Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 52 (25.12.1896)
- Date
- 1896-12-25
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 1036, Nr. 52 Dr. Vloch's WochenlitzrM. Güssen baue r mangelhafte Bildung und Herrn Dr. König jüdische Anmaßung vor. Man denke — der Puffer Schorschl! Gehört das nicht in ein Witzblatt? Die genannten drei Herren werden sich über das Unglück,, daß sie in den Augen des Puffer Schorschl als unfähig, zu wenig gebildet und anmaßend erscheinen, wohl zu trösten wissen. Was übrigens die „Anmaßung" des Dr. König betrifft, so möchten wir dem schwachen Gedächtnisse des Herrn Puffer mit einigen kleinen Reminiscenzen zu Hilfe kommen. Am 5. Februar 1889 erhielt Herr Dr. König das folgende interessante Schreiben: Freiwillige Feuerwehr, Fl oridsdori. W o h l g e b o r e n Herrn D r. I. König Hier. Laut Beschluß in der sechzehnten Generalversammlung am 12. Jänner d. I. wurde über Antrag des H e r r n H a u p t m a n n e s Georg Puffer sim. einstimmig beschlossen, iSirr Wohlgeboren die v o l l st e Anerkennung und d e n w ä r m st e n Dank für die Bemühungen und den sorgfältigen Unterricht, welchen Euer Wohlgcboren der Sanitätsabtheilung der Freiwilligen Feuerwehr geleistet haben, anszusprechen. Mit der Bitte, unserem Vereine Ihr Wohlwollen auch fernerhin angedeihen' zu lassen, zeichnet mit Hochachtung Für das Commando: Josef M. Schwaiger Puffer jnn. Schriftführer. Hauptmann. Wie sich doch die Zeiten ändern! Vor 8 Jahren zollte Herr Puffer dem Dr. König überschwänglichen Dank für dessen „Wohlwollen", heute beschuldigte er ihn der „Anmaßung". Von dieser „Anmaßung" zeugt übrigens auch eine Reihe von Anerkennungsschreiben, welche Herr Dr. König vom niederösterreichischen Landesausschusse für seine zu Gunsten der Armen entwickelte ärztliche Thätigkeit erhielt und deren eines im Jahre 1877 auf directen Antrag des damaligen Bürgermeisters Georg Puffer sen., des Vaters unseres witzigen „Schorschl", erfloß. Ja, die Zeiten ändern sich und mit ihnen auch die Menschen! Die humanitäre Wirksamkeit Dr. K ö n i g's, besonders gegenüber der armen Bevölkerung Floridsdorfs und Donaufelds, fand noch vor wenigen Jahren von vielen Seiten rühmliche Anerkennung, auch von solchen Personen, die jetzt zu den enragirtesten Antisemiten gehören. Es gibt viele Leute die Dr. König durch eine Reihe von Jahren ohne Anspruch auf ein Honorar in der aufmerksamsten Weise behandelte und denen er bei Tag und Nacht in der unverdrossensten Weise zu Hilfe geeilt ist, die heute hievon mchts mehr wissen wollen und deren Söhne zu den wüthendften antisemitischen Hetzern gehören. Zum Danke dafür wird dieser Mann heute öffentlich beschimpft! Der Puffer Schorschl, der bekanntlich über die großartigsten geisten Fähigkeiten, sowie über eine colossale Bildung verfügt und dabei vollkominen frei von jeder Anmaßung ist, sollte sich wirklich irgendwo als Witzblatt-Redacteur anstellen lassen. Brünn, 21. Deccmber 1896. Ueber den wirklich glänzenden Verlauf, sowohl des Makkabäer- und Gründungs-Commerses unserer beiden akademischen Verbindungen „Zephirah und Veritas", als auch des von diesen Vereinen veranstalteten Kränzchens wird Ihrem geschätzten Blatte gewiß berichtet werden. Hier wollen wir nur die Eindrücke zusammenfasten, die uns von diesen gelungenen studentischen Festen zurückbleiben. Wir können es mit vollster Ueberzeugung behaupten. wer immer, sei er alter Herr oder Bursch, diesem Commerse beiwohnte, er wird eine unauslöschliche Erinnerung mit sich fortget'-agen haben. Wen hätte auch nicht begeistern sollen diese Schaar von jungen Männern, welche sich in der an Niedrigkeiten so überreichen Zeit ihre Ideale, den hohen Gedankenflug des Geistes bewahrt haben? Mit dem Propheten konnten wir uns fragen: „Wer hat dem scheinbar so verwaisten und vereinsamten Israel diese Söhne geboren?" — Junge Männer, bereit zur Thal, ganz erfüllt von der Bildung unserer Zeit, erfahren in der Geschichte unseres Volkes, aber auch wohl vertraut mit dem Dichten und Denken unserer Tage, Nachkommen der Makkabäer und Modern« zugleich. Wer die wohldurchdachten und von tiefem Studium zeugenden Worte hörte, die bei diesem Commerse von unseren jungen Leuten gesprochen wurden, wer )u sah. diese Versammlung von Männern, die den verschiedenartigsten wistenschastlichen und technischen Berufszweigen angehören, wer Umschau hielt in diesem Kreise von Juristen nnd Aerzten, Lehrern und Technikern, Philosophen und Theologen, Beamten und KaufleutLN, der mußte sich sagen: Mir ist nicht bange um Deine Renaissance mein Israel, das eine solche Summe von Geisteskräften sein eigen nennt, an Dir wird sich erfüllen, was Dein großer Seher erschaut, als er an den Strömen Babels saß und von der Wiedergeburt seines Volkes träumte, ja aufleben wirst Du aus dem Grabe, in das Dich Schmach und Hohn, in das Dich äußere und innere Feinde geworfen, ausleben zu einer neuen und, will's Gott, schöneren Zukunft. Was so oft gefaselt wird über Unruhe und Unordnung, über Anmaßung und Zudringlichkeit bei Juden und jüdischen Festen, das ist hier ganz deutlich widerlegt worden. Es herrschte bei diesem Commerse ein Anstand, wie er sonst an heiligeren Orten bei uns nicht gar zu oft gefunden wird. Dem Ernste ward sein Platz eingeräumt, aber auch dem echt studentischen Ulk und Witz Spielraum gegönnt, für wenige Stunden wenigstens ward aus unserer Mitte jene graue Sorge verscheucht, welche unser ganzes gesellschaftliches nnd öffentliches Leben mit ihrem Nebelschleier umhüllt und fast keine reine Freude aufkommen läßt. Man fühlte sich so wohl in der Mitte dieser jungen Schaar, als bätte die Jugendsonne mit ihren goldenen Strahlen uns wieder umflossen, als leuchtete uns die „Morgenrölhe" schöner Tage, in welchen das Licht der,.Wahrheit" zum endlichen Siege gelangen wird. Aber auch die holden Jungfrauen und Frauen, welche im reichen Kranze das Ballfest unserer akademischen^Jngend zierten, gaben Zeugniß, wie Anmuth und Schönheit die „Tochter Zion" auszeichnet, ein altes Erbstück der Mütter von Rebekka und Sulamith bis auf unsere Tage. Als schönste Blüthe dieser Festlichkeiten wird wohl bald in unserer Mitte ein Verein erstehen, der gleich dem jüdischen Mädchenverein „Moria" in Wien, dessen Vorsitzende dieses Kränzchen mit ihrer Anwesenheit auszeichnete, wirken und schaffen wird. Nicht griesgrämig wollen wir in die Zukunft schaue», wenn unsere Jugend so thatkräftig das Erbe der Väter verwaltet. Noch immer gilt" von Dir, mein Judenthum, das schöne Wort, das dein rveiser König gesprochen von der Krone der Alten, welche Hochhalten ihre Kinder und Kindeskinder. Jwri. Prag. (P-romotion sub auspiciis Impera t o r i s.'i Unter dem herkömmlichen Ceremoniel wurde gestern Herr Emil F i s ch l, Operateur an der deiltschen chirurgischen Klinik in Prag, snb anspieim Imperatorio zum Dvctvr der gesummten Heilkunde promovirt. Herr Emil Fischt ist der erste Mediciner, der an der deutschen Carolo-Ferdinandea den Doktorgrad unter den Auspicien des Kaisers erwarb. Der Festsaal des Carolinums, in welchem die Feier stattfand, war von einem dinstinguirten Publicum bis auf das letzte Plätzchen besetzt; namentlich die Professoren und Docenten der medicinischen Facultät hatten sich zahlreich eingefunden. Um 11 Uhr Vormittags erschien Se. Excellenz Statthalter Graf Coudenhouve mit dem Herrn Bezirkshauptmann Pietrzikowski, tourde von den Herren Rector Prof. Dr. Marty, Decan Profeffor Chiari und dem Promovenden empfangen und unter Fanfarenklang in den Saal geleitet. Nachdem Herr Professor Dr. Dittrich den Candidaten dem Statthalter vorgestellt und die Biographie des Promovenden zur Kenntniß der Festversammlung gebracht hatte, wobei er bemerkte, daß Herr Emil Fischl das letzte Rigörosum schon im November v. I. abgelegt hat, folgte die eigentliche Ceremonie der Ertheilung des Licentiats und im Anschlüsse daran der Prvmovirung zum Doctor. Der Statthalter überreichte sodann dem jungen Doctor das Geschenk des Monarchen, einen kostbaren, die Initialen des Kaisers und die Habsburgische Krone tragenden Brillantring, worauf Herr Dr. Emil Fischl einen Vortrag über den Einfluß der Abkühlung auf die Jnfection hielt, aus welchen Herr Prof. Dr. H u e p p e resolvirte. Mit der gratiarum actio des Promovirten an den Kaiser, den Statthalter, den Rector, den Decan, die Professoren u. s. w. schloß die Feier. Lemberg. (Neue galizische Wah lgeometrie). In der nächsten Sitzungsperiode des galizischen Landtages wird ein wichtiger Gesetzentwurf zur Verhandlung kommen, nämlich die vom Landesausschusse projectirte Aenderung der Gemeindewahlordnung für 30 größere Städte. So geräuschlos sich das Project einführt, so bedeutungsvoll ist es in politischer Beziehung und insbesonders uachtheilig für die jüdische Bevölkerung. Bekanntlich vertheilt die gegenwärtige galizische Gemeindewahlordnung die Wähler in drei Wahlkörper. Jeder Wahlkörper entsendet in den Gemeinderath 12 Stadtverordnete und 6 Stellvertreter. Der erste Wahlkörper, in welchen die Höchstbesteuerten, die Ehrenbürger, die Beamten von der 9. Rangsclasse aufwärts, die Besitzer akademischer Grade, die Geistlichen stimmen, hat laut Erfahrung noch niemals einen Juden gewählt und hat dazu schon deshalb keine Veranlassung, weil dort, die Juden eine sehr geringe Minorität bilden. Im 3. Wahlkörper, der die Handwerker und kleinen Gewerbsleute, die Besitzer kleiner Realitäten und die ackerbautreibenden Vorortler, endlich die kleinen Beamten umfaßt, konnten die Juden selten und zwar nur auf Grund eines meist nur schwer zu erlangenden Compromisses mit den christlichen Mitwählern einige spärliche Mandate erlangen, da die Juden auch in diesem Wahlkörper meist in der