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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-12-18 · 51 (18.12.1896) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
51 (18.12.1896)
Date
1896-12-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 51 Pr. Vloch's ZvortzrnirtzrM Gerte 1013 Sehr charakteristisch ist es aber, daß in Frankreich die Jndenhetze auch mit einer Protestantenhetze innig verbunden ist. Man schreibt uns darüber aus Paris vom 3. d. M.: „Stert gemeinsamen Kreuzzug gegen Juden und Protestanten predigt der famose G. T h i e b a u d, der augenblicklich durch die Provinz zieht, um die Volkskreise aufzuhetzen und die kleinen evangelischen Gemeinschaften zu discreditiren. Als Judenfresser hat er früher schon gegen die „Fürsten der Börse und der Synagoge" gewittert, die er größtenlheils als „krn88rev8« denuncirte; jetzt schleudert er dieses „Schlagwort" gegen die französischen Protestanten, weil diese durch ihre Glaubensangehörigkeit gemeinsame Interessen mit den Protestanten in Deutschland verbinden. In einer im Stadttheater in Privas abgehaltenen Versammlung brachte er eine Tagesordnung zur Annahme, in der es heißt: „Die Erschleichung des Einflusses der Amtsstellen und Würden der Republik durch eine religiöse Minderheit ist geeignet, in Zukunft die Gewissensfreiheit durch den unausbleiblichen Rückschlag zu gefährden, den dieser Mißbrauch Hervorrufen wird." Russische Juden als Ackerbauer. Der „Odesski Listok" vom 24. September/6. Oktober und der „W o s ch o d" vom 22. 8. 23. September/ 4. 8. 5. October veröffentlichen interessante Berichte über verschiedene Unternehmen auf - dem Gebiete des Ackerbaues von Seiten der Juden in Podolien: „Unter den Inden des Territoriums zählen sicherlich die Jarugaer zu den bemitleidenswerthesten. Sie sind ausschließlich Winzer. Kein Handeltreibender, kein Handwerker. Alle sind Winzer, seit sie im Jahre 1849 von der Regierung Land zngewiesen bekommen haben, welches sie mit Reben beflanzten. Durch Generationen geht die Beschäftigung mit dem Weinland; sie haben dabei sogar unvergleichlich bessere Resultate erzielt, als die Bauern der Umgegend. Unglücklicherweise hatten die Lesen der letzten Jahre stark unter Reblaus und Mehlthau zu leiden. Daher sind die Jarugaer jüdischen Winzer augenblicklich in der traurigsten Lage. Die diesjährige Ernte war auch sehr schlecht. Dazu können sie noch das, was sie von den vorigen Ernten znrückbehalten haben, nicht verkaufen, da eine neue Verfügung des Finanzministers den Juden untersagt, mit Wein Handel zu treiben. Das ist noch nicht Alles; die Jarugaer Juden sind Schuldner des Staates, jeder mit 100 bis 200 Rubel, dem Betrag der rückständigen Zinsen; es ist leicht möglich, daß all' ihr Hab und Gut bald versteigert wird, um mit dem Ertrag die Schuld zu decken. Im Jahre 1895 haben sie sich an die Regierung gewandt mit der Bitte, ihnen die schuldigen und rückständigen Zinsen zu stunden, und zwar mit der Möglichkeit, sie in fünf Raten abzuzahlen. Die Bittsteller gründeten ihre Eingabe auf ein Gesetz vom 7. Februar 1894, welches diese Freiheit den Bauern gewährt, welche Staatsgrundstücke bebauen. Die guten Leute rechneten auf die Zustimmung der Regierung, welche die Gunst fleißigen Ackerbauern fast nie abschlägt, sie pflanzten neue Reben und legten ihre Pflanzungen ganz um. Eitle Hoffnung! Zuerst verdarben die Gewitter, dann die Trockenheit die Ernte. Später ertheilte die Regierung nicht die erbetene Erlaubniß, und schließlich untersagte der Finanzminister ihnen, den auf ihrem Weinland gewachsenen Wein zu verkaufen. Zu all' diesem Elend noch die Unmöglichkeit, Arbeit zu finden, der Mangel an Mitteln, die Brodnoth. Ist eine schmerzlichere Lage denkbar?" Man berichtet ferner aus Staraya-Sinawo: „Ganz dicht bei unserem Flecken erstreckte sich das ungeheure Grundeigenthum des Grafen Stadnitzki, eine große Besitzung von 30.000 „Dessjätinen". Alle arbeitsfähigen Juden des Fleckens (Männer und Frauen) sind während des Sommers aus der Besitzung zu den Feldarbeiten verwendet worden. Die Männer bekamen 40 Kopeken täglich, die Frauen 30 Kopeken, neben verschiedenen Feldfrüchten in nabnrs.. Der Gutsverwalter, Herr Gerber, war mit den jüdischen Arbeitern sehr zufrieden. Er hat 750 von ihnen, Männern und Frauen, Zeugnisse über ihr ausgezeichnetes Betragen und ihren untadeligen Eistr ausgestellt. Bei Herannahen des Winters fürchteten die jüdischen Angestellten, verabschiedet zu werden, doch ohne Grund. Denn Herr Gerber hat verschiedene Verbesserungen in Angriff genommen. So haben die Männer sichere Arbeit. Die Frauen sind für den ganzen Winter in den Getreidespeichern angestellt." Ein an den „Woschob" gerichteter Brief aus Bar lautet: -3 „Die Bewegung, welche die Juden zum Ackerbau treibt, tritt von Tag zu Tag deutlicher hervor. Bor drei Jahren verpachtete der Gemeinderath unserer Stadt den Juden Grundstücke. Auf diesen unbebauten Terrains haben die Juden ackerbauliche Einrichtungen ersten Ranges geschaffen. Sie besitzen jeder 75 bis 100 „Dessjätinen" Pachtland. Sie bebauen es selbst und sind wirkliche Pächter geworden. Dank ihrer Energie haben sie sich nicht nur eine gesicherte Existenz geschaffen, sondern sogar noch Ersparnisse gemacht. Die Niederlassungen der jüdischen Pächter sind sehr interessant. Die Männer arbeiten auf den Feloern, besonders auf den Tabakpflanzungen. Die Frauen besorgen die Ställe und^ den Wirthschaftshof, sie gehen auf die Wochenmärkre, wie die Bäuerinnen der Umgegend. Das von den Barer Juden gegebene Beispiel ist das beste, welches die anderen Städte des Territoriums befolgen können. Als diese Städte angelegt wurden, hat ihnen der Staat ziemlich ausgedehnte Flächen Landes Vorbehalten, die unbebaut und ohne Ertrag bleiben. Die Juden sollten diese pachten und sich daraus i'.iederlassen. Andererseits werden die Magistrate mit einigen Ausnahmen Bortheil davon haben, bisher unbebaut gebliebene Terrains so auszunutzen, besonders da die neuen Ackerbauer der Ortsbevölkerung große Dienste leisten werden." Ueber das Alte Testament und das moderne Leben Hot sich der bekannte christlich-amerikanische Prediger Stopford Brooke in einer Serie von Kanzelreden verbreitet, die jetzt in englischer Sprache erschienen sind. In einer dieser Reden ist zu lesen: „Es ist für uns gleichgiltig, wo Abraham geboren wurde, wann er eine Frau nahm, in welcher Ordnung und Reihenfolge und an welchen Orten er seine Opfer darbcachte; dararrs kommt es nicht an, das können wir ruhig dem Kritiker überlassen. Aber der Geist, die Seele dieser großen Gestalt, die ist für uns von der größten, von nicht genug zu schätzender Bedentnng. Unsere Zeit hat das Reich des Judividnnms proclamirt; im Alten Testament können wir das Reich der Menschheit, das ist das wahre Himmelreich, lvieder entdecken. Wir haben die Borbilder für unser politisches und sociales Leben den Griechen und Römern abgegnckr und haben vergessen, daß das Alte Testament in allen Lehren und Einrichtungen nicht nur himmelweit alle Bücher irgend eines Volkes überragt, sondern daß der/Geist der Freiheit und Gerechtigkeit, den alle Propheten athmen, einzig und unvergleichlich dasteht in der Welt, so daß der Psalmist mit Recht sagte: In Inda ist Gott bekannt, sein Name ist groß in Israel!" Correspondenzen. Wien. (I s r a e l i t i s ch e E n l t u s g e m e i n d e.) Kommenden Sonntag, 10 Uhr Vormittags, wird der alte Eultusvorstand zu einer letzten Sitzung zusammentreren. Alterspräses Gilstav S i m 0 n wird sich der Mission unterziehen, den seine Thätigkeit beschließenden Vorstand zu verabschieden, und Herr L e i n k a u f, der bisherige Fmauzminister der Eultusgemeinde, wird über den Stand der Gemeinde-Finanzen, wie ihn der neue Vorstand vorsindet, reseriren. Damit legt Herr Lein kauf sein Amt nieder, das er mit bewunderungswürdiger Sachkenntniß, in geradezu mustergiltiger Weise verwaltet hatte und das ihm die Gelegenheit geboten, sich große Verdienste um die Eultusgemeinde zu erwerben. Herr L e i n k a u f wird dem neuen Vorstände leider nicht mehr angehören. Der letzten Sitzung des alten Vorstandes wird nach einem kurzen Intervall sofort die e r st e S i tz n n g des neuen Bor st a n d e s folgen; in derselbeik lverden zunächst die Eon st it u i r u n g des neuen Eultusvorstandes und die W a h l e n s ü r das P r ä s i d i n m st a t t f i n d e n. Wien. (Der Gemeinde-Voranschlag für das Jahr 1897) lag durch vierzehn Tage zur allgemeinen Einsicht für die Gemeindemitglieder auf. Wir entnehrnen demselben nachstehende Daten: Die Einnahmen sind in stetem Rückgang begriffen, während die Bedürfnisse der Gemeinde sich fortgesetzt steigern. Während der Rechnungsabschluß des Jahres 1895 noch die Einnahmen mit 529.685 st. auswies, sind die Gesammteinnahmen für das Jahr 1897 mit 499.073 fl. präliminirt. Demgegenüber stehen die muthmaßlichen Auslagen von 649.349 fl. (im Jahre 1895 bezifferten sich die Auslagen mir 585.718 fl.), so daß der Voranschlag mit einem Ausfall von 150.276 fl. abschließt. Das Deficit, welches sich zu einem chronischen gestaltet hat, weist eine bedeutende Progression auf. Im Jahre 1894 noch unscheinbar mit 1426 fl. beginnend, steigt dasselbe im Jahre 1895 auf 56.032 fl., im Jahre 1896 am 83.377 fl., um mit dem pro 1897 präliminirten Ausfall seinen Höhepunkt zu erreichen. Das Deficit des Jahres 1897 resultirt hauptsächlich aus außerordentlichen Ausgaben (Reserven), welche sich mit 121.473 fl. beziffern. Die Deckung des präliminirten Ausfalles ist durch die im Zuge befindliche Neuveranlagung der Eultussteuern zu gewärtigen, ä. Wien. (Zweierlei Maß.) Man schreibt uns: „Im Geschäfte für chemische Färberei des Herrn E 0 u n d e (Taborstraße 29) wurde ein Mädchen auszunehmen gesucht. Ich ging mit meiner Schwester dorthin und die Geschäftsführerin schien

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