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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-11-27 · 48 (27.11.1896) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
48 (27.11.1896)
Date
1896-11-27
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Seite 959 Dr. Vloch's Wochrnfchrist Nr. 48 feffor Dr. Philippson, dem Jubilar warme Worte der Anerkennung zollte. Um 12 Uhr empfing Dr. Hamburger die Vorsteher der israelitischen Gemeinden des Landes; dieselben überreichten eine von den sämmtlichen Gemeinden gestiftete Ehrengabe. — Im Namen der Deputation beglückwünschte der anwesende älteste Gemeindevorsteher, Herr Löwenhaupt-Neubrandenburg, den Jubilar und stattete demselben den Dank ab für seine Verdienste als Seelsorger und Gelehrter. In tief empfundenen Worten dankte der Jubilar. Ein Festmahl fand Nachmittags vier Uhr in seinem Hause statt, an dem nutzer der Familie die erschienenen Vertreter der Gemeinden theilnahmen. Im Anschluß an sein ausgebrachtes Hoch auf den Großherzog sandten die anwesenden Vorstände in Gemeinschaft mit dem Jubilar ein Huldigungs-Telegramm an den Landesherrn ab, auf das alsbald eine huldvolle Antwort einlief. Einen hübschen Brief hat der berühmte Lexikograph Professor Dr. Daniel Sanders an den Jubilar gerichtet. Derselbe lautet: „Hochwürdiger Herr Oberlandesrabbiner! Es ist mir ein Herzensbedürfniß, zu Ihrem 70. Geburtstage Ihnen meinen Glückwunsch darzubringen. Ihnen diesen persönlich auszusprechen, hindert mich leider mein Befinden. .Da ich mir sage, wie vielfach Sie an dem heutigen Tage in Anspruch genommen sind, so fasse ich mich möglichst kurz : Alles Gute! Mögen Sie noch recht lange in rüstiger Kraft segensreich fortwirken, wie zunächst zu Ihrer eigenen Befriedigung, so auch zum Heil und Wohl nicht blos Ihrer Familie und — Ihrem Berufe gemäß — der sämmtlichen Ihrer Obhut untergebenen jüdischen Gemeinden unseres Landes, sondern auch aller unserer ehrenwerthen, ehrlichen und biederen Glaubensgenossen. Mögen Sie auch weiterhin an Ihrem Theile beitragen zur richtigen Erkenntniß und gerechten Würdigung unseres jüdischen Glaubens, der so viele ungerechte und gehässige Anfeindungen erdulden muß, wogegen wir freilich hier in Mecklenburg-Strelitz nicht blos durch die Milde und Güte, sondern auch durch den Gerechtigkeitssinn unseres erhabenen Landesherrn geschützt sind. Mögen Sie auf Ihrem Wege segens- und erfolgreich weiter schaffen und wirken durch Ihre Schriften, die weit über Deutschlands Grenzen hinaus bei den berühmtesten Kennern auf diesem Gebiete verdiente große Anerkennung gefunden haben. Zum Schluß noch einmal: Alles Gute! nach dem aufrichtigen Wunsche Ihres in vorzüglich:r Hochachtung ergebensten Daniel Sanders. Duelle in Paris. Aus Paris wird uns berichtet: Nebst dem Duell zwischen dem Deputirten M i l l e v o y e und dem Correspondenten der „Frankfurter Zeitung", Dr. G o l dnl a n n fand Samstag noch ein zweites Duell statt, welches aus der Discussion über den Fall Dreyfus hervorgegangen war. Zwei junge Doctoren der Medicin standen einander mit Stoßdegen in eitlem Stalle eines Wirthshauses von Gravelle gegenüber. Nach einem erbitterten Kampfe erlitt der Mediciner, welcher die Unschuld des Capitäns Dreyfus behauptet hatte, einen schweren, doch nicht tödtlichen Stich in die Brust. Nach dem Duell spielte sich eine in Frankreich ungewöhnliche, rohe Scene ab, bieallgemein verurtheilt wird. Die gegnerischen Secundanten weigerten sich, bei dem Transport des Verwundeten behilflich zu sein, und verließen den Stall, der als Kampfplatz gedient hatte, mit dem ironischen Wunsch: „Glückliche Reise!" Die Boulevardpresse fährt fort, die Affaire Dreyfus zum Anlasse von Hetzartikeln zu nehmen, in welchen! der Beweis versucht wird, tute leicht die Flucht des Ex-Capitäns zu bewerkstelligen gewesen wäre.' Wenn wirklich Leute existiren, die es wagen wollten, könnten sie aus diesen Abhandlungen, welche detaillirte Expertisen über die localen Verhältnisse der Teufelsinsel enthalten, profitiren. Ramsgate. Am 9. November wurde der Rathsherr Lazarus Hart einstimmig zum Biirgermeister von Ramsgate gewählt. Alderman Emett beantragte die Wahl des hochgeschätzten Mannes, trotzdem er nicht in Ramsgate geboren sei; Rathsherr Hodgson unterstützte den Antrag. Der neugewählte Bürgermeister dankte für das ihm erwiesene Vertrauen und gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß er nun die Ehre haben werde, die goldene Bürgermeisterkette zu tragen, die sein berühmter Glaubensgenosse Sir Moses Moutestore vor 12 Jahren gelegentlich der Feier seines hundertsten Geburtstages der Stadt zum Geschenke machte. Er versprach, nach seinen besten Kräften für die Wohlfahrt seiner Mitbürger und das Gedeihen der Sta t zu wirken. Es ist interessant, daß ein Stadtviertel von Ramsgate den Namen „Sir Moses Montefiore Ward" führt. London. (Jüdische Maler in E n g l and.) In der jüngst eröffneten Ausstellung in den „Grafton Galleries" nimmt der Verein der Porträtmaler den ersten Rang ein (Society of Portrait Painters), unter dessen Mitgliedern sich I. Solomon befindet. Auch die Miniaturmaler haben ihren Verein (Society ok Miniaturists); der Vicepräsident ist Mr. Alfred Praga, zu den Mitgliedern gehören Fräulein Estelle d'Avigdor, Frau Cornelia Meyer, Fräulein Ethel Rosenberg. Wir sehen ein reizendes Porträt, das Frau Arthur Raphael gemalt hat, eines von Felix Moscheles (zwei kleine Knaben, Roland und Gerald Cock), eine junge russische Jüdin von Frau Lily Delissa Joseph, ein anderes von derselben Künstlerin, „Lied" („Song“) Fräulein Florence Marks har das Porträt des Prinzen Edward von Sachsen-Weimar ausgestellt. In der Nähe desselben befindet sich das Porträt der berühmten Romanschriftstellerin Madame Sarah Grand von Alfred Praga und das von Mr. T. Blake Wirgman gemalte Porträt Solomon's. Unter den Miniaturbildern erregt das Bild von Fräulein Hannah Myers (Mrs. Patrick Campbell) Aufmerksamkeit; man erkennt auf den ersten Blick die unglückliche Paula, „die zweite Frau" (the socond Mrs. Tanqueray in dem gleichnamigen Stücke von Pinero). Die Aussteller sind so zahlreich, daß wir uns begnügen müssen, die übrigen nur mit Namen zu nennen: Fräulein Louise B. Horwitz, Fräulein Ethel I. Rosenberg, Miß Estelle d'Avigdor,. Frau Cornelia Myers, Fräulein Mabel M. Levy, Fräulein Fanny Way u. s. w. London. (ZangwillalsBorleser.) Der berühmte Novellist I. Zangwill hat ungeheure Erfolge als Vorleser gehabt. Er hielt neulich einen Vortrag in New-Aork; an diesem Abend prüsidirte Oberst Goldsand und der Bürgermeister drückte Mr. Zangwill den Dank aller Anwesenden aus. In Hampstead hatte Zangwill ein Auditorium, das noch viel zahlreicher als in der Woche zuvor bei Max O'Rell. „Mark Twain", der berühmte amerikanische Autor, war auch erschienen und gratuürte dem Vortragenden zu seinem Erfolge. Vergangenen Sonntag las Zangwill im Theater Royal in Leeds, mehr als dreitausend Personen waren anwesend. Tags darauf das Gleiche in Sheffield in der „Music Hall", Hunderte von Personen mußten stehen. Am 7. December hält Sir Walter Besant in der „Queens Hall" einen Vortrag über „London". Lord Roseberry wird den Vorsitz führen. Zangwill hat für den Abend einen Vortrag versprochen. Am 14. December wird er einen Bortrag halten: „Das Drama als ein künstlerisches Product". Dienstag Abends folgt er einer Einladung des Literarischen und Philosophischen Vereines (Literary and Philosophical Society) in Hüll. New-Dork Das hiesige Blatt „Commercial Adviser" bringt in einer seiner letzten Nummern eine interessante Notiz über „I ü d i s ch e Franc n". Der erste weibliche Zahnarzt, heißt es dort, war eine Jüdin, Dr. Fanny Sternfeldt. Die in New-Z)ork gegründete Pflegerinnenschule (Training 5chooI für .Nursas) hatte ihr Entstehen einer Jüdin, Frau Alma Hendricks, zu verdanken. Das größte Stipendium, daß je einem jungen Künstler verliehen wurde, stammte von einer Jüdin, Frau I. H. Lazarus in New-Aork. Ter erste weibliche Fabriksinspecror in London ist eine Jüdin, May Abrams, ebenso ist die erste Frau, die in einem öffentlichen Krankenhause angestellt wurde und auch dort wohnte, eine Jüdin, Dr. Josephine Walter. Bronislaw Hubermann wird am 21. hier sein erstes Concert geben. Diesem werden 40 andere Concerte in den Bereinigten Staaten folgen. Upington, Gordonia, am 2. Oktober. (Eine inte re s s a n t e jüdische G e m e i n d e in Südafrika.) Es dürfte alle unsere Glaubensgenossen interessiren, von Juden zu hören, die sich in der Wüste zusammenfinden, um Gottes Namen zu lobpreisen, seine Gebote von der Thora zu lesen und dem Klange des Schofar zu lauschen. Upington grenzt an die Kalabaniwüste und liegt in Britisch-Beckiuana am Orange. Die nächste Bahnstation ist etwa 300 Meilen entfernt und man braucht mittelst Ochseuwagen Z, manchmal 5 Wochen, um sie zu erreichen. Ein Postwagen verkehrt einmal wöchentlich hin und zurück, er braucht ungefähr 6 Tage zu der Fahrt. So ist es denn für unsere Glaubensgenossen sehr schwer, öfter zusammenzukommen, obgleich einige von ihnen Händler sind, welche mit großen Wagen, die von 14 bis 20 Ochsen gezogen werden, durch die Wüste ziehen und mit den Boers, Kaffirs, Hottentotten u. s. w. Tauschhandel treiben. In Upington haben sich die ersten Kaufleute hier, Gebrüder Harris, den Dank aller Glaubensbrüder nicht nur, sondern auch vieler Christen erworben, die nach der mühevollen Reise durch die Wüste oft in furchtbaren; Zustande hier ankommen, und die die genannten Herren in menschenfreundlichster Weise unterstützen. In der feierlichsten Weise wurden die Feiertage hier begangen, zu welchen Harris 12 Gäste geladen hatte. Einige von diesen waren mehr als 100 Meilen weit gereist, um dieses

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