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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-12-18 · 51 (18.12.1896) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
51 (18.12.1896)
Date
1896-12-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 1010 Vr. Vloch's Wochenfchrtst. Nr. 51 Nach ihm ergriff Rabbiner Dr. Samuel K o h n das Wort zu der von edler Diction getragenen eigentlichen Einweihungsrede, die er mit der gebräuchlichen und auf sämmtliche Anwesenden stimmungsvoll wirkenden Benediction begann. Im Verlaufe seiner Rede hob er unter Hinweis auf die vor Kurzem erschienene Geschichte der israelitischen Knabenschule*) hervor, daß die Vorstehung der Pester Gemeinde schon in frühester Zeit bestrebt war, die Pflege patriotischen Sinnes und die Sache der Magyarisirung der Jugend zu fördern, denn schon im Jahre 1816 — kaum zwei Jahre nach Eröffnung der Schule — stellte sie an derselben einen eigenen ungarischen Lehrer an.' Seit jener Zeit hat der ungarische Unterricht in ununterbrochener Fortsetzung und zunehmender Intensität die jüdische Jugend vollkommen magyarisirt. Zum Schluffe gedachte er pietätvoll Moriz Wahrmann's, der stets bestrebt war, die Cultur seiner Glaubensgenossen zu heben, und selbst in seiner Todesstunde nicht der Gemeindeinstitutionen vergaß, indem er der Gemeinde zum Bau der neuen Schule 40.000 fl. testirte. Nach dem Rabbiner Dr. K o h n trat Schuldirector Abraham Stern vor das Publicum und hielt einen sehr schönen formvollendeten geschichtlichen Rückblick auf die Vergangenheit der Anstalt, hob die nationalen und socialen Aspirationen derselben hervor, gedachte der früheren hervorragenden Lehrkräfte, die im Vereine mit einem opferwilligen Vorstande die Entwicklung der Schule in cultureller, nationaler und confessioneller Hinsicht förderten und schloß mit einem Danke an die jetzige, nicht minder opferwillige Leitung der Gemeinde, wie auch an deren Wohlthäter. Hierauf ergriff ganz unerwartet und unter allgemeiner Spannung sämmtlicher Anwesenden Oberbürgermeister Carl Rath das Wort und sprach mit voller Wärme Folgendes von der Estrade herab: „Ich erfülle eine angenehme Pflicht, indem ich anläßlich der Einweihung dieser Schule dem Vorstande der Pester israelitischen Religionsgemeinde im Namen des hauptstädtischen Municipiums den aufrichtigsten und innigsten Gruß entbiete für die Munificeuz und patriotische Opferwilligkeit, mit der sie diese Schule errichtete. Die Gemeinde hat nicht blos die Pflicht erfüllt, die sie zufolge des von der Hauptstadt erhaltenen Grundes auf sich nahm, sie hat weit mehr als ihre Pflicht gethan. Die Einweihung dieser neuen Schule ist demnach auch für die Hauptstadt ein Freudentag, da sie dadurch um eine allen pädagogischen und hygienischen Anforderungen entsprechende Unterrichtsanstalt bereichert wurde. Diese neue Schule gehört zu jenen Lehranstalten, auf welche die Hauptstadt mit Stolz blicken kann. Ich wünsche, daß die Gemeindevorstehung durch die ihre gehörige Berufsauffaffung so glänzend documentirende Anstalt ein ewiges Andenken erhalte." Endlich flehte der Oberbürgermeister noch Gottes Segen auf die neue Bildungsstätte herab, welche sich würdig an die übrigen ähnlichen Anstalten der Metropole anreiht. Nach dieser von wiederholten Eljenrufen unterbrocheneil Ansprache erschien Schulinspector Dr. Carl V e r e d y auf der Estrade und sprach fast wörtlich Folgendes: „ Den Lorbeer der Anerkennung hat Ihnen bereits der Oberbürgermeister für die großartige Schöpfung überreicht, die lvir soeben eingeweiht. Auch ich kann die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, ohne einige Worte an Sie zu richten, denn es ist kein gewöhnliches Institut, das wir jetzt seiner Bestimmung übergeben, sondern ein solches, welches das M u st e r einer neuen Idee, einer n e u e n R i ch t u n g feilt wird. Es bringt mir einen vor 25 Jahren gefaßten, hehren Beschluß in Erinnerung, laut welchem die nationale Erziehung mit der religiösen parallel und Hand in Hand gehen muß. Es müssen solche Schulen errichtet werden, welche den nationalen Unterricht mit der r e l ig i ö s e n E r z i e h u n g harmonisch verbinden. N n d d i e s e I d e e, diese Richtung s e h e n w i r hierverkörpert. Hier wird dahin gestrebt, damit der Knabe ein treuer Sohn seiner Csnfession und ein treuer Patriot werde. Gegen den heutzutage überhand nehmenden Socialismus bieten solche Anstatten die bvste Garantie, da sie Religion und Patriotismus in die Herzen der Kinder pflanzen. *) Die Geschichte der Pester israelitischen Knabenschule wurde v> rnn an dieser Lehranstalt wirkenden Bürgerschullehrer Bernhard a u d l auf Grund «rchivaler Forschungen sehr sorgfältig geschrieben. Möge das Auge des Landes auf diese Schule gerichtet sein, da sie ein leuchtendes Beispiel dafür abgibt, daß man konfessionellen Geist ganz gut mit nationaler Bildung und patriotischem Fühlen vereinigen kann. Auch diese wirkungsvolle und begeisternde Ansprache wurde von den Anwesenden mit lebhaften Eljenrufen begleitet. Die Schuljugend sang noch die ungarische Volkshymne, worauf die schöne, erhebende Feier zu Ende war und die Gäste sich behufs der Besichtigung der wahrhaft musterhaften Lehranstalt in den einzelnen Sälen zerstreuten. Die Schule ist ein von zwei Gassenftonten begrenztes, drei Stock hohes Rohziegel-Gebäude, das nach den Plänen des Architekten Wilhelm Freund aufgeführt und laut Angabe erprobter Schulmänner eingerichtet wurde. Im Souterrain befinden sich außer dem Maschinenraume, worin die Vorrichtungen zur Centralheizung sind, noch der riesige Turnsaal und die Werkstätte zum Slöjdunterricht für die Knaben der Bürgerschule. Im Parterre sind 5 Lehrsäle für je 60 Schüler mit einem Lehrerzimmer. Im 1. Stocke: 4 Lehrsäle, ein Lehrerzimmer, ein physikalischer Lehrsaal, ein physikalisches und naturgeschichtliches Cabinet. Im zweiten Stocke ist die vorläufig nur noch zweiclassige Bürgerschule untergebracht. In dieser Etage sind 5 Lehrsäle, ein Lehrerzimmer, ein Zeichensaal und ein Bibliothekssaal, der gleichzeitig als gemeinschaftlicher Conferenzsaal dient. Im dritten Stocke sind drei Lehrsäle, ein Lehrerzimmer und der bereits oben erwähnte, mit einer Vorhalle versehene Haustempel. Die Schule besuchen derzeit 685 Schüler. Außerdem erhält unsere treffliche Gemeinde noch eine Volks- und Bürgerschule für Mädchen. Vom Jahrmarkt drs Lebens. Herr Geschaftelhuber. Neben der Rrtiungsgesellschaft hat auch der Wiener Wärmestubenverein mit der Wiener Gemeindevertretung seine interessanten Erfahrungen gemacht. Auch dieser humanitäre Verein bleibt unsubventionirt, weil seine gegenwärtige Leitung nicht genügendes Berständniß für die Ehre an den Tag legt, irgend einen Gregorig — das heißt man verlangt deren drei — zu cooptiren. Mögen die Aermsten der Armen hungernd in den kalten Straßen herumirreu, zähneklappernd in ihren verschossenen, durchlöcherten Fähnlein frieren. Das thut Nichts zur Sache! Hungert! Friert! Aber lobt Lueger, den Herrn, der in seiner Weisheit dem Wärmestubenverein den Brotkorb höher gehängt hat. Dem flüchtigen Beurtheiler, welcher den Circusspässen und Mankgemätzchen unserer dermaligkn Gemeindegewaltigen nur vorübergehende und oberflächliche Aufmerksamkeit schenkt, wird sich unwillkürlich die Frage aufdrängen, was die Commune eigentlich in den Wärmestuben sucht. Warum sie diese Institution der Strobach'schen Coutrole gar so bedürftig erachtet. Es könnte sich doch höchstens darum handeln, etwa jüdische Besucher der Wärmestuben von deren Pforten zu verjagen und Cherubims in Gemeindedieneruniform aufzustillln, die einem Jedem, der seine erstarrten Glieder wärmen kommt, nach dem Taufschein befragen. Aber das ist doch überflüssig, denn Kenner der antisemitischen Logik wissen genau, daß es überhaupt keine armen, keine hungrigen und keine frierenden Juden gibt, daß jeder jüdische Huusirer ein Großeapitalist ist und jede Gänslerin in Creditactien speculirt. Warum also? Bei der Rettuugsgesellschaft versteht man es schon eher. Da handelt es sich darum, die jüdischen „freiwilligen Mediciner" abzuschrecken, jene Auswürflinge der Gesellschaft, die ihre Zudringlichkeit so weit treiben, ohne Entgelt christliche Selbstmordcandidaten zu retten, verunglückten Ariern die erste Hilfe zu leisten. Bei dem Wärmestubenverein aber liegt die Sache nicht so einfach, und es ist eigentlich schwer einzusehen, warum die Bereinsleitung mit communaleu Beiräthen beglückt werden soll. Will man diese Erscheiuung^verstehen, so muß mau nicht davor zurückschrecken, auf die gesammten Wiener Verhältnisse, wie sie sich gegenwärtig gestaltet haben, einen prüfenden Blick zu werfen. Thut man dies aber, so wird Einem vor Allem der wüste Stellenhunger,

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