Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 50 (11.12.1896)
- Date
- 1896-12-11
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 50 Vr. Vloch's Wortzenlchrifi „Aber ich möchte auch ein Wmlder zum Schwiegersohn haben," murrte der König. „Wenn Ihr schnorren einen Schwiegersohn müßtet, würdet Ihr bekommen ein Wunder; aber da er zu schnorren Euch hat, bekommt er das Wunder", sagte Jankele besänftigend. „Das ist wahr", bemerkte Manasse sinnend. „Ich glaube daher, daß Ihr auch ohne Mitgift zufrieden sein müßt." „Gewiß", stimmte Jankele ^u. „Aber Ihr werdet doch nicht brechen wollen Euer Versprechen. Hoffentlich bekomme ich einen Theil der Mitgift am Hochzeitstag." „An diesem Tage werdet Ihr meine Tochter bekounuen — darauf könnt Ihr Euch verlassen. Sicherlich ist das für einen Tag genug." „Nu, und wann bekomm ich das Geld, das Eure Tochter ans der Synagoge bekommt?" „Wenn sie es von der Synagoge bekommt." „Wieviel wird es sein?" „Vielleicht hundertfünfzig Pfund", sagte Manasse pompös. Jankeles Augen glänzten. „Vielleicht weniger", fügte Manasse nach reiflicher lieberlegung hinzu. „Um wie viel weniger?" fragte Jankele ängstlich. „Um hundertfünfzig Pfund", antwortete Manasse pompös. „Wollt Ihr damit sagen, daß ich gar nichts bekomme?" „Gewiß, wenn sie nichts bekommt. Ich versprach Euch blvs das Geld, das sie von der Synagoge bekommen wird, wenn sie beim svrieo Glück hat." „Beim sorreo? Was ist das?" „Die Mitgift, von der ich sprach. Sie wird durch das Los entschieden. Meine Tochter hat gerade so gute Aussichten wie alle anderen Mädchen. Indem Ihr sie gewinnt, habt Ihr Aussicht, hundertfüufzig Pfund zu gewinnen. Das ist eine schöne Summe, und es gibt nicht viele Väter, die so viel für ihre Töchter thun würden", schloß Manasse im Bewußtsein seiner Großmuth. „Aber, was ist's mit Eureni Jerusalemer Besitzthnm?" sagte Jankele ausweichend. ,.Jch Hab keine Lust, dort zu wohnen. Der Messias ist noch nicht gekommen." „Nein, Ihr werdet auch schwerlich dort wohnen können", gestand Manasse zu. „Habt Ihr also nichts dagegen, wenn ich es verkaufe?" „Oh nein — wenn Ihr so schmutzig seid, wenn Ihr kein wirklich jüdisches Gefühl habt." „Wann wird es übergehen in meinen Besitz?" „Wen. Ihr wollt, am Hochzeitstage." „Es ist am.besten, solche Dinge rasch abzumachen", sagte Jankele und bezähmte sein Verlangen, sich vor Vergnügen die Hände zu reiben. Wie es im Talmud steht: „Ein Pfefferkorn heute ist besser, als ein Korb voll Kürbisse morgen". „Schön, ich werde es also in die Synagoge bringen". „In die Synagoge bringen?" wiederholte Jankele erstaunt. „Oh, Ihr meint die Uebertragnngsurkunde?" „Uebertragungsurkunde! Glaubt Ihr vielleicht, daß ich mein Geld den Advocaten hinwerfe? Nein, ich werde es selbst hinbringen." „Wie könnt Ihr das?" „Was ist da schwer dabei?" fragte Manasse verächtlich. Ein Kind kann einen Korb voll Jerusalemer Erde bis in die Synagoge bringen. „Einen Korb Erde! Euer Jerusalemer Besitzthnm ist also ein Korb Erde?" „Was denn? Ihr habt doch nicht erwartet, daß es ein Korb Diamanten sein wird?" entgegnete Manasse in wachsender Wuth. „Für einen guten Juden ist ein Korb voll Jerusalemer Erde mehr werth, als alle Diamanten der Welt." „Das ist ja ein Schwindel", keuchte Jankele. „Oh nein, in dieser Beziehung könnt Ihr ruhig sein. Ich weiß, daß ziemlich viel falsche Erde aus Palästina in Verkehr ist, und daß mancher Todte, dem solche Schollen iu's Grab nachgeworfen werden, trotzdem tit nnheiliger Erde begraben liegt, aber ich habe Sorge getragen, diesen Korb von einem besonders heiligen Rabbi zu erhalten. Es war das Einzige, was er besaß, was des Schnorrens werth war." „Ich glaube nicht, daß ich mehr als eine Krone dafür bekommen werde", sagte Jankele, der feine Empörung nicht unterdrückeic konnte. Seite 1001 „Das sage ich auch", entgegnete Manasse. „Ich hätte aber nie gedacht, daß einer meiner Schwiegersöhne daran denken würde, meine heilige Erde für lumpige fünf Schillinge zu verkaufen! Ich werde mein Versprechen nicht zurückziehen, aber ich habe mich in Euch getäuscht — bitter getäuscht. Hätte ich gewußt, daß diese Erde nicht Eine Gebeine bedecken wird, so wäre sie mit mir in mein Grab gegangen sein, so wie ich es in meinem letzten Willen und Testamente forderte, neben dem sie in meiner Easfe liegt." „Gut, ich werd sie nicht verkaufen", sagte Jankele mürrisch. „Ihr erleichtert mein Herz. In der Mischna steht ja: „Wer ein Weib um des Geldes wegen heiratet, erzeugt ungerathene Kinder." „Und wie steht es mit der Provinz in England?" fragte Jankele in leisem, niedergeschlagenen Ton. Daran hatte er nie geglaubt, aber jetzt in seiner Verzweiflung und Ungläubigkeit regte sich in ihm die unbejtinunie Hoffnung, daß wenigstens etwas aus dem Krach gerettet werden könne. „Oh, Ihr sollt sie Euch selbst auswählen", antwortete Manasse liebenswürdig. „Wir werden uns einen großen Plan von London verschaffen, und ich werde das Gebiet, in dem ich schnorre, mit rothem Stift bezeichnen. Tann sucht Ihr Euch darin einen Bezirk aus, der Euch paßt; wir können sagen, zwei Hauptstraßen und ein Dutzend Nebengassen. Diese werden wir mit blauem Stift bezeichnen und ich werde mich verpflichten, von Eurem Hochzeitstage an dort nicht zu schnorren. Ich brauche Euch nicht zu sagen, wie werthvoll eine solche Provinz bereits jetzt ist; unter der sorgfältigen Verwaltung, die Ihr ihr angedeihen lassen könnt, können die Einkünfte verdoppelt, verdreifacht werden, ab.r Ihr braucht mir nicht mehr als zehn Perceut davon abzugeben." Jankele schritt wie mesmerisirt dahin; sein herrischer Gönner hatte ihn in einen Somnambulen verwandelt. „Oh, da sind wir ja", sagte Manasse, plötzlich stehen bleibend. „Wollt Ihr Euch nicht die Braut ausehen und ihr Glück wünschen?" Ein Frendenstrahl zuckte über Jankeles Gesicht und verscheuchte seine Düsterkeit. Was lag an allem Andern? Da Cvsta's schöne Tochter blieb ihm ja doch, und das war eine solide, ausreichende Genugthuung. Er war froh, daß sie wenigstens nicht einen Posten der Mitgift bildete. Die ahnungslose Braict öffnete die Thüre. „Ha, Jankele", sagte Manasse, dessen Vaterherz beim Anblick ihrer Schönheit warm wurde, „Ihr werdet nicht nur ein König, sondern auch ein reicher König sein. Es steht ja geschrieben: „Wer ist reich? Der ein schönes Weib besitzt." _ (Fortsetzung folgt.) Literatur. Beiträge zur Synonymik der hebräischen Sprache. Jur Verlage von I. K a u f m a n n (Frankfurt a. M. 1896), ist von H. K l e i m e n h a g e n eine Schrift erschienen, welche zahlreiche Beiträge zur Synonymik der hebräischen Sprache über Gegenstände theologischen, psychologischen, naturhistorischen und archäologischen Inhaltes enthält. Der Verfasser weist in einem Vorworte seiner von großem Fleiße zeugenden Arbeit darauf hin, daß er das Maunscript derselben zur Begutachtung dem berühmten Orientalisten Dr. E. D. G i n s b u r g und dem Bibliothekar im British Museum Mr. van Lt r a a l e n vorgelegt habe, die seine Schrift als einen wichtigen Beitrag zur Exegese der heiligen Schrift erklärten. Eine von solchen Autoritäten gegebene Entpfehlung wird ilicht verfehlen, die Aufmerksamkeit für die nunmehr im Drucke vorliegende Arbeit zu erregen. Die Beschneidung. Ein stattliches, von A. G l a ßb e r g (Berlin, Verlag von E. Boa's Nachf., 1896) herausgegebenes Buch liegt uns vor, welches sich die Aufgabe stellt, „die Beschneidung in ihrer geschichtlichen, ethnographischen, religiösen und medicinischen Bedeutung" zu schildern. Nach dem modernen Principe der Arbeitstheilung vorgeheud, hat sich eine Anzahl von Gelehrten zufammengefunden, mit dieses Werk zu verfassen, indenc jeder eine Seite der Frage zum Gegenstand seiner Erörterung machte. Wenn wir die Namen der Mitarbeiter, Professor Dr. U. Steinschneider, I. Steinschneider, Dr. 9!. Malter, A. Gl aßberg, Dr. W. Kämpf, Pastor W. Ranch st ei n,!>•■. me»l. K öhlberg. Löwe und