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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-12-11 · 50 (11.12.1896) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
50 (11.12.1896)
Date
1896-12-11
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 1002 Dr. Vlmtz's Wochrnfchrist Nr. 60 R a w i tz k i nennen, so wird man darin die Gewähr für die j wissenschaftliche Bedeutung des Werkes finden dürfen, wenn wir j auch deshalb selbstverständlich nicht Alles in demselben für richtig halten. Swifts Testament. Im vergangenen Jahre (1895) feierte die literarische Welt die hundertundfünfzigste Wiederkehr des Todestages Jonathan S w i f t's, der zu den genialsten Satyrikern der Weltliteratur zählt. Die erst jetzt vorliegende Schrift, mit einer Einleitung von Hieronymus L o r m und übersetzt und erklärt von Armin Fried mann (Verlag von Moritz P erle s, Wien 1897), hätte zu jener Gelegenheit erscheinen sollen, allein sie hat durch die Verzögerung vielleicht an Actualität, aber nichts an Werth und Interesse verloren. Auch heute wird sie Allen willkommen sein, die den Dechanten von St. Patrik nicht blos aus dürren literarhistorischen Notizen kennen lernen wollen. Die von Armin Friedmann besorgte Uebersetzung ist mit großem Glücke und mit vielem Geschick dem Geiste und nicht dem Wortlaute des Originals treu geblieben, sie liest sich so angenehm und fließend, als wäre es keine Uebersetzung. Der Uebersetzer hatte vor Allem die Absicht, den Ton Swift's zu treffen, und das ist ihm auch gelungen. Man hört Swift, „diesen Mann Gottes, welcher der grausamste Vivisector war, der jemals gelebt hat". Die Einleitung aus der Feder L o r m's ist eine glänzende Studie über Swift. Mit der Meisterschaft, die Lorm's literarischen Arbeiten ausgeprägt ist, wird ein Charakterbild Swift's entworfen und seine Stellung im Leben und in der Literatur in's rechte Licht gerückt. Die Erklärungen, die der Uebersetzer dem Werke beigefügt, zeugen von großer Belesenheit und Sachkenntiriß. Vergeltes Gott. Unter diesem eigenartigen Titel ist soeben (Verlag von Gebrüder Paetel, Berlin) eine Sammlung von Skizzen und Stimmungen erschienen, deren Verfasserin, Marie v. Glaser, sich in kurzer Zeit einen hervorragenden Platz unter den österreichischen Schriftstellerinnen erworben hat. Es ist das dritte Buch, mit welchem die junge Schriftstellerin die Lesewelt beschenkt und sie erklärt in einem gemüthvollen, sinnigen Vorworte den Titel: „Vergelt's Gott". Ihr bescheidener und dankbarer Sinn drängt sie, nicht nur der zärtlich geliebten Mutter dieses Werk, wie die vvrangegangenen zu widmen, sie dankt auch aus vollem Herzen den Freunden ihrer Muse, die auch ihr Freunde und Förderer geworden sind. Die Dankbarkeit ist eine gegenseitige. Die Verfasserin vereint auch in ihrem jüngsten Buche die Vorzüge, die man schon bei ihr kennt und würdigt. Eine liebenswürdige, poetische, aus den Tiefen des Gemüthes schöpfende Darstellungskunst zeichnet sie aus und auf jeder Seite offenbart sich ein nach den Idealen des Lebens ringender Geist, der das Schöne und Gute liebt. Fräulein v. Glaser gehört nicht zu den modernsten Autorinnen, deren Bücher so naturalistisch sind, daß man ihnen die Warnung voranschicken müßte: Nur für Herren! Im Gegentheile, an ihren Büchern werden alle Frauen und Mädchen Wohlgefallen und Freude finden, die es nicht als die einzige Aufgabe der Literatur finden, das Häßliche, Traurige und Anwidernde zu schildern. Friedrich Hebbel und die Juden. Unser geschätzter Mitarbeiter Herr Dr. Adolf Bi ach, Rabbiner in Brüx, hat (Verlag von Julius Ach & Comp., Brüx) eine Arbeit über Friedrich Hebbel veröffentlicht, in welcher er auf Grund eindringlicher Studien der Hebbel'schcn Werke, sowie seiner Briefe und Tagebücherdas Verhältniß Hebbel's zu den Juden charakterisirt. Der Verfasser hat seine Ausgabe mit Gründlichkeit gelöst. Er zeigt uns, wie Hebbel, der gewohnt war, mit unbarmherziger Auftichtigkeit seine Meinungen über Alles und Jedes auszusprechen, stets voll Achtung und Sympathie über die Juden und ihre Leistungen sich äußerte. Im Jahre 1859 schrieb Hebbel: „Im Juden liegt eine nicht zum zweiten Male vorkommende höchst eigenthümliche Mischung von kaustischem Verstände und symbolisch-allegorischer Phantasie. Er mußte darum groß im Religionsstiften sein, denn sein Verstand gestattete ihm nicht, an dem Grundgeheimnisse der Welt mit zugedrückten Augen vorüberzugehen und seine Phantasie war besser geeignet, wie die irgend eines anderen Volkes, es visionär zu lösen." Aehnliche Aeußerungen H e b b e l's werden noch viele vorgeführt. Hebbel hatte wohl nie hebräische Studien getrieben, aber er las die Bibel mit Begeisterung in Uebersetzungen und er war voll Aufmerksamkeit, wenn er von seinen jüdischen Freunden Aufklärung über jüdische Sagen und Legenden erhalten konnte. Es ist bekannt, daß viele seiner intimsten Freunde Juden waren. Hier seien blos genannt Emil Kuh, Sigm. Engländer, L. A. Frankl E. Kulke, der spätere österr. Justizminister I. Glaser. Mit Heine, Lorm, Kompert u. s. w. stand er im persönlichen Verkehre und zum Theile auch im Briefwechsel. Er sprach mit grenzenloser Bewunderung von der dichterischen Größe Heine's und verehrte Börne. Es gibt nichts Komischeres, als wenn man sich neben einem Hebbelschen Urtheile die Auslassungen der neuesten teutonischen Heineverunglimpfer denkt. Die verdienstliche Arbeit des Herrn Dr. B i a ch gipfelt in der Beweisführung, Hebbel habe auch in feiner Stellungnahme gegen die Inden gezeigt, daß ihm nur der Mensch und nicht dessen Glaubensbekenutniß gelte. Eingelangte Schriften: Adolf Redlich: „Auf Israel", „Unschätzbarer Rath in ernster Zeit!" Richkige Definition vom Wesen Gottes, unentbehrlich für jeden Juden, resp. für jede israelitische Familie. Budapest 1896, Buchhandlung M. E. Löwy's Sohn, Kövigsgasse 1. S. A. Horodetzky: „Kerem Salomo", Biographie und Psychologie des berühmten Rabbi Salomo Luria, genannt „Rschal". Verlag des Verfassers Berdiczow (Rußland), Bistrikerstraße Nr. 332. Professor Dr. David K a u f f m a n n: „Die Chronik des Achimaaz von Oria" (850—1051). Ein Beitrag zur Geschichte der Juden in Süditalien. Frankfurt a. M., 1896. I. Kauffmann. Dr. Jacob Batzfreund, Oberrabbiner in Trier: „Das Fragmenten-Targum zum Pentateuch, sein Ursprung und Charakter und sein Verhällniß zu den anderen pentateuchifchen Targumim". Frankfurt a. M., 1896. I. Kauffmann. Wm. Schn r : „Nezach Israel", Chicago, Jll. 146 West 12 th Street. Preis 1 Sht. 25. Dr. I. Jacob Unger, Rabbiner: „Festrede, gehalten zur Einweihung des renovirten israelitischen Gotteshauses in Jglau." Jglau, 1696. Paul Bäuerle. Dr. Ed. Mahler: „Der Pharao des Exodus." Wien, 1896 Moritz Waizner und Sohn, IX., Kolingaffe 11. Leopold Buxbaum: „Schlichte Worte" zum „Sefer Hajoschor". Preis 20 kr. Wien, 1695/6, im Selbstverläge des Verfassers, II/3, Lcopoldsgasse 26. Dr. Simon Stern, Rabiner in Saaz: „Das Programm Jungisraels." Saaz, 1696, im Selbstverlag des Verfassers. H e i n r i ch L e i t n e r: „An das antisemitische Volk". Ueber das Thun und Lassen der Juden. Wien, 1896, bei Emil M. Engel. Dr. Ludwig Ern st: „Kalte und warme Herzen." Ein Nachtrag zur Broschüre „Kein Judenstaat, sondern Gewissensfreiheit" Leipzig und Wien 1696. Literarische Anstalt von August Schulze, Buchhandlung, Wien, I., Franzensring 16. Briefkasten. K., Wien. Vor einigen Tagen begab sich eine Commission ter Academia de Historia von Madrid in den Palast und übergab der Königin-Regentin das erste Exemplar des vom genannten gelehrten Institute besorgten Abdruckes des berühmten Gesetzbuches des Alarich. Dieses Gesetzbuch wurde am 2. Februar 506 in einer in Aire abgehaltenen Versammlung von Bischöfen und Notablen gutgeheißen. Die einzige Handschrift, die von diesem merkwürdigen Codex übrig geblieben ist, befand sich im Archiv der Kathedrale in Leon und wurde dort vor einigen Jahren vom österreichischen HistorikerAdolfVeer, der behufs Untersuchung mittelalterlicher Codices nach Spanien gekommen war, entdeckt. Die Aoademia de Historia beschloß sofort, die Herausgabe des werthvollen Werkes zu veranlassen. Genannte Handschrift ist die älteste der spanischen Urkunden, die bislang bekannt sind und wurde von einem österreichischen Semiten an's Tageslicht gefördert. Das „Deutsche Volksblatt" bringt diese Mittheilung in der Nummer vom 9. December und vergißt, Adolf Beer zu beschimpfen. Vermuthlich hat Vergani des Feiertages wegen das Blatt diesmal nicht gelesen. Emil Schulz, Purgstall. Sie stellen folgende Anfrage: „Wegen wiederholter Ueberschreitung des Wirkungskreises wurde einem Vorsteher einer israelitischen Cultusgemeinde in einer Sitzung des Cultusausschusses das Vertrauen entzogen und ihm die Mißbilligung mit Majorität ausgesprochen und dies im Sitzungsprotokolle ausgenommen. Wäre es nicht am Platze, daß dieser Vorstand sofort seine Stelle niederlegt? Nachdem dies bis jetzt aber nicht geschehen, so ist meine zweite Frage die, ob dieses Sitzungsprotokoll im Wortlaute veröffentlicht werden solle, vielleicht würde der Betreffende hieraus die Consequenzen ziehen?" — Wir können nur antworten, daß jeder öffentliche Mandatar nach einem Mißtrauensvotum das Mandat zurücklegt. Im Uebrigen sollte auch die k. k. Bezirkshauptmannschaft gegen Ueberschreitungen deS Wirkungskreises eines Vorstehers einschreiten. ° L. M. Herr Dr. W ä h n e r tritt von Zeit zu Zeit für seinen Freund Vergani in die Schranken. Er wird Schott wiffen, weshalb er seinem Concurrenten solche kleine Liebesdienste erweist. Arthur M. Das ist antisemitische Logik: Im Parlament darf ein liberaler Fachmann nichts reden, wenn von Versicherungsfragen die Rede ist. Der'Dr. Wähn er aber, der selbst das bittere Bekenntniß ablegte, daß er ein Pauschale von der Tramway-Gesell-

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