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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-12-11 · 50 (11.12.1896) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
50 (11.12.1896)
Date
1896-12-11
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Ni. 50 Dr. Vlortz's Vortzenschrtn lichste entwickelt zu haben, sei das Verdienst des Vorsitzenden des Liszt-Vereines, Professor Martin K r a u s e r; der Ruhm, das hochbedeutsame Erstlingswerk an das Licht gezogen zu haben, gebühre dem Münchener Hofcapellmeister Richard S t r a u ß, welcher das gewaltige Tonwerk mit Meisterhand einstudirte und nun zu seinem Ehrentage dirigirte. Der Componist, dessen Werk auch in Fachblättern ebenso ausführlich als anerkennend besprochen wird, hat seiner Tondichtung Jbsen's gleichnamiges Schauspiel „Rosmersholm" zu Grunde gelegt und schildert in Tönen alles Weh, alle Wonne der Liebe, alle Kämpfe, wie schließlich den tragischen Ansgang des Dramas mit einer Lebendigkeit und einer Farbenpracht der Töne, wie sie nur denen zu Gebote stehen, die in vollster Bedeutung des Wortes aus dem Vollen schöpfen. Die Kritik lobt auch die Ursprünglichkeit in der Erfindung wie in der Durchführung. Vom Publicum wurde dem Werke stürniische Anerkennung gezollt. Brünn. Vorige Woche haben wir die ältesten jüdischen Lehrer Mährens hier versammelt gesehen, um von Herrn Advocaten Dr. G. Haas, dem Vertreter des Baron H i r s ch'schen Millionengeschenkes für Mähren, den Theil in Empfang zu nehmen, welcher dem Mährisch-schlesischen israelitischen Lehrervereine zufiel. Es war am 9. Oktober 1865, als die jüdischen Lehrer Mährens im hiesigen Saale der k. k. Oberrealschule unter Vorsitz weiland des k. u. k. Schulrathes Doctor N o v a k und des k. u. k. Polizeicommissürs W a n k a eine vorbereitende Versammlung des zu constiiuirenden Vereines israelitischer Lehrer Mährens und Schlesiens abhielten. Dr. Moritz Eisler, Hauptschuldirector zu Nicolsburg, legte einen Plan vor, ähnlich den damals in Deutschland bestehenden Pestalozzi-Vereinen, um die Lehrer anzuregen, die Versorgung der dienstunfähigen Lehrer, respective ihrer Witwen und Waisen selbst in die Hand zu nehmen. Von den anwesenden 60 öffentlichen Lehrern wurde ein Comits ad hoc gewählt und diesem die Ausarbeitung der Statuten übertragen, um dieselben zur Bestätigung der hohen Behörde vorzulegen. Die damals Gewählten waren die Herren Dr. M. E i s l e r und die Oberlehrer B o n d i Conrad, Storch und S b o r o w i tz. Am 4. August 1867 wurden die Vereinsstatuten hochbehördlich bewilligt, und schon im August 1870 hatte der Verein 2000 fl. gesammelt und konnte noch vor dem Eintritte des neuen Schulgesetzes und der staatlichen Versorgung Lehrerwitwen und Waisen unterstützen. Mit dem Eintritte des neuen Schulgesetzes nahm die Mitgliederanzahl ab, die jährliche Einzahlung wurde eingestellt. Trotzdem war es dem Counts theils durch Schenkungen, besonders aber durch Herausgabe vor: Lehrbüchern möglich, dienstunfähige Lehrer, respective ihre Witlven und Waisen zu unterstützen, und hat der Verein durch fast 30 Jahre an 9000 fl. in dieser Richtung arisgegeben und einen Fond von 6000 fl. reservirt. In der letzten abgehalteneu Vereinsversammlung am 7. August 1889 wurde festgesetzt, daß nach dem Tode der jetzigen Mitglieder studierende Lehrerkinder aus den Zinsen des Vereinsvermögens unterstützt werden sollen. Da mm dem Verj eine 11.000 fl. aus der Baron H i r s ch'schen Stiftung für! Mähren zufallen; hat das Comits beschlossen, für den nächsten Frühling eine Versammlung der Mitglieder zu veranstalten, um allen jüdischen Lehrern Mährens den Zinsengenuß der H i r s chschen hinterlassenen 11.000 fl. zu ermöglichen. Bis jetzt theilen sich 9 Witwen und 4 Emeriti in den Zinsengenuß, dieses soll nun erweitert werden. Möge Gott das Leben der Gründer dieses Humanitären Vereines verlängern, auf daß sie sich noch lange ihres guten Werkes erfreuen können. Gar treffend nannte vorige Woche der Herr Landesrabbiner die emiritirten Herren Direktoren Dr. Eisler und Bondi unsere Schjore ansche knessus. B. Lemberg. Der hiesige „Israelit" berichtet: Bekanntlich hat das Gesetz über die Sonntagsruhe den Landeschefs der einzelnen Kronländer einen weiten Spielraum überlassen, verschiedene Erleichterungen, je nach den Ortsverhältnissen zu gewähren. Das veranlaßte nun den Statthalter von Galizien, die Ansichten der Handelskammer und des Gemeinderathes der Stadt Lemberg zu vernehmen. In der Sitzung vom 12. November gelangte nun diese Frage zur Verhandlung. Welch eine herrliche Gelegenheit für Antisemiten, eine Judendebatte int großartigsten Style zu veranstalten! Versetzen wir uns bei solcher Gelegenheit in den Rathhaussaal von Wien. Da fehlt kein Mann der Getreuen Lueger's, die Galerien sind von seinen Hilfstruppen besetzt, des Momentes harrend, ihren Führern, ihren Helden, wenn sie ihre Galle über diese Semiten, über diese verfluchte Race, auszu- Seite 993 gießen beginnen werden, Beifall zu spenden. Und welch ein F ld wäre das für den Mechaniker Schneider, ferne immense Belesenheit in der jüdischen Literatur auszukramen. Kurz, es wäre eine Hetze, an der die Antisemitenblätter tvochenlang zu zehren hätten. Wie anders gestaltete sich aber die Debatte über diese Frage in der Gemeindestube von Lemberg, der Hauptstadt des Bärenlandes. Sachlich und ruhig wurde die Angelegenheit vom Referenten vorgetragen ohne irgend welche Leidenschaft, ohne die Juden zu streifen, und in demselben ruhigen Geleise wurde die Debatte fortgesponnen, wobei jedes einzelne Mitglied, je nach seinem Standpunkte, die Frage erörterte, itnd obwohl ein jüdisches Mitglied mit einem Anträge hervortrat, daß die Sperrung der jüdischen Handlungen, mit Rücksicht darauf, daß dieselben am Sabbath gesperrt sind, erst um 1 Uhr geschehe, fiel kein ehrenrühriges Wort von irgend einer Seite gegen die Juden. Ter Antrag des jüdischen Gemeinderathes wurde zwar, mit Anführuug sachlicher Gründe, abgelehnr, aber es fielen keine die Juden verletzende Worte, wie man es leider aus der Stadt an der blauen Donau zu vernehmen gewohnt ist. Zur Ehre des hiesigen Gemeinderathes sei es gesagt, daß Hetzreden in den Mauern des hiesigen Rathhauses noch nicht gehört wurden, obwohl der Philvsemitismns nicht zu beit heimischen Gewächsen gehört. Ein Anstandsgefühl und eine Scheu vor öffentlicher Ungerechtigkeit beherrscht die hierländischen Kreise. Man liebt die Inden hierzulande ebenso wenig wie anderswo, aber man verletzt nicht unsere Ehre und Nationalität: wir müssen zwar Schritt auf Schritt um die uns gewährleistete Gleichberechtigung kämpfen. Thuil auch wir es daher nur mit den Waffen der Vernunft, des Anstandes, wie es politisch reifen, selbstbewußten Bürgern geziemt. Am 21. November fand im Rathhanssaale eine vom hiesigen jüdischen galizischen Kleinhandelschutzverein einbernsene Versammlung unter Vorsitz des Antiquars Menkes statt. Tie Versammlung b^chloß eine Vorstellung an die Statthalterei gegen den Beschluß des Gemeinderathes, womit, wegen der Sonntagsruhe, die Schließung auch der jüdischen Handlungen um 11 Uhr Vormittag angevrdnet wurde; die Vorstellung wird sehr gerecht motivirt damit, daß die jüdischen Handlungen keine christlichen Subjecte haben, die nach II Uhr in die Kirche gehen sollen, hingegen die jüdischen Oiehilfen sammt den Principalen haben den ganzen Sabbath genug geruht. Wie wir vernehmen, kann keine Neucvnstituirung des hiesigen Cultusrathes zu Stande kommen, weil viele Eultusräthe trotz wiederholter Einladungen seitens des Enltnsvräsidenten der Sitzung, wo es sich um die Constituirung des Vorstandes.handelt, ferne bleiben. Ob diese Indolenz auch bei einer Neuwahl des nächsten Cultusrathes herrschen wird, bezweifeln wir. Im Gegentheil, es wird da keiner dieser geliebten Häupter fehlen und alle werden sich wie üblich in jeder Hinsicht solidarisch erklären. Wie uns von der Temvelverwaltung berichtet wird, ist der Rechenschaftsbericht pro 1895/96 bis beute deshalb nicht erschienen, weil das revidirte Banconw des restaurirten Tempels vom Cultusvorstande noch nicht herabgelangt ist. Warum? Gairing, am 4. December 1896. 'Am vergangenen Samilag feierte Herr Samuel Pisk, Gutspächter und Spiritusfabrikant in Gairing, in Verbindung mit seiner silbernen Hochzeit die Einweihung der von ihm zu dieser Gelegenheit gespendeten Thora sammt werthvollem Sllberschmuck, Porochesz und Manier!. Bon Nah und Fern strömten zahlreiche Freunde und Verehrer des Jubelpaares herbei, um ihm den Zoll ihrer Liebe und Hochachtung darzubringen. Die feierliche Inauguration, an welcher sich mit dem Gemeinde-Präses Herrn Bernhard Adler und dem Gefertigten an der Spitze sämmtliche Gemeindemitglieder betheiligten, gestaltete sich imposant und die vom Gefertigten gehaltene Einweihungsrede fand allgemeinen Beifall. Die israelitische Cultusgemeinde^ihrerseiis überreichte ein geschmackvoll gearbeitetes und reich mit Silber verziertes Album, in welches sich der größte Theil der Gemeindemitglieder einzeichnete, welches Geschenk auf das Jubelpaar einen besonders guten Eindruck machte. Die Feier konnte in jeder Beziehung eine solenne genannt werden und hätte nichts zu wünschen übrig gelassen, wenn nicht ein leider sehr tragischer Fall, eben als die Festesfreude ihren Höhepunkt erreichte, dieselbe gestört und ihr ein jähes Ende bereitet haben würde. Unter den erschienenen Festgästen befand sich nämlich auch das greise Elternpaar der Jubilarin, Herr und Frau Salomon Wiesner, welches ebenfalls dem Herzensdrange nicht widerstehen konnte, sogar aus dem in großer Entfernung von hier gelegenen Dambositz in Mähren herbeizueilen, um den Ehrentag seiner Kinder mitzuieiern. Als nun Samstag Vormittags um 10 Uhr sich die Festgesellschaft in die Synagoge begab, fühlte sich Herr Wiesner in dem Momente plötzlich unwohl, als er eben in das Gotteshaus eintreten wollte. Seine Umgebung mußte ihn stützen, daß er nicht zusammenbreche, und konnte ihn nur mit Mühe

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