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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-12-11 · 50 (11.12.1896) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
50 (11.12.1896)
Date
1896-12-11
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 50 Gerte 995 Sr. Vloch's Mochrnphrtst. Tag. Es soll damit nicht so sehr der Antisemitismus in Croatien conftrttirt werden, der ja endlich überall leicht hervorgebracht werden kann, wie das selbstmörderische Thun jener unserer croatischen Glaubensgenossen ansgedeckt werden, die ihr Heil von diesen Parteien erwarten. Das Organ der Obzor-Partei enthielt schon seit längerer Zeit Nachrichten und Berichte, die nach berüchtigter Art und Weise über die liberal-freimaurerische Pester und Wiener Judenpresse schimpften — ein gelinderer Ausdruck wäre nicht am Platze — alte und neue Märchen über jüdische Großmacht und jüdische Ausbeuterei auftischten und über die weltbewegende Herrschaft der „Alliance" faselten. Nach dem Durchfalle jener Comödie nahmen die Herren vom „Obzor" die Maske herunter und ließen einen Artikel „Judenthum" an leitender Stelle vom Stapel, der Jedermann die Augen darüber öffnen mußte, daß man in der Red actio n dieses clericalen Blattes nicht vergebens das „Deutsche Bolksblatt" liest und dabei geistige Anleihen macht. Offen wurde endlich das „Kaufet nur bei Gesinnungsgenossen" proclamirt und der Kampf gegen jüdische Gewerbe,, Handel rc. eröffnet. Eine Dame — wahrscheinlich ein verkapptes Pfäfflein — beklagte sich rundheraus, sie sei zu ihrem größten Bedauern gezwungen, Modeartikel bei den erger, berger, selber, Wälder rc. zu kaufen, und um einen Beweis von ihrer täglichen Lectüre zu bieten, ermahnte sie die croatischen Frauen, es den Wienern gleich zu machen, die bei der Agitation zu Gunsten Lneger's so Hervorragendes geleistet haben. Seitdem diese Dame(?) auf diese Weise die Tendenzen des „Obzor" offen herausplatzen ließ, vergeht kein Tag, an dem sich dieses Blatt nicht vom „Deutschen Bolksblatt" bedienen läßt, so oberhalb tote unterhalb des Striches, in den Tagesneuigkeiten und in den vermischten Nachrichten, dem größten Ablagerungsplatze des Wiener Imports. Es wird doch 'Niemandem einfallen, für baare Münze zu nehmen die Definition zwischen Juden und Jndenthum — tvomit doch nnr eine Concession gemacht werden soll, den jüdischen Abonnenten, eine Definition, die nichts Anderes anstrebt, als anstatt des Racenautisemitismus den wirthschaftlichen Antisemitismus zu begründen. An einen solchen Köder beißt heute Niemand mehr an. Es war auch nicht anders zu erwarten, als daß ein so streng clerirales Organ, wie es der „Obzor" ist, endlich in das Fahrwasser des Antisemitismus gerathen wird, um so eher, da in Bälde bei den bevorstehenden Wahlen das Losungswort „fremde Ausbeutung", „jüdisches Großcapital" rc. sich als gutes Agitationsmittel bewähren könnte für eine Partei, die wieder auf der politischen Schaubühne erscheinen will. Nicht besser steht es um die andere oppositionelle Partei, der sogenannten Rechts (?) Partei, über deren Tendenzen folgende Zeilen aus der Montagsuummer (30. November) des Parteiorganes „Hro. Dvmovina" ein klares Bild bieten: „Gegenüber der Berichte der Judenpresse über die croatischen Verhältnisse — worunter besonders diejenigen des Agramer Berichterstatters der „Neuen Freien Presse" gemeint sind — machen wir unsere Leser aufmerksam auf die präcisert Informationen des wichtigsten und größten Organes der Wiener Antisemiten, des „Deutschen Bolksblatt". Wir fordern unsere Casino's auf, daß sie die in einer gewissen Kanzlei geschmiedeten jüdischen Lügen aus ihren Localitäten hinauswerfen, und, wenn sie schon deutsche Blätter haltert, die erwähnte deutsche wahrheitsliebende (?) Zeitung abonniren sollen." Kanu3 mannm lavat. Herr Bergani darf sich ftir die Complimente bedanken. Es würde mich zu weit führen, wollte ich die politischen Gründe des Antifentitismus unserer oppositionellen Parteien auseinandersetzen. Ein jeder croatische Jude, der bisher für diese Opposition eingetreten ist, ihre Organe und Vereine unterstützt hat, soll sich die Frage vorlegen, ob es gewissenhaft ist, noch weiterhin unsere Antisemiten zu unterstützen und ihnen die Mittel zu ihrer Erstarkung zuzuführen, oder raihsam mtd opportun ist, vor solchen. Erscheinungen die Augen zuzudrücken. Welcher Zufall! Gerade zur Zeit unserer Chanukafeier, der Erinnerung an die glorreichen Kämpfe der Makkabäer, rückt der croatische Antisemitismus vor! Sollte das kein Mahnruf sein an die croatischen Jitden, auf der Hut zu sein und endlich dem selbstmörderischen Gebühren, den Antisemitismus hilfreiche Hand zu bieteit, ein Ende zu setzen. Dr. G. Schwär z, Rabbiner. Berlin. Eine Anzahl alter Burschenschafter in Berlin, Geheimer Justizrath Bulling, Professor Dr. Carl G u s s e r o w, Dr. Georg Schulze, Director des französischen Gymnasiums, Bürgermeister K i r s ch n e r und Rechtsanwalt Dr. Bieber, haben, wie die „Breslauer Zeitung" meldet, an die alten Herren der Burschenschafte n ein C i r c u l ä r gesendet, das folgende Mittheilungen enthält: „Eine größere Anzahl alter Burschenschafter war am 27. October zu einer Versammlung zusammengetreten, in der einmüthig Stellung gegen den bekannten antisemitischen Beschluß des allgemeinen deutschen Burschenschaftsconvents genommen wurde, namentlich weil derselbe sowohl von den Principien der Burschenschaften abweiche, als auch eine Beleidigung der zahlreichen altert Herren jüdischen Glaubens in sich schließe. Nach eittgehertder Debatte wurde eine entsprechende Erklär n n g angenommen und eine Commission beauftragt, den Beschluß sämmtlicheu altert Herren rnirzutheilen und sie um die Ermächtigung zu bitten, jene "Erklärung sämmtlichen Burschenschaften unter Beifügung der Namen Derjenigen, die sich ihr angefchlosfen haben, zur Kenntniß zu bringen. Homburg. (M a k k a b ä e r f e i e r.) Tie Henry Jones Loge veranstaltete dieser Tage im großert Saale des „Hotels zu den drei Ringen" eine Makkabäerfeier mit Vortragsabend zu Ehren des neuen Jugendbundes, der sich die besondere Pflege religiöser und geistiger Interessen zur Attfgabe stellt, unter Vorsitz des Herrn Dr. Wassermann. Die Logenbrüder mit ihren Damen, die Jugend und viele Ehrengäste füllten den Saal. Der Präsident, Herr Gustav Tuch begrüßte die zahlreiche Gesellschaft, hob die Bedeutung des Abends in beredten Worten hervor und errheilte dann Herrn Prediger Dr. Leimdörfer das Wort zu einem Vortrag über das Thema: „Religion und Wissenschaft". Tie inhaltlich wie in der Form ausgezeichneten Ausführungen des Redners fanden seitens der zahlreichen Versammlung lebhaften Beifall. München. Bei den jetzt vorgenommenen Gemeindewahlen wurden etwa 16.000 Stimmett abgegeben. Hievon entfielen aut die liberalen Candidateu .WM», auf die ultramoutauen oono, auf die social-demokratischen 3438 und auf die antisemitischen Candidateu 141 Stimmen, trotz c v l o s s a l e r Agitation seitens der A n t i s e m i t e n. Hatte man doch schon vor Monaten Herrn Lueger mit seinent Generalstabe zit Agitationszwecken hieher kommen lassen. Der gesunde Sinn der Münchener Bevölkerung weiß sich die Pestbeule des Antisemitismus vom Körper zu halten. Bulgarien. Herr Benedict, Bicesecretär der Alliance Israelite, welcher vom Centralcomitö den 'Auftrag erhalten hatte, die Schulen in Bulgarien zu insviciren, hatte eine Audienz beim Unterrichtsminister V e l i t s ch k o w. Seine Excellenz empfing Herrit B e n e d i e t mit der größten Liebenswürdigkeit und versicherte ihn, daß die Regierung das größte . Wohlwollen für die jüdischen Schulen in Bulgarien hege. Der Minister, welcher kurz zuvor die öffentlichen Schulen des Landes inspicirt hatte, sprach Herrn Benedict von der Befriedigung, die er beim Besuche der jüdischen Schulen empfuitden, er habe sich davon überzeugt, daß die Kinder einen gründlicher! und vielseitigen Unterricht genießen. London. Baronin Clara Hirsch gederrkt eine Heilanstalt s für jüdische Lungenkranke zu errichten und hat zu diesem Zwecke bereits bei ihren Verwandten, Moses Bischosfsheim, Sir Edward Sassoon und Mr. Frank Lukas eine Summe von 50.000 Pfund (ungefähr 600.000 Gulden) devvnirt. Im vergangenen Jahre wurdett nämlich viele Lungenkranke, die um Aufnahme in das jüdische Reconvalescentenheim von Norwood und Brighton nachsuchten, ans dem Grunde abgewiesen, weil dadurch die andern Insassen des Recouvalescentenheims der Gefahr der 'Ansteckung ansgesetzt worden wären. Run hat sich aber gezeigt, daß Lungenschwindsucht unter den Judert, besonders unter den eingewanderten russischen Inden in so bedeutend verstärktem Maße aufrritt, daß die Errichtung einer Anstalt für Lungenkranke eine Nothwendigkeit ist. Nun hat sich Baronin Hirsch in edler großmüthiger Weise bereit erklärt, eine solche Anstalt zu gründen. Es heißt, daß diese zwar ihre eigene Verwaltung haben, aber doch mit dem Reconvalescentenheim irgendwie verbunden sein wird. Es ist noch nicht beschlossen, wo die neue Anstalt errichtet werden soll, doch sind bereits Anträge von dem Herzog von Devonfhire, Lord Wimborne und Mr. Cornwallis West eingelauien. Es sollen zunächst 30 Personen il8 Männer und 12 Frauen) in der Heilanstalt Platz finden, die selbstverständlich mit den allerneuesten hygienischen Einrichtungen versehen sein wird. Jeder Patient soll' für ein halbes Jahr ausgenommen werden. London. (Reverend Tr. A l b e r t L ö w y.i In? London feierte Dienstag ein hervorragender, aus Oesterreich

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