Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 48 (27.11.1896)
- Date
- 1896-11-27
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 958 Dr. Vloch's Wochrnfchrifl Nr. 4 8 Suppe per Liter und im eventuellen Falle circa 600 fl. an Geldunterflntzungen an Arme vertheilt werden, nicht geregnet 25 bis 30 Schulkinder, die an der Bespeisung jährlich theilnehmen. Außerdem verfügt der Verein über einen Neservefond von circa 6000 fl. (inclusive des Locales zur Bespeisung im Werthe von 3600 fl.). Mit gebrochenem Herzen übergab der Wohllhäter den Verein der Obhut des Frauenausschußes. dessen Präsidentin gegenwärtig Frau Betti Pineles ist, die Herrn Lieblich mit der weiteren Manipulationsführung betraut hat. Der Antisemitismus in Croatien. Man schreibt uns aus Essegg : „Die verkappten Antisemiten haben die Maske fallen lassen, die verschämten sind unverschämt geworden. Das in Agram erscheinende clericale Organ, der „Obzor", hat null, bewährtem Beispiel folgend, den Juden den Krieg erklärt. Die antisemitische Gesinnung der frommen Herren des „Obzor", die bisher nur bei besonderen Gelegenheiten zum Durchbruch kam, ist nun eilt offen bekannter Programmpunkt geworden. Auf die unsäglich perfiden Angriffe, welche neulich im „Obzor" gegen die Juden in Croatien gerichtet wurden, findet man in der der Regierung nahestehenden „Haroäne Novmeeine Reihe trefflicher Bemerkungen, von denen ein Theil hier reproducirt sei. Da heißt es u. A.: „Obzor hat sich am letzten Montag mit einem „das Judenthum" betitelten Leitartikel entschieden für den Antisemitismus erklärt. Die äußere Ursache hiezu hat die Tbeater-Delnonstration gegen die Figur des Samuel Hasenfuß in dem Stücke S e r e n c i n 's, welches sich „Die ländliche Opposition" betitelt, gegeben. Demnach haben kleine Ursachen große Wirkungen erzielt. Jedoch ist dies nur eine Ursache pr.> forma gewesen, daß eben jetzt die Obzor-Partei die antisemitische Flagge entrollt hat, denn „Obzor" kokettirt schon seit dem Zeitpunkte mit dem Antisemitismus, seitdem deren Führer inzwischen eingesehen haben, daß sich die kroatischen Israeliten ftir die Politik der Obzorasen nicht erwärmen können, und seitdem das Haupt-Organ der Wiener Antisemiten sich dazu hergegeben hat, gegen die Regieruilg und die öffentlichen Verhältnisse unseres Landes ein wahres Arsenal von Jnvectiven zu bilden, in welches die Waffen aus der Preradovicgasse geschickt wurden. Solange die Obzorasen noch die Hoffnung hegten, daß chnen die kroatischen Israeliten in ihren parteipolitischen Kämpfen nützen könnten, waren sie stets „unsere treuen, patriotischen, nüchternen, achtungswerthen, israelitischen Mitbürger". Heute aber ist dies anders geworden, heute sehen sie in ihnen blos die Juden, die sich „in das Herz Croatiens" eingenistet haben, welches die Obzorasen am liebsten allein ausfüllen möchten, und darum erblicken sie in dem Judeuthume begreiflich eine öconomische, sociale, politisch solidare, gefährliche Vereinigung, gegen welche die Fahne das fanatischen Antisemitismus entfaltet werden müsse". Hoffentlich wird die giftige Saat, die von dem „Obzor" ausgestreut wird, in dem Herzen der croatischen Bevölkerung keinen Boden finden. Die Juden im Lande haben sich durch Tüchtigkeit, Redlichkeit und treue patriotische Gesinnung die Achtung ihrer Mitbürger erworben und die perfiden, vom Hasse dictirten Beschuldigungen gegen sie werden keiner: Glauben finden. Der Antisemitismus in Croatien wird, das hoffen und wünschen Alle, denen das Gedeihen des Landes am Herzen ist, ein frevelhafter aber unerfüllter Wunsch gewisser — Frommen bleiben". w - w Agram. (DieOppositionaufdemLande.) Ueber die bereits in der letzten Nummer unseres Blattes gebrachte Notiz erhalten wir von unserem Agramer Correspondenten noch Folgendes: Wie zu hoffen, wurde das Lustspiel .Die Opposition auf dem Lande", welches am 22. nochmals in der Nachmittagsvorstellung aufgeführt werden sollte, von Seite der Theater-Intendanz abgesagt und an dessen Stelle das Lustspiel „Der Veftchwender" gegeben. Daß dieses Schaudstück nicht aufgeführt wird, ist unseren Glaubensgenossen, welche erklärten, das Theater nie mehr zu besuchen, falls dieses Lustspiel nochmals zur Aufführung gebracht wird, zu verdanken. Was den Autor dieses Schandstückes anbelangt, ist derselbe enragirtester „Obzoras", das heißt Führer der hiesigen clericalen Partei, welche zum Zeitvertreib den Antisemitismus provocirt und dabei ein Fiasco um das andere erleidet. Daß dem so ist, hiefür trägt der croatische Jude sehr viel bei, und zur Ehre des croatischen Judenthums sei es gesagt, daß derselbe stets dafür sorgt, daß der Antisemitismus in der hiesigen Bevölkerung n i e eingeimpft wird. Als Schlußact zu dem Drama dieses „Lustspieles" erschien am 14. d. M. in dem Antisemiten-Organ „Obzor" ein Artikel „Zidovstvo“ (das Judenthum) aus der Feder des Advokaten M a z z u r a, welcher über die Juden Croatieus herfällt, wie der H u n d über die Schnepfen, ohne eines dieser unschuldigen besiederten Vögel sangen zu können. Ein Mensch wie dieser M a z z u r a, der sein Vermögen dem Juden zu verdanken hat, der in den Siebziger Jahren bei der Familie Pr ist er bis vor längerer Zeit Advocat gewesen, der früher dem Juden Prister und anderen die Hand geküßt, um ein Stück Brod zu verdienen. Ein solcher Mensch, welcher seine Wohlthäter auf die schmutzigste Weise beschimpft, charakterisirt sich in seinem Vorgehen von selbst. Die „Narodni Novine"-, „Kroatska Pravo" und „Agramer Zeitung" gaben dem „Obzor" eine Antwort, auf welche dieses Organ nie vergessen wird. Alle Blätter heben den Juden als ruhigen, intelligente::, fleißigen und patriotisch gesinnten Bürger von Croatien hervor. Ein altes Sprichwort sagt: nach Regen k o m m t Sonnenschein, welches sich auch hier bestätigt. Der croatische Lueger M az z u r a sammt seinen edlen Spielaenossm wurde kleinlaut, nichts hört und sieht man mehr von der Sippschaft, oder lauern diese Leute im Finstern? Nur traurig ist es anzuseben, daß einige hiesige oppositionelle Juden sich gerade dieser Antisemiten-Partei anschließen. Er kommt uns so vor wie Paulus Meyer, welcher der Freund Deckert's wurde und zum Schlüsse von diesem edlen Priester in die liebenden Arme der — heiligen Justitia geworfen wurde, welche nichts anderes that. als den unschuldigen Meyer nach Abbüßung seiner Strafe, ihrer Collegin, der deutschen Justiz, zur Aufbewahrung zu geben. Jeder Mensch findet seinesgleichen, ja, warum soll es nicht auch ein croatischer Jude thun? Unsere Glaubensgenossen aber ersuchen wir, stets bas Interesse des Jndenthums zu wahren, solche Leute, die sich mit Antisemitismus befleißigen, zu meiden, auch stets den jüdischen Kaufmann. Advocaten, Handwerker u. s. w. zu unterstützen und nicht eine Schlange an unserem Busen zu nähren. Sollte aber die Intendanz des Aaramer Nationaltheaters dieses b l ö d e Lustspiel nochmals zur Aufführung bringen, nun — dann heißt es — Judenmeidetdas Nationaltheater von Agra m. A r a n a. Kranksiirt a. M, 12. November. Auf Veranlassung des Bürgermeisters von Dörnigheim, Herrn Lapp, sollte in der Kirche seines Ortes eine Tafel ailfgehängt werden, welche die Namen derer verzeichnete, die am letzten, französischen Kriege therlgenommen batten. Unter den sich anmeldenden Kriegern befanden sich auch die Herren Wolf Steige rwald und Löser S t e i g e r w a l d, Beide jetzt in Frankfurt wohnhaft. Der Geistliche verbot aber die Anbringung der beiden israelitischen Namen. Die Herren beruhigten sich nicht bei diesem Bescheide. Jetzt nun tbeilt Herr L. S t e i g e r w a l d mit: „Dem Dörnigbeimer Pfarrer ging seitens des Landrathsamts in Hanau die Aufforderung zu, sowohl mich als meinen Vetter zu benachrichtige::, daß die Gedenktafel mit unseren Namen, in der Kirche aufgestellt wird, was auch bereits geschehen ist. Im Uebrigen hatten die Dörnigheimer Kriegskameraden beschlossen, daß in: Falle unsere Namen nicht auf die Tafel gesetzt werden dürfen, die Errichtung einer Tafel unterbliebe." Berlin, 13. November. Mit dem gestern Hierselbst verstorbenen Rittmeister a. D. George Beer ist eines der letzten männlichen Mitglieder der einst so zahlreichen Familie Beer, welcher der Dichter Michael Beer (der Autor des Struensee), der Astronom Wilhelm Beer und der Componist Meyerbeer angehörten, aus dem Leben ge- } schieden. Nur noch ein Bruder des setzt verstorbenen Herrn George Beer lebt in Paris und ist nunmehr das letzte Mitglied der Familie; er und sein eben verstorbener Bruder waren Söhne von Wilhelm Beer. Eine große Trauerversammlung, in der die Geheimräthinnen v. Leyden, Spinola, Lady Wbite, Frau Generalconsul Kreismann, Frau Profeffor Richter geb. Meyerbeer und die Herren Graf Kalkreuth, Geheimrath Wilh. Herz und zahlreiche Mitglieder des Unionclubs, zu besten Begründern der Verstorbene gehörte, anwesend waren, erwies dem Verstorbenen gestern die letzte Ehre. Herr Rabbiner Dr. W e is s e hielt die Trauerrede. — Zu Häupten des neuen Grabes in dem Meyerbeer'schen Erbbegräbniß prangen die Verse, die dem Andenken des berühmten Oheims des Verstorbenen. Michael Beer, gewidmet sind :. „Ihm reicht die Dichtkunst ihre Gotterrechte. — schwingt sich mit ihm den ew'gen Sternen zu." Zur Rechten kündet eine einfache Marmortafel auf einem kleinen Sockel das Gedächtniß des großen Componisten Meyerbeer. Berlin, 16. November. Wie der Sprecher der humanistischen (freireligiösen) Gemeinde. Herr Schäfer, in einer Versammlung mittheilte, hat die städtische Schuldeputation dem Anträge, diffidentische Kinder in den jüdischen Religionsunterricht einzuschulen, kürzlich stattgegeben und die betreffenden Kinder dem öffentlichen jüdischen Religionsunlerricht überwiesen. Natürlich würde, so führte Herr Schäfer aus, von dieser Erlaubniß vor der Hand noch nicht Gebrauch gemacht werden, nachdem der Berliner Magistrat sich aeweigert habe, irgend einen Religionszwang auf die dissidentischen Mitbüraer auszuüben. Strelitz, 15. November. Zum 70. Geburtstage des Landescabbiners Dr. Hamburger am 10. d. M. sind demselben mehrfache Ovationen zu Theil geworden, die Zeugniß davon ablegen, daß der greise Gelehrte weit über die Grenzen unseres Heimütslandes hinaus sich eines wohlverdienten Rufes erfreut. Hervorzuheben ist unter den zahllosen. Depeschen und Gratulationen eine solche vom Deutsch Israelitischen Gemeindcbund, dessen erster Vorsitzender, Pro-