Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 51 (18.12.1896)
- Date
- 1896-12-18
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 1016 Dr. Vlortz's Wochen,christ. Nr. 51 einem Eingesendet an den „Hrvatska Pravo" vom 10. d. M. . erklären diese Jünger des Pfaffenthums, daß sie den vom j „Obzor" gebrachten Artikel „Zidovstvo" vollkommen billigen und das; sie sich den Anwürfen vollinhaltlich anschließen. Das sollen die zukünftigen Priester Croatiens werden! Muß man da nicht der Zukunft mit Sorgen entgegensehen? Argus. Agram. Aufsehen erregt ein antisemitischer Exceß des Professor Dr. Heinz in der Restauration des Hotels „zu den drei Raben", der in Begleitung eines Oberlieutenants jüdische Gäste brutal insultirte. — Das hiesige antisemitische Blatt „Obzor", welches aus dem liberalen Club und zahlreichen besseren Familien ausgewiesen wurde, hat nun die Genugthuung, daß sein Berichterstatter in den Landtagssaal zu den Verhandlungen nicht mehr hineingelassen wird. Laut Beschluß wird diesem Berichterstatter der Zutritt verwehrt. Argus. Preßburg. (Israelitisches Altersversorgungshau s.) Die Einweihung der in demselben errichteten Haussynagoge erfolgie letzten Sonntag unter ungewöhnlich starker Betheiligung des Publicums, welches in dem kleinen Betraume nur sehr schwer Platz finden konnte und daher in den anstoßenden Räumlichkeiten placirt werden mußte. Es waren fast sämmtliche Gemeindevorsteher erschienen, sowie die meisten Mitglieder des Verwallungsausschusses mit dem Präses Primarn s Dr. I. Fischer an der Spitze. Unter den zahlreichen Gästen bemerkten wir die Herren Max Wolf aus Raab und Leitersdorser jun. aus Wien. Nachdem Obercantor Schwarz das Abendgebet celebrirt hatte, verlas Rabbinatsassessor Leop. Friedmann eine vom Oberrabbiner B Schreiber verfaßte, gehaltvolle Weiherede, da dieser selbst leider durch Unwohlsein am persönlichen Erscheinen verhindert war, und knüpfte hieran eine von aufrichtiger Begeisterung für das neugeschaffene Humanitätswerk erfüllte Ansprache, in welcher zu neuen Opfern für dasselbe angespornt und der göttliche Segen für Stifter, Gründer und Förderer vom Allmächtigen erbeten wurde. Durch Errichtung der Synagoge habe das Altenheim erst die rechte Weihe erhalten. Der Festredner dankte dem anwesenden hochherzigen Spender des Stistungshauses Joel Wolf, sowie jedem einzelnen Mitgliede des Verwaltungsausschusies für deren erfolgreiches Wirken. Die durch vortreffliche Homiletik, sowie packende Vortragsweise ausgezeichnete Rede verfehlte nicht, die tiefste Wirkung bei dem andächtig lauschenden Auditorium hervorzurufen. Nachdem noch der stimmgewaltigeObercantorSchwarz unter Mitwirkung seines Chores (die Knabeu-Soli desselben bilden eine Specialität, deren Anhörung allen Gesongsfreunden hohen Genuß bereitet), die Chanukalichter angezündet und eine Hymne ergreifend vorgetragen hatte, wurde den zur Zeit im Aliersasyl untergebrachten 9 Greisen und 10 Greisinnen eine Extrajause servirt und damit die erhebende Feier beendet, deren Verlauf allseitig befriedigt und namentlich dem um die Installation und Verpflegung der Pfleglinge, die Instandhaltung und Verwerthnng des Stiftung-Hauses, sowie die Einrichtung der Hanssynagogs rc. hochverdienten Oeconomen N. Nosenzweig wohlverdiente Ehren brachte. Breslau, 14. December. Die hiesige Burschenschaft e x nt a ii i a" beschloß die Ablehnung der Resolution des Allgemeinen Delegirtenconvents der Burschenschaften, betreffend die N i ch t a u f n a h m e jüdischer Mitglieder, damit das E i n v e r n e h nr e n zwischen den „alten H e r r e n" und der activen Burschenschaft nicht gestört werde. Berlin, 8. December. (Das jüdische Mädchenstift) in der Münzstraße befindet sich im Stadium eines recht gedeihlichen Wachsthums. Die Zahl der Jnstitutspfleglinge ist auf 17 gestiegen und nicht wenige, die hier ihre hauswirthschaftliche Ausbildung erhalten haben, sind in Stellungen untergebracht, . in denen sie sich aufs Beste bewähren. Am 4. Chanukatage fand in den Räumen der Anstalt eine schöne Feier statt, an der sich eine größere Zahl wohlthätiger Damen betheiligte und die nach der zu Herzen dringenden Ansprache des Herrn Director Dr. S t r e l i tz mit einer Bescheerung sowohl der jetzigen als der ehemaligen Zöglinge endete. Neben allerhand nützlichen und angenehmen Geschenken erhielt jedes Mädchen, von einer Dame gespendet, auch ein neues Gebetbuch. Zwei Mädchen aber, die die volle Zufriedenheit ihrer Herrschaften in ihren Stellungen sich erworben, bekamen als Anerkennung für ihre gute Führung und praktische Bewährung je eine Prämie von 40 Mark aus dem Dr. Lüpp'schen Unterstützungssond. Die segensreich wirkende Anstalt erfüllt in gewünschter, aber zäher Arbeit die Erwartungen, die inan bei ihrem Jnslebentreten auf sie gesetzt hat. Ihr Wirken ist eine sprechende Widerlegung der falschen Vorurtheile, daß Juden der körperlichen Arbeit aus dem Wege gehen. Berlin, 9. December. (Das Iud enth um in der Musi k.) Wie wir aus einer Notiz im „Woschod" ersehen, ist sowohl der hier rasch berühmt gewordene Geiger Alexander P e t s ch n i k o w als auch der zur Anerkennung gelangte Pianist Gabrilowitz Jude. Beide stammen aus Rußland. Köln, 4. December. Am Montag Abend hielt im Verein zur Förderung der jüdischen Ackerbaucolonien Syriens und Palästinas im Saale der Rheiulandloge Bne Brith Herr D. Schub aus Palästina einen Vortrag über die „Seidenzucht in Palästina". Der Vortragende, welcher hier die Ausstellung der Erzeugnisse jüdischer Dörfer Palästinas leitet, ist wie bekannt, einer der ersten Colonisten in Palästina und auch einer der Ersten, der dort mit der Seidenzucht Versuche gemacht und dieselbe eingeführt hat. Er schilderte in sachlicher Weise, mit welchen Schwierigkeiten die Colonisten in der ersten Versuchszeit zu kämpfen hatten und wie lohnend diese Hausindustrie für dieselben schon heute geworden ist. Seine Ausführungen über die Zucht der Seidenraupe, wie dieselbe von ihrer ersten bis zur letzten Epoche sich entwickelt, waren höchst interessant und fanden allgemeinen Beifall. Dem Vortrag folgte eine sehr lebhafte und interessante Discussion. Auf Anfragen aus dem Publicum, gab Herr Dr. meä. H o l z m a n u aus Constantinopel die gewünschte Auskunft. Sein geistreicher und in bilderreicher Sprache gehaltener Vortrag wurde mit rauschendem Beifall ausgenommen. München, 1. December. Nachdem in Hagen i. W. der mit antisemitischen Flugblättern getriebene Unfug zu einer Verurtheilung geführt hat, welche den Beweis lieferte, daß nicht nur der von Socialdemokraten verübte Boycottunfug strafbar ist, scheint ß 360„ hier auch auf andere Leute Anwendung zu finden, Das hiesige antisemitische „Deutsche Bolksblatt", dem zwei Strafmandate zngingen, meldet dies selbst mit folgenden Worten: „Der grobe Unfug, diese Errungenschaft unserer moderneil Rechtswissenschaft, wurde darin gefunden, daß in einem Brieftanzel des „Deutschen Volksblatt" die Aushungerung unserer sehr verehrten „mosaischen Mitbürger" durch Anempfehlung der strengen Beobachtung des Grundsatzes „Kauft nicht bei Juden" als das einzig richtige Wanzenmittel bezeichnet worden ist", was geeignet sein soll, beim Publicum Aergerniß zu erregen." Den anderen „groben Unfug" sollen wir damit verübt haben, daß wir ein Flugblatt mit dem Titel „Talmud-Auszug" Herausgaben, was gleichfalls dazu angethan sei, „in gewissen Kreisen der Bevölkerung Aergerniß zu erregen." Selbstverständlich haben wir gegen beide Mandate Einspruch erhoben und so stehen uns also höchst interessante Verhandlungen bevor. Nachdem der Talmud-Auszug von uns und Anderen seit Jahren in unzähligen Exemplaren verbreitet wurde, sind wir neugierig, wie das Strafmandat begründet wird. Auch sind wir der Meinung, daß wir nicht blos berechtigt, sondern auch verpflichtet sind, vor dem Einkauf in Jndengeschäften zu warnen. Sollte von „Oben herab" ein gewisser Wind zu wehen beginnen? Nun, wir würden ihn nicht fürchten! Er könnte höchstens dazu dienen, unsereFahrt zu beschleunigen, so daß wir dem ersehnten Ziele um so rascher näher kommen! Herrn Wengg dürfte bei dieser Fahrt doch nicht ganz wohl zu Muthe sein. München, 12. December. Wegen Verbreitung des Talmud-Auszuges nach Professor Rohling's Uebersetzung hatte sich der Gärtner Benno Posch zu verantworten. Der Angeklagte, der sich als Anhänger der antisemitischen Partei bekennt, hatte nämlich am 5. October Vormittags, also zur Octoberfestzeit an der Ecke der Findling- und St. Paulstraße verschiedene antisemitische Flugschriften, darunter auch den Talmud-Auszug, Zusammenstellung der wichtigsten heute noch giltigen Sittengesetze der Juden, an verschiedene Passanten vertheilt, bei welcher Gelegenheit er von einem Gendarm betreten und zur Anzeige gebracht wurde. Auf dem Mandatswege erhielt sodann Posch wegen groben Unfugs einen auf 12 Mark lautenden Strafbefehl, gegen den er jedoch Einspruch erhob mit der Begründung, daß dieser Talmud-Auszug seit Jahresfrist in mehr als hunderttausend Exemplaren unbeanstandet verbreitet worden sei. — Auf Antrag des Staatsanwaltes wurde behufs Verlesung dieses Talmud-Auszuges die Oeffentlichkeit ausgeschlossen, welchem Ansuchen das Gericht auch stattgab, da die öffentliche Ordnung gefährdet werde. Nach Verlesung des Flugblattes wurde die Oeffentlichkeit wiederhergestellt und beantragte der Amtsanwalt wegen der cynischen Art und Weise, mit welcher in dem Flugblatt den Juden diese Sittengebräuche imputirt und als heute noch zu Recht bestehend erklärt werden, eine Erhöhung der Geldstrafe auf 25 Mark. Der Inhalt dieses Talmud-Auszuges sei geeignet, nicht nur bei den Juden, sondern auch bei Nichtjuden Aergerniß zu erregen und habe lediglich den Zweck, gegen die