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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-12-11 · 50 (11.12.1896) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
50 (11.12.1896)
Date
1896-12-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nc' 50 Vr. Vloch's VochrnfttzrM Seite 991' Antisemitischer Vatermörder. In Csornok im Neutraer Comitate tödtete ein Bauer seinen Vater, weil dieser nicht für die antisemitische Bolkspartei stimmen wollte. Menschenopfer in Europa. Man sollte es nicht für möglich halten, und doch gibt es auch in Europa Gegenden, in beiten das Heidenthum als eigentliche Volksreligion mit Göttern, Priestern, Opfern und selbst den greulichsten unter diesen, mit Menschenopfern, fortbesteht, nämlich in den östlichen Theilen von Rußland, unter jenen Völkerschaften der finnischen Race, die von den Russen vor Jahrhunderten unterworfen und zum Christenthum bekehrt wurden. Daß unter den Mordwinen noch jetzt ein mehr oder weniger verstecktes Heidenthum angetroffen werde, wußte man auch v. Haxthausen's Studien über Rußland; was aber jetzt von den Wotjaken nordöstlich von Kasan erzählt wird, würde man für unglaublich erklären, wenn nicht eine vor einiger Zeit stattgesundene Gerichtsverhandlung es ans Licht gebracht hätte. Die Verhandlung fand in Malmysch, einer Stadt im Gouvernement Wjatka, statt. Elf Bauern (Wotjaken) waren des Mordes an einem alten Bettler angeklagt. Aus der Verhandlung ergab sich, daß unter den Wotjaken neben dem christlichen Glauben auch der Glaube an die heidnischen Götter Kurban, Aytas und Tschupkas noch fortbesteht. Zu bestimmten Zeiten, namentlich an den Kirchen- und Volksfesten, werden diesen Gottheiten Gebete und Opfer von lebendigen Thieren, nämlich Enten, Gänsen und Widdern, dargebracht. Außer diesen gewöhnlichen Gebeten und Opfern aber werden in bestimmten Zeiträumen von vier bis fünf Jahren, besonders in regenloser Zeit, bei Mißernten, epidemischen Krankheiten, dem Hauptgort der Wotjaken, dem bösen Geist Kurban, Ochsen, Pferde und im Falle der größten Mißgeschicke selbst Menschen zum Opfer gebracht. Die Kennzeichen, wer das Opfer sei, empfangen die Wotjaken von einem „Zauberer", an den sie sich wenden (ganz wie die Neger in Westafrika). Die Aufsuchung des Opfers wird den Priestern aufgetragen. Wenn einmal ein Mann bezeichnet ist, so locken sie ihn auf diese oder jene Weise zu sich und opfern ihn. Der Gedanke an ein Menschenopfer entstand nun unter den Wotjaken des Dorfes Alten Multan im Winter 1892. Damals drückte die Bevölkerung die bekannte große Mißernte und Hungersnoth. Einer der Angeklagten, Adrian Atldrojew, erzählte auf einer Bauernversammlung, er habe ein Traumgesicht gehabt, worin ihm ein Gott eröffnete, zur Befreiung von Hungersnoth und Krankheiten sei es nothwendig, einen „Zweifüßigen" zu schlachten. Die Worte fanden einen vorbereiteten Boden. Die Wahl traf den alten Matjunin vom benachbarten Dorfe. Matjunin litt an Fallsucht und lebte von Almosen, kehrte bettelnd auch öfter in Alten Multan ein. Das Verfahren war nun folgendes: Zuerst berauschte mau ihn, wickelte ihn dann in eine neue Leinwand und hängte ihn in einer Hütte an einem Balken auf. Darauf stachen ihn alle Mitbetheiligten, 15 Mann, und sammelten in besonderen Schalen sein Blut. Danach wurde ihm der Kopf abgeschnitten und, man weiß nicht wo, versteckt. Die Eingeweide wurden auf einem Scheiterhaufen verbrannt, der Leichnam in einen Sumpf geworfen, wo er auch gefunden wurde. Zu den Angeklagten gehörte der Dorfschulze, der Polizeidiener und die angesehensten unter den Bewohnern des Dorfes, sogar ein 90jähriger Greis. Correspondenzen. Wien. Der Fra uen-Wohlthätigkeitsve rein im VIII. Bezirke der Stadt Wien (Präsidentin Frau Amalie Beck) veranstaltet am 12. December 1896, 9 Uhr Abends im Ronacher Ballsaale I., Schellinggasse, eine Akademie, verbunden mit T a n z k r ä n z ch e n. Für die Akademie haben nachfolgende hervorragende Kunstkräfte in uneigennütziger Weise ihre Mitwirkung bestimmt zugesagt. Frl. Irene Abendroth, k. k. Hof-Opernsängerin; Herr Adolf Weisse, Mitglied des Deutschen Volkstheaters (Prolog von Herrn Dr. Erwin Plowitz); Frl. Nini Polatschek, Frl. Hermine Biber, Concert- Pianistin; Frl. Friedericke Bognar, em. k. k. Hof-Schauspielerin; Frl. Hansi Niese, Mitglied des Raimundtheaters; Herr Leopold Natzler, Mitglied des Raimundtheaters; Herr Carl Sabatin, Violin-Virtuose. Artistische Leitung: Herr Prof. Egmond Plowitz. Nach der Akademie folgt Tanzkränzchen, dessen Arrangement Herr Prof. Eduard Rabensteiner übernommen hat. Die Musik besorgt die Capelle des k. u. k. Infanterie-Regimentes Nr. 61. Das Executiv-Comitö besteht aus den Herren; Max Fleischer, Architekt, Obmann, VII., Neustiftgasse 64; Victor Fuchsbalg, I. Obmann-Stellvertreter, I., Schottenring 19; Dr. Max Tugend hat, II. Obmann-Stellvertreter, L, Wipplingerstraße 23; Dr. Hugo Mandl, Schriftführer, IX, Fuchsthalergasse 4; Otto Gutmann. Schriftführer-Stellvertreter, VI., Maria-- hilferstraße 25; Otto Beck, Cassier, VIII., Langegasse 1. Geld sendungen sind an Herrn Otto Beck, VIII., Langegasse 1, zu senden. Ueberzahlungen zu Gunsten des wohlthätigen Zweckes werden dankend quittirt. Familienkarte 5 fl. (1 Herr, 2 Damen), die einzelne Karre 2 st. sind bei allen ComitL-Mitgliedern zu haben. Wien. (Bethausverein im VIII. Bezirk.) Am 6. d. M., Nachmittags 5 Uhr, fand im Bethause des Vereines, VIII., Florianigasse, die Generalversammlung dieses Vereines statt, welcher in Vertretung der Cultusgemeiude Herr Cultusvorstand Architekt Max Fleischer beiwohnte. Der Präses des Bethaus-Vereines, Herr Hermann Beck, begrüßte namens des Vereinsvorstandes den anwesenden Vertreter der Cultusgememeinde, sowie alle Erschienenen und ertheilte zur Verlesung des Geschäftsberichtes dem Bicepräses, Herrn Leopold Guttmann, das Wort. Aus dem Geschäftsberichte ist eine continuirliche Steigerung der Einnahmen und des Vereinsvermögens ersichtlich, trotz des Umstandes, daß die Verwaltung stets bemüht war, das Einkommen der Bediensteten zu verbessern, sowie auch auf dem Gebiete der Wohlthätigkeit nach Möglichkeit zu wirken. Nach Verlesung des Geschäftsberichtes gedachte der Vortragende in pietätvoller Weise des Wohlthäters und Förderers des Vereines und großen Philantropen des verstorbenen Herrn Baron Moritz von Königswarter, ferner des Predigers und Rabbiners des Vereines, des Herrn Leopold Wollner, und ehrten die Anwesenden das Andenken derselben durch Aufstehen von den Sitzen. Bei der hierauf stattgefundenen Neuwahl des Vorstandes wurden die Herren Hermann Beck. Leopold Guttmann, Max Adler, Josef Mittler, Hermann Pollack wieder- und Herr Abraham Adler neugewählt. G. Wien. (G r a b d e n k m a l f ü r w e i l a n d D r Leopold Wollner.) Am 8. d. M. Vormittags 10 Uhr. fand die feierliche Enthüllung des von den Söhnen des Verstorbenen, sowie dem Bethausvereiue im VIII. Bezirke gemeinsam gewidmeten Grabdenkmales statt. Die rührige Bethausvereinsleitung, welche in dem vor etwas über Jahresfrist verstorbenen Prediger Dr. Leopold W o l l n e r ihren Freund und Führer, welcher über 30 Jahre in diesem Bethausvereiue fuuetionirte, verlor, gestaltete diese Trauerkundgebung zu einer äußerst würdigen, und machten die Worte des die Gedenkrede sprechenden Herrn Landesschulinspeciors Dr. L a n g f e l d e r einen mächtigen nachhaltigen Eindruck; die Rede desselben kennzeichnete ganz besonders die Friedensliebe, sowie den hervorragenden Geist des Verstorbenen und schilderte getreu nach der Wirklichkeit den Verlust, welchen die Gemeinde, sowie Alle, die dem Verstorbenen nahe standen, erlitten. Nach Herrn Dr. Langfelder sprachen noch. Herr Dr. L ö w y als alter Freund und Berufsgenosse warm und tief empfundene Worte, sowie namens des Bethausvereines der Bicepräses Herr Leopold G u t t m a n n, welcher hervorhob, daß das steinerne Denkmal ein stets bleibendes Zeichen der Anerkennung und Dankbarkeit der Gemeinde, sowie für die Nachfolger desselben bleiben wird. Nachdem Herr Cantor Fleck vom Bethause im 8. Bezirke einen Trauergesang, welcher tief ergreifend auf die Anwesenden wirkte, anstimmte, und zum Schlüsse der älteste Sohn des Verstorbenen namens der Familie dem Vorstand und allen Anwesenden für die Verehrung, welche dem Andenken seines seligen Vaters gewidmet wird, dankte, schloß diese Trauerfeier würdig und ehrenvoll für den Bethausverein im 8. Bezirke der Stadt Wien. G. Wien. (Verein zur Hebung der Gewerbe in Wien.) Nach einer von circa hundert Gewerbetreibenden des Vereines vorgenommenen Besichtigung der technischen Einrichtungen des k. k. Hofburgtheaters fand am 5. d. eine Plenarversammlung des Vereines in Khuner's Restaurant statt, die ein reichhaltiges Programm umfaßte. Unter den vielen Gästen bemerkte man auch die Herren: Reichsrathsabgeordneten Constantin N o s k e, Dr. Bloch, Architekt Max Fleischer. Ortsschulrath S. H a i t, Präsidenten der Union Dr. G r ü n f e l d

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