Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 50 (11.12.1896)
- Date
- 1896-12-11
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 50 Vr. Vloch's wochenfitzrM Sette 999 künstlerisch vorgetragene Festpredigt. In derselben stellte er die Makkabäerhelden als leuchtende Vorbilder für das Gesammt- Jsrael der Jetztzeit dar und begeisterte insbesondere die jetzige Generation zum muthigen Festhalten des Glanbenspaniers und Lur Einsetzung für die uns verbrieften Rechte des Judenthums. Drohobyez, 8. December. Vorgestern feierte der hiesige Cultuspräses und Altvicebürgermeister Herr Hirsch Goldhammer den 71. Geburtstag im trauten Kreise seiner Familie, umgeben von den vollzählig versammelten „Häuptern seiner Lieben". — An demselben Tage fand im Hause des Gefeierten die Trauung seiner Enkelin Fräulein Amalie B e r k owicz mit Herrn Dr. Julius Pohl, Advocaten in Brzezany, statt. Alls Anlaß dieser Doppelfeier liefen im Hause G o l dh a m m e r nach Hunderten zählende briefliche und telegraphische Beglückwünschungen aus Nah und Fern ein. Krakau. Am 6. d. M. hat der hiesige zionistische Verein eine Chanukafeier veranstaltet, die einen würdigen und erhebenden Verlauf genommen hat. An derselben nahmen Delegirte der Schwestervereine aus Tarnow und Lemberg theil und wurden beider Feier patriotische Reden gehalten, die beifällig ausgenommen wurden. Wie der „Czas" berichtet, hat der Statthalter von Galizien, Fürst Sanguszko, zu Mitgliedern der Wahlcommission für die diesjährigen Handelskammerwahlen von unseren Glanbensernannt: Die Handelskammerräthe Moritz Dattner, Josef Falter, sowie den Vicepräsidenten der israelitischen Cultusgemeinde und Gemeinderath Hirsch Landau. Der Abgeordnete Dr. Rapoport von Porada hat hier einem Comite vorläufig den Betrag von 2000 fl. zur Verfügung gestellt, mit der Widmung, an arme Gewerbetreibende bis zu 50 fl. Darlehen zu verleihen, die dieselben wöchentlich in kleinen Raten zurückznzahlen hätten. Krakau. Der hiesige jüdische Literatur-Verein „Sfas Emes" veranstaltete Sonntag den 6. December in dem prächtig ausgestatteten Tempelsaale sein viertes Stiftungsfest, verbunden mit einer Chanuka-Feier, zu der sich ein distinguirtes Publicum einfand. Der würdige Viceprüsident des Vereines, Herr David S ü ß k i n d, eröffnete die Feier mit einer inhaltsreichen Ansprache, die eine schöne Parallele zog zwischen den Makkabäer-Siegen und der Gründung d s ersten Literaturvereines in Krakau durch den verdienstvollen Redacteur des „Hamagid", Herrn Samuel Fuchs, worauf die Channka-Lichter durch den Stellvertreter des Obercantors des hiesigen Tempels entzündet wurden. Herr L- Berge r, der durch seine geistreichen Vorträge im erwähnten Verein viele Verdienste sich erworben hat, hielt sodann die Festrede in deutscher Sprache, die beifälligst ausgenommen wurde. Nach einer schönen Declamation eines hebräischen Gedichtes durch einen 14-jährigen Gymnasiasten, M. Lese r, bestieg die Kanzel unter allseitiger Begrüßung Herr Redacteur Samuel Fuchs und hielt etwa 3/4 Stunden in einem classischen Hebräisch aus dem feinsten Stegreif einen formvollendeten Vortrag über „Israels Ausgaben in der Gegenwart", der mit einem nichtendenwollenden Applaus allsgenommen wurde. Hierauf schloß sich ein Banket an, an dem nur einzelne Mitglieder des Vereines theilnahmen. H—tz. Pozsony, 7. Decenkber. Der hiesige mit religiös wissenschaftlichen Vorträgen verbundene Wohlthätigkeitsverein „Tiseresz- Bachurim" hielt am 6. d. M. aus Anlaß eines Sijums ein großes Vereinsfest. Zu diesem Feste hatten sich weit über hundert und aus der Elite der hiesigen Gemeinde bestehende Vereinsmitglieder eingefunden und wurde hier das Vortrefflichste geboten und besonders animirte Stimmung herrschte unter den Festgästen. Besondere Würze verliehen auch die erhebenden Reden des Vereinsrabbiners Ehrtv. Dr. Daniel Proßnitz, Herrn Hermann Steiner und Vorstandes Herrn Duschinsky. Das äußerst gelungene Fest ist den verdienstvollen Vorstandsmitgliedern Herrn Jsr. Weiner, Herrn Elkan Mayer, Herrn Fr. Duschinsky und Herrn Heinrich Bettelheim jun. zu verdanken, welche sich um das glänzende Prosperiren des Vereines unsterbliche Verdienste erworbeli haben, was sich auch in den wiederholt stürmischen Hervorrufen genannten Vorstandes durch die versammelten Gäste manifestirte. Damboritz. (Todesfall.) Am 2. December wurde hier Herr Salomon Wiesner zu Grabe getragen, welcher 26 Jahre Vorsteher der hiesigen Cultusgemeinde, 33 Jahre Gemeinderath und Ausschuß der hiesigen Marktgemeinde und seit 1891 Ehrenbürger dieser Gemeinde war. Das imposante Leichenbegängniß, an welchem sich der gesammte Gemeinderath und Ausschuß der Marktgemeinde , der Ausschuß der israelitischen Cultusgemeinde und die Schuljugend betheiligten, zeugte für die hohe Achtung, in welcher der Verstorbene bei Jedermann ohne Unterschied der Confession und Nationalität stand. Herr Salomon Wiesner, welcher das hohe Alter von 81 Jahren erreichte, starb nicht in seinem Heimatsorte, sondern in der Fremde, wenn auch im Kreise seiner vollzählig versammelten Familie. Donnerstag den 26. November fuhr er nach Gairing in Ungarn, um dort der silbernen Hochzeit seiner ältesten Tochter beizuwohnen, und dort wurde er vom Tode ereilt. Der Verblichene hat sich um seine Heimatsgemeinde ungemein verdient gemacht. Seinen unablässigen Bemühungen gelang es, die Marktgemeinde durch gute Straßen dem Weltverkehre näher zu bringen; unermüdlich arbeitete er dahin, daß hier ein k. k. Postamt errichtet wurde, und nicht genug mit dem, ging dann sein Streben dahin, daß wir eine fahrende Post erhielten; seiner sprichwörtlich gewordenen Friedensliebe nur ist es zu verdanken, daß in unserer Heimatsgemeinde der confessionelle Friede nie gestört wurde. Bon fast sämmtlichen Cultusvorständen Mährens, sowie von hervorragenden Persönlichkeiten langten Trauerkundgebungen an die Hinterbliebenen, sowie auch an die Cultusgemeinde ein. Trotz des Chanukasestes ließ es sich Seine Ehrwürden der Herr Bezirksrabbiner S. Hahn nicht nehmen, am Sarge, welcher vom Trauerhanse in den Tempel getragen wurde, dem Dahingeschiedenen einen tiefempfundenen und ergreifenden Nachruf zu widmen, bei welchem kein Auge der den Tempel in allen seinen Räumen dichtfüllenden Zuhörer thränenleer blieb. Schattmannsdorf (Ungarn). Am 2. December fand hier unterbesonderer Theiinahme der gesammten Bevölkerung von Schattmanusdorf und Umgebung das Leichenbegängniß unseres langjährigen Präsidenten der israelitischen Cultusgemeinde, Herrn Leopold Steiner, statt. Die Bahre des Verblichenen umstanden im Schmerze amgelöst dessen trostlose Witwe und 13 erwachsene Kinder, und ein Bild der aufrichtigen und wahrhaften Trauer war es, als der ehrwürdige Herr Rabbiner I. Frankl in schwungvollen Worten die Verdienste des Verewigten. der seit mehr als 3 Decennien die Verwaltung unserer Cultusgemeinde mit Geschick und Energie leitete, der in seiner Stellung als erster Gemeinderath stets die Interessen seiner Gemeinde in wahrhaft väterlicher Weise zu vertreten wußte und ein wahrer Freund und Vater der Armen war, schilderte, und waren sämmtliche Trauergäste durch die vorzügliche, in wahrhaft religiösem Sinne gehaltene Rede unseres hochwürdigen Herrn Rabbiners zu Thränen gerührt. Unter den anwesenden Trauergästen bemerkte man als Vertreter der katholischen Gemeinde den hochwürdigen Herrn Pfarrer Bakics aus Schattmannsdorf, sehr viele Leidtragende aus Wien, Preßburg, Tirnau rc., und kann man mit Recht sagen, daß ein solch imposanter Trauerzug in Schattmannsdors noch nie gesehen wurde. Hunderte Wiener Kinder, die von Seite der israelitischen Feriencolonie nach Schattmannsdorf geschickt und im Hanse des Verblichenen beguartiert und verköstigt wurden, werden sich an den ehrwürdigen Greis noch erinnern, und ihm, der für jeden Einzelnen ein freundliches Wort hatte, gewiß ein gutes Andenken bewahren. Berlin. Au Stelle des ermordeten Justizrathes Meyer Levy ist Justizrath Makower zum Präsidenten der Advocatenkammer ernannt worden. Berlin. Der berühmte Schauspieler Ludwig Barnay ist wieder im Theater ausgetreten und enthusiastisch begrüßt worden. Hamburg. Dr. S. Ph. Nathan, der hochbegabte Lehrer an der hiesigen Talmud-Thoraschule, feierte vergangene Woche sein 50jähriges Doctorjnbiläum. Er hat das Diplom in Jena erworben, und diese Universität erwies ihm an seinem Jubeltage die Ehre, sein Diplom zu ertieuern und es ihm durch den Director Dr. Goldschmidt persönlich überreichen zu lassen. Auch sonst hat Dr. Nathan zahlreiche Gratulationen erhalten. Stuttgart. In einer reich besuchten Versammlung der hiesigen und der Juden der Umgebung wurde beschlossen, den „Israelitischen Landesasylum und Unterstützungsverein" zu gründen, der den Zweck hat, für alte und bedürftige Juden, die sich nicht erhalten können, ein Heim zu gründen. Sobald ein Capital von 100.000 Mark zusammengekommen ist und das Asyl eine jährliche Einnahme von 10.000 Mark zu haben hofft, wird das Heini errichtet werden. Eine große Summe wurde bereits gezeichnet. Berlin. Ein großes Legat des verstorbenen Commerzienrathes Moriz Gerson und seiner Frau Rosa Gerson ist soeben von den Testamentsvollstreckern Alb. Meyer Cohn, Alb. Phillip Meyer und Georg Gerson ausbezahlt worden. Als vor vierzig Jahren Moriz Gerson das Haus in der Thiergartenstraße kaufte,