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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-12-18 · 51 (18.12.1896) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
51 (18.12.1896)
Date
1896-12-18
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 51 Dr. Vloch's Wochenschrift Seite 1031 denn er kam sich nur so groß vor, weil er der Diener der Größe war. Er lebte „mit Erlaubniß des Machamad". Als Beamter war er der Theorie nach unzugänglich. Wenn man sich ihm in irgend einer Angelegenheit näherte, breitete er entschuldigend die Hände aus und keuchte: „Ich mich den M a ch am ad befragen." Man sagt ihm nach, daß man ihn einmal nach der Uhr gefragt habe, und daß er automatisch gekeucht habe: „Ich muß den Mach am ad befragen." Dieses Befragen war eine leere Form; in der Praxis hatte der Secretär mehr Einfluß als der Oberrabbi, der Bittsteller aus dem wunderlichen Grunde nicht empfehlen durfte, weil die Ehrfurcht gegen ihn den Rath ungerechtermaßen zu Gunsten des Bewerbers beeinflussen könnte. Da die Herren des M a ch a m a d während der einjährig«! Amtszeit unmöglich die Statuten bemeistern konnten, besonders, da nur selten ein Mitglied das Portugiesische verstand, in dem sie zuletzt verfaßt worden waren, wendete man sich stets an den Secretär, denn sein Amt war ein dauerndes und er kannte alle Beschlüsse und Prücedenzfälle. So legte er denn die Gesetze mit unparteiischer Ungenauigkeit mit Erlaubniß des Machamad" aus. In seinem innersten Herzen glaubte er, daß auch die Sonne nur „mit Erlaubniß des Machamad" scheine. Die Rathsstube war ziemlich geräumig und mit Tafeln, auf denen in goldenen Buchstaben die Namen frommer Geber standen, ausgeschmückt. Die Tafeln standen so dicht nebeneinander, wie Heilige auf einem Kirchhofe, und ergossen sich selbst bis in^en Vorsaal. Um den Berathungstisch hatte die Blüthe der spanischen Judenschaft gesessen — Granden, die es mit den Stutzern ihrer Tage aufgenommen und mit den Besten unter ihnen das Schwert gekreuzt hatten; dabei waren sie äußerst genau und ceremoniös, und die Männer, die an diesem Nachmittage zusammenkamen, bewahrten noch immer ihre stattliche, castilianische Höflichkeit, obwohl die Erinnerung an sie so schwach war, wie die verblichenen Inschriften auf den Paneelen. Diese Nachkommen hatten die sorgfältigen Grüße und Umschreibungen, die strenge Würde bei Streitigkeiten noch immer beibehalten Wie die Ascama es forderte, waren es „gottesfürchtige, fähige und ehrbare" Männer; aber es waren auch vermögliche Leute, was ihnen Ruhe und Halt gab. Seine britische Majestät zierte den Thron nicht besser, als der Vorsitzende des M a ch am a d den seinen, wie er so in seinem großen Lehnstuhle an der Spitze des langen Tisches saß und den Vorsteher der Aeltesten zu seiner Linken, den Kanzler zu seiner Rechten und alle seine Räche um sich hatte. Die Abendsonne warf einen goldenen Lichtkegel durch die normanischen Fenster, als sei sie bemüht, die Namen der Anwesenden in goldenen Buchstaben festzuhalten — „mit Erlaubniß des Machamad". „Da Costa mag eintreten", sagte der Vorsitzende, als der Fall des großen Schnorrers an die Reihe kam. Der Kanzler fuhr in die Höhe, stieß die Thür geschäftig auf und winkte dem leeren Raume mit dem Finger, bis er entdeckte, daß Manasse nicht im Vorsaale sei. Statt seiner eilte der Tempeldiener herbei. „Wo ist Da Costa?" keuchte der Kanzler, „ruft Da Costa!" „Da Costa!" rief der Tempeldiener laut mit dein langgezogenen Tone eines Gerichtsboten. Der leere Corridor gab einen hohlen Widerhall. „Ei, einen Augenblick zuvor war er ja noch da"!" rief der bestürzte Tempeldiener. Er lief den Gang hinall und fand ihn in der That am Ende desselben, wo er auf die Straße mündete. Der König der Schnorrer befand sich in würdevoller Unterhaltung mit einer bedeutenden Persönlichkeit. „Da Costa!" rief der Tempeldiener abermals, aber sein Ton klang weniger fürchterlich und mehr verdrießlich. Der Bettler wendete nicht den Kopf. „Herr Da Costa!" sagte der Tempeldiener, der sich der imposanten Gestalt zu sehr genähert hatte, um sich mit ihr in Vertraulichkeiten einzulassen. Diesmal zeigte der Bettler Symptome wiederhergestellter Gehörfähigkeit: „Ja, lieber Freund", sagte er, indem er sich umwendete und dem Abgesandten ein paar Schritte entgegentrar, „Bleibt, Grobstock!" rief er, über die Schulter gewendet. „Hallt Ihr nicht gehört, daß ich Euch rief?" brummte der Tempeldiener. „Ich hörte Euch „Da Costa" rufen, glaubte aber natürlich, daß das einer Eurer Trinkcumpane sei!" antwortete Manasse streng. „Der Machamad wartet auf Euch", stammelte der Tempeld teuer. „Saget den edlen Herren des Ma ch am ad", sprach Manasse mit vorwurfsvollem Flachdrucke, „daß ich mir sogleich das Vergnügen machen werde, zu ihnen zu kommen." „Nun bleibt noch ein Weilchen, mein lieber Grobstock", fuhr er fort, indem er wieder an die Seite des Magnaten zurückkehrte. „Eure Frau ist also in Tunbridge-Wells zur Cur? Ja, in der That, das ist eine ausgezeichnete Cur für die Vapeurs. Ich gedenke meine Frau nach Buxtvn zu schicken — der Vorsteher unseres Spitales hat dort einen Landsitz." „Aber Ihr wurdet ja gerufen", murmelte Grobstock, der sich sehnte, fortzukommeu. Das Auge des Schnorrers war auf ihn gefallen, während der Eigenthümer desselben sich unter dem Thorbogen sonnte, und hatte ihn nicht mehr losgelassen. „Es ist nur eine Versammlung des Nt a ch a m a d, der ich beiwohnen muß", antwortete er in gleichgiltigem Tone. „Es ist eine rechte Plage, aber Pflicht bleibt Pflicht." Grobstvck's rothes Gesicht wurde ein Rahmen für zwei weit aufgerissene Augen. „Ich dachte, der Al a ch a m a d sei Euer oberster Rath!" rief er. „Ja, wir find unser Fünf", sagte Alanasfe leichthin, und während Grvbstock ungläubig den Mund aufrißj schlürfte der Kanzler selbst bleich und bestürzt herbei. „Ihr läßt die edlen Herren des Machamad warten", keuchte er gebieterisch. „Ja, Ihr habt Recht, Grobstvck", sprach Alanasfe mit einem Seufzer der Ergebung. „Sie können ohne mich nicht fertig werden. Nun, ich weiß, Ihr werdet mich entschuldigen. Es freut mich, Euch wiedergesehen zu haben — wir werden unser Geplauder einmal Abends bei Euch fortsetzen, nicht wahr? Ich habe Eure Gastfreundschaft noch in angenehmer Erinnerung". „Meine Frau wird den ganzen Monat abwesend sein", antwortete Grobstock schwach. „Ha, ha, ha!" lachte Manasse schelmisch. „Ich danke Euch für die Erinnerung, ich werde nicht ermangeln. Euch zu helfen, wenn Ihr ihre Abwesenheit benützen wollt. Vielleicht wird die meinige auch abwesend sein — in Buxtvn — zwei Junggesellen! Ha, ha, ha!" Er streckte die Hand aus und schüttelte die Grvbstock's fröhlich zum Abschiede. Dann schleuderte er gemächlich hinter dem fieberhaft ungeduldigen Kanzler einher, wobei sein Stock in rhythmischer Langsamkeit über die Steine klopfte. „Guten Tag, Ihr Herren!" sagte er liebenswürdig, als er in die Rathsstnbe eintrat. „Ihr habt uns warten lassen", entgegnete der aus seiner königlichen Milde gebrachte Vorsitzende des Al a ch a m a d. Er war ein aufgeblasener, schwarzbranner, elegant gekleideter Herr; in diesem Augenblicke beugte er sich ans seinem Sammtthrone vor und trommelte mit den diamantengeschmückten Fingern auf den Tisch. „Glicht so lange, als Ihr mich warten ließet", antwortete Manasse mit ruhiger Empörung. „Wenn ich gewußt hätte, daß Ihr mich im Corridore abkühlen lassen wolltet, wäre ich nicht gekommen, und wenn nicht mein Freund, der Schatzmeister der großen Synagoge, zu gelegener Zeit vorübergekommen wäre, um ein Bißchen mit mir zu plaudern, so wäre ich auch nicht geblieben." „Herr, Ihr seid unverschämt!" brummte der Vorsitzende. „Herr, ich glaube, Ihr seid m i r eine Entschuldigung schuldig," behauptete Alanasfe nnerschüttert. „Ta ich die Höflichkeit und hohe Bildung, die Euere edle Familie immer ausgezeichnet hat, kenne, kann ich mir Eueren jetzigen Ton nur dadurch erklären, daß Ihr nicht wißt, daß ich eine Beschwerde habe. Zweifellos war es Euer Kanzler, der mich zu einer zu frühen Stunde vorlud". Der Vorsitzende, von der ruhigen Würde des Bettlers abgekühlt, warf einen fragenden Blick auf den empörten Kanzler, der hochroth war und vor Verwirrung und Zorn zitterte. „Es ist Ge—Gebrauch, die Be—Betreffenden vor dem Be—Beginn der Versammlung vorzuladen," stammelte er hitzig. „Man kann nicht wissen, wie lange die frühere Verhandlung dauert." „Tann möchte ich den Vorsteher der Aeltesten ehrerbietig ersuchen, in der nächsten Versammlung feiner erhabenen Körperschaft eine Resolution einzubringeu, daß Solche, die vor dem Machamad zu erscheinen haben, allen anderen Vorgehen," sagte Manasse.

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