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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-12-04 · 49 (4.12.1896) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
49 (4.12.1896)
Date
1896-12-04
Page
– (sequence 11)
Language
German
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vir. 49 Dr. Vloch s Mochrnfrtxrtfr. Seite 975 Herr Direktor Heller hat sich bereit erklärt, persönlich oder durch einen unserer Lehrer Jedem, der es wünscht, in kürzester Zeit die Blindenschrift zu lehren und nimmt diesbezügliche Anmeldungen gern entgegen. Das Curatorium des Blinden-Jnstitnts „Hohe Warte". Wien—Mariahilf> Sonntag, den 29. November, am ersten Chanuka-'Abend, veranstaltete der Humanitätsverein „Nachlat Jefchurun" in Gemeinschaft mit dem Frauenvereine für Mariahilf und Neubau einen feierlichen Gottesdienst anläßlich der Bekleidung von 115 armen Kindern. So viele Stimmen sich auch — vielleicht nicht ganz unberechtigt — gegen eine solche Festveranstaltung vernehmen lassen, mußte man hier doch constatiren, daß diese Feier durchaus nicht geeignet war, einen nachtheiligen Einfluß auf öie zarten Kinderfesten zu üben, vielmehr auf dieselben erhebend wirkte und sicherlich ein Gefühl der Beschämung nicht aufkommen ließ. Das Gotteshaus war dicht gefüllt. Nebst dem Vorstande hatten sich auch viele Gönner und Freunde der beiden Vereine eingefunden, darunter bemerkten wir Herrn Dr. I. S. Bloch und als Vertreter der Cultuszemeinde Herrn Josef Hieldb u r g h üu s s e r u. A. Nach dem Anzünden des Channkalichtes und dem herrlichen Gesänge des Tempelchores unter Leitung des Herrn Obercantors Dünn mann hielt der Rabbiner Herr Dr. Taglicht eine Ansprache an die Kinder, worin er, die Bedeutung des Chanukafestes erklärend, ihnen darlegte, daß das gläubige und gute jüdische Herz es sei, dem das Judenthum seinen Fortbestand danke. Nach Absingnng der Hymne wurden die Kinder in die Bereinskanzlei geführt, wo sie die für sie bestimmten Geschenke in Empfang nahmen. Es wurden vom „Nachlat Jeschurun" 55 Knaben, vom Frauenvereine 60 Mädchen mit Winterkleidern versehen, und es war eine Freude, die leuchtenden Augen der Kleinen beim Empfange der Gaben zu sehen. Um das Zustandekommen dieses Wohlthäiigkeitsactcs haben sich besonders verdient gemacht die Damen: Cäcilie Eis enberger, Franziska P o l l a k, Henriette S t r a k o s ch, Fanny Fröhlich, Ernestine Goldberger, Caroline Janowitzer, Therese König, Hermine Schüller, Frieda Strauß, Wilma Schuh, Dr. Rosa T a gl i ch t, Friederike S z ü c s, Irene Winkler und die Herren : Moses Feßler, Adolf Rvsenbaum, Richard Schüller, Hermann König, Richard Baum garte Dr. Ludwig Landau, Dr. Carl L v.w y, Jacob Winkler, August F i s ch l, Ignatz Fröhlich und Leopold S t o w a s s e r. Hierauf erfolgte die General - Versammlung des Vereines „Nachlat Jeschurun" in der Kanzlei des Tempel-Vereines, welche von zahlreichen Mitgliedern und Gästen besucht war. Der Präses des Vereines, Herr M. Feßler, begrüßt vor Allem die erschienenen Vereinsgenossen, ferner den Herrn Commercialrath S. E i s e n b e r g er, Bice-Präses des Tempel-Vereines als Delegirten desselben, ebenso den Delegirten der israelitischen Cultusgemeinde, Herrn I. H i e ld b u r g h ä u s s e r, und dann den wackersten Kämpfer für die Interessen des Judenthums, Herrn Dr. I. S. Bloch und dankt Allen für ihr Erscheinen. Nach Verlesen des Protokolls der 28. General-Versammlung erstattete der Präses den Jahresbericht und wies darauf hin, daß im laufenden Jahre um fl. 362 61 mehr als im Vorjahre für Unterstützungen verausgabt wurden. Der Freitisch, der von dem Vereine für arme Schulkinder erhallen wird, ist für diese eine wahre Wohlthat. Der Verein weist in dies m Jahre eine Zunahme von 24 Mitglieder auf und zählt jetzt 252 Mitglieder. Dem Vereine Ferienheim dankt der Verein für die Aufnahme von 10 Kindern in die Ferien-Colonien im heurigen Jahre. Das Vorstandsmitglied Herr Dr. Carl L ö w y hat sich in selbstloser Weise erboten, armen kranken Glaubensgenossen des VI. und VII. Bezirkes unentgeltlich ärztliche Hilfe zu Theil werden zu lassen. Ueber die am 17. Mai d. I. stattgehabte Jubiläumsfeier anläßlich des 80. Geburtstages des Präses. Herrn Moses Feßler, erstattet namens des Vorstandes der Schriftführer des Vereines, Herr Richard Schüller den Bericht, welcher mit besonderem Beifalle ausgenommen wird. Auf Antrag des Revisors. Herrn H. L i e b e r m a n n, wird dcm Vorstande das Absolutorium ertheilt Der Delegirte der Cultusgemeinde Herr I. Hieldburgh a n s s e r erklärt hieraus, daß er sich freue, einer so schönen Feier beiwohnen zu können, daß ihn der schöne Act der Durchführung der Kinderbekleidung ergriffen habe, daß ihn der Jahresbericht vollkommen befriedige und er seinem Vorstande, in dessen Vertretung er hier sei. Dank dafür weiß, daß er ihn aufgefordert habe, dieser Feier beizuwohnen. Bei der Wahl wurden die dermalen zum Austritte gelangenden Vorstandsmitglieder, die Herren Jg. Fröhlich, August F i s ch e l, Hermann Köni-g und Dr. Ludwig Landau per Acclamation wiedergewählt. Herr Samuel Weiß wurde neu gewählt. — Als Revisoren verblieben auch für das kommende Jahr die Herren H. Lieber mann und Ernst Schüller. Nun ergriff Herr Dr. I. S. B l o ch das Wort, bewunderte den Tact und die schöne Leitung des greisen Herrn Präses, dankte im Namen der Bereinsmitglieder dem Vorstande für Alles, was dieser im Dienste der Humanität geleistet und schließt mit dem Wunsche, es möge Allen gegönnt sein, noch viele Jahre in diesem Sinne zu wirken. Der Präses danki für diese freundlichen, anerkennenden Worte aus so berufenem Munde und schließt damit die 29. General-Versammlung. PreHburg, 12. November. Gestern und vorgestern fand hier unter dem Vorsitze des Herrn Oberrabbiners S ch r e i b e r eine Versammlung der orthodoxen Rabbiner statt, um zu der Frage der definitiven Besetzung des Präsidiums der „D n r chf ü h r u n g s - C o m m i s s i o u", welche die Oefientlichkeit jetzt sehr lebhaft beschäftigt, Stellung zu nehmen. Vorläufig gilt als Caudidat der Rabbiner der derzeitige provisorische Präses, Herr Rabbiner Dr L i p s ch ü tz aus A b a n q - S z a n t o, der das Amt seit dem Ableben Ignatz R e i clsts führt. Es muß anerkannt werden, daß seine conciliante und ruhig überlegende Art die Kanzlei vor Mißgriffen und verletzendem Auftreten, wie es unter dem verflossenen Regime nicht selten war, bewahrt hat. Anderseits macht sich aber in Laienkreisen der Wunsch geltend, an die Spitze der officiellen Parteivertretung einen Mann gestellt zu sehen, der, im praktischen Leben stehend, für die Forderungen des Tages einen offeneren Blick und über die Mittel der Partei eine bessere Uebersicht besitzt, als sie ein Rabbiner nach seiner Vorbildung um seiner Lebenserfahrung haben kann. An der Besprechung nahmen die Rabbiner von Eisenstadt, Großwardein, Miklvs-Sziget, Neutra, Budapest, Szurani und Waitzen Theil. Die Verhandlungen sollen ergeben haben, daß die Einberufung einer Landesversammlung für erforderlich und durch die Verhältnisse geboten erachtet wurde. Es sollen 60 Delegirte, und zwar 40 Rabbiner und 20 Gemeindedelegirte einberufen werden. Zur Vorbereitung dieser Versammlung soll eine Vorkonferenz abgehalten werden, ivelche die Modalitäten der Einberufung, die Stimmberechtignng und die Art und Weise der Wahl — Fragen, auf ivelche das Sratnt der constituirten orthodoxen Landesjudenschaft keine genügende! Antwort gibt — zu berathen und festzustetlen. Lemberg, 19. November. In dem in Lemberg erscheinenden ,.Przeglad“ findet sich nachstehende Notiz: Zn denr hier garnisonirenden 15. Infanterieregimente wurde unlängst der Israelit Mayer K n j assentirt. Da dieser — ein gewesener Chederlehrer eines galizischen Provinzstädtchens - der polnischen Sprache nicht mächtig war, verstand er nichr die Regimenissvrache. Er wurde der Simulation verdächtigt; seine Vorgesetzten bestraften ihn auf eine schreckliche Weise, indem er auf eine gewisse Zeit „unter den Armen aufgehängt" wurde, und da er in Folge dieser erlittenen Qualen ohnmächtig wurde, wurde er nach einiger Zeit vom Stricke losgelöst und ihm zehn Peitschenhiebe verabreicht. In Befürchtung weiterer solcher Strafen verübte dieser gequälte Soldat einen Selbstmord, indem er sich zwei Bajonettstiche gegen den Bauch und einen in die Herzgegend beibrachte. Der Militärarzt machte hievon dem Militärgerichte die Anzeige. Saaz. Lvbl i ch e R e d a e t i o u! Ich ersuche höflichst um Aufnahme folgender Berichtigung: „Es ist nicht wahr, das; Herr Dr. Ziegler und ich unter die Religionsgründer gegangen sind, da uns das Judenthnm als Religion vollkommen genügt und wir uns auch mit allen jüdischen Propheten und mit allen Großen in Israel in dem Punkte eins wissen, daß das Judenthnm nicht von allen Menschen anerkannt werden wird. Wahr ist es vielmehr, daß es nufer Bestreben ist, durch die Bildung einer religiösen Partei den religiösen Jndifferentisinus in Böhmen zu besiegen. Wir wählten für eine solche Partei, die nur segensreich nach allen Richtungen hin wirken könnte, nicht den Namen „Neuisrael" sondern „Jungisrael", weil wir nicht ein neues Israel, sondern ein verjüngtes Israel wünschen, aus dem leidenden Helden soll ein siegender werden. Das ist klar in dem von mir veröffentlichten „Das Programm Jungisraels" ausgesprochen. Was die fortschrittlichen Rabbiner erkannten, wissen wir nicht, da sie es nicht mitgetheilt haben und wir auch nicht so glücklich sind, wie der Berichterstatter, die Gedanken Anderer lesen zu können, aber das wissen wir, daß unsere Gemeinden trotz oder in Folge unseres Wirkens wenigstens so religiös sind, als jene Gemeinden in Böhmen, an deren Spitze conservative und orthodoxe Rabbiner stehen. Ter Procentsatz der Familien, die den Sabbath nach Vorschrift feiern und rituelle Küche haben, ist in Karlsbad und Saaz sicherlich nicht kleiner, als z. B. in Prag, woher der Bericht datirt ist. Für den hebräischen Unterricht ist in Karlsbad und Saaz wenigstens so gut vorgesorgt, wie in Prag.

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