Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 51 (18.12.1896)
- Date
- 1896-12-18
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 i 4 Dr. Vloch's Wochenschrift Nr. 51 auch geneigt, Letztere aufzunehmen. Als aber meine Schwester auf die Frage, ob sie Jüdin sei, mit einem „Ja" antwortete, veränderte die Dame sofort ihr Benehmen und erklärte in schroffem Tone: Jüdinnen könne sie im Geschäfte nicht brauchen. Ich erlaube mir nun die Frage, ob dieser Boycott sich auch auf die Kunden jüdischer Confessio n beziehe? Hochachtungsvoll E. H. Wien, 15. December. Wie aus Petersburg gemeldet wird, ist dort der S y n a g o -g e n - B e r w a l t u n g im Aufträge des C z a r e n mitgetheilt worden, daß demnächst die Zulassung der Juden des russischen Reiches zu einer homagialen Huloigung erfolgen werde. Bis zum 18. Jänner hat daher die Anmeldung der Deputationen der jüdischen Gemeinden von Petersburg, Moskau, Odessa, Warschau und Kiew bei dem Ministerium stattzufinden. Wien. (Zwei M e i st e r der K u n st.) Es wird wohl selten einen Abend geben, an dem das Publicum in der Lage ist, zwei der größten Meister ihrer Kunst Mitwirken zu sehen. In den Dienst einer großen Humanitätssache haben sich diese beiden Meister gestellt; es sind dies Meister Sonnenth al, die Stütze des Burgtheaters des Kaisers, und der Kammervirtuose Alfred G r ü n f e l d , der moderne Clavierheros. Diese beiden Künstler werden an der Akademie Mitwirken, die am 5. Jänner im S o p h i e n s a a l e stattfindet und deren Erträgniß dem unter dem Präsidium der bekannten Philantropin stehenden Verein „F e r i e n h e i m" zufällt. Dieser Verein, der im letzten Sommer 340 Kindern einen gesunden, stärkenden und erfrischenden Landaufenthalt verschaffte, hat nicht vergebens an die Herzen dieser beiden großen Künstler appellirt und haben dieselben mit aller Bestimmtheit ihr Erscheinen zugesagt. Ueberdies werden Herr H e s ch und Frau F o r st e r von der Oper, Frl. R e t t y vom Deutschen Bolkstheater und das Quartett Beamt Mitwirken. Nach der Akademie folgt ein Tanzkränzchen, bei dem eine Militärcapelle unter Leitung M e st r o z i 's die Ballmusik besorgt, indeß das Tanzarrangement in den bewährten Händen R a b e n st e i n e r's liegt. Als Obmann des Comites fungirt Herr Gemeinderath Theodor Ritter v. G o l d s ch m i d t, dem die Herren: Großindustrieller S. Heit, Fabrikant Schefftel, Stadtbaumeister Melcher, Buchhändler M. B r e i t e n st e i n, Apotheker R o th z i e g e l, Redacteur S k r ei n, Bertheidiger Dr. Wolfgaug Pollaczek, Hugo K n e p l e r, Ernst Adler k. zur Seite stehen. Wien. (Akademie des Frauen-Wo hlthätigkeitsvereines Josef st ad t.) Einen ungemein animirten und amüsanten Verlauf hat die im Ballsaale Ronacher abgehaltene Akademie des Frauen-Wohlthätigkeitsvereines in der Josefstadt genommen. Ein distinguirtes Publicum ans den besten Gesellschaftskreisen füllte den Saal. Die Reihe der Vorträge eröffnete Herr W e i s s e, der mit seiner gewohnten Meisterschaft einen von Dr. Erwin P l o w i tz dem Verein gewidmeten Prolog zum Vortrag brachte; in stimmungsvollen Versen schildert der Verfasser das wohlthätige Wirken des Vereines. Fräulein Hansi Niese und Herr Leopold N a tz l e r erfrischten durch ihren köstlichen Humor, und Hofopernsängerin Fräulein Irene Abendroth erfteute das Auditorium durch den formvollendeten Vorträg einiger Lieder. Nicht in letzter Linie zu nennen sind die Gesangsvorträge des Fräulein Nini P o l l a tschek und jene des Violinvirtuosen Karl S a b a t i n. An die Akademie schloß sich ein Tanzkränzchen, das bei den Klängen der Eapelle des 61. Infanterie-Regimentes bis zu den frühen Morgenstunden dauerte. Die Obmänner des Jungen Herrencomites, die Herren Dr. Max Tugendhat, Dr. Hugo Mandl und Otto Beck, denen neben Professor Egmond P l o w i tz das Hauptverdienst für das Arrangement des schönen Abends gebührt, eröffneten mit den Damen Lina Lichtblau, Gisela Beck und Fräulein Lydia P l o w i tz den Tanz. Aeußerst effectvoll arrangirte Tanzmeister Rumpler den Cotillon. Im verfinsterten Ballsaale wurden durch Reflectoren verschiedenfarbige Strahlen auf die Tanzenden geworfen, was einen prächtigen Anblick bot. Jede der Damen erhielt überdies ein Glühlicht; dieselben wurden auf ein gegebenes Zeichen mit der Batterie verbunden und ergaben in ihrer Anordnung die Initialen der Präsidentin des Wohlthätigkeitsvereines im achten Bezirk, Frau Amalia Beck. Wien. Unter den in unserer Stadt existirenden Bekleidungs-Vereinen nimmt der unter dem Protectorate Sr. Ehrwürden des Herrn Oberrabbiner Dr. Moritz Güdemann bestehende Verein „Treubund" eine hervorragende Stellung ein. Die von diesem Vereine ins Leven gerufene Art der vollständigen und dauerhaften Bekleidung findet überall allgemeine Anerkennung und ist der Verein in der Lage, alljährlich eine immer größere Anzahl von armen Kindern zu bekleiden. Heuer waren es 175 jüdische Kinder, welche der Wohlthat der Bekleidung theilhaftig wurden. Die Bekleidungsfeier fand Montag den 7. d. M. Abends im Restaurant Khuner statt. Zu derselben hatte sich den Oberrabbiner D r. G ü d e m a n n, Herr Dr. Bloch, viele Armenräthe und Vertreter von H n m a n i t ä t s - I n st i t u t e n und ein zahlreiches distinguirtes Publicum eingefunden. Eingeleitet wurde die Feier mit dem Choral „Gelobt sei die Stunde" von Sulzer, vorgetragen von dem rühmlichst bekannten Obercantor Herrn M. Schorr mit seinem Chor. Hierauf hielt der Obmann des Vereines, Herr I. H. Waltuch die Festrede, welche darauf hinwies, daß der Verein sich für heuer verpflichtet hielt, ohne auf einem engherzigen, confessionellen Standpunkte zu stehen, in Folge des sogenannten praktischen Antisemitismus, wodurch die Armuth unter unseren Glaubensgenossen in bedenklicher Weise zunimmt, in erster Reihe jüdische Kinder zu bekleiden und schloß mit einem dreimaligen Hoch auf den Kaiser, als das leuchtende Beispiel väterlicher Huld und Fürsorge und menschlicher Hochherzigkeit, in welches die Anwesenden begeistert einstimmten. Nachdem von den Kindern das Kaiserlied gesungen wurde, richtete das Vorstandsmitglied, Herr Hof- und Gerichts-Advocat Dr. Gustav Rosenberg eine warme Ansprache an dieselben, in deren Namen zwei Kinder in schlichten, herzlichen Worten dankten. Mit dem Vortrage des „Muos zur jesclmoszi“ seitens des Herrn Obercantors und seines Chorpersonals, welcher lebhaftesten Beifall fand, schloß die für alle Theilnehmer unvergeßliche Feier. Frau Baronin Hirsch hat am Festabende dem Vereine eine Spende von 100 fl. zukommen lassen. Es wäre wünschenswerth, daß dieser so gemeinnützge Verein seitens unserer Glaubensgenossen kräftigst unterstützt werde. Mährisch-Ostrau. Mitte vorigen Monates hat der Ausschuß der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde auf Antrag eines eifrigen Mitgliedes den löblichen Beschluß gefaßt, die armen jüdischen Schulkinder aus den umliegenden Dörfern mit warmer Mittagskost zu betheilen, und schon am ersten December wurde diese wohlthätige Institution in's Leben gerufen und die armen Kleinen erfreuen sich seit diesem Tage eines gute»!, warmen Mittagbrodes. Hiefür gebührt dem Ausschüsse Dank, nicht minder dem Frauenvereine, der die Beaufsichtigung über dieses humanitäre Werk übt, und besonders den drei Herren, welche mehrere hundert Gulden bei ihren Glaubensbrüdern für diesen Zweck gesammelt, wobei sich der verdienstvolle Gewerkebesitzer Herr Max Ritter von Guttmann mit der größten Spende betheiligte. Mögen andere Cultusgemeinden diesem edlen Beispiele folgen. Mährisch-Ostrau. In unserem Berichte vom vorigen Monat, betreffend den hiesigen israelitischen Kindergarten, fand sich ein sinnstörender Druckfehler, denn das monatliche Schulgeld, welches in Wirklichkeit einen Gulden beträgt, wurde irrthümlich mit 10 fl. angegeben, was hiemit richtiggestellt wird. Aus Mähren. Mit allgemeiner Befriedigung wurde von vielen maßgebenden Persönlichkeiten die in Ihrem vorwöchentlichen geschätzten Blatte angeregte Idee zur Errichtung eines jüdischen Turnvereines ausgenommen. Gerade in Osttau sind viele tüchtige Kräfte vorhanden, um ein solches Unternehmen zu schaffen, und es ist keine Uebertreibung, wenn behauptet wird, daß in der kürzesten Zeit ca. hundert active und mehrere hundert beitragende Mitglieder sich melden würden! Denn die Osttauer Juden begeistern sich für jüdische Zwecke und werden auch diesmal nicht zurückstehen! Darum auf Ihr jüdischen Männer und Jünglinge und bildet schnell diesen Verein, er wird Euch Sympathien bringen und anderweitig zum Vorbild dienen! Natürlich müßte der jährliche Beittag sehr mäßig und die Leitung bewährten Kräften anvertraut werden. L. S. Budapest. (F e st s i tz u n g.) Die u n g a r i s che israelitische literarische Gesellschaft hielt am 8. December l. I. ihre Millenniums-Festsitzung und gleich darauf ihre Generalversammlung. Der Festsitzung wohnten zahlreiche Persönlichkeiten unseres öffentlichen Lebens bei. Oberrabbiner Samuel K o h n hielt die Eröffnungsrede, in welcher er in schwungvollen Worten die wichtige Mission der Gesellschaft in confessioneller und ungarisch-nationaler Richtung betonte.