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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-12-25 · 52 (25.12.1896) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
52 (25.12.1896)
Date
1896-12-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 1026 Vr. Vloch's »ochenlitzrifi Nr. 52 Und wir Juden? Für uns ist die Zeit gekommen, unsere Kampfeslust zu zügeln und auf die Stimme der Klugheit zu hören. Der „Judenpunkt" hat eigenthümliche Verhältnisse geschaffen. Um die ehrlichen Bestrebungen einer Partei in den Augen des Volkes zu verdächtigen, genügt es, dieselbe als judenfreundlich hinzustellen. Die offene Bundesgenossenschaft der Juden bedeutet heute für alle Freiheitsfreunde eine Schwächung ihrer agitatorischen Kraft. Daraus erwächst uns die harte, aber unerläßliche Pflicht, uns vorläufig den politischen Parteikämpfen fernezuhalten. Die Temperamentvollen unter uns werden darob zornig die Stirne runzeln und von Selbstpreisgebung sprechen. Aber sie haben Unrecht. Zweifach war von jeher die schwierige Aufgabe der Führer unseres Volkes. Sie hatten nach Außen den Kampf gegen die feindlichen Völker zu führen und sie hatten nach Innen die jüdischen Stämme zu einem starken, einheitlichen Volksganzen zusammenzufassen und durch Lehre und Beispiel auf ein sicheres sittliches Niveau zu erheben. Diese innere Arbeit hat niemals aufgehört, und sie allein hat uns die Kraft verliehen, alle von Außen drohenden Gefahren siegreich zu bestehen. Sie darf auch heute nicht ruhen, und wenn wir heute — für kurze Zeit — aus den Reihen der politischen Kämpfer treten, so müssen wir umsomehr alle ftei werdenden Kräfte auf die innere Vorbereitung zu neuen Zukunftskämpsen concentriren. Lehren wir unsere Kinder die ruhmreiche Geschichte unserer Vorfahren, lehren wir sie die Traditionen des Judenthums Hochhalten, lehren wir sie jene herrliche Sprache verstehen, die wie ein ehernes Band Jahrtausende hindurch die Juden in der Diaspora zusammengehalten hat. Pflegen wir den Familiensinn, die Liebe der Kinder zu den Eltern, die im Judenthum wie nirgends sonst die edelsten Blüthen getrieben hat; üben wir Werke der Menschenliebe, Helsen wir jenen Glaubensbrüdern, die unter den verheerenden Wirkungen des Antisemitismus zunächst zu leiden haben, organisiren wir uns untereinander zu Schutz und Trutz, zu einer starken Macht, in der Einer für Alle und Alle für Einen stehen. Lernen wir die Freuden des Daseins nicht in flüchtigen Genüssen, nicht im äußerlichen Putz und Tand, nicht in der Befriedigung nichriger Eitelkeiten, sondern im Frieden des Hauses, in der Heranbildung unserer Kinder zu sittlich guten, geistig starken, rechtlichen und freiheitsliebenden Menschen zu suchen. Die Jahre wechseln, der heilige Beruf unserer Glaubensgemeinschaft, der Beruf zur Sittigung und Erhebung aller Menschen bleibt stets derselbe. Die Vorbedingung für die Erfüllung dieses Berufes ist aber unsere eigene Durchbildung und Erziehung, ist die Einigung und Kräftigung aller Glieder des Judeuthums. Diese innere Mission, durch unabhängige und freimüthige Kritik innere Schäden zu heilen, ist vielleicht noch schwieriger als der Kampf nach Außen, aber sie ist auch ungleich dankbarer und beftiedigender. Die „Oesterreichifche Wochenschrift" wird nach der einen wie nach der anderen Seite ihre Pflicht auch im neuen Jahre zu erfüllen trachten. Und sie hofft dabei auf die Unterstützung Aller, die ihr bisher treu gewesen und denen sie selbst sich treu erwiesen hat. _ Constituirung des Wiener Cultusvorstandrs. Der neugewählte israelitische Cultusvorstand hielt Sonntag den 20. Deceniber seine erste constituirende Sitzung ab. Der Alterspräses Herr Gustav Srmon begrüßte mit herzlichen Worten die neugewählten Collegen, speciell diejenigen, welche durch das ehrende Vertrauen der Wähler zum ersten Male in die Verwaltung der israelitischen Cultusgemeinde eingetreten sind. Er verwies auf die großen Aufgaben, welche der Vorstand übernommen hat, deren glückliche Lösung von einem einmüthigen Zusammenwirken zuversichtlich zu erhoffen ist. Auf der Tagesordnung stand die Wahl des Präsidiums, der Sections-Obmänner und deren Stellvertreter. Bei der erhöhten Wichtigkeit und Bedeutung, welche der Vorstand nach dem neuen Statut in der vergrößerten Cultusgemeinde gewonnen hat, ist es begreiflich, daß unter den Vorstandsmitgliedern mehrfache private Vorbesprechungen stattgefunden hatten, um über die vorzunehmenden Wahlen eine Einigung zu erzielen. Ueber die Person des künftigen Präsidenten der israelitischen Cultusgemeinde war man ebenso schnell einig, als über den ersten Vice-Präsidenten. Herr Gustav Simon, das älteste Mitglied des Wiener israelitischen Cultusvorstandes, welcher viele Jahre hindurch die gesannute Last der Administration auf seinen Schultern trug, wurde ohne Widerspruch zum Präsidenten designirt. Seine einstimmige Wahl wurde in der Sitzung vom 20. mit allgemeinem, lebhaften Beifall begrüßt. Der Präsident dankte in kurzen Worten für die hohe Auszeichnung, versprach in objectiver und unparteiischer Weise die Sitzungen zu leiten und erbat sich die Unterstützung sämmtlicher Vorstands-Collegen in der Erfüllung der wichtigen Aufgabe. Erfüllt von dem Geiste des Judenthums, beseelt von dem Bestreben, das Wohl der Gemeinde zu fördern, werden wir gerneinsam trachten, die Ehre des jüdischen Namens hochzuhalten. (Lebhafter Beifall.) Mit gleicher Einmüthigkeit erfolgte die Wahl des ersten Vice-Präsidenten. Der Kammerrath und kaiserliche Rath Herr Heinrich Klinger, welcher bereits unter dem Präsidium des Heimgegangenen Herrn Armini-, Kohn als erster Vicepräsident fungirte, war dafür sofort in Aussicht genommen. Auch irr der officiellen Sitzung vereinigte er auf sich sämmtliche Stimmen der Collegen, deren Beifallsäußerung bei Verkündigung des Wahlresultates für ihn eine verdiente Ovatioir bildete. Kaiserlicher Rath Klinger dankte für die Wahl, die er anzunehmen erklärte. In seiner kurzen, mit Beifall aufgenommenen Ansprache betonte er die unerläßliche Nothwendigkeit einer genauen Beobachtung und Einhaltung der Geschäftsordnung, wodurch allein die rasche und prompte Erledigung der zahlreichen administrativen Agenden ermöglicht, jedenfalls erleichtert werden kann. In diesem Sinne fasse er seine Mission auf und werde er trachten, die ihm übertragenen Pflichten nach Maßgabe seiner Kräfte zu erfüllen. (Lebhafter Beifall.) Ueber die Person des zweiten Vicepräsidenten herrschte in den Vorbesprechungen ein Meinungszwiespalt und es standen zwei Parteien von nahezu gleicher Stärke einander schroff gegenüber. Der k. k. Landesschulrath Herr Dr. Gustav K v h n, der zum Eintritt in das Präsidium ausgefordert worden, erklärte nachdrücklichste eine Wahl dermalen nicht aunehmen zu können, er sowie seine Gesinnungsgenossen befürworteten die Wahl des Gemeinderathes und Cultusvorstandes Herrn Dr. Alfred Ster n, Verfassers und Referenten des neuen Gemeindestatutes. Andererseits hat eine Gruppe von Cultusvorstehern den Gemeinderath und k. k. Baurath Herrn Wilhelm Stiaßny in das Präsidium zu wählen versucht und seine Anhänger schienen in der Majorität git sein. Der Präsident wünschte aus einleuchtenden Gründen die Wahl eines Juristen. Diesen berechtigten Erwägungen entsprechend, erbat Herr Baurath Wilhelm Stiaßny in der Sitzung vom 20. December vor der Wahl des zweiten Vicepräsidenten sich das Wort und gab folgende Erklärung ab: „Es hat vor einigen Tagen in unserem Sitzungssaale eine private Besprechung stattgefunden, an welcher fast alle Vorstandsmitglieder theilgenommen haben. Trotzdem bei einer vorgenommenen Probewahl eine, wenn auch kleine Majorität der Stimmen auf nrich entfiel, sehe ich mich veranlaßt, aus mehrfachen Gründen, dermalen auf eine Wahl zum Vicepräsidenten zu verzichten." Herr Cultusvorsteher Wilhelm Pollak interpellirte Herrn Dr. Stern über seine Stellung zu einzelnen Fragen, speciell zu der angeregten Ausdehnung der Steuerpflicht und des Wahlrechte« auf die Fünfgulden-Männer. Da man von verschiedenen Seiten gegen eine Discussion solcher'Fragen in öffentlicher Sitzung Einwendungen erhoben, suspendirte der Vorsitzende die öffentliche Sitzung kür 10 Minuten. Nach Wiedereröffnung derselben wurde die Wahl des zweiten Vicepräsidenten vorgenommen und mit 18 von 24 Stimmen erschien Herr Dr. Alfred Stern gewählt. In seiner mit großem Beifalle aufgenommenen geistreichen Ansprache zeichnete er für die beiden Vicepräsidenten die Aufgaben, welche nach dem Worte der Schrift Aaron und Chur neben Moses zufielen. „Droheten die Arme des greisen Führers zu ermatten, so habeir Aaron und Chur seine zitternden Hände gestützt, bis sich die Sonne neigte." (Lebhafter Beifall.) Bei der Constituirung der Sectionen wurden zum Obmanne für die Finanzsection Vicepräses kaiserl. Rath Heinrich Klinger und zn seinem Stellvertreter Herr Moritz Hirsch gewählt; für die Bethaussection Herr JosefH i e l db ur gh ä u s s e r zum Obmann, Herr Architekt Max Fleischer zum Obmannstellvertreter; für die Unterrichtssectivn Herr Landesschulrath Dr. Gustav Kohn zum Obmann und Herr Dr. Maximilian Steiner zum Obmannstellvertreter; für die Rechtssection der

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