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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-12-25 · 52 (25.12.1896) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
52 (25.12.1896)
Date
1896-12-25
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 52 Dr. Vloch's WochrnphrM Seite 1035 bei Trauungen und Leichenbegängnissen Functionäre selbst zu wählen. An einer materiellen Unterstützung der Tempelvereine werde es der Vorstand, wie er heute schon sagen könne, gewiß nicht fehlen lassen. Hierauf erwiderte der Vorsitzende, Vereinsobmann G. Bettelheim : Vor Allem muffe er richtig stellen, daß das Deficit nicht 400 fl., sondern, wie aus dem Vergleiche des Activsaldos per 1896 mit dem per 1895 hervorgehe, 590 fl. betrage. Daß der Vorstand der Cultusgemeinde nicht abgeneigt sei, diesen Abgang zu decken, nehme er gerne zur Kenntniß, doch würde der Verein lieber auf Subventionen, welche immer eine Art Almosen bleiben, verzichten, wenn ihm nur das zukomme, was er zu fordern sich berechtigt glaubt. Da der Verein seinen Tempel nicht allein seinen Mitgliedern, sondern dem ganzen Bezirke offen halte, so müsse er naturgemäß verlangen, daß. ihm, da er zur Einhebung von Steuern nicht berechtigt sei, wenigstens die Einnahmen aus den rituellen Functionen des Bezirkes zur Erhaltung des Gotteshauses überlassen bleiben, wie dies ja auch in' allen jüdischen Gemeinden üblich sei und sich bei den christlichen Confessionen in der ganzen Welt bewährt hat. Die Zuweisung der Trauungen an die Bezirkstempelvereine ist deshalb unerläßlich, uni der durch die Nothlage der Vereine hervorgerufenen unwürdigen Minuendolicitationen der Trauungstaxen ein Ende zu machen. Was die vom Herrn Cultusvorstand angeführte Freiheit der Gemeindemitglieder anbelangt, so gelte diese Freiheit wie bei manchen politischen Parteien nur, wo sie zum eigenen Vortheile gereiche. — Bei Trauungen, wo Alles nach dem Seitenstettentempel drängt, bleibe die Freiheit gewahrt. Bei Leichenbegängnissen aber müsse Derjenige, welcher die Berufung von Vereinsfunctionären wünscht, erst Nachweisen, daß er Mitglied des betreffenden Tempelvereines sei, während die anderen Bezirksbewohner, ob sie nun den Vereinstempel ständig besuchen ooer nicht, unerbittlich an die Gemeindeftlnctiouäre gewiesen werden. Schließlich spricht sich Redner gegen Gewährung von Zulagen an die Vereinsbeamten aus, ohne daß hiefür separate Leistungen verlangt werden, weil dies die Diseiplin gefährdet. Mitglied Fried bestätigt, daß anläßlich des Leichenbegängnisses seiner Gattin Herr Gemeindepräses Simon ihn aufgefordert habe, sich der Functionäre des Tempelvereines zu bedienen. Vorstandsmitglied Sig. Neustadtl zweifelt gar nicht an dem besten Willen des Cultnsvorstandes, den Bethaus-Bereinen gerecht zu werden, es bestehen jedoch die allbekannten Unterströmnngen, welche die besten Intentionen aufzuheben wissen. Vorstandsmitglied Bezirksausschuß Dr. Schuepp schließt sich den Ausführungen seiner Vorstandscollegeu an. Man verlange ja nicht, daß Jemand gezwungen werde, seine Trauung da oder dort vollziehen zu lassen, die Bezirkstempelvereine können jedoch sehr wohl beanspruchen, daß die Glaubensgenossen des Bezirkes, welche alle den Tempel benützen, auch zur Erhaltung beitragen, indem sie, wenn sie ihre Töchter in einem anderen Tempel trauen lassen, an die Cassa des Bezirkstempels die niedrigste Taxe entrichten. Was würden denn die Glaubensgenossen des Bezirkes dazu sagen, fragt der Redner, wenn man den Tempel an den Feiertagen oder beim Jugendgottesdienste den Nichtmitgliedern verschließen wollte? Die Weigerung der Cultusgemeinde sei ihm umso mehr unbegreiflich, als ihr, wie man sagt, von den Trauungstaren, welche in den Stadttempel entrichtet werden, kaum die Beleuchtungskosten verbleiben. Herr Cultusvorsteher Dr. Kohn erwidert, eine bindende Erklärung nicht abgeben zu können, da der Vorstand der Cultusgemeinde noch nicht constituirt sei, er werde jedoch sein Möglichstes thun, um die materielle Lage des Vereines zu verbessern. Das Verlangen der Tempelvereine auf Einführung einer Stolagebühr Halte er nicht für berechtigt, da die Tempelvereine eben nur Vereine und keine Gemeinden sind. Den angedeuteten Unterströmungen wird der neue Vorstand gewiß ein Ende machen. Der Vorsitzende gibt das Resultat der Wahlen in den Vorstand bekannt und erscheinen gewählt die Herren Heinrich Goldschmid, Sigmund Neustadtl, Josef Sucharipa und Josef Quittner. In den Ausschuß wurden gewählt die Herren: Adolf Frankel, Dr. Alfred Glogau, Leopold Hendl, Leopold Kann, Edm. Leitendorf. Wilhelm Pappenheim, Dr. Em. Quittner und Isidor Trebitsch. Mit Dankesworten an die Erschienenen schließt der Vorsitzende die Generalversammlung. Anläßlich der XXX. Generalversammlung des Tempelverbandes im IX. Bezirk, fand am 19. d. M. Abends im Hause des Vereins-Obmanns Herrn G. Bettelheim ein Banket statt. Der Vorstand, der Ausschuß und Vereinsmitglieder mit ihren Gemalinnen waren erschienen, um das dreißigste Gründungsfest in solenner Weise zu begehen. Die hellerleuchteten Räume boten einen freundlichen Anblick dar, wobei der Hausherr und die Hausfrau die Erschienenen in herzlichster Weise begrüßten. Bei einer reichbesctzien Tafel und beim perlenden Wein überliehen sich die Gäste eimr gehobenen Stimmung, der Bedeutung des Tages entsprechend. Zuerst ergriff der Obmannstellvertreter Herr David Bloch das Wort, um den Gastgebern den Dank auszudrücken. „Ueberall", so begann er, „wo Herr Benelheim sich hinstellt, ist er ein ganzer Mann und erfüllt seine Ausgaben in vorzüglicher Weise. Besonders aber bewährt er seine Kraft in der Führung der Tempelgemeinde und in der Art seiner Gastlichkeit, indem er nicht nur die Männer, sondern auch ihre besseren Hälften zum Brudermahle ein ladet. Er wolle daher sein Glas im Namen aller Gäste auf das Wohl des Obmannes leeren." Hierauf replicirte Herr Betlelheim: „Wenn heute der 30. Gründungslag des Verbandes begangen wird, so datirt doch das Vorhandensein religiöser Vereinigungen im IX. Bezirk weit höher hinauf. Schon vor circa 100 Jahren wurde auf dem Alsergrund ein jüdischer Gottesdienst eingeführt. Das jüdische Spital in der Seegasse war das erste Haus, das auf jüdischem Grunde stand und in welchem eine feierliche gen.einsame Andacht eingerichtet wurde. Der IX. Bezirk ist demnach als die Mutter der neuen israelitischen Cultusgemeinde in Wien anzusehen. Nach der Erbauung des Rothschildspitales in Währing errichtete die jüdische Bevölkerung des IX. Bezirkes aus eigenen Mitteln Andachtsställen, welche von dem unterirdischen Betlocaie in der Berggasse bis zum Tempel in der der Müllnergasse sich entwickelte». Redner erhebe daher sein Glas ans den Tempelvei band sowie auf die ganze jüdische Einwohnerschaft des IX. Bezirkes. Herr Rabbiner Dr. Gelbhaus beleuchtet in schwungvoller 'Weise die hohe Bedeutung einer Tempelgemeinde. Er schildert ein Gastmohl vor I8< 0 Jahren in Palästina, bei welchem R. Jehuda den denkwürdigen Ausspruch that: „Theilet euch in Gruppen, um die Thora ansübeu zu können, denn die Thora wird nur durch Bereinigungen erworben". Nicht soll eine Tempelgemeinde als ein Gegensatz zur Großgemeinde postulirt werden. Lautst doch ein Lehrsatz der Weisen: „Trenne dich nicht von der Gemeinde", sondern sie soll die fühlbaren Lücken ausfnllcu, und es ist nicht nur berechtigt, sondern es ist sogar eine heilige Pflicht, daß die Edelsinnten sich zu einem Verbände zusammenthun, das Fehlende den Anforderungen des Zeitgeistes gemäß zu ersetzen. Und wenn in dieser Richtung in dem IX. Bezirk Ersprießliches und Löbliches vollzogen wurde, so ist es der Opferwilligkeit und frommen Hingebung des Vorstandes und feines Obmannes zu verdanken, ans deren Wohl Redner seinen Becher erhebe. Das Mitglied Herr Architekt Max Fleischer sprach im Namen der Verbandsmitglieder. ,,Ein hervorragender christlicher Geistlicher habe vor Kurzem den Tempel des IX. Bezirkes besucht und die Aeußerung geihan: „Das ist ein wahres Gotteshaus". Von einem Tempel gilt aber das Merkwort: denn mein Haus sei eine Andachtsstätte für alle Menschen. Diese allgemein gezollte Anerkennung bildet die Zierde der gesummten Vertretung (des Vorstandes und des Ausschusses), der sein Trinkspruch gelte. Hierauf setzte Herr Vorsteher Julius Kopfstein auseinander, daß das Emvorblühen dcs Vereins durch Geist und Gesang (Thora und Aboda) möglich wuroe. Die lehrreichen, und begeisternden Reden des Herrn Dr. Gelbhaus und die lieblichen, erhebenden Gesänge des Herrn Kläger füllen mit Besuchern die Räume des Tempels. Diesen Herrn sei sein Glas gewidmet. Das Mitglied, der ehemalige Reichsrathsabgeordnete Herr Dr. Bloch feiert die Tendenzen des Vereins. Zu Thora und Aboda muß sich die Wohlthätigkeit gesellen, wenn eine religiöse Vereinigung vollkommen sein soll. Es ist nicht gut, daß der Mann allein sei, sagte sich der Männerverein, deshalb hat er eine Frauenvereinigung, den „Frauenhort", ins Leben gerufen. Diese Wohlthätigkeitsverbindung wirkt wie die Erzmutter Sara still und geräuschlos und verbreitet tausendfachen Segen. Er leere sein Glas auf den „Frauenhort" und seine anwesende Vicepräsidentin Frau Regine Kopfstein. Noch einmal ergreift Herr Dr. Gelbhaus das Wort um die Verdienste des Obmann-Stellvertreters Herrn David Bloch nach Gebühr zu würdigen, nach dem Psalmwort: David war glücklich in allen seinen Wegen, denn Gott war mit ihm. Es folgte hierauf eine lauge Reihe von Triukiprüchen. Herr Betlelheim feierte „den unerschrockenen Kämpfer und Vertheidiger des Judeuthums" Herrn Dr. Josef S. Bloch. Das Bereinsmitglied Herr Sanitätsrath Dr. Reiner brachte das Wohl der Familie des Gastgebers aus: Herr Dr. Schuepp toastirte auf den Schatzbewohrer Herrn Kopfstein. Herr Kopfstein auf den schristgelehrten Schriftführer Herrn Herr Dr. Schuepp. Herr Bettelheim aus die Herren Bethausverwalter Goldschmidt, Quittner und Simon. Herr Commercialrath Neustadtl in geistreicher und launiger Weise auf die Eintracht im Religionsverbande. Herr Obercantor Kläger trug Opernarien und Lieder mit schöner wohllautender Stimme vor. Herr Architekt Fleischer declamirte Gedichte von Jehuda Halevi in wirksamer Weise. So verstrich Stunde um Stunde im geselligen Freundeskreise, der bis zur dritten Morgenstunde beisammen vlieb. Floridsdorf. (Der witzige „S ch o r s ch l".) Wir lesen in der „Fl. Ztg.": Herr Georg Puffer sorgt in neuester Zeit für die Erlnsttgung des Floridsdorfer Pnblicums. Er wirst Herrn Friedrich Stephan Unfähigkeit, Herrn Ober-Ingenieur

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