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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-11-27 · 48 (27.11.1896) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
48 (27.11.1896)
Date
1896-11-27
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 956 Vr. Vlortz's Wochenschrift. Nr. 48 Wien. (Das Wahlresultat in der israelitischen C u l t u s g e m e i n d e.) Montag, Abends um halb 8 Uhr, wurde das scrutinium in der Leopoldstadt beendet, nachdem Tags vorher in allen anderen Bezirken der Wahlact schon abgeschlossen war. Es sind im Ganzen gegen 2872 Wähler (von circa 14.000) an der Urne erschienen. Gewählt wurden sämmtliche officiellen Candidaten, und zwar die Herren: Dr. Alfred Berger, Hof- und Gerichtsadvocat; Max Fleischer, Architekt; Theodor Ritter von G o l d s ch m i d t, k. k. Banrath; Med.- und Chir.-Dr. Joses Grünfeld, Universitäts-Docent; Samuel Ritter von H a h n, Regierungsrath undGeneraldirectorder österreichischen Länderbank; Joses H i e l d b u r g h ä u s s e r, Privatier; Moriz H i r s ch, Privatier; Emanuel Hoffman n, Hausbesitzer; Heinrich Kling er, k. Rath und Fabriksbesitzer; Dr. Gustav K o h n, Hoi- und Gerichtsadvocat; Karl K o h n, Privatier; Salo K o h n, Privatier; Arthur Edler v. Mises, Ingenieur der Staatsbahnen; Wilhelm Pollak, Hosweinhändler; Salomon R o s n e r, Fruchthändler; Gustav S i m v n, Metallwaarensabrikant; Phil, und Jur. Dr. Marcus Spitzer, Hof- und Gerichtsadvocat; Tr. Heinrich S t e g e r, Hof- und Gerichtsadvocat; Dr. Adolf S t e i n, Hof- und Gerichtsadvocat; Dr. Maximilian Steine r, Generalrepräsentant der „Germania"; Tr. Alfred Stern, Hof- und Gerichtsadvocat; Wilhelm Stia ß n y, k. k. Baurath und Architekt; Gottlieb T a u s s i g, Fabriksbesitzer und Hoflieferant; Friedrich Vogel, k. Rath und Tampfmühlenbesitzer. Die Stimmenzahl, welche auf die einzelnen Candidaten entfiel, schwankte zwischen 2363 und 2689. In der Minorität blieben Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Kerpal, der nicht candidirte, mit 895 Stimmen, Hvsbauer mir 321, Dr. Schreiber mit 246, M. Bondi mit 91 Stimmen. Das Wahlresnltat wurde Mittwoch Mittag in öffentlicher Vorstandssitznng verlantbart. Wie«. (H o s p i t a l b a u in I e r u s a l e m.) Die Sammlungen für dieses große, wahrhaft jüdisch-philantropische Werk schreiten rüstig voran, so daß bereits jetzt über 80.000 Mark an solchen Spenden einaegangen sind, deren kleinste Einzelgabe 1000 Mark betrügt, und weitere 80.000 Mark an Spenden in Einzelgaben zwischen 500 und 100 Mark. — Am hiesigen Platze ftehr an der Spitze dieses großen Werkes Se. Ehrwürden Herr Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n und wünschen wir den von demselben im Verein mit Herrn H. Berger begonnenen Sammlungen den allerbesten Erfolg, zur Linderung des Elends so vieler armer kranker Glaubensgenossen und zur Ehre des Judenthums. Wien. In jenen Kreisen, welche sich die Förderung der jüdischen Colonien im heiligen Lande angelegen sein lassen, empffndet man cs schon seit geraumer Zeit als ein dringendes Bedürfniß, eilt finanzielles Institut ins Leben zu rufen, das die Aufgabe hätte, durch Gewährung von Darlehen auf Grund und Boden, durch Leistung von Waaren-Vorschüssen und ans andere ähnliche Weise die jüdische Bevölkerung in Syrien und Palästina zu unterstützen. Im August dieses Jahres hat sich nun zur Durchführung des von maßgebendster Seite gebilligten Gründungs-Projectes ein provisorisches Comite gebildet, bestehend aus den Herren Dr. Hirsch Hildesheimer und Banquier Dr. Heinrich Mayer Cohen in B e r l i n, sowie den Herren S. C a h n, Josef H. S ch a m e s und Simon A l t m a n n, Banquiers in Paris. Das Bestreben dieses Comites ist darauf gerichtet, im Wege öffentlicher Subscription die Gründung der „ Bauque Hypothecaire et Agricole“ zu ermöglichen, deren Centrale in Paris ihren Sitz haben soll und als deren Capital vorläufig 500.000 Francs in Aussicht genommen sind; die zu zeichnenden Actien lauten auf je 100 Francs. Die in Rede stehende Idee, hat namentlich an Herrn M. Back, einem Sohne des ehemaligen Consuls in Palästina, einen überaus eifrigen Vertreter gefunden. Herr Back, welcher gegenwärtig in Wien weilt, läßt nichts unversucht, um das Unternehmen zu pvussiren; ein Unternehmen, das mit Rücksicht auf seinen ebenso edlen wie praktischen Zweck die Sympathien auch der österreichischen Judenschaft in vollstem Maße verdient. In diesem Sinne sei das Project zunächst durch die vorstehende Notiz auf das Angelegentlichste empfohlen. Wien. (S t u d e n t e n u n f u g.) Der „Reich sw e h r" schreibt man unterm 20. November aus Brünn: Nun hat sich also auch die Brünner Studentenschaft dem großen, culturellen Zuge unserer Zeit angeschlossen. Der hiesige Verein der Techniker, „Sudetia", hat nämlich den Beschluß gefaßt, die jüdischen Hörer der Technik für satisfactionsunfähig zu erklären. Die jüdische Verbindung „Beritas" hat dagegen Protest erhoben und die „Sudetia" ist aufgelöst worden. Die liberale Presse ist entzückt darüber, die deutschnationale tobt und lärmt. Uns läßt dieses Ere^gniß sehr kühl. Zur Sache möchten wir nur bemerken, daß solche Beschlüsse, wie der des Vereines „Sudetia", zunächst wohl nur die eine Wirkung haben, das Studentenduell noch kindlicher erscheinen zu lassen, als dies ohnedies schon der Fall ist. Denn in Duellsachen ist und bleibt wohl die A r m e e und ihr Ehrencodex maßgebend. Und die Armee, die nur ein Ehrenzeichen eines Officiers kennt, kennt auch keine andere Satisfactionsunfähigkeit, als die moralischen Gebrechen. Die Unterscheidung, welche die Studentenschaft zwischen Gentleman und Gentleman je nach Race und Confesfion zu machen beliebt, verdient sonach kaum ernsthaft beurtheilt zu werden. - Wien. (XII. A u s w e i s.) Eingegangene Spenden zum Baue eines Tempels in der Brigittenau: Die Herren ■ Dr. M. Roth fl. 2, Jacob Ehrenwald fl. 5, C. H. Hirsch fl. 5, S. Geiringer fl. 1, Jg. Kohn fl. 1, I. H. Mittler fl. 5, S. Oehler und Co. fl. 5, H. Olop fl. 2, Gust. Ted es ko fl. 5, Heinrich Berger fl. 10, Dr. Em. Schiffmann fl. 5, B. und L. Friedmann fl. 5, Dr. Sal. Elias fl. 5, Dr. Oscar Hein fl. 2, Max Quittner fl. 5, Sal. Maberg fl. 2, S. H. fl. 50. Prag, 23. November. Der antisemitische Abgeordnete Vincenz Gebier, Baumeister in Graslitz, welcher den dortigen .Landgemeindenbezirk im Landtage vertritt und gestern nach Prag gekommen war, um einer Versammlung des antisemitischen Bundes der Deutschen in Böhmen beizuwohnen, wurde in dem Hotel, in welchem er sich einlogirt hatte, irrsinnig und ans ärztliche Anordnung in die I r r e n a n st alt übers ü h r t. Gebler's excentrisches Benehmen hatte bereits während der letzten Landtagssession vielfach Aufsehen erregt. Prag im November. Vor einiger Zeit erschien in dem Feuilleton der officiellen „Prager-Zeitung" ein Roman mit antisemitischer Tendenz. Das Präsidium der hiesigen Cultusgemeinde- Repräsentanz begab sich sofort zu Sr. Excellenz dem Statthalter Grafen Coudenhoven, um die Jnhibirung. des Romans zu erbitten. Derselbe empfing sie in liebenswürdigster, zuvorkommendster Weise, der Roman werde sofort abgebrochen, der Redacteur, Regiernngsrath Lukesch erschien am nächsten Tage beim Gemeinde- Präsidenten und sprach sein lebhaftes Bedauern über den ohne fein Wissen erfolgten Abdruck aus, und die officiellen Zeitungen brachten eine vollständig befriedigende Erklärung des Inhalts, daß der Redaction nichts ferner lag als die Wege des Antisemitismus zu wandeln. Prag, 15. November. In der heute abgehaltenen constitnirenden Sitzung des Ausschusses des israelitischen Gemeindebundes in Böhmen wurden Dr. Arnold R o s e n b a ch e r, Präsident der Prager israelitischen Cultusgemeinde zum Vorsitzenden, Ignaz Kallberg, Vorsteher der Karolinenthaler Cultusgemeinde, und Dr. Moritz L i ch t e n st e r n, Obmann der böhm. Landesjudenschast, zu dessen Stellvertretern gewählt. Prag. 17. November. Für heute hatten Dr. Stern, Ziegler und Kur rein eine Rabbinerversammlung hierher einberufen. Da die beiden Ersten der vorgenannten Einberufer in einem Programme die Absicht ausgesprochen, eine neue Religion „Neu-Jsrael" zu gründen, eine Religion, die von allen Völkern leicht gehalten werden könne und das biblische Gesetz nicht für bindend erkläre, haben s e l b st d i e fortschrittlichen Rabbiner erkannt, daß diese beiden Herren nicht mehr dem Judenthume angehören, und diese haben ein klägliches Fiasco gemacht. Von den etwa 50 Rabbinern Böhmens sind heute hier nur 9 angelangt, selbst die beiden Einberufer Dr. Stern und Ziegler sind nicht erschienen. Prag, 13. November. (Gut gegeben.) Eine der jüngsten Nummern der „Bohemia" bringt folgende „Stimme aus dem Publicum" : „Von offenkundig antisemitischer Seite ist in der letzten Zeit vielen „Judenliberalen", die aus ihrer nichtantisemitischen Gesinnung nie ein Hehl gemacht haben, ja sogar Juden, ein gedruckter Auftrag zugegangen, worin sie als „Volksgenossen" in warmen Worten um, Beiträge, beziehungsweise Zeichnung von Antheilscheinen zwecks Erbauung eines Vereins- Hauses angegangen werden. Datirt ist dieser Aufruf: „Prag im Wonnemonat 1896." Wie so: „Wonnemonat"? muß ich mich fragen. Und wie so: „Volksgenosse"? In jenen antisemiti-

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