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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-12-11 · 50 (11.12.1896) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
50 (11.12.1896)
Date
1896-12-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 50 Dr. Vloch's Wochrnschrif) durch verjndet ist, daß jede Sünde einer Tageszeitung unbedingt und unter allen Umständen dem gesammten Judenthum aus's Kerbholz zu schreiben ist! Daß von dieser liebgewordenen Gewohnheit gerade diesmal Abstand genommen wurde, muß doch seine besonderen Gründe haben, und sieht man näher zu, so fällt es nicht einmal schwer, dieselben ausfindig zu machen. In dem Berliner Scandalproceß trat lein einziger jüdischer Journalist vor die Gerichtsschranken! Es hat wirklich den Anschein, daß es auch eine arische Zeitungscorruption, welch' letztere bei weitem allen jüdischen Journalisten den Rang abgelaufen hat, gibt. Jene arischen Journalisten, welche sich scrupellos zu Polizeispitzeln hergeben, hatten keine Concurrenz zu befürchten. Sie wenigstens halten denWettbewerb mitjüdischen EliMknIc, nici t -u befruchten, schon deshalb nicht, weil ihre Auftraggeber und Hintermänner treffliche Antisemiten der Thal sind, weil sie gebührenden Werth auf racenreinen Umgang legten und sorgsam verhüteten, daß ein jüdischer Journalist in die Gefahr komme, ein Preßlump zu werden. Es ist nicht das erste Mal, baß arische Zeitungscorruption ein Berliner Richtertribunal beschäftigt. Die arischen Journalisten sind durchaus nicht so dünn gesäet, wie antisemitisches Meinungsfälscherthum in die Welt schreit. Auch der Herr von Hammerstein war ein «rischer Journalist, auch er hat, was seine Person anlangt, bewiesen, daß den Ariern das Zeug zum Journalisten, zum Mindesten zum Corruptionsjournaliften nicht mangelt. Bon Hammer stein bis Lützow führt ein gerader Weg. Die Schätzer der Gemeinplätze, welche die Auswüchse des modernen Journalismus dem Judenthum in die Schuhe schieben können diese Typen genau studiren. Nicht nur Juden, sondern auch Personen, die zu den „Edelsten der Nation gehören", können, was Zeitungscorruption anlangt, mitreden. Und den Unbefangenen dünkt sogar, daß die Letzteren das große Wort führen. Die Ahnen der Lützow und Hammer st ein können beruhigt sein. Ihr edler Beruf, den Bürger und Bauer auszuplündern, findet in den Enkeln geschickte und tüchtige Adepten. Die Raubritter des Mittelalters zeugten die modernen, die journalistischen Raubritter! Wo ist der Talmud-Thors-Verein? Ein Freund unseres Blattes ersucht uns um Veröffentlichung nachstehender Zuschrift: Sehr geehrter Herr Redacteur! Die Leser der Tagesblätter taumeln förmlich von Ueberraschung zu Ueberraschung. Eine lange Zeit hindurch glaubten wir Alle, daß das ehemalige fortschrittliche Regime in der Commune Wien die Gemeiudecassen vollständig geleert hätte, daß es der zielbewußten Arbeit der antisemitischen Volksfreunde Vorbehalten sei, die nothwendigsten Mittel aufzubringen, um schlecht und recht fortwursteln zu können. Oft und oft wurde dies in antisemitischen Versammlungen verkündet und noch dazu von so enragirten Wahrheilsfanatikern, daß ein Zweifel so gut wie ausgeschloffen erschien. In dieser Ueberzeugung von der precären Finanzlage der Commune Wien wurde die Bevölkerung natürlich durch den Umstand bestärkt, daß die neue antisemitische Communalverwaltung überall, wo es anging, ja sogar dort, wo es absolut nicht anging, sparte und zwackte und knauserte. Die wichtigsten Bildungs- und Cultur- und Humanitätszwecke wurden vernachlässigt und für nichts geachtet, weil man dem kommunalen Schnorrerthum Rechnung tragen mußte. Dem Volksbildungsverein wurde die Subvention versagt, dem Verein für Jntereffen des Fremdenverkehrs die Thüre vor der Nase zugeschlagen und die Rettungsgesellschaft solange mit peinlichen, unannehmbaren Bedingungen gequält, bis sie es vorzog, auf die antisemitische Hilfe zu verzichten, das goldene Wienerherz sozusagen ungeschoren zu lassen und lieber an jüdische Mildthätigkeit und Humanität zu appelliren. Seitdem scheint sich aber die Sachlage gewaltig geändert zu haben. Plötzlich und unvermittelt. Beinahe von heute auf morgen. Seite 987 Dort, wo bisher Armuth und Dürftigkeit wohnten, scheint plötzlicher Ueberfluß und Reichthum eingetreten zu fein. Die obskursten klerikalen Winkelvereine werden von der Gemeindeverwaltung Wien mit vier- und fünfzifferigen Subventionen bedacht. Man hört nichts mehr davon, daß Sparsamkeit von Nöthen sei, und mit vollen Händen werden die Goldstücke den katholischen Schul- und Kircheuvereiuen an den Kopf geworfen. Ich kann Ihnen, geehrter Herr Redakteur, an dieser Stelle de» Gemeinplatz vom „bl o n ölet!" nicht ersparen! Ich muß doch darauf Hinweisen, daß diese kommunalen Subventionen aus christlichen und aus jüdischen Steuergeldern bewilligt und gegeben werden! Wenn nun die Steuergeld« für Cultuszwecke verausgabt werden, dann sei darauf nachdrücklichst hingewiesen, daß es auch j üdische Cultuszwecke gibt, die naturgemäß ebenso viel Beachtung und Förderung verdienen, wie der Breitenseer Kirchenbauverein. So existirt beilpielweise ein Wiener Bolksschulverein Talmud-Thora! Warum verlangt der Talmud-Thora-Berein keine kommunale Subvention? Warum erprobt er nicht die antisemitische Objektivität? Man sage mir nicht, daß eine Abweisung schimpflich wäre. Schimpflich vielleicht, aber nicht für den Verein, höchstens schimpflich für die Commune, für diese aber schimpflich und bezeichnend zugleich. Hochachtungsvoll Dr. L. R. Von dem jüdischen Frauenrongrest zu New-Hork liegen nachstehende Berichte vor: New-Dork, 18. November. In der gestrigen Morgensitzung des Conventes des „Nationalrathes jüoischer Frauerl" erstattete Frau Julie Felsenthal aus Chicago als Vorsitzende des Comitßs für Religion ihren Bericht, in welchem sie erklärte, der Zweck der Organisation sei, das Interesse der jüdischen Frauen am Judenthum, seiner Geschichte und Zwecke von Neuem zu beleben. Die Vorsitzende des Comitßs für Religionsschulen, Fräulein Julie Richmann, New-Aork, erklärte in ihrem Berichte, daß ihr Cornitö den Schlüssel zu der Aufgabe habe, die zu lösen ihre Borrednerin als Zweck der Organisation bezeichnet hatte. Als Vorsitzende des Conntäs für Philantropie unterbreitete Frau Carrie S. Benjamin auch ihren Bericht. Der Verlesung eines jeden Berichtes folgte eine eifrige Diskussion desselben, welcher die Rabbiner Dr. Pereira Mendes von der portugiesischen Synagoge in der 19. Straße, Dr. Gustav Gottheil vom Tempel Emanu-El, Rev. Kaufmann Köhler vom Tempel Beth-El und Dr. Berkowitz, der Präsident der jüdischen Chautauqua-Gesellschaft, ebenso wie die anwesenden Frauen aufmerksam folgten. Betreff der Claude Montefiore'schen Kritik der Bibel kam es zwischen verschiedenen Anwesenden zu einer kurzen Debatte. Ein von Frau Hannah Marks eingebrachter Beschluß, der dah n geht, daß die Mitglieder des Nationalrathes all' ihren Einfluß dafür aufwenden sollten, daß der Entweihung des Sabbaths durch Arbeiten und Besuch von Vergnügungen Einhalt gethan werde, wurde einstimmig angenommen. Mit Rücksicht auf den Bericht des Frl. Julia Richmann erklärte Rev. Dr. Mendes, dem man gestattet hatte, eine Ansprache z» halten, daß alle Arbeiten in den Sonntagsschulen vergeblich seien, wenn die Kinder nicht auch durch die Eltern ein gutes Beispiel erhielten. Es zeige im Allgemeinen viel zu wenig Interesse an den religiösen Ceremonien. Fräulein Sadie American von Chicago meinte, daß der Mangel an Interesse für die jüdischen Sonntagsschulen als ein trauriges Zeichen der Zeit zu betrachten sei. Die Präsidentin ernannte hierauf ein Nominations-Comitß, das aus folgenden Damen besteht: Frau Flora Schwab von Ohio, Frau Ely Strauß von Maryland, Frau Joseph Hirsch von Gevrgia, Fräulein Rose Landsberg von New-Aork, Frau Meldola De Sola vor: Montreal, Frau Philipp Hamburger von Pennsylvania und Frau S. Regelmann von Iowa. Als Comitö für Beschlüsse wurden ernannt Frau I. Leo von Montreal, Frau Harris von Pennsylvania, Frau Laura Jacobson von Missouri, Frau M. Weinberg von New-Jersey und Fräulein Jacobson von Oregon. In der Nachmittagssitzung hielt Frau Ellen M. Henrotin von Chicago, die Präsidentin der „General Federation of Women’s Clubs" einen interessanten Vortrag über F r a u e n v e r e i n e. Fräulein

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