Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 49 (4.12.1896)
- Date
- 1896-12-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 974 Vr. Vlorh'Lt MortzrnsrtzriN Nr. 49 schätzten Blatte vom 20. d., Seite 931 führen Sie im Berichte , über die Wählerversammlung des israelitischen Cultusvorstandes im Musikvereinssaale an, daß ich an den Cultusvorstand die Frage richtete, wo derselbe bis jetzt war, da der Anttsemitismus bereits 15 Jahre bestehe, ferner warum der Vorstand nicht Alles in Bewegung gesetzt habe, um es zu ermöglichen, daß Herr Dr. Bloch wieder in den Reichsrath gewählt werde. Wollen Sie die Freundlichkeit haben, Ihren Bericht dahin richtig zu stellen, daß meine Ausführungen nicht blos gegen den löblichen Cultusvorstand, sondern auch an die neuen Männer, die sich an die Spitze der Judenschast stellen, gerichtet waren. Hochachtungsvoll W. S t e r n b e r g. Wien. (Zweifache Promotion sub anspiciis Im perator is.) In der üblichen feierlichen Weise fand Montag Nachmittags in dem Festsaale der Wiener Universität unter den Auspicien des Kaisers die Promotion der Candidaten der Rechte Emanuel Adler und Joseph Maria Arnulph Fuchs zu Doctoren der Rechte statt. In Vertretung des Kaisers war der Statthalter Gras Kiel m a n s e g g, als Vertteter des Unterrichtsministeriums Sectionsrath Dr. Beck von Ma nnage t t a erschienen. Die Promotionscommission bestand aus den Herren Rector Professor Dr. Leo R e i n i s ch, dem Decan Professor Dr. Edmund B e r n a tz i k und dem Promotor Professor Dr. von Philippovich. Beachtenswerth war die Rede des Decans Professor Dr. B e r u a tz i k, der die Studenten daran erinnerte, daß ihnen — ohne ihr Verdienst — das Glück in den Schoß gefallen sei, der „besitzenden Claffe" anzugehören, weil es ihnen möglich ist, eine höhere Bildung an der Hochschule zu erlangen. Aber dieser Besitz lege Pflichten auf, vor Allem die Pflicht, auch wirklich dem Studium obzuliegen, und das könne nur durch den regelmäßigen Besuch der Collegien, der Seminare und der sonstigen Universitätsinstitute geschehen. Die Candidaten hielten ihre Dissertationsvorttäge, und zwar Adler über „das österreichische Handwerk in Gegenwart und Zukunft", Fuchs über „die Frage der Organisation des Gewerbes in Oesterreich". Adler kritisirte in scharfer Weise den Befähigungsnachweis im österreichischen Gewerbegesetze ir der zweite Caudidat, Fuchs, erklärte die österreichischen Gc nschaften als überhaupt nicht lebensfähig, woran auch die ..cueste Ergänzung der Gewerbe- Novelle nichts ändern werde. Professor von Philippovich vollzog hierauf die Promotion, worauf der Statthalter den neuen Doctoren die großen Goldringe mit dem in Brillanten gefaßten Namenszuge des Kaisers einhändigte. Hierauf richtete der Statt- Halter an die beiden Doctoren eine Ansprache und sagte zum Schlüsse derselben: „Der Inhalt Ihrer Dissertationsreden, in welchen Sie so wichtige social-politische Fragen behandelt haben, ruft in mir die Ueberzeugung hervor, daß Sie sich der Ihnen für die erfolgreiche Studienlaufbahn gewidmeten kaiserlichen Auszeichnung würdig erweisen werden, zur Ehre der Wissenschaft und des Staates. Wien. (Wo h lth äti g ke its v er ein „FrauenHort", IX. Müllnergasse 21.) Kaum ist die rauhe Witterung eingetteten, so hat auch schon dieser Verein eine hervorragend humane Action ins Werk gesetzt, indem er 164 arme Schulkinder mit Winterkleidern, Schuhen und Wäsche und noch verschiedenen anderen Dingen, welche das Kinderherz erfreuen, ausgestattet hat. Schon am 17. November wurde diesen Kindern die Bescheerung direct ins Haus zugestellt, da der „Frauenhort" seine Schützlinge nicht öffentlich beschenkt. Wie alljährlich, hat auch heuer eine erste Wiener Speditionsfirma, die bescheiden jeden öffentlichen Dank ablehnt, die kostenfreie Expedition der Geschenke übernommen, um als Freudenspender die Gaben des „Frauenbort" den aufjubelnden Kindern zu übergeben. Von den vielen Dankschreiben, die dem Vereine anläßlich dieses Wohlthätigkeitsactes sowohl von den Eltern der beschentten Kinder, als auch von Letzteren selbst zugegangen sind, seien einige hier erwähnt. „Jubel und Freude kehrten dieser Tage bei uns ein, als ein Mann die schönen Sachen für die beiden Kinder brachte. Da ging es an ein Auspacken und Probiren"! Voll überströmenden Gefühls dankt die arme Mutter für die Freude, die ihren Kindern bereitet wurde. Sie ist eine Frau der gebildeten Stände, und hat einst bessere Tage gesehen; sie hätte ihre Kinder niemals zu einer öffentlichen Bescheerung geschickt. Köstlich ist das folgende Dankschreiben. Sehr nett in steifen, schülerhaften Buchstaben auf einem vierlinigen Blatt Papier geschrieben, läßt der Brief die Mühe und Plage eri kennen, welche die Ausfertigung desselben die kleine Schreiberin gekostet haben mag. Es sei im Original hier wiedergegeben. „Edelste Woltöterinen Ich habe mich Herzlich gefreit rber die erhaltene Presente hauptsechlich über die warmen Schuhe, Und die file Schreibfeder^ Und mit die zwei schönen Aepfel. Möge es der libe Gott meine Woltöterinen lonen. Danke filmals für die sämtliche Presente. Mit Handkuß ferbleibe ich gehorsamste Hilda D. UI. Klasse Schütterin. Einen erschütternden Eindruck macht folgendes Dankschreiben: „Wohllöblicher Verein „Frauenhort"! Im Aufträge meiner Frau bin ich verpflichtet, dem edlen und humansten Verein meinen innigsten Dank bekannt zu geben, da meine Frau leider heute gestorben ist, und ich ihr das Versprechen gab, in ihrem Namen sich zu bedanken für die gute und humane Behandlung, die sie bekommen hat. So bitte von Frau H. D. den Dank anzunehmen. Unterthänigst M. D. Die arme Frau war ein im 1l. Bezirke wohnhafter Schützling des „Frauenhort". Der Mann ist Hausirer und verdient fast nichts. Die Noth im Hause ist groß. Der Tod der Armen ist ein harter Schlag für die Familie. Sie starb im Wochenbette und hinterläßt 7 kleine Kinder, von denen das älteste 9 Jahre, das jüngste erst wenige Wochen alt ist. Ihre letzte Freude war die Bekleidung ihrer Kinder durch den „Frauenhort". Zur Kinderbekleidung haben noch gespendet: Frau Josefa Kohn aus Teinitz in Böhmen 5 fl.^ Steffi von Gotthilf 5 fl., Frau Betti Thalberg 50 fl., Frau Regine Kanitz 20 fl., Frau Rosa Kanitz 20 fl. Anläßlich des Todes des ausgezeichneten Arztes und Menschenfreundes Dr. David Elias sind von seinen Freunden und dankbaren Patienten dem „Frauenhort" folgende Spenden mit der Widmung: „Anstatt eines Kranzes ans das Grab" zugekommen: Frau Jeannette von Weisenfeld 10 fl., Familie Albert Vogl 5 fl., Familie Heinrich Rink 5 fl., Familie Felix Stiaßny 10 fl., Herr Salomon Stein 4 fl., Familie Arnold Fröhlich 10 fl., Familie Josef Simon 10 fl., Familie.Hesky 15 fl., Frau Adele Grünbaum 5 fl., Familie Kahnemann 10 fl., Familie Dr. Beer 10 fl., Familie Siegmund Geiringer 10 fl., Familie Julius Kopstein 10 fl., Familie Basch 10 fl., Familie Gvttlieb Bettelheim 10 fl. Von Herrn Arthur Fuchs aus Prag „anstatt eines Kranzes auf das Grab der seligen Frau Therese Schlesinger" 10 fl. Wien. (Ei gesendet.) Es sind nunmehr 8 Jahre verflossen, seitdem die Einrichtung der i Blinden-Sparkörbchen ns Leben gerufen wurde. Ihr Erfolg, auf den wir mit Dankbarkeit und Genugthuung zurückblicken, hat eine Anzahl anderer Wohlthätigkeits-Vereine veranlaßt, es uns nachzuthun. Weit entfernt davon, die damit verbundenen edlen Zwecke zu verkennen, müssen wir doch zu unserem Bedauern feststellen, daß dadurch unsere Einnahmen wesentlich geschmälert sind und blicken daher besorgt in die Zukunft. Während wir früher den Erlös nur für Lehrmittel zu verausgaben brauchten, sahen wir uns in den letzten Jahren gezwungen, das gesammelte Geld zur Aufnahme blinder Kinder zu verwenden, welche sich in großer Anzahl melden und aus Mangel an Mitteln zurückgewiesen werden müssen. Glückliche Multerl Wenn Du in das lachende, freudig glänzende Auge Deines Kindes blickst, in den klaren Spiegel einer unschuldsvollen Seele, ahnst Du die Qualen der armen Frau, der aus ihres unglücklichen Kindes Auge kein Blick der Dankbarkeit und Liebe lächelt? Ahnst Du die Verzweiflung, wenn die Mutter ihre letzte Hoffnung, ihr Kind in unser Institut unterzubringen, vernichtet sieht und mit Jammer im Herzen ihren Liebling wieder heimführen muß, was für Letzteren ewige Finsterniß bedeutet? Deshalb die nochmalige Bitte: Sammelt fleißig ins Blinden-Sparkörbchen. Wir besitzen Dank der Großmuth unserer Spender auch eine Buchdruckmaschine, mittelst welcher die Blinden ihre Bücher selbst drucken können, die ihnen während der Lehrzeit im Institute sehr gut zu statten kommen und ihnen dann beim Austritt aus demselben mitgegeben werden. — Im f. f. Blinden-Jnstitut werden ebenfalls Blindenbücher gedruckt. — Herren und Damen aus den besten Ständen unterziehen sich der Mühe, Brailschrist zu lernen und Abschriften zu liefern, wodurch den Blinden erst das Drucken der Bücher ermöglicht wird. Wir richten nun an die geehrten Herren und Damen die große Bitte, einen Theil ihrer Mußestunden diesem edlen Zwecke widmen zu wollen.