Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 50 (11.12.1896)
- Date
- 1896-12-11
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 1000 Vr. Vlvch's Wochrnkchrifi. Nr. 50 das mm verkauft worden ist, zahlte er etwa ein Viertel der Summe dafür, welche jetzt dafür erzielt wurde. Das Haus wurde nämlich für fast 1'/, Millionen Mark verkauft. Davon erhielten: Das Spital der jüdischen Gemeinde 20.000 Mark; der Verein junger Kaufleute in Berlin 138.000 Mark; der Berliner Frauengroschenverein das gleiche; das Asyl für Obdachlose 270.000 Mark re. re. Paris. Mr. Auguste Michel Levy, Professor an der Schule für Bergbau und Mitglied des jüdischen Central- Consistoriums in Frankreich, ist zum Mitgliede der Akademie der Wissenschaften ernannt worden, und zwar erhielt er von 50 Stimmen 54; die andern beiden wurden für Mr. de Lapparent abgegeben. Mr. Levy, dessen Vater ein berühmter Arzt und ebenfalls Mitglied des jüdischen Central-Consistorinms war, hat zahlreiche Werke über Geologie verfaßt. Paris. Der Generalinspector des Post- und Telegraphenamtes, Mr. Gerson Fribourg, ist auf eigenes Ansuchen in den Ruhestand versetzt worden. Bukarest. Rumänische Politiker sagen offen, daß es ihr moralisches und materielles Interesse erheische, die Juden möglichst zu unterdrücken, da dieselben in Folge ihrer Fähigkeiten und ihres Fleißes die rumänischen Christen weit überragen. Sie kränken sich, daß einige naturalisirte Juden hohe Stellen bekleiden, wie zum Beispiele B. Emanuel David, der erste Professor für Mathematik an der Bukarester Universität; Professor Lazar Schaineanu; Dr. Tiktin, der erste Grammatiker; Negrescu, der erste Architekt; Dr. Schachmann, der erste Arzt:c. 2c. Die Bukarester Universität hat soeben ihren Bericht über das Jahr 1895/96 veröffentlicht, und es zeigt sich, daß von 1680 Studenten 168 Inden sind. Ein ähnliches Verhältniß besteht an der Universität zu Jassy. London. (Das Testament des Sir Albert S a s s o o n.) Der persönliche Besitz des Verstorbenen im Werthe von netto 260.000 Pfund (etwa 3'/» Millionen Gulden) ist an seinen Sohn Sir Edward Ezra Abdullah David Sassoon übergegangen, welcher der einzige Testamentsvollstrecker ist. Capstadt. Zum erstenmale, seit es eine jüdische Cultusgemeinde gibt, wurde hier eine Confirmation fiir jüdische Mädchen abgehalten, fünfzehn an der Zahl. Es nahmen an der Feier, welche sehr schön verlief, auch Nichtjuden theil. Porth Elizabeth. Die hiesigen und die Wohlthätigkeitsanstalten von Capstadt find von dem verstorbenen Mr. I. Soloman, welcher jahrelang hier lebte, bevor er nach Hamburg übersiedelte, reich bedacht worden. So erhielt der Frauenwohlthätigkeitsverein 1000 Pfund, das Krankenhaus 500 Pfund und die jüdische Gemeinde 200 Pfund rc., im Ganzen etwa 3300 Pfund. Manchester. Montag den 21. December wird der berühmte Novellist I. Zangwill in der Zunfthalle (Free Trade Hall), der größten des Königreiches Großbritannien, einen Vortrag „The Ghetto" halten. An derselben Stätte pflegte der berühmte Charles Dickens seine Vorlesungen zu halten. Das Protectorat haben nicht nur alle hiesigen Parlamentsmitglieder und städtischen Würdenträger, sondern auch der Marquis of Lorne, der Schwiegersohn der Königin Victoria, und A. I. Balfour übernommen. Der Bürgermeister von Manchester wird an dem Abend den Vorsitz führen und die Frau Biirgermeisterin veranstaltet einen feierlichen Empfang zu Ehren Zangwill's. Mogador. Air. E. Bensaude ist zum Consularagenten der Vereinigten Staaten in Rabat ernannt worden. Mogador. Air. Abraham Farache aus Tangier, der erst kurze Zeit hier lebt, ist zum portugiesischen Vicecvnsul ernannt worden. Feuilleton. Der König der Schnorrer. Bon I. Z a n g w i l l. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Als das Gebet zu Ende war, wandte er sich zu Mänasse und sagte: „Worin besteht also das Mittel, das Ihr mir anrathen wollt, um einträgliche Verbindungen mit den Sephardim zu bekommen? „In der That, ich nmnderte mich, warum Ihr Eure Praxis als Trostprediger nicht auch auf die spanischen Juden ausdehnt", antwortete Manasse ernsthaft. „Aber nachdem wir soeben gehört haben, daß die Sterbeziffer der Juden in Grodno so groß ist, würde ich Euch den ernsten Rath geben, dorthin zurückzukehren." „Nein, sie können nicht vergessen, daß ich einmal ein Knabe war," antwortete der Rabbi mit demselben Ernst. „Die spanischen Inden sind mir lieber, sie sind alle wohlhabend. Vielleicht sterben sie nicht so oft wie die Russen, aber sie sterben sozusagen besser. Ihr wollt mir also Empfehlungen geben mtS) mit Eueren vornehmen Freunden von nnr sprechen, wenn ich Euch recht verstanden habe." „Recht verstanden?" wiederholte Manasse mit würdigem Erstaunen. „Ihr habt mich nicht recht verstanden, ich werde nichts dergleichen thnn." „Aber Ihr habt es mir ja selbst vorgeschlagen", rief der Rabbi aufgeregt. „Ich? Keine Spur davon. Ich hatte von Euch und Euren Trauerreden gehört; als ich Euch daher heute Vormittag zum erstenmale auf der Straße traf, fiel es mir ein, Euch zu fragen, warum Ihr Eueren Trost nicht auch in den Schoß meiner Gemeinde tragt, bei der sich viel mehr verdienen läßt. Ich sagte, daß ich nlich wundere, warum Ihr das nicht von allem Anfang an gethan hättet und Ihr — ludet mich zum Mittagessen ein. Ich wundere mich noch immer. Das ist alles, mein lieber Freund." Und er erhob sich, um zu gehen. Der hochmüthige Verweis brachte den Rabbi zum Schweigen, obwohl in seinem Herzen das unbestimmte Gefühl kochte, daß er benachtheiligt worden sei. „Geht Ihr vielleicht denselben Weg, Jankele"? fragte Manasse nachlässig. Der Rabbi wandte sich hastig zu seinem zweiten Gast. „Wann wollt Ihr also heiraten?" fragte er. „Ihr habt mich bereits verheiratet", antwortete Jankele. „Ich?" keuchte der Rabbi. Das war der letzte Strohhalm. „Ja," wiederholte Jankele. „Ist es nicht so, Herr Da Costa?" Sein Herz hämmerte, während er die Frage stellte. „Gewiß", sagte Manasse ohne Zögern. Jankeles Gesicht strahlte wie ein glorreicher Sommertag. Nur zwei von dem Quartett kannten das Geheimniß dieses Leuchtens. „Gut' Sabbath, Rabbi," rief er voll Wonne. „Gut' Sabbath!" fügte Manasse hinzu. „Gut' Sabbath!" murmelte der Rabbi betäubt. „Gut' Sabbath!" fügte seine Frau hinzu. „Wünscht mir Glück," ries Jankele, nachdem sie das Hans verlassen hatten. „Wozu?" fragte Manasse. „Daß ich Euer Schwiegersohn werde." „Oh, dazu? Gewiß, ich wünsche Euch herzlich Glück dazu." Die zwei Schnorrer schüttelten einander die Hände. „Ich glaubte, daß Ihr ein Compliment über Euer Manöver hören wolltet." „Nu, verdiene ich das nicht?" „Nein," sagte Manasse entschieden. „Nein?" wiederholte Jankele, dem das Herz wieder schwer ward. „Warum nicht?" „Warum habt Ihr so viele Menschen umgebracht?" „Damit ich lebe, müssen Andere sterben." „Das habt Ihr schon einmal gesagt," sprach Manasse streng. „Ein guter Schnorrer würde für ein Mittagessen nicht so Biele abgeschlachtet haben. Das ist Verschwendung. Und außerdem habt Ihr gelogen." „Woher wißt Ihr, daß sie nicht tobt sind?" vertheidigte sich Jankele. Der König schüttelte vorwurfsvoll den Kopf. „Ein Schnorrer erster Classe lügt nie," behauptete er. „Ich wär mit der Wahrheit so weit gekommen, wie mit der Lüge, wenn Ihr nicht gekommen wäret selber zum Mittag essen." „Was sagt Ihr da? Ich kam, um Euch zu ermuthigen, um Euch zu zeigen, wie leicht Euere Aufgabe sei." „Im Gegentheil, Ihr habt sie mir erschwert; es war nicht mehr zum Essen da." „Aber dagegen müßt Ihr bedenken, daß der Rabbi, da er bereits Einen eingeladen hatte, nicht so schwer zu überrumpeln war, wie ich mir einbildete." „O nach Euch selbst dürft Ihr nicht urtheilen," protestirte Jankele. „Ihr seid kein Schnorrer — Ihr seid ein Wunder."