Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 50 (11.12.1896)
- Date
- 1896-12-11
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 994 Vr. Vwch's MochenzchrtN. Nr. 50 in die Synagoge geleiten, von wo er aber schon nach wenigen Minuten, nachdem sein Zustand zu den ernstesten Besorgnissen Anlaß gab, in die Wohnung seines Schwiegersohnes gebracht werden mußte, wo er auch noch an demseibeu Abend seine reine Seele aushauchte. Ein Schlaganfall hatte seinem Leben ein jähes Ende bereitet. Die Wirkung, welche dieses so unerwartet eingetretene traurige Ereigniß auf die Angehörigen des Verblichenen, wie auch ans alle Festtheilnehmer ausübte, vermag ich nicht zu schildern und will nur noch berichten, daß an der Bahre des Verewigten außer dem Gefertigten noch der Rabbmer von Malaczka eine Trauerrede hielt, nach welcher die sterblichen Ueberreste nach dem Wohnorte des Verblichenen überführt wurden, wo er durch volle 26 Jahre das Ehrenamt eines Vorstehers bekleidete und mehr als ein halbes Jahrhundert die Functionen eines Mohel und Bal Tokea ausübte. Leopold Stern, Rabbinatsverwescr. Saaz. am 4. December 1896. Löbliche Redaction! Ich ersuche höflichst, einen den Sinn eines Satzes meiner Berichtigung in der letzten Nummer 49 dom 4. December (Seite 975, Spalte 2) entstellenden Drucksehler gefälligst richtigstellen zu wollelt. Es muß lauten: „daß das Judenthum e i n st von allen Menschen anerkannt werden wird", statt „nicht von allen Brenschen anerkannt werden wird". Ergebenst Dr. Simon Stern. Aus Böhmen. HochgeehrterHerrRedacteur! In der sicheren Erwartung, daß Sie auch diesmal dem Worte der Wahrheit in ihrem geschätzten Blatte Raum gewähren werden, bitte ich um Ausnahme nachstehender Zeilen: „In der von Prag stammenden Notiz in Nr. 48 der „Oesterreichifchen Wochenschrift", in welcher über den Verlaus der in Prag tagenden Rabbinerconferenz berichtet wird, hat sich ein bedauerlicher Fehler eingeschlichen, beit Herr Dr. Stern in seiner Berichtigung in Nr. 49 nicht mitberichtigt hat. Es wird nämlich darin referirt, daß von den „etwa 50 Rabbinern Böhmens" nur 9 erschienen sind. Herr Dr. Stern führt als Erklärung zu diesem merkwürdigen Factum an, daß wohl die meisten R a b b i n e r Böhmens schriftlich , ihr Erscheinen zu gesagt hätten, jedoch in Folge einer von Prag aus eingeleiteten riesigen Gegenagitation nicht gekommen sind. Hier liegt ein Jrrthum vor, der wohl eine gründliche Berichtigung erfordert. Zunächst weiß ein Jeder, der sich für das Judenthum in Oesterreich, speciell in Böhmen einigermaßen interesfirt, daß in Böhmen 194 jüdische Gemeinden bestehen, deren jede nach dem oft citirten Gesetze einen Rabbiner haben muß. Gesetzt den Fall, daß einige kleinere Gemeinden von der Gesetzeswohlthat, sich dem Rabbinate einer Nachbargemeinde anschließen zu dürfen, Gebrauch machen, so dürste es dennoch nicht zu hoch gegriffen sein, die Zahl der alle Rechte i h r e s B e r u f e s genießenden R a b b i n e n in Böhmen mit mindestens 160 zu veranschlagen. Es liegt nun wenig daran, wie viele Rabbinen in Böhmen sind und der Lapsus in der betreffenden Notiz wäre sicherlich unter anderen Verhältnissen ohne Berichtigung geblieben. Allein bei der Beliebtheit und Verbreitung Ihres Blattes wäre es für die 110 Rabbiner, welche der Referent „übersehen" hat, ein Zeugniß sehr geringen Standesbewußtseins, wenn sie sich ohne Weiteres „übersehen" ließen, umsomehr, als der Jrrthum ganz gewiß ein beabsichtigter ist. Es muß endlich einmal offen ausgesprochen werden, daß wir Rabbiner in Böhmen, die wir von den Gesinnungsgenossen Herrn Dr. Stern's als ihnen nicht „coordinirt" ignorirt werden, weil wir angeblich nicht zu Rabbinen „ordinirt" worden sind, Niemanden als kompetent erachten, ein Urtheil über unsere Würdigkeit abzugeben. Herr Doctor Stern hat die 110 Rabbiner Böhmens, die religiösen Führer der Majorität der böhmischen Juden nicht zu der Conferenz geladen, aus welchem Grunde ist nach dem bereits Gesagten klar; vielleicht auch in der dunkeln Ahnung, daß seine Ideen bei ihnen auf energischen, bewußten und berechtigten Widerstand stoßen werden. Wie weit sein Unterfangen von Erfolg begleitet war, das bezeugt das Ergebniß der Rabbinerconferenz. Die besonnenen Rabbiner Böhmens, die sich endlich mit einem unabwendbaren fait accompli zurechtgefunden haben, versagen den „ignorirteu" Rabbinern ihre Anerkennung nicht mehr; ja, es sprechen sogar Beweise dafür, daß sich dieselben mit den Letzteren in den verschiedenartigsten Angelegenheiten auf guten Fuß setzen. Vielleicht haben sie erkannt, daß diese Rabbinen, die, „der Noth gehorchend, nicht dem eigenen Triebe", ihr Amt eher als Bürde denn als Würde tragen, denn doch nicht gar so verachtungswerth sind, als sie gewisse Herren so gerne hinstellen möchten; vielleicht sind sie zu der Ueberzeugung gelangt, und zwar zu der auf Thatsachen gegründeten Ueberzeugung, daß diese Rabbinen, ob nun als solche oder in ihren früheren anders benannten Stellungen ohne angemaßtes Wissen, ohne hochtrabende Worte,, mit weniger Applomp, aber mit desto größerem Eifer, Selbstverleugnung und Aufopferung für das Judenthum Ersprießliches geleistet haben; daß nicht ihrer Thätigkeit die Schuld des religiösen Jndifferentismus anheimfällt; daß s i e vielmehr es waren, die das flackernde Flämmchen jüdischer Religiosität, fern von den geistigen Centren des Judenthums, wach erhalten haben. Vielleicht haben sie auch erkannt, daß die Rabbinen mit „Ordination" (Smichüh) nicht durchwegs lauteres Gold sind, daß sie vielmehr den Nachweis ihrer höheren Befähigung — wie so Manches, was lieber unausgesprochen bleibt — wohl in großartigen Worten, neuen Ideen, aber nicht durch die That — in den meisten Fällen — erbracht haben. Es muß das endlich klar und offen ausgesprochen werden, daß des Versteckenspielens einmal ein Ende werde. In Bezug auf die obenerwähnte Notiz sei daher constatirt, daß es nicht richtig ist, daß von den etwa 50 Rabbinen Böhmens lediglich 9 erschienen sind, sondern v o n d en etwa 50 eingeladenen. Ferner ist nicht wahr, was Herr Dr. Stern in der Berichtigung behauptet, daß „die meisten der Rabbinen Böhmens" bei der Conferenz zu erscheinen zugesagt hatten; wahr ist vielmehr, daß von den Rabbinern Böhmens die „meisten gar nicht dazu geladen waren". Hochachtungsvoll Auhew Eines. 8— Teplitz (Böhmen). 7. December. (Wohlt h ä t i gk e i t s c o n c e r t.) Wenn mau je einer Veranstaltung in unserer Stadt ein lebhaftes Interesse entgegenbringt, so ist es das Wohlthätigkeitsconcert des Teplitzer T e m p e l v e r e i n s. Dasselbe zeichnet sich seit jeher durch ein äußerst reichhaltiges Programm aus und erreichte in diesem Jahre einen besonderen Glanzpunkt, indem es dem rührigen Comite gelungen war, das rühmlich bekannte Quartett Beamt aus B r ü n n zu gewinnen. Es war daher nicht zu wundern, wenn man diesem Concerte, welches am Sonntag den 6. d. M. stattfand, schon von vornherein ein lebhaftes Interesse entgegenbrachte, und der fürstlich Clary'sche Gartensaal war daher in allen feinen Räumen dicht gefüllt, so daß der Reingewinn, welcher zur Bekleidung armer Kinder verwendet wird, ein ganz ansehnlicher fein dürfte. Eingeleitet wurde der hochinteressante Abend durch zwei Borträge des Qua rt e t t s Beamt, und zwar: „Lola", eine tragische Geschichte i im Polkastyl von Fürst, und „Ein moderner Erlkönig" von Weinzierl. Die vier Sänger fallen vor Allem durch die angenehmen Stimmmittel, sowie durch ihre virtuose Sicherheit auf. Ihr Gesangsvortrag ist ebenso geschmackvoll, als originell und wirkt durch die treffliche Nuancirung zwerchfellerschütternd. In dieser Beziehung waren die Vorträge „Der Zinnhusar" und „Wasmuth's Hühneraugen in der Uhr" (humoristisches Männerquartett) von zündender Wirkung. Einen stürmischen Beifall entfesselte die Absingung eines Theaterzettels der Wiener Hofoper von „Cavalleria ßusticana“ nach Melodien dieser Oper. Das Quartett sah sich schließlich veranlaßt, mehrere Vorträge hinzuzugeben und erweckte stets minutenlangen Beifall. Herr B. Schlesinger brachte zwei Lieder zu Gehör, welche lebhaften Beifall für den sympathischen Sänger eintrugen. Das Mitglied des hiesigen Stadttheaters, Fräulein Käthe Schwarz aus der Wiener Gesangsschule, erfreute die Zuhörer durch den Vortrag mehrerer Lieder und entfesselte frenetischen Beifall. Herr Obercantor Davidf o h n sang im Vereine mit Fräulein Schwarz ein Duett aus der Oper „Der fliegende Holländer" mit imponirender Stimmenentfaltung. Das Quartett Beamt beschloß sodann mit einem humoristischen Vortrag das Concert, an welches sich ein Tanzkränzchen reihte. Das Consite, an dessen Spitze die Herren Adolf K a r p e l e s, C. B e a m t, Ad. L a n g e r, H a h u und Fleischer standen, kann mit Stolz auf die diesjährige Veranstaltung zurückblicken, zumal der Reinertrag einem so wohllöblichen Zwecke zugute kommt. „ Karlsstadt (Croatien), 1. December 1896. Seitdem die abgeschmackte Comödie des einstmaligen croatischen Jnstizchefs, derzeitigen pensionirten Generals der im Landtage nicht vertretenen clericalen O b z o r-Partei, des Herrn Dr. D e r e n c i n, betitelt: „Die Provinzopposition" zweimal über die Bretter des croatischen Landestheaters gegangen ist und daraufhin dem Archive einverleibt wurde, ist die antisemitische Campagne von allen Schattirungen der Opposition eröffnet worden und ruht keinen