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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-11-27 · 48 (27.11.1896) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
48 (27.11.1896)
Date
1896-11-27
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 962 Dr Vloch's Wochenfchrifi. Nr. 48 1 Krone, Faunlienkarten 3 Kronen, für Studenten freies Entree- Beginn präcise 8 Uhr. Przemysl, 17. November. Unter großer Betheiligung der Mitglieder fand am 17. d. M. im hiesigen literarischen Vereine „Jeßurun" die jährliche gewöhnliche Generalversammlung statt. In den Ausschuß, welcher sich unter sich constituirte, wurden gewählt die Herren: Dr. Samuel N. Kutna als Präses; Bernard Rappaport als Vicepräses; Marcus Bl austein als Secretär; Jacob Ehrlich als Secretär der hebräischen Sprache; Jacob Baumgarten, Heinrich Blatt als Controlore; Adolf B l v ch als Hauswart; Moses D. G a n s, Juda L i p p e r als Cassier; Victor M e r m e l st e i n als Zeitungsverweser und Samuel S ch o r r als Bibliothekar. Frankfurt am Main. Vergangene Woche wurde am Jahrestage der Errichtung der Rothschild-Bibliothek in Erinnerung an die Gründerin, Hannah Louise von Rothschild, eine Marmorbüste der Verblichenen im Hauptlesezimmer aufgestellt. Die Büste ist ein Geschenk der Lady Rothschild von London und der Baroninnen Salomon de Rothschild und James de Rothschild in Paris. Warschau. Von 268 Studenten, die sich an der hiesigen Universität immatriculiren wollten, sind nur 30 zugelassen worden. Die Erklärung dieser Thatsache mag wohl darin zu suchen sein, daß die beiden goldenen Medaillen der medicinischen Facultät Heuer an zwei jüdische Studenten verliehen wurden, an Rosenthal und Goldbaum. London. Der neue Bürgermeister von London wird Montag den 14. December die neue Volksküche (6oup Kitschew) eröffnen. Feuilleton. Der König der Schnorrer. Von I. Z a n g w i l l. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) IV. C a p i t e l. Zeigt, wie die königliche Ehe geschlossen ward. Manasse Bueno Barzillai Azevedo Da Costa war von dem letzten Argument des Mannes, der sein Schwiegersohn werden wollte, so betroffen, daß er es eine volle Minute lang schweigend ertvog. Als er antwortete, lag in seinem Ton noch mehr Respect als vorher, bei der Aufzählung der Einkünfte des Bewerbers. Manasse gehörte nicht zu jenen, für die Geld ein Fetisch ist; er betrachtete es blos als etwas, was man bekommen kann, wenn man darum bittet. Seine Bewunderung galt nur dem Verstand. Dieser war im strengsteil Sinne des Wortes nicht zu übertragen. „Es ist wahr", sagte er. „Wenn ich Eurer Zudringlichkeit nachgeben und Euch meine Tochter geben würde, so hättet Ihr Euch dadurch als ein König der Schnorrer erwiesen, dessen Rang zu dem meiner Tochter paßt; aber wenn man Euer Argument untersucht, so stellt sich heraus, daß Ihr die Sache als bewiesen voraussetzt." „Was wollt Ihr denn noch für Beweise von meinen Bettlerfähigkeiten?" fragte Jankele, die Handflächen ausbreitend und die Achseln zuckend. „Biel größere Beweise", antwortete Manasse. „Ich müßte ein Beispiel Eurer Fähigkeiten haben. Das einzigemal, als ich Euch schnorren sah, ist es Euch mißlungen." „Mir? Wann?" rief Jankele empört. „Ei, heute Abend — als Ihr den jungen Grünbaum um die Kleider seines todten Vaters batet." „Aber er hatte sie ja schon weggeschenkt", protestirte der Pole. „Was macht das? Wenn Jemand meiue Kleider weggeschenkt hätte, würde ich Entschädigung verlangt haben. Jankele, wenn Ihr mein Schwiegersohn sein wollt, dürft Ihr Euch solche abschlägige Antworten nicht gefallen lassen. Nein, nein, ich erinnere mich an den Ausspruch der Weisen: „Seine Tochter einem ungebildeten Manne geben, heißt sie gebunden einem Löwen hinwerfen." „Aber Ihr habt auch gesehen, daß ich geschnorrt habe mit Erfolg", verwahrte sich der Bewerber. „Nie", protestirte Manasse stürmisch. „Oft." „Bei wem?" „Bei Euch", sagte Jankele kühn. „Bei mir", höhnte Manasse, das Fürwort mit unendlicher Verachtung betonend. „Was beweist das? Ich bin ein freigebiger Mann. Die Probe besteht darin, einen Geizhals anzuschnorren." „Gut, ich werde einen Geizhals anschnorren", verkündete Jankele verzweifelt. „Ihr wollt es?" „Ja. Wählt Euch den Geizhals selber aus." „Nein, das überlasse ich Euch", sagte da Costa höflich. „Also gut, Sam Lazarus, den Fleischer." „Nein, Sam Lazarus nicht; er gab einmal einem Schnorrer, den ich kenne, elf Pence." „Elf Pence?" murmelte Jankele ungläubig. „Ja, er hatte sonst keinen anderen Ausweg, einen Schilling zu wechseln. Er war nicht falsch, nur ganz verbogen, aber Niemand wollte ihn nehmen, ausgenommen ein Schnorrer. Er ließ sich von dem Manne einen Pfennig zurückgeben. Freilich legte der- Mann den Schilling später in Lazarus' Laden aus. Trotzdem würde ein wirklicher Geizhals diesen verbogenen Schilling eher zu seinem Schatze gelegt haben als den guten Pfennig." „Nein", entgegnete Jankele. „Dabei wäre kein Unterschied, da man ihn nicht ausgeben kann." „Das ist wahr," sagte Da Costa sinnend. „Aber dieser selbe Beweis zeigt, daß es nicht am schwersten ist, einen Geizhals anzuschnorren." „Wie meint Ihr das?" „Ist das nicht klar? Lazarus hat elf Pence weggeben. Ein Geizhals, der nichts für sich selbst verbraucht, kann in Ausnahmsfällen dazu bewogen werden, Etwas wegzugeben. Nur derjenige, der sich selbst jeden Luxus gönnt und nichts weggibt, der ist am schwersten anzuschnorren. Er hat eine Verwendung für sein Geld — sich selbst! Wenn man seinen Schatz vermindert, verletzt man ihn an seiner verwundbarsten Stelle — man beraubt ihn leiblicher Genüsse. Einen solchen anzuschnorren, würde ich für etwas Höheres und Edleres halten, als einen bloßen Geizhals anzuschnorren." Schen, nennt mir einen solchen." „Nein, das überlasse ich Euch", sagte Manasse abermals mit seiner stattlichen Verneigung. „Wen Ihr wählt, der soll mir recht sein. Würde ich auch nur daran denken, Euch zu meinem Schwiegersohn zu machen, wenn ich mich nicht auf Euere Ehre verlassen könnte?" „Gut, so werde ich gehen zu Mendel Jakobs." „Mendel Jakobs — oh nein! Der ist ja verheiratet! Ein Verheirateter kann nicht fortwährend an sich selbst denken." „Warum nicht? Ist eine Frau nicht auch ä leiblicher Genuß?" „Vielleicht kommt sie auch billiger zu stehen als eine Haushälterin." „Wir wollen nicht darüber streiten. Mendel Jakobs darf es nicht sein." „Simon Kelutski, der Weinhändler?" „Der? Der ist ja mit seiner Schnupftabakdose geradezu freigebig. Er hat mir selbst eine Prise angeboten; natürlich nahm ich sie nicht an." Jankele nannte noch verschiedene andere Namen, aber Manasse strich alle und zuletzt hatte er eine eigene Jnspiration. „Habt Ihr nicht in Euerer Gemeinde einen Rabbi, dessen Knickrigkeit sprichwörtlich ist? Laßt mich nur Nachdenken. Wie heißt er nur?" „Ein Rabbi?", murmelte Jankele arglistig, wobei sein Herz vor Schrecken zu klopfen begann. „Ja! Wie heißt er nur? Rabbi Bückling!" Jankele schüttelte den Kopf. Vernichtung starrte ihm ins Antlitz. Seine schönsten Hoffnungen brachen zusammen. „Ich weiß, es ist irgend ein Fischname. Rabbi Kabeljau! Nein, so heißt er nicht, es ist etwas mit Reue." Jankele sah, daß es aus mit ihm war. „Vielleicht meint Ihr den Rabbi Reue-Pöckelhäring?" sagte er schwach, denn die Stimme ging ihm aus. „Ach ja, Rabbi Reue-Pöckelhering", sagte Manasse. „Nach Allem, was ich höre — denn ich habe den Mann nie gesehen — ist das ein König der Fresser und Säufer, der schmutzigste Mensch

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