinge bleiben bis zu ihrer Verheiratung im Waisenhause, wo sie eine strengreligiöse Erziehung erhalten müssen. Jedem Mädchen wird eine Mitgift von 1000 fl. sichergestellt. — Die hiesige Cultusgemeinde hat am vorletzten Chanuka-Tage das n e u e r b a u t e Schulgebäude unter den üblichen Feierlichkeiten, denen in Vertretung des Cultusministers der Schnlinspector. Dr. Bered y, seitens der Hauptstadt Oberbürgermeister Rath, Bürgermeister Mark u s, Magistrathsrath K o rs a v o l g y i u. A. beiwohnten, seiner Bestimmung übergeben. — Dem Landesstipendienverein ist seitens des Herrn Alexander S v a b eine Stiftung im Betrage von 5000 fl. zugegangen. Das Vermögen des Vereines beträgt gegenwärtig 99.720 fl. — Seit dem Jahre 1893 werden die Bezüge der schlecht besoldeten Lehrer vom Staate aus 300 resp. 400 fl. ergänzt. Bon den 1012 aü jüdischen Gemeindeschnlen angestellten Lehrern erhielten 15 2254 fl., ein erfreulicher Beweis, daß sich die Lage der Lehrer bedeutend gebessert. Berlin, 15. December. Abweichend von der üblichen Gewohnheit ging in der diesmaligen Sitzung der Repräsentantenversammlung am 13. d. M. die geheime der öffentlichen Sitzung voran. Die schon seit Langem vorbereiteten Ergänz u n g swahlen zum Vorstände gelangten endlich in dieser geheimen Sitzung zur Erledigung. Das Resultat derselben ist bereits durch die Tagesblätter bekannt geworden. Für die am 1. Jänner 1897 aus dem Gemeindevorstande ausscheidenden Mitglieder: die Herren Julius I a c o b y, Director Herrmann und Sanitätsrath Dr. W i e s e n t h a l, sowie für die Vorsteher- Stellvertreter, die Herren Professor Dr. Geiger, Commercienrath Julius I s a a c und Reaierungsrath a. D. M a g n u s wurden durch Zettelwahl gewählt: Herr Julius Iacoby mit 15 Stimmen, Herr Rechtsanwalt Dr. Eugen Fuchs ll mit 14 Stimmen und Herr Martin S i m o n mit 12 Stimmen. Zu Stellvertretern wurden ebenfalls durch Zettelwahl die Herren Geheimer Sanitätsrath Dr. Boas mit 20 Stimmen, Rechtsanwalt L i l i e n t h a l mit 13 Stimmen und Wilhelm G v l ds ch m i d t mit 12 Stimmen gewählt. Anwesend waren sämmtliche 21 Mitglieder der Repräsentantenversammlung. Die Herren Regierungsrath Magnus und Commercienrath I s a a c hatten übrigens schon vorher dem Vorstände angezeigt, daß sie eine Wiederwahl nicht annehmen würden. Berlin. (I m p o r t g e s e l l s ch a f t „P a l ä st i n a".) Die Jmportgesellschast „Palästina", G. m. b. H. hat soeben im Werderhause, Werder'scher Marrr 9, ihre Geschäftsräume eröffnet, in denen Erzeugnisse der jüdischen D ö r s e r P al ä st i n a's, Olivenholz und Steinarbeiten der jüdischen Drechsler in Jerusalem rc., zum Verkauf gelangen. Die Weine und Cognac zeichnen sich neben absoluter Reinheit durch mäßigen Preis aus und können durch ihre Schmackhaftigkeit mit den besten Wein- und Cognacsorten cvncnrriren. Namentlich der Esra (Süßwein), welcher im Geschmack dem Portwein gleicht, wird sich bald nngetheilter Beliebtheit erfreuen, die auch den übrigen rot Heu und weißen Weinsorten, wie den Cognacs nicht fehlen wird. Unter den Olivenholz- und Steinarbeiten sind wahre Kunstwerke, welche sich zu Geschenken aller Art vortrefflich eignen. Ferner stehen Mandeln, Mixed-Pickles, die verschiedensten Liqnenre, Fruchtsäste, Olivenöl, Eau de Palestine, Rosenwasser, Seife:c. zum Verkaufe. Ein Besuch der geschmackvoll eingerichteten Räume ist wärmstens zu empfehlen. Breslau. Die am vorigen Freitag unter ungewohnter Betheiligung stattgehabten W a h l e n d e r R e p r ä s e n t a n l e n der jüdischen Gemeinde haben, wie die erst heute Abend beendete Zählung feststellte, folgendes Resultat ergeben: Zn Repräsentanten wurden gewühlt die Herren Beruh. W o l l st e i n mit 1772, Dr. Reich mit 1673, Geh. Justizrath Freund mit 1658, Pros. Dr. B a d t mit 1568, Lndw. W o l l e n h e r g mit 1536, Louis Cohn mit 1457, Salom. D a n z i g e r mit 1374 Stimmen; zu Stellvertretern die Herren Director Lyon mit 1330, Theod. Oschinsky mit 1321, Herrn. Landsberger mit 1320, Herrn. H a rn b n r g e r mit 1310, R. Daniel mit 1270. A. Bielschvwsky mit 1224, Rechtsanw. Dr. S a m u e l s o h n mit 1109, M. R o s e n b e r g mit 1022 und Rechtsanw. Dr. M o s e s mit 998 Stimmen. Ferner wurden abgegeben für die Herren Rechtsanw. Dr. K e m p n e r 808, Rechtsanw. Schreiber 741, 2. Jasfö 581, Philipp Falk 430, M. I. Sachs 339, S. H a rn m e r 296, G. P i n o f f 272, O. Stern 254 und N. F r i e d l ä n d e r 245 Stimmen. Kritik eines Laien. Also Dr. Stern und Dr. Ziegler stehen „außerhalb des Jndenthums", wie der Prager Autor der anonymen Notiz in der „Oesterreichischen Wochenschrift, vom 28. November d. I. behauptet. — Ich habe zwar leider nicht das Vergnügen den Letzteren, wohl aber den Ersteren der beiden genannten Herren zu kennen; doch da man mit Recht sagt: Siehe, mit wem Du umgehst und ich will Dir sagen, wer Du bist — da man sozusagen den Menschen arr seinen Freunden erkennt, so kann ich nicht umhin mein Bedauern anszudrücken über den Mangel dieser Bekanntschaft. Der anonyme Herr Autor jener erwähnten Notiz mnß schon gestatten, daß auch ich meinen Namen verschweige. Er weiß wahrscheinlich, wie behaglich man sich unter jenem schützenden Schleier fühlt — und ich weiß es auch. Doch immerhin behaupte ich: 3i duo faciunt idem im est idem. Und nun zur Sache. Der Herr Autor spricht den beiden Herren das Judenthum ab. Warum wohl? Nur weil sie andere Ansichten über dasselbe haben, als der Herr Verfasser der Notiz, weil sich in ihrem Kopse Welt und Religion anders abspiegeln, als in dem des Herrn Anonymus? Derselbe Gott, der diesen beschützt, hat ja auch in ihm jene Gedanken entstehen lassen, und ich behaupte, daß trotz derselben, oder vielleicht gerade durch dieselben, er nicht weniger „mitten im Jndenthum" steht, als der Angreifer. Vielleicht ist mau ein treuerer

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