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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-12-04 · 49 (4.12.1896) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
49 (4.12.1896)
Date
1896-12-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 49 Br. Vloch's Wochrnptzrtst Seite 973 fortschreitenden Cultur betrachten. Aber dafür hat diese Gesellschaft kein Verständniß, sie kümmert sich so wenig um die Civilisation im Allgemeinen wie um das wahre Christenthum im Speciellen. Für sie gibt es nur eins, nämlich, die Wiederherstellung eines eingebildeten Deutschthums, das niemals existirt hat. Wenn es nach ihr ginge, lvürden wir Zustände wieder bekommen müssen, wie sie vor Carl dem Großen geherrscht haben. Zur Statistik des Duells in Deutschland hat in dieser Woche, m der vom Zweikampf so viel die Rede war, ein hiesiges Blatt auch für uns sehr interessante Daten beigebracht. Bon Len 1215 wegen Zweikampsts Bestraften waren der Religion nach 897 vangelisch. 237 katholisch, 74 jüdisch; im Vergleich mit der allg. meinen Bevölkerung stehen also die Katholiken erheblich unter, die Juden und die Evangelischen über vem Durchschnitt. Der Percentantheil der Katholiken ist gegen früher etwas gesunken, derjenige der 3 li o e 11 erheblich gestiegen. Diese Thatsache gibt umsomehr zu denken, als ja die Juden, vom Osficiersstande ansgeschlossen, allein vollständig unter den bürgerliche.! Gerichten stehen. Jndcß ist diese Zunahme von Duellen aus der Zeitströmung leicht;u erklären, die Conflicte jüdischer Studenten, Richter u. s. w. gerade wegen ihres Bekenntnisses nur zu oft provocirt. Der neue Direktor der Pariser Sternwarte — ein Wiener. Der langjährige Bicedirector des Pariser Observatoriums, Herr Moriz L o e w y, ist zum Director desselben Jnstittlts ernannt worden. Er hat damit eine der höchsten Stellungen in der wissenschaftlichen Welt erlangt. Bei dieser Gelegenheit darf wohl daran erinnert werden, daß dieser hervorragende Gelehrte aus der Wiener Schule hervorgegangen ist, daß er an den Wiener Instituten seine Ausbildung genossen Hot. Es darf aber wohl auch daran erinnert lverden, daß Herr Moriz L v e w y, der bereits in seinen Studienjahren nicht nur eine ganz außerordentliche Begabung gezeigt, sondern auch originelle wissenschaftliche Arbeiten — besonders auf dem Gebiete der Mathematik — | geliefert hatte, in Wien ein Adjutunr nicht erlangen konnte, weil — nun weil er von jüdischer Abstammung war. Man ließ sich in Oesterreich, das damals im Zeichen des Coneordates stand, die Arbeiten des jungen, talentvollen Mannes wohl gefallen, aber von einer materiellen Förderung wollte man nichts wissen. Man zuckte die Achseln und verweigerte Herrn Moriz L o e w y das Adjutum, um das er eingereicht hatte — das Adjutum von dreihundert jährlichen Gulden. Bon Himmelsbeobachtungen ist noch Niemand satt geworden; und so sah sich Herr Moriz L o e w y gezwungen, uni leben zu können, seinem'Vaterland den Rücken zu kehren. Als ganz junger Mensch kam Moriz L o e w y nach Paris. Bald nach seiner Ankunft in der französischen Metropole fand er eine Stellung als Calculator an der Pariser Sternwarte und im .Bureau de longitnde“. Durch eisernen Fleiß, durch eine das Mittelmaß weit übersteigende Begabung, durch scharfsinnige astronomische Beobachtungen und originelle Leistungen auf dem Gebiete der Mathematik that sich der junge Gelehrte in seinem neuen Wirkungskreise bald hervor. Und so stieg er schnell von Stufe zu Stufe, bis er es zum Bicedirector des Instituts, in das er als einfacher Calculator eingetreten war, und zum Vorstand des „Bureau de longirude“ — jener Musteranstalt, deren Publicationen von so großer Bedeutung und von so außerordentlichem Nutzen besonders für die Schifffahrt sind — gebracht hatte. Es ist wohl nicht möglich, hier auch nur eine kleine Auslese aus der Fülle der epochalen wissenschaftlichen Arbeiten des neuen Directors des Pariser Observatoriums zu erwähnen. Herr Moriz L o e w y ist gleich hervorragend als Astronom, wie als Mathematiker, als Beobachter des Sternenhimmels, wie als Berechner der Bahnen der Himmelskörper. Er hat die Astronomie um ein werthvolles Instrument bereichert, um den „Aequatorial Coude". Es ist das ein Apparat, durch den sowohl die Beobachtung des Laufes der Gestirne, als auch die Berechnung der Sternbahnen ungemein erleichtert wird. Herr Moriz L o e w y hat auch die Genugthuung erlebt, daß an der Wiener Sternwarte, an der er seine Ausbildung genossen hat, das von ihm erfundene Instrument zur Aufstellung gelangt ist — allerdings nur mit Hilfe von privaten Mitteln. Die Anlegung einer Mondkarte in einem sehr großen Maßstab ist die jüngste Arbeit dieses Forschers. Herr Moriz L o e w y hat photographische Aufnahmen des Mondes nach einer ganz neuen Methode gemacht und damit die Erforschung des Erdtrabanten in neue Bahnen geleitet. Bald nachoem Moriz L o e w y seine ersprießliche Thätigkeit am Pariser Observatorium angetreten hatte, wählte ihn die französische Akademie der Wissenschaften zum Mitglied, und vor einigen Jahren ehrte sie ihn, indem sie ihn zu ihrem Präsidenten wählte. Präsident der französischen Akademie der Wissenschaften — das ist die höchste Auszeichnung, welcher ein Gelehrter in der wissenschaftlichen Welt theilhastig werden kann. Hohe Orden aus aller Herren Länder wurden Herrn Moriz L o e w v als Lohn für seine so unermüdliche und hervorragende wissenschaftliche Thätigkeit zu Theil: auch Oesterreich hat ihn durch die Verleihung der höchsten Decorationen geehrt. Aber trotz all dieser Ehren und Auszeichnungen ist dieser große Gelehrte der ruhige, stille, bescheidene Mann geblieben, der er zu jener Zeit bereits war, da er sein Vaterland zu verlassen und in die Fremde zu ziehen gezwungen war, weil er ein Adjutum von jährlich 300 fl. nicht erlangen konnte. Und an seiner stillen Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit wird auch seine Ernennung zum Director des Pariser Observatoriums, jene Ernennung, mit der er den Gipfelpunkt seiner Carri^re erreicht hat, nichts ändern. Als würdiger Vertreter der abstractesten, der reinsten Wissenschaft — der Mathematik — wird Herr Moriz L v e w y auch fürderhin in seiner neuen hohen Stellung wirken und seine Forschungen sortsetzen, die der Wissenschaft so viele werthvolle Bereicherungen bereits gebracht haben und sicherlich auch künftighin -noch bringen lverden. Correspondenzen. Wien. Zum Gemeinde-Voranschlag pro 1807 erhalten wir von einem neugewählten Vorstandsmitglied nachstehende Bemerkungen: Am 22. November hat die allgemeine Neuwahl des Cultusvvrstandes stattgesnnden und bereirs bei dem ersten. Wahlgange ein Ergebnis aufgewiesen, welches die Constituirung des neuen Vorstandes für die erste Woche des Monates December gewärtigen läßt. Einer alten Uebung entsprechend, hätte sonach der scheidende Vorstand sich aus die Erledigung der allerdringendsten Agenden beschränken und sich jeder Action von größerer Tragweite enthalten sollen. Zur nicht geringen Neberraschnng der Wählerschaft wurde jedoch für den 20. November eine öffentliche Vorstandssitzung anberaumt, in welcher die F e st st e l l n n g d e r V o r a nschlüge der Einnahmen und Ausgaben der Cultusgemeinde, sowie sämmtlicher unter Verwaltung der Cultusgemeinde stehenden Fonde und Anstalten für das Jahr 1807 beratheu und — beschlossen wurde. Es hat somit der alre Vorstand knapp vor seiner Auflösung, unmittelbar vor Austritt einer Reihe von Mitgliedern, welche an der Verwaltung der Gemeinde im Jahre 1807 n i ch t m e h r t h e i ln e h m e n werde n, Beschlüsse gefaßt, welche dem k ü n st i g e n Vor st mibe s ii r das ganze V e r w a lt u n g s j a h r 1807 D i r e c t i v e n zu geben best i m m t sind, indem in allen Ressorts sowohl die Höhe der Ausgaben wie auch die Verwendung derselben sestgestellt erscheinen. Hiedurch wird der künftige Vorstand von der Ausübung eines seiner w i ch t i g st e n Rechte ausgeschlossen, es wurde ihm die Möglichkeit benommen, durch Ersparung überflüssiger Auslagen und Einstellung nothwendiger Posten der Verwaltung pro 1807 seinen eigenen Stempel aufzudrücken und dieselbe in neue Bahnen zu lenken. Der künftige Vorstand ist durch den Johannistrieb der Arbeitslust vor ein kalt aeeompli gestellt, es ist ihm lediglich überlassen worden, für Deckung des präliminirten Ausfalles Sorge zu tragen. Formell ist allerdings der alte Vorstand durch tz 06 des Statutes gedeckt, welcher die Feststellung des Präliminares spätestens einen Monat vor Beginn des Verwaltungsjahres verlangt. Ob aber gerade diese Bestimmung in der kritischen Zeit nach der Neuwahl so stricte gehandhabt werden mußte und ob nicht in Anwendung des § 110 des Statutes eine Verschiebung bis zur Constituirung des neuen Vorstandes mehr im Geiste des Statutes und im Sinne der Wählerschaft gelegen wäre, möge der Beurtheilung unserer Gemeinde-Politiker hiemit überantwortet werden. Wien, 25. November 1806. (Z u r W a h l v e r s a m mlung der israelitischen Cultusgemeinde im Mußikvereinssaal.) Löbliche Redaction\ In Ihrem ge-

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