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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-12-11 · 50 (11.12.1896) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
50 (11.12.1896)
Date
1896-12-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 992 Dr. Vloch's Wochenfrhrist Nr. 50 und Frau, die Industriellen D. B l o ch und Quittner und Vertreter anderer Corporationen. Es war ein recht instructiver und anregend gewerblicher Abend. Herr Ludwig Loos, Professor und Custos des Gewerbemuseums, demonstrirte elektrische Heiz-, Koch-, Bügel-, Löth und andere Apparate für häusliche Zwecke und erntete für diesen Bortrag ungetheilten Beifall. Darauf demonstrirten die Mitglieder, Adolf Spitzer, Kunsttischler, I. Braun, geräuschlose Thürverschließererzeuger, G. Berengarten, Spänglermeister, ihre Erzeugnisse. Um 7.11 Uhr trat Reichsrathsabgeordneter Noske in den Saal und wuü>e mit großem Enthusiasmus empfangen. Er hielt an die Versammlung eine der gegenwärtigen Situation angepaßte Ansprache, wofür ihm der Präsident Herr B r o d und die' ganze Versammlung reichen Beifall spendeten. Um 7.12 Uhr schloß der Vorsitzende den herrlichen Vereinsabend. Wie«. (An die Advocatenkammer abgetreten.) Ein vor dem Strafrichter des Bezirksgerichtes Leopoldstadt stattgehabter, an sich unbedeutender Ehrenbeleidigungs-Proceß nahm eine Wendung, die in Advocatenkreisen Aufmerksamkeit hervorzurufen geeignet ist. Der Richter sah sich nämlich veranlaßt, die Verhandlung nach längerer Dauer abzubrechen und den Beschluß zu verkünden, daß der Act der Advocatenkammer abgetreten werde, um gegen den Anwalt der einen Partei die Disciplinar-Untersuchung einzuleiteu. In Verhandlung stand nachstehender Fall: Der Obsthändler Leopold Tauer hatte mit der Victualien-Händlerin Anna Horinka am 17. October auf dem Marktplatze eine erregte Controverse, welche gegenseitige Ehrenbeleidigungs-Klagen zur Folge hatte. Der Richter gab sich in der gestrigen Verhandlung Mühe, die Parteien zu einer gütlichen Beilegung der Affaire zu bewegen. Der ohne Vertreter erschienene Kläger und Geklagte Leopold Tauer erklärte sich auch bereit, Abbitte zu leisten, allein Anna Horinka, als deren Anwalt in Vertretung des Dr. Porzer Dr. Ritter v. Praida sungirte, bestand auf der Durchführung der Verhandlung. Nach Einvernahme mehrerer Zeugen legte der Richter der Anna Horinka nahe, einen Ausgleich zu acceptiren, da sie wahrscheinlich auch nicht straffrei ausgehen würde. Der Ausgleich wäre perfect geworden, wenn nicht Dr. Ritter v. Praida darauf bestanden wäre, daß Tauer, der die Hülste der Kosten zu zahlen sich bereit erklärte, die ganzen Kosten des Processes tragen solle. Der. Tauer lehnte dies ab und theilte dem Richter mit, daß Dr. Ritter v. Praida vor Beginn der Verhandlung im Gerichtscorridor seiner Clientin von einem Ausgleich abgerathen und hiebei geäußert habe: „Dem Juden wollen wir es schon zeigenl" Dr. v. Praida erklärte diese Angabe für eine steche Lüge. Adjunct Dr. Biehal rügte diesen Ausdruck und verkündete den Beschluß, die Verhandlung zu sistiren und den Act der Advocatenkammer abzutreten, damit diese entscheide, ob Dr. Ritter v. Praida durch sein Borgehen bei der Verhandlung das Interesse seiner Clientin derart gewahrt habe, wie es seine Pflicht als Anwalt sei. Bade«, 8. December. (Ein v erurtheilter Landtagsabgeordneter.) In einer Wählerversammlung in Gainfahrn producirte sich der sattsam bekannte Mechaniker Schneider, um den versammelten Bauern den Fabrikanten K r u m p ö ck als den allein seligmachenden Vertreter für den Landtag aufdringlich zu empfehlen. Selbstredend wurde den Bauern - das Unglaublichste aufgebunden; unter Anderem behauptete Schneider, daß durch unreelle jüdische Geschäftskniffe die Ochsen vor dem Verkaufe so überfüttert werden daß kürzlich in dem Dünndarm eines geschlachteten Ochsen fünfundachtzig Kilo Kukurutz gefunden wurden. Diesen werthlosen Kukurutz müssen die armen Fleischhauer dem Juden für fünfundachtzig Kilo Fleisch bezahlen. Dem anwesenden Redacteur der „Badener Bezirks-Rundschau" riß die Geduld, er trat den unsinnigen Behauptungen Schneider's sofort scharf entgegen und kritisirte auch das Austreten K r u m p ö ck's, der sich für die fünfundachtzig Kilo Kukurutz im Dünndarm des Ochsen als Zeuge der Wahrheit erbot. Die durch Mayerhofer's unerschrockenes Auftreten blamirten Bauernf—reunde Schneider und K r u m p ö ck suchten durch Beschimpfung Mayerhofe r's ihren Zorn auszutoben. Schneider wurde fofort gebührend abgefertigt, aber gegen die Behauptung Krumpöck's, „MayerHofer verfolge ihn nur, weil er ein Schweiggeld wolle", ließ Mayerhofer durch Herrn Dr. Berstl die Ehrenbeleidigungsklage überreichen, über die Samstag beim k. k. Bezirksgerichte Baden verhandelt wurde, i Krumpöck kam zur Verhandlung von Gutenstein nach 'Baden, was sehr umständlich und zeitraubend ist; er ging mit seinem Zeugen Redacteur S ch n e i d e r vom „Deutschen Volksblatt" bis zum Bezirksgericht, aber plötzlich dürfte er zur Einicht gekommen sein, daß es leichter ist, durch unwahre Behauptungen der Ehre seines Nächsten nahezutreten, als im Gerichts- 'aale die Wahrheit seiner Verdächtigungen zu beweisen, und so zog es Herr K r u m p ö ck vor, den Gerichtssaal lieber nicht zu betreten, sondern im „Cafe Frantzais" abzuwarten, wie das Urtheil über ihn lauten werde. Nachdem sein Vertreter Herr Dr. Czumpelik erklärte, Krump öck habe die Beleidigung gegen Mayer Hofer in der Aufregung ausgesprochen, ohne Gründe für seine Behauptung zu haben, er erkläre, daß er Herrn Mayerhofeder alle Achtung verdiene, nicht das Mindeste nachsagen könne, wurde Krumpö ck schuldig erkannt und zu 50 fl. Geldstrafe und Kostenersatz, eventuell 48 Stunden Arrest verurtheilt. Budapest, 26. November. Am 24. und 25. November fand hier die Conferenz der orthodoxen ungarischen Rabbiner statt. Es wurde beschlossen als Präsidenten der Kanzlei den derzeitigen Verweser Oberrabbiner L i p s ch ü tz in Abauj- Szanto den Gemeindevorständen vorzuschlagen. Ferner wurde die Vervollständigung der orthodoxen Durchführungscommission beschlossen, die aus 11 Mitgliedern bestehen soll. Als neue Körperschaft ist der „L a n d e s a u s s ch u ß" zu betrachten, der ins Leben gerufen wird. Zum Vice-Präsidenten der Durchführungscommission wurde Herr Abraham Frankl vorgeschlagen. Als er aber wiederholt erklärte, die Wahl nicht annehmen zu können, wurde der Landesausschuß beauftragt, in kürzester Zeit einen anderen Vorschlag zu machen. Mit diesen Beschlüssen, die unter Vorsitz des Oberrabbiners Schreiber vou Preßburg gefaßt wurden, hat sich die orthodoxe Judenheit Ungarns von Neuem eonstituirt und ihre Organisation verbessert. Mögen die Beschlüsse, die voraussichtlich die Zustimmung der Vorstände finden werden, dem Judenthum zum Segen gereichen. Dr. Eugen Ullmann Ritter von Ereny wurde zum Ministerialconcipisten im gemeinsamen Finanzministerium, M. Brüll de Domony zum Concipisten im kgl. nng. Handelsministerium ernannt. — Dr. Armin Landauer wurde als Docent an der hiesigen Universität vom Cultusministerium bestätigt. Mähr.-Ostrau. 8. December 1896. (Ein jüdischer Turnverein in Mähr.-Ostrau.) Von dem Umstande geleitet, daß der hiesige deutsche Turnverein ostentativ keine Juden aufnimmt, haben sich einige jüdische Turner besprochen, einen jüdischen Turnverein zu gründen. Wenngleich dieser nur auf's Freudigste zu begrüßende Entschluß noch nicht allgemein publik geworden ist, gibt sich doch in instruirten Kreisen eine allgemeine Begeisterung hiefür kund, so daß bereits in einigen Tagen eine Vorbesprechung stattfinden wird. Wir glauben, daß diese Erscheinung bei der übrigen Judenschaft umso freudiger ausgenommen werden wird, als dieser Verein, einer der ersten dieser Art in Mähren, ein markantes Beispiel liefern wird, daß die Juden nicht stets sich Acte der Gnade erweisen lassen müssen, sondern auch selbstständig etwas leisten können, und wünschen deshalb, daß dieser glückliche Gedanke nicht nur recht bald eine feststehende Thatsache werde, sondern daß diese dann nicht isolirt dastehe, vielmehr überall Nachahmung finde. Brünn. Nach uns vorliegenden Leipziger Blättern können wir heute den Kunstfreunden über einen ganz außergewöhnlichen Erfolg berichte:!, den jüngst ein junger, hervorragend begabter Componist errang, der einer mährischen Familie entstammt und als der Neffe der bekannten Brünner Kunstfreundin Frau Lea Löw Beer, geb. Bernays, auch hier kein Fremder ist. Sein Großvater väterlicherseits war Dr. Gideon Brecher in Proßuitz, mütterlicherseits der Chacham Bernays in Hamburg, sein Oheim der berühmte Professor Jacob Bernays. Im vierten Liszt-Vereins-Concerte in der Albert-Halle des Leipziger Krystall- Palastes wurde nämlich vor eingen Tagen eine Symphonie „Rosmersholm" des 18jährigen Jünglings Gustav Brecher aufgeführt, welche die etwa zwei- bis dreitausend Zuhörer in, wie ein vorliegender Bericht sagt, unvergleichliche Begeisterung versetzte. Obwohl ein Erstlingswerk, rühmt man der Composition Reife des Empfindens und einen Reichthum von schaffender Kraft nach, wie nur besonders begnadete Naturen über sie verfügen. Brecher's symphonische Dichtung war und blieb der Brennpunkt des Abends und stellte, nach dem Berichte des Leipziger „General-Anzeiger", alles andere in den Schatten. Der Referent nennt den jungen Brecher ein ausgesprochenes Genie von ganz heryorragender Begabung. Sein Talent aus das Glück-

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