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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-11-27 · 48 (27.11.1896) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
48 (27.11.1896)
Date
1896-11-27
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 48 Dr. Vloch's WochrnschrM Sette 961 jähes Hinscheiden in den weitesten Kreisen unserer Stadt, besonders aber unserer Glaubensgenossen, die schmerzlichste Aufregung, die tiefste Trauer und die aufrichtigste Theilnahme hervorgerusen. Der in allen Kreisen der Bevölkerung, besonders aber des Bezirkes Leopoldstadt allseitig beliebte und im besten Sinne des Wortes durch seine sprichwörtliche Herzensgute, Pflichttreue und Gewissen Hastigkeit bekannte Lleä. Or. David Elias ist, wie bereits die Tagesblätter gemeldet, Donnerstag, den 19. d. M. in der Ausübung seines humanen Berufes während der Krankenvisite unwohl geworden, und. nachdem er dieselbe unterbrechen und sich nach Hause begeben mußte, um halb 1 Uhr Mittags plötzlich einem Schlaganfalle erlegen. Der Schrecken und die Erregung, die die Nachricht von dem so plötzlichen Hinscheiden des beliebten Arztes, dessen markante Persönlichkeil man noch am selben Tage in den Straßen gesehen, bei dessen zahlreichen Freunden und Verehrern hervorrief, war eine unbeschreibliche. Was Wunder! War er doch nicht nur der Leibes-, sondern auch der Seelenarzt, der nicht nur für das körperliche, sondern auch für jedes sonstige Leid seiner Patienten, den Freund in den Arzt eiuschließend, Berather und Helfer, der, wie ihn eine berufene Feder im „Wiener Tagblatt" schilderte, „die Tiefe des Mitempstndens hinter dem Lächeln verbergend, dem Leidenden und Bangenden, dem Kranken auf dem Schmerzenslager, den zitternden Angehörigen, die das Krankenbett umstanden, Weh und Kümmerniß wegscherzte und Trost in ihre Verzagtheit hineinlächelte". Ja, er verstand es, den geängstigten Patienten ihr Uebel auszureden, daß die Kranken schon in seinem Besuche Linderung fanden. Doch seine Menschenfreundlichkeit und Herzensgüte documentirte sich am Besten, wenn er zu armen Familien gerufen wurde. Wie oft beauftragte er dieselben, ihn, wenn es nothwendig, nur des Nachts zu wecken, und >vie oft legte er dem Recepte, dem er nie einen übermäßigen Werth beimaß, eine Banknote bei, von welch letzterer Verschreibung der Bank er sich manchesmal eine weit heilsamere Wirkung auf den Patienten versprach. Die große Verehrung und Beliebtheit, deren sich der Verblichene erfreute, kam aber auch am eclatantesten am Sonntag, den 22. d. M. bei seinem Leichenbegängnisse zum Ausdrucke. Vor denr Trauerhause in der Praterstraße war alles schwarz vor Menschen, welche, die ganze Breite der Straße füllend, den Verkehr in derselben hemmten und nahezu unmöglich machten. Im Trauerhaufe selbst war das ganze Vorhaus, die Gänge und Stiegen vollgepfropft von Freunden und Verehrern des Dahingeschiedenen. Das Aerztecollegium des zweiten Bezirkes war vollzählig erschienen. Von den Universilätsprofessoren sahen wir die Herren Professoren : N o t h n a g e l, O s e r, Benedikt, Schrötter. In Vertretung des Cnltusvorstandes waren die Herren Baurath Stiaßny, Hieldburghäusser, für die Chewra-Kadischa HerrDr. Marcus Spitzer, erschienen.DerKranken-Unterstützungsverein „Oomiie Chesed“, dessen Vorstandsmitglied der Verblichene gewesen, war durch den Präses Herrn B. Kanitz, die Herren Vorstandsmitglieder Michael I o k l, Michael Neurath, David Kornfeld, Bernhard Fischer, Leopold B a u m w a l d, Salomon S u s ch n y vertreten. Punkt 10 Uhr wurde der Sarg gehoben und die sterbliche Hülle des Verblichenen unter den ergreifenden Trauergesängen des Obercantors Gold stein und seines prächtigen Chores in Begleitung der trauernden Familie und der zahlreich anwesenden Honoratioren in den auf der L traße harrenden Leichenwagen übertragen, worauf sich der imposante Trauerzug, von einer riesigen Menschenmenge und einer unübersehbaren Reihe von Wagen begleitet, in Bewegung setzte. Das Aerztecollegium hatte dem dahiugeschiedenen College« bis über die Aspernbrücke zu Fuße das Geleite gegeben. Sodann bestieg ein großer Theil desselben die Wägen, um sich den Uebrigen, die dem Dahingeschiedenen bis zum Friedhose das Geleite gaben, anzuschließen. Am Gottesacker hielt Herr Rabbiner Doctor Sch mied l dem Verblichenen einen ergreifenden Nachruf, in dem er die Worte „Jeremijahus": „Der Tod ist durch unsere Fenster gekommen" citirend, den Schrecken und die Aufregung, die sich aller Freunde des Hingeschiedenen bemächtigte, * als die Nachricht sich verbreitete, daß der Tod so plötzlich und jäh, ohne erst anzuklopfen, sozusagen durch das Fenster gekommen und den Edlen uns entrissen. Sodann kam er aiff das Glück des Dahingeschiedenen in seiner ärztlichen Praxis zu sprechen, welches er in geistreicher Weise in den Worten (Samuel I.): „Und David war in allen seinen Wegen glücklich und Gott war mit ihm" treffend zum Ausdrucke brachte und schloß mit dem Tröste, daß der Verblichene erst nachdem er die Höhe seines humanen und wissenschaftlichen Berufes erklommen, und nicht inmitten seines Aufstieges dahingegangen, indem er die Worte David'Z (Samuel II, 19): „Herrlichkeit Israels, auf deinen Höhen liegt ein Erschlagener" trefflich anwendete. Nachdem noch der Präses des (lowile Obeseä-Bereines, Herr B. Kanitz, in herzergreifenden und die Versammlung zu Thränen rührenden Worten in getreuen Zügen das Bild des edlen Menschenfreundes und Arztes entworfen, dessen Devise die Prophetenworte: „Friede, Friede dem Fernen und dem Nahen spricht der Ewige und ich heile ihn" Zeit seines Lebens gewesen, da er mit gleicher Liebe und Hingebung seine ärztliche Kunst den Armen und den Reichen mit Erfolg gewidmet, und nachdem Redner mit thränenerstickten Worten als Freund und Borstandscollege Abschied genommen, wurde die sterbliche Hülle des Verblichenen unter stimmungsvollem und ergreifendem Gesänge des Joschew bseser Eljon seitens des Obercantors G o l d st e i n in Begleitung seines Chores zu Grabe geleitet, wo noch der Bruder des Verblichenen, Herr Dr. S. Elias, und im Namen des Aerztecollegiums, Herr Dr. Ignaz Weiß, in rührenden Worten von dem Verblichenen Abschied nahmen. Hierauf wurden die sterblichen Ueberreste des Verblichenen zur Ruhe gebettet. Scholle auf Scholle häufte sich zu einem Grabhügel, der sich nun über einem der edelsten Menschenfreunde und Arzte wölbte. Wir erwähnen schließlich, daß viele Freunde und dankbare Patienten im Sinne des edlen Verstorbenen zu handeln glaubten, indem sie, anstatt eines Kranzes auf das Grab, den Armen spendeten. Zu diesem Zwecke sind jetzt dem Wohlthätigkeitsverein „Frauenhort" IX., Müllnergasse 21, zahlreiche Spenden zngekommen, die derselbe demnächst ausweisen wird. Baden. (T h o r a - F e st.) Eine erhebende Feier wurde Sonntag Abend, den 22. d. M. in unserer Gemeinde abgehalten, eine Feier, die dem religiösen Leben unserer Mitglieder und dem eigentlichen Elemente des jüdischen Wesens, dem Talmud, galt. An diesem Abende veranstaltete nämlich unser allgemein beliebter und hochverehrter Rabbiner Herr Wilhelm Reich einen Sium, eine Schlnßfeier zu den drei Tractaten Gitin, Nedarim und Nazir, welche in dem Gemeinde-Beihamidrasch, das jetzt der Cultnsvorsiand auf's Stattlichste renoviren und eimichten ließ, von unserem Rabbiner unter großer Betheiligung der Gemeindemitglieder allabendlich vorgetragen und am Sium-Abenv zum Abschlüsse gebracht wurden. Bei diesem Anlässe zeigte es sich, wie der geistbegabte Komponist aus den grellsten Dissonanzen ein anmnthig klingendes Tonstück zustande bringen kann, so ein für Humanität und Frieden, für Judenlhum und dessen Wissenschaft ernst bestrebter und hochbegeisterter Rabbiner die heterogensten Elemente seiner Gemeinde nach und nach ausgleicht, bis sie sich zu einem Körper vereinigen und eine unerschütterliche Basis für den Fortbestand des Ganzen bilden. Ja, diesbezüglich herrschten auch in unserer Gemeinde noch vor Jahren höchst unerquickliche ZustänSe. Eine schneiende Dissonanz ging durch unsere Milte. Mitglied war gegen Mitglied und gaben oft sehr kleinliche Beweggründe den Impuls zu Erschütterungcn, die alle Gemeinde-Institutionen wankend machten. Unser hochverehrter Herr Rabbiner aber wankte nicht. Er stand unerschütterlich und fest wie ein Feis gegen die an ihn heranbrandenden Meereswogen, ausgerüstet mit Intelligenz, mit humanem und friedliebendem Sinn. Er verstand es, wie kein Anderer es vermocht hätte, Del in die schäumenden Wogen zu gießen, bis sie sich gänzlich beruhigten und ein schöner, klarer Meeresspiegel das Bild unserer Gemeinde bildet. In diesem seinem edlen Bestreben stand ihm der Cultusvorstand mit seinem Präses und Bicepräses, den Herren Moriz Leitner und Anton Schneider wacker zur Seite, sie unterstützten ihn in allen seinen gedeihlichen und znm Frieden führenden Einrichtungen, so daß jetzt unsere Gemeinde in eine Stätte umgewandelt wurde, in welcher ein echtes intelligentes jüdisches Leben, wahrer Sinn für jüdisches Wissen keim! und mit Gottes Hilfe zur herrlichsten Frucht anfblühen wird. Zum Eingangs erwähnten Sium stand unserem Herrn Rabbiner ein Comitß von drei sehr geachteten Gemeindemilgliedern, den Herren Jacob Kohn, Moriz Daniel und Mathias Adler helfend bei, denen sich noch der Rest.curateur Herr Nathan Schey in der uneigennützigsten Weise anschloß, und gaben sich diese Herren die größte Mühe zum glücklichen Gelingen dieser solennen Feicr, welche bei dem edlen Eifer unserer Gemeindemitglieder für Thora und Goticsfnrcht ganz gewiß sich in nicht allzulanger Zeit wiederholen wird. I. I. E. B. Olmütz. Bei der eben dnrchgesührten Wahl der Handels- und Gewerbekammer in Olmütz erscheinen unter Anderem gewählt: Die Herren Ludwig H e l l m a it n, Bankdirector, Josef L v w, Fabrikant in Olmütz, Heinrich B a cf, Barchenterzeuger in Proßnitz nird Ignaz Fluß 3en., Fabrikant in Freiberg Troppau. (I ü d i s ch - l i t e r a r i s ch e r B e r e i n.) Samstag den 21. d. M. fand im Bereinslocale (Oberring 37) ein Vortrag des Herrn JUI)r. Max Beer aus Oderberg statt. Die trefflichen, von tiefem Studium zeugenden Ausführungen des Redners über das Thema: „Die sociale Bedeutung der Thora", riefen das lebhafteste Interesse des zahlreich versammelten Publicums hervor. Ganz besonderen Anklang fand die kritische Beleuchtung der modernen Soeialresormen im Geiste der Thora. Der Eindruck, den der Vortrag aus die Anwesenden machte, fand einen deutlichen Ausdruck in dem stürmischen Beifall, der dem Redner gezollt wurde. Prag. (Verein der jüdischen H o ch s ch ü l e r in Prag.) Die Vorbereitungen zu dem am Samstag den 28. November im Saale der neuen Produetenbörse stattfindenden Festabend, an welchem der bekannte Schriftsteller S. Kohn einige seiner neuesten Werke zur Vorlesung bringt, sind nahezu vollendet. Auch für den unterhaltenden Theil ist durch musikalische Productionen (seitens Vereinsmitglieder und Gönner des Vereines), humoristische Teclamatiouen und ein diesen sich anschließendes Kränzchen hinlänglich gesorgt, so daß der Abend äußerst erfolgreich zu werden verspricht. Entree per Person

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