Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-12-25 · 52 (25.12.1896) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
52 (25.12.1896)
Date
1896-12-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3020846-3021115-3021168--06292-3030568
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 1634 Vr. Vlor^s Wochrnfchrtfl Nr. 52 lichkeit nicht vorenthalten zu haben. „Die Geschwüre von Jerusalem" von Zilz-Bum sind wahrscheinlich identisch mit Sch chin M i z r a i m der medicinisch-historischen Forscher vor der Aera Zilz-Bum, denn im Originale des von Zilz- Bum entstellten Citates heißt es: Gott wird dich schlagen mit den Geschwüren M i z r a i m's und bei Aretaios (Editio Kühn Cap. IX. pag. 17) und diese kleinen Ausschläge werden ägyptische und syrische Geschwüre genannt. Daß aber auch die egyptische Plage, Schchin Mizraim (die Geschwüre von Jerusalem von Zilz-Bum) keineSyPhilis sein m o ch t e, beweist die Stelle im Buche Moses 2. 9. 10, denn sie befiel Menschen und Vieh bei welch' letzterem noch Niemand — Zilz-Bum vielleicht nicht ausgenommen — Syphilis beobachtet hat. Was nun die Plage von Baal Peor und die Hiob'sche Krankheit betrifft, will ich dem edlen Gelehrtenpaar Zilz-Bum einen anderen Forscher Robert Töply*) entgegenstellen, welcher sich so ausdrückt: „daß es sich hiebei (Plage des Baal Peor) um eine Massenerkrankung gehandelt hat, welche nach Einstellung des geschlechtlichen Verkehres mit Moabiterinnen nicht weiter um sich griff, ist sicher, welcher Art jedoch die Krankheit war, g a n z u n b e st i m m t. Für die Annahme von Syphilis liegen gar keine Anhaltspunkte vor, viel eher für irgend eine acute Jnfectionskrank heit. Auch aus der Klage des Hiob (Cap. 30. 17 und Cap. 27) über sein faules Fleisch und das Gebein, das ihm Nachts von Schmerzen durchbohrt wird, läßt sich wegen der zu allgemein gehaltenen Beschreibung der Krankheitserscheinungen Syphilis mit Bestimmtheit nicht Nachweisen." Ebenso ist die Behauptung, daß „unter der Bevölkerung Galiziens die angeborne Syphilis unverhältnißmäßig häufiger vor kommt und die plica polonica (d er Weichselzopf) von syphilitischen Kopfgeschwüren st a m m t", eine nichtswürdige, gemeine, jeder Basis entbehrende Verleumdung des Landes und seiner durchwegs moralischen Bevölkerung, deren Brot man ißt und deren Geld man einsteckt. Jaroslau, am 14. December 1896. Dr. Salo Roßberger Zahn- und Ohrenarzr. Ein antisemitischer Fleischselcher. Am 21. December wurde vor dem Bezirksgerichte Landstraße (Richter Dr. Reicht) die schon einmal vertagte Verhandlung gegen den als antisemitischen Agitator bekannten Fleischselcher Leopold M a l l e k, der der Uebertretung gegen die Sicherheit des Lebens und der Amtsehrenbeleidigung beschuldigt wurde, zu Ende geführt. Bei einer am 5. October stattgehabten Revision des Mallek'schen Verkaufsstandes wurden viele Kilogramm verfaultes und verdorbenes Fleisch beanständet. M a l l e k erschien später im Amtslocale nnd beschuldigte den damals functionirenden thierärztlichen Assistenten Rudolph' F o l t i n, daß er auch gute Maaren confiscirte, daß er überhaupt nichts wegzunehmen habe, er sei nur ein Praktikant u. s. w. Auch nahm er gegen den Assistenten eine so aggressive Stellung ein, daß dieser schließlich das Local verlassen mußte. Heute wurde M a l l e k für schuldig erkannt und zu einer vierzehntägigen A r r e ft st rase verurtheilt. Eine Bahn zum Berge Sinai. Wie der „Levant Herald" berichtet, bewirbt sich jetzt eine englische Gesellschaft in Cairo und Constantinopel um die Concession zu einer Bahn von Port Said durch die Sinai-Halbinsel und die arabische Halbinsel nach Koweit am persischen Meerbusen, welche die Route Alexandrien-Bombay bedeutend abkürzen soll. Die Bahn würde am Fuße des Berges Sinai vorbeilaufen, um von dort nach Akaba am gleichnamigen Meerbusen und dann weiter durch Arabien zu führen. Correspondenzen. Wien. Der Mann mit den Keuschheitsgürteln des heiligen Josef, 10 kr. per Stück, der geschäftsliebende Gottesmann, von welchem Alle beschummelt woroen zu sein erklären, denen er je *) Die Syphilis im Alterthum. „Wr. Klinische Wochenschrift" 1839, Seite 561, herausgegeben von Bamberger, Billroth, Kundrat, Ludwig, Fuchs und Schrötter, redigirt von Dr. Gustav Richl, jetzt Professor der Hautkrankheiten und Syphilis an der Universität, Leipzig. einmal geschäftlich nahegetreten; der Erfinder der Luftvilla und Verschleißer des „Ritualmordes zu Ostrowo", der edele'Kampf¬ und Bundesgenosse des Paulus Meyer und Busenfreund von Max Anton Löw — also Herr Pfarrer Deckert erläßt gegen die „Oesterreichische Wochenschrift" eine geharnischte Erklärung, daß trotz alldem und alldem jüdische Schächter und Fleischhauer das Fleisch besudeln wenn und bevor s i e e s an E h r i st e n verkaufen!! Er weiß das genau aus seinem Schulchan-Aruch. Da eine Weihnachtsstimmung in die Herzen der Christen einzuziehen droht, spuckt Herr D e ck e r t ekel Gift und Galle; ja er erinnert sich des ruhmreichen Debüts vor den Geschwornen, wozu wir ihm großmüthig Gelegenheit geboten. Herr Deckert verkauft nicht besudeltes Fleisch, er verschleißt ein giftgetränktes und darum verunreinigtes Christenthum. Wien. (Ein neues Blutmärchen.) Am 18. d. M. Abends bemerkte der im H!. Bezirke etablirte Gemischtwaarenverschleißer Samuel Schmidt einen jungen Burschen, der im Begriffe war, von in der Auslage feines Geschäftes frei hängenden Kleidungsstücken eines sich anzueignen. Er nahm den Burschen fest, dieser aber fing laut zu heulen an und erzählte dem sich rasch ansammelnden Publicum, daß Schmidt ihn mit Gewalt i n das Geschäftslocale zerren wolle, uni — ihn dort abzuschlachten. Die durch die Mittheilung des Burschen erbitterte Menge nahm gegen Schmidt eine drohende Haltung an. Zum Glücke für den Geschäftsmann kam im kritischen Moment ein Wachmann auf den Schauplatz der Scene. Dieser arretirte den Burschen und am Commiffariate stellte man fest, daß er mit dem 14jährigen Karl Szurkos identisch sei, der in Gesellschaft zweier anderer gleichalteriger Burschen in letzterer Zeit eine Reihe von Auslagediebstählen mit einer Schadenshöhe von 40 fl. begangen hat, und der speciell Herrn Samuel Schmidt, den er beschuldigt hat, daß er ihn „abschlachten" wolle, bereits mehreremale bestohlen hat. Karl Szurkos wurde dem Bezirksgerichte eingeliefert. Gegen seine beiden Diebskameraden wird die Untersuchung auf freiem Fuße geführt. Wien. (Generalversammlung.) Samstag, den 19. d. M. fand die 30. ordentliche Generalversammlung des israelitischen Bethaus - Vereines „Chewra Beth Hatfilah" im IX. Bezirke statt. Vorsitzender Obmann des Vereines Herr G. Bettelheim constatirt die Beschlußfähigkeit der Versammlung, begrüßt den Delegirten des Cultusvorstandes Herrn Landesschulrath Dr. Gustav Kohn, das Ehrenmitglied des Vereines Herrn Architekten Max Fleischer und den als Gast erschienenen gewesenen Reichsrathsabgeordneten Dr. Josef Bloch. Die Verlesung des Rechenschaftsberichtes, Gebahrungs-Ausweises und der Bilanz rc. wird zustimmend zur Kenntniß genommen. Zur Wahl von 4 Mitgliedern in den Vorstand nahm Vorstandsmitglied Sieg. Neustadtl im Namen der Candidaten das Wort, indem er versprach, die Ordnung und Weihe des Gottesdienstes im Vereinstempel, welche die ungetheilte Anerkennung des Publicums gefunden habe, auch fernerhin auftecht zu erhalten und nach Kräften noch zu heben. Er wolle im Vereine mit dem Gesammtvorstande auch fernerhin sich dafiir einsetzen, daß den Bezirkstempeln die Cultusfunctionen bei Bewohnern der betreffenden Bezirke von Seite der Gemeinde endlich zngewiesen werden, wie er überhaupt alle gemeinnützigen Bestrebungen durch den Verein fördern wolle. Ehrenmitglied Architekt Fleischer an obige Ausführung anknüpfend, sagt, er sei heute nicht als Mitglied des Cultusvorstandes, sondern als Vereinsmitglied gerne erschienen, um dem Vereine und seiner musterhaften Leitung Dank und Anerkennung, insbesondere dem Obmanne, auszusprechen und fordert die Versammlung auf, sich dem anzuschließen. (Die Versammlung erhebt sich.) Herr Landesschulrath Dr. Gustav Kohn, als Delegi'rter des Cultusgemeindevorstandes erklärt, auch der Vorstand sei voll Anerkennung für die Leistungen der Tempelvereine im Allgemeinen, speciell jenes des so ausgezeichnet geleiteten im IX. Bezirke und werde gewiß nach seiner Meinung die dem Vereine gewährte Jahressubvention so weit erhöhen, daß damit das Deficit, welches nach dem Rechenschaftsberichte 400 fl. betrage, gedeckt sei. Auch zu einer Zulage an die Vereinsbeamten zur Verbesserung ihrer Lage dürfte der Vorstand schreiten. — Was jedoch die von den Vereinen als Recht geforderten Beneficien anlange, so müsse er sich offen dagegen aussprechen. Man müsse den Glaubensgenossen die Freiheit belassen, sich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.