Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 51 (18.12.1896)
- Date
- 1896-12-18
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 1020 Dr Vloch's Wochenschrift Nr. 51 H- \f: Hiv.'; Kovolo in Polen geboren, ist Mr. A l p e r als 20jähriqer Jüngling blutarm, ohne Freunde oder irgendwelche Stütze nach Hüll gekommen. Er wilrde siebenmal in den Borstand gewählt und nahm das tiefste Interesse an allen Cultusaugelegeuheiteu. Es verging kein Samstag oder Festtag, ohne daß er einige Arme an seinem Tische speiste; mit tiefem Mitleid sah er arme, zerlumpte jüdische Kinder im jüdischen Viertel der Stadt herumlaufen — er ruhte und rastete nicht, bis er das Mal i> i .s li Arnraim errichtete. Arme Frauen, Männer und Kinder weinten bitterlich an seinem Grabe, die Erinnerung an sein gutes Herz wird nie verlöschen. Charloltcriburg. Vor einigen Tagen starb hier der Professor an der technischen Hochschule und Lehrer am Realgymnasium, Dr. F. B u k a. 1851 in Schlesien geboren, stndirte B u k a Mathematik und Physik und erwarb sein Doctordiplom in Göttingen. Kurz daraus erhielt er die Stelle au der Technik und vor 3 Jahren erhielt er den Professorentitel. Dr. B u k a hat viele mathematische Schriften und Bücher verfaßt; auch ist er durch seine Experimente mit Röntge u'scheu Strahlen in den weitesten Kreisen bekannt geworden. London. «'Eine Pilgerfahrt nach P a lüstina.) Bei der Chaunkaseier des Chovevi Zionvereins, hielt der Vorsitzende Mr. Herbert B entwich, einen sehr interessanten Bortrag, „Eine Pilgerfahrt nach Palästina", in welchem er den Zuhörern einen Begriff davon geben wollte, wie all' die Orte wohl anssehen, welche aus der von den Makkabäern geplanten Reise berührt werden würden. Im April des folgenden Jahres wird diese Palästinafahrt unternommen werden. Dem Vortragenden lohnte reichlicher Beifall. Paris. (Tod d e r B a r o ni n L e o ni no Roth f chi ld.) Von einem fürchterlichen Unfälle wurde Baronin Leonino, die Tochter des Barons Gustav Rothschild, auf oer Wildjagd im Walde von Halatte betroffen. Die junge Baronin ritt im Galopp, als ihr Pferd, erschreckt durch ein vvrbeischießendes Rudel von Ebern, sich hoch ausbäumte und die Reiterin abwarf. Die Baronin war gegen einen Baum geschleudert worden und lag mit gespaltenem Schädel bewußtlos aus dem Boden. Die Verunglückte wurde zu Wagen in das uächstgelegene Schloß des Herrn Meuier gebracht, doch war trotz der rasch reqnirirten ärztlichen Hilfe eine Rettung nicht mehr möglich. Als die Eltern, von dem Unfall verständigt, aus Paris besorgt herbeieilten, verschied eben die Unglückliche. Paris. Baron James H i r s ch , Bruder des verstorbenen Baron Moriz Hirsch, ist, wie man uns ans Paris meldet, plötzlich gestorben. Er hat ein Alter von 54 Jahren erreicht. Derselbe war zweimal vermalt: zuerst mit Margarethe Stanley und nach deren Tode mit Zeuaide Poliakow, Tochter des bekannten russischen Staatsrathes. Feuilleton. Der König der Schnorrer. Von I. Z a n g w i l l. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) V. Capitel. Zeigt wie der König den Machamad auflöste. Manasse Da Costa (derart in dem feierlichen Schreiben seiner Namensfülle entkleidet) war vor den Machamad vorgeladen worden, da die beabsichtigte Verbindung seiner Tochter mit einem polnischen Juden in der Brust der Synagogenvorsteher das lebhafteste Entsetzen und Mißvergnügen erregt hatte. Ein solcher Jude sprach das Hebräische anders aus als sie. Der M a ch a m a d war ein Rath der Fünf, nicht weniger gefürchtet als der bekanntere Rath der Zehn. Gleich dem veneliauischen Tribunal, das die Aufmerksamkeit der Geschichte ungegerechtermaßeu monopolisirt hat, wurde er jährlich gewählt, und zwar von den Aeltesten, gerade so wie der Rath der Zehn von der Aristokratie gewählt wurde. Die „edlen Herren des M a ch a m ad", wie sie genannt wurden, verwalteten die Hlugelegeuheiten der spanisch-portugiesischen Gemeinde und ihre Oligarchie würde zweifellos für Alles, was schiedsrichterlich und inquisitorisch ist, sprichwörtlich geworden sein, wenn die Unkenntuiß ihrer Existenz nicht so weit verbreitet gewesen wäre. Der M a ch a m a d selbst hielt sich für den Mittelpunkt der Schöpfung. Bei einer Gelegenheit weigerte er sich sogar, sich der Autorität des Lord-Mayors von London zu beugen. Ein sephardischer Schnorrer lebte und bewegte sich nur „mit Erlaubniß des Machamad". Ohne seine Einwilligung konnte er im Plane der Dinge keinen gesetzlichen Platz haben, ohne die Erlaubniß des Bi a ch a m a d durfte er nicht heiraten, mit der Erlaubniß desselben konnte er rasch geschieden werden. In der That, er durfte ohne die Sanction des Rathes der Fünf sterben. Aber das war die einzige Großthat seines Lebens, die von dessen Oberaufsicht frei war, und ohne die Erlaubniß des Machamad durfte er entschieden nicht begraben werden. Der C h a ch a m selbst, der Weise oder Oberrabi der Gemeinde konnte ohne die „Erlaubniß des Machamad" seine Herde nicht in heiliger Ehe verbinden. Diese Autorität war nicht blos negativ und passiv, sondern sie war auch positiv und activ. Um ein Iachid — ein anerkanntes Gemeindemitglied — zu sein, mußte man sich unter ein Joch beugen, das noch schwerer war als das der Thora, von der H i n t a oder Kopfsteuer nicht zu reden. Wehe dem, der sich weigerte, Vormund der Gefangenen — also der, der die gefangenen Geiseln, oder die von den Türken in Gewahrsam gehaltenen Kriegsgefangenen loskaufte — oder Vorsteher der Gemeinde oder P a r n a s des heiligen Landes oder Bräutigam der Thora oder einer der sonstigen zahlreichen Würdenträger einer complicirten Verfassung zu werden'.Häufige und schwere Geldstrafen zu Gunsten der Armenbüchse erwarteten ihn „mit Erlaubniß des Machamad". Wehe dem Wicht, der sich in der Synagoge „durch Beleidigung des Vorstehers oder grobe Beschimpfung irgend einer anderen Person" wie die köstliche Vorschrift lautete, schlecht aufführte! Nachdrückliche und qualvolle Strafen standen auf diesen und ähnlichen Vergehen : Entziehung der „Gutthaten", der Erlaubniß, die Gesetzesrolle einzuschließen oder die Bundeslade zu öffnen, schmähliche Relegirung hinter das Lesepult, Entziehung von Gerechtsamen, das Verbot des Rasirens auf einige Wochen. Wenn der I a ch i d das Amt übernahm, aber gegen die pünktliche und regelmäßige Erfüllung seiner Pflichten verstieß, so wurde er nicht weniger gestraft. Eine Geldbuße im Betrag von 40 Pfund vertrieb Jsak Disraeli den Sammler der „Merkwürdigkeiten der Literatur," aus der Synagoge und ermöglichte jene politische Merkwürdigkeit, die Laufbahn Lord Beaconsfield's. Die Väter der Synagoge, die in jenen Tagen als Pepys die Unanständigkeiten in ihrer kleinen Synagoge in Kings-Street bemerkte, ihre Verfassung in reinem Castilianisch niederschrieben, gedachten mit ihren Statuten die Gemeinde zu festigen, nicht zu zersetzen. Die Tyrannei des M a ch a m° a d, diese unelastische Handhabung eines gußeisernen Codex, der in den „goldenen Tagen des guten Königs Carl geschmiedet wurde, als die Colonie der holländisch-spanischen Verbannten einem Lager in Feindesland glich und ein militärisches Regime brauchte, war tactlos und vereinigte sich mit der Anziehungskraft einer ungehinderten, „christlichen" Laufbahn, um manche glänzende Familie zn den Thoren des Ghettos hinauszutreiben. Athen ist stets eine gefährliche Nebenbuhlerin Spartas gewesen. Aber der M a ch a m a d selbst bewegte sich strenge in den Geleisen, die ihm vorgeschrieben waren. Jener legislatorischer Jnstinct des Hebräers, ans dem sich das riesenhafteste und kleinlichste Gesetzbuch der Welt entwickelt hat, verlockte jene später geborenen Juden, Localgesetze hinzuzufügen, die bis zu 200 Seiten in Portugiesischer Sprache anschwollen. Es war ein verwirrtes Netz von As camot oder Vorschriften, die jede Möglichkeit der Synagogenpolitik vorsahen, angefangen von den Streitigkeiten der Mitglieder um die besten Sitze bis zu dem Umfange ihrer Gräber in der C a r r e i r a, von der Vertheiluug der „Gutthaten" unter den Reichen bis zu der Vertheilung der Osterbrote unter den Armen. Wenn sich die Räder und Schrauben des Genteindelebens „mit Erlaubniß des Machamad" bewegten, so bewegte sich der M a ch am a d mit Erlaubniß der Ascamot. Der feierliche Rath war versammelt — in vollständigem Machamad. Selbst der Vorsteher der Aeltesten war kraft seines Privilegiums anwesend und bildete den Sechsten, abgesehen von dem Kanzler oder Secretär, der zur Rechten des Vorsitzenden saß und aufgeregt in dem portugiesischen Merkbuche blätterte. Er war ein kleiner Mann, eine wunderliche Mischung von Pomp und Großsprecherei, hatte eine schnupftabakbeschmierte Oberlippe und eine Nase, die sich in Wein eingetaucht hatte, sobald sie roth war. Er besaß ein großartiges Bewußtsein seiner eigenen l Wichtigkeit, aber dieser Stolz hatte seine Wurzel in der Demuth,