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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-12-11 · 50 (11.12.1896) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
50 (11.12.1896)
Date
1896-12-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 988 Vr Vloch's Wochrnfchrist Nr. 50 Rose Sommerfeld von Baltimore verlas daun eine Abhandlung über „organisirle Wohllhätigkeil". Die letzte Abhandlung des Tages über das Thema: „Das Leben der Kinder, deren Bedürfnisse und Erziehung" verlas Frau Sophie C. Axmanu. Die Dame sprach sich namentlich zu Gunsten von Handfertigkeit und Ausbildung des Verstandes aus, in denen sie die wichtigsten Factorcn für die Erhaltung der Autonomie der jüdischen Race erblickt. New'Nork, 19. November. Die vierte Sitzung des Convents des „Nationalrathes jüdischer Frauen" in Tuxedo-Hall wurde gestern mit einer Debatte über einen von dem Verbände zu wählenden Wahlspruch und Vereinsabzeichkn eröffnet. Einige Delegaten sprachen sich für ein Abzeichen mit hebräischer Jnschr.st aus, doch wurde dieser Vorschlag als unamerikanisch von der überwiegenden Majorität verworfen. Noch längerer Debatte nahm man dann „Faith and Humanity“ als Devise des Verbandes an. Eine längere Debatte entspann sich über die Frage, ob man eine oder zwei Vicepräsidentinnen ab Large für jeden Staat und jedes Territorium erwählen solle, und zeitweise wurde» die Auseinaudersetzuagen mit solchem Eifer und solcher Zungenfertigkeit geführt, daß es für die Präsidentin schwer war, die parlamentarische Ordnung aufrecht zu erhalten. Frau Meldola de Sola, die Delegatin von Montreal, Canada, wünschte zu wissen, in welcher Weise ihr Land im Nationalrath vertreten sein werde, und sofort war Fräulein Hirschfield mit der Bemerkung bei der Hand, daß der Nationalruth Bestimmungen betreffs ausländischer Delegaten treffen solle. „Ich bin aber keine Ausländerin", rief Frau de Sola. ,,O ja, Sie sind es und Sie können die hebräische Wahrheit nicht ignoriren", erwiderte Fräulein Hirschfield. „Hoffentlich können w'r Sie bald als eine der Uuserigen betrachten", meinte eine eroberungslustige Dame mit roth-weiß-blauem Abzeichen. In der Nachmittagssitzung besprach man sich eingehend über Mittel und Wege, um der nationalen Casse die nöthigen Mittel zufließen zu lassen. Man beschloß, künftighin ein Drittel aller Mitg'iederbciträge an den Nationalrath einzusenden. Rev. Dr. Sabbato Morais, einer der bedeutendsten Talmudisten dieses Landes, hielt dann eine herzliche Ansprache, in der er sich über die Betheiliguug der jüdischen Frauen an den Arbeiten des Nationalrathes in lobender Weise aussprach. Am Abend wurden die Berathungen im Tempel Beth-El fortgesetzt. Fräulein Elizabeth Hirschfeld, Buffalo, sprach in einem Vortrag über das Thema „Circle Study“ der Weiberbildung und dem Eigenstudium im kleineren Kreise das Wort, Frau Hahn, Philadelphia, wußte über Missionsschulen recht interessant zu plaudern, Frau Henriette G. Frank sprach über „Unser Feld" und Frau Clara Bock, Cincinnati, über „Religionsschule". New-Nork, 20. November. Der Convent des „Nationalrathes jüdischer Frauen" trat gestern zu seiner letzten Sitzung in Tuxedo-Hall unt-r dem Vorsitz der Frau Solomon zusammen. Ein Beschluß wurde einstimmig angenommen, durch welchen die Mitglieder ersucht werden. Alles in ihren Kräften Stehende zu thun, um einer Entweihung des jüdischen Sabbaths entgegen zu arbeiten und gleichzeitig darauf zu sehen, daß der Sabbath in jüdischen Familienkreisen in seiner Reinheit erhalten bleibe. Nachdem noch einige andere Beschlüsse zur Annahme gelangt waren, berichtete im Namen des Nominations-Comites Frau Flora Schwab folgendes „Ticket": Präsidentin: Frau Hannah G. Solomon; 1. Vicepräsidentin: Frau Sophia Beer von New-Pork; 2. Vicepräsidentin: Frau Babelte Mandel aus Chicago; correspondirende Secretärin : Fräulein Sadie American; Protokollirende Sccretärin : Fräulein Gertrude Berg von Philadelphia; Schatzmeisterin: Frau Carrie M. Wolf von Chicago. Die Vorgeschlagenen wurden sämmtlich erwählt. Sobald es zur Abstimmung über die Präsidentschafts Candidatin kam, erhob sich Frau De Sola aus Montreal und rief: „Der Nationalrath steht ein für das Judenthum und dieses für Gott und seine Gesetze. Das Gesetz aber sagt: „Du sollst den Sabbath heiligen!" und dieser ist am siebenten Tage. Die Präsidentin aber feiert nicht den siebenten Tag als Sabbath und wir müssen eine Präsidentin haben, die den Sonnabend und nicht den Sonntag feiert!" Die Freundinnen der Candidatin erhoben Einwand gegen diese Bemerkungen und Frau Solomon erklärte, daß sie jeden Tag der Woche heilig halte. (?) Frau De Sola zog dann ihren Einwand zurück und Frau Solomon wurde per Acclamation als Präsidentin wiedergewählt. Dir: Erwählung der übrigen Beamten ging dann rasch vor sich. Die Frage, wo der nächste Convent abgehalten werden soll, blieb unentschieden. Nachdem dann noch Rabbi Pereira Mendes von der Synagoge an der 19. Straße den Segen gesprochen, erfolgte Vertagung des Convents sine die. Am Nachmittag veranstaltete die hiesige Section den Delegationen einen Empfang bei Sherry. Eine spccifisch katholische Zeitung der „Sun" schreibt über den Verlauf des Congreffes unter der Epitzmarke; „Do ehe 8onor of American Jewesses.“ „Zur Ehre der amerikanischen Jüdin ne n." „In der Zusammenbernfung der Coi-vention, in ^er Abwicklung ihrer Geschäfte zeigten die jüdischen Frauen, daß sie das volle Maß praktischer Fähigkeit besitzen. Sie führten die Verhandlungen, als ob sie diese Muhoden gewohnt wären. Sie besprachen menschliche Gesinnung mit vollem Verständnisse. Schwierigkeiten wurden mit Geduld überstanden. Mühevolle Fragen wurden genial beantwortet, Sie legten bei Seite eine Zahl von Thorheilen, die ihnen ausgedrungen worden waren und andere Kleinigkeiten, wie die Wahl eines Mottos einer (Badge) kennzeichnenden Medalje; Sie haben gediegen gearbeitet im Rathe. Es war eine gut geführte Convention. Die Präsidentin war eine Parlamentarierin, die schon reiche Erfahrung gesammelt haben mußte, die anderen Beamten fähig für ihre Pflichten und die Mitglieder zeigten stets ein gesundes Urtheil. Wir denken, daß die großen Vereine der Jüdinnen, die sich in den verschiedenen Staaten organisirten und die in Tuxedo Hall repräsentirt waren, durch ihre Delegationen zufrieden sein müssen mit der Arbeit der ersten Conv-ntion der amerikanischen Frauen. „Die Idee, welche früher bestand", so sagte Frau Kohut bei Eröffnung der Convention, „daß Frauen die ererbte Unfähigkeit der Combination und Cooperation besitzen, darf nicht mehr aufrecht erhalten werden; jüdische Frauen wenigstens können gemeinsam arbeiten und im Zusammenwirken auch wirkliche Leistungen erzielen. Die Convention hatte hauptsächlich einen religiösen Charakter. Sie war zur Förderung des Judenthums designirt. Zweck und Ziel wurden durch ihr Motto „Religion und Philantropie" gekennzeichnet. Die Mitglieder ^verpflichten sich, die Kräftigung des jüdischen Glaubens durch Bibelstudium zu bewerkstelligen. Die Heiligung des Sabbaths, die Veredlung der Synagoge das tägliche Gebet und die Aufrechthaltung des Gesetzes und der Ceremonien, so wie sie Moses vorgeschrieben, womöglich unter Führung der Rabbiner. Sie wollen auch arbeiten für die Aufbesserung der Zustände der unglückjjch situirten Glaubensgenossen durch Etablirung von Handarbeits- und Industrieschule», Bibliotheken, freundschaftlichen Vereinigungen, Beschäftigungs-Bureaus, Freibäder, Kindergärten und anderer nützlicher Institutionen. „Nicht eine einzige Almosen reichende Gesellschaft", sagte Fräulein Sadie American, die pslichtgetreue Secretärin der Gesellschaft, stumpft die hellen Farben unseres Records ab. Sowohl in religiöser, als auch in philantropischer Beziehung wurde ein schöner Anfang schon begonnen, durch eine schöne Zahl localer Branchen, aber von jetzt an werden sie organisirt sein, in System gebracht mit den Regeln, die von der Convention angenommen wurden. Die Jüdinnen, welche unternommen haben, ihre Dienste ihrem Volke zu weihen, sind Frauen, von denen man mit Gewißheit sagen muß, daß sie ihres Erfolges gewiß sind und auch wissen, wie ihn zu gewinnen. „Wir kennen keine Convention von Weibern, selbst keine Con' vention von Männern, deren Diskussionen erhabener gewesen wären, ihres Gehaltes nach, als jene, die in Tuxedo-Hall gehalten wurden. Wegen ihrer Gelehrsamkeit, Würde, philosophischen Qualität, religiösen Geistes, ihrer wahren Aufrichtigkeit und Ernstes ragen sie weit über die G:- wöhnlichkeit hervor." „Wir würden gerne einige hervorheben. aber wir könnten dies kaum thun, ohne Andern ungerecht zu werden. Wenn selbe in einem Bande gesammelt sein werden, werden sie bestehen als eine Ehre der jüdischen Frauen der Bereinigten Staaten von Amerika." „Jüdinnen der striktesten orthodoxen Richtung mischten sich mit anderen von mehr liberaler Schule auf dieser Convention und alle suchten dasselbe Ziel durch dieselben Mittel zu erreichen. Die Liberalität der Delegationen ging noch weiter, denn sie bewillkommten die Worte der Frauen, die nicht zu ihrer Race gehörten. Sie ging noch weiter, denn sie machte sich im Applause kund, der da folgte, als die Depesche der National Women’s Christian, Temperance Union in St. Louis verlesen wurde: „Herzlichen Gruß wir arbeiten miteinander sür Gott und Menschlichkeit"." „Die herzliche Antwort, welche der tagenden christlichen Convention abgesandt wurde, war dem Judenthum Amerikas würdig." „Man kann sagen, daß ein großer Fortschritt zu verzeichnen ist durch die frommen, religiösen, humanitären Arbeiten der ersten Convention jüdischer Frauen." Die Regeneration Israels. Wenn etwas Erfreuliches am Antisemitismus ist, wenn diese vergifteltde und entsittlichende Strömung bei all ihren Verheerungen auch etwas Gutes für uns Juden gestiftet hat, so ist es, daß die Juden anfangen, sich auf sich selbst zu erinnern, daß sie, wenn auch nicht besser, so doch einsichtiger werden. Man rief ihnen laut „Jude"! nach, ihnen, die längst ihren Glauben und ihre Abkunft feige verleugnet hatten, und sie sahen endlich ein, daß ihnen nichts Anderes übrig bleibt als auch Juden z u sein und es auch zu bekennen. Kein Traum ist in der jüdischen Geschichte so schnell als eitel und nichtig erkannt worden, wie die Thorheit der jüdischen Assimilationssncht. Freilich, die Erkenntniß kam erst nach schweren Prüflingen, denn noch hellte laboriren wir an den Wunden dieser unseligen Kurpfuscherei,

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