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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-11-27 · 48 (27.11.1896) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
48 (27.11.1896)
Date
1896-11-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 950 Vr. Vloch's Wochenschrift. Nr. 48 zweifellos alle ihre Schattenseiten, die nichts Anderes sind, als sozusagen die blauen und gelben Flecken, diese traurigen Merkmale tiefer Wunden, die ihnen durch Jahrhunderte lange Verfolgungen die christliche Nächstenliebe zugefügt hat und noch jetzt zuzufiigen bestrebt ist! . Arthur E i b e n s ch ü tz. Arische Mlualmorde. Es geht ihnen schlecht unseren Nur-Deutschen, den frommen Wodansdienern, so daß selbst ein Semit sich ihrer erbarmen könnte. Andere ernten, was sie gesäet haben; die Kornblume, die sie in den österreichischen Boden gepflanzt und mit reichem Freibier begossen haben, will nicht gedeihen, während überall stinkende weiße Nelken aufsprießen. Sie haben als kühne Unternehmer den Bismarck-Antisemitismus importirt, für ihn agüirt, hausirt und randalirt, und den Profit hat der Agliardi-Antisemitismus, der vorläufig noch ein schwarzgelbes Mäntelchen trägt. Ich sage vorläufig, denn schon verlangen die als Patrioten anerkannten Luegerianer — oder soll es vielleicht Ligourianer heißen? — bei Concerten und öffentlichen Musikproductionen den Lueger- Marsch. Daß sie die Volkshymne verlangt hätten, habe ich noch nicht gehört. Freilich, solche musikalische Gelüste machen den Schönerianern keine Schmerzen — im Gegentheil. Aber viel schlimmer ist, was in Waidhofen geschehen ist. Dort ist in der Stichwahl der Judenliberale Dr. Kopp gewählt worden, und die Christlich-Socialen haben für ihn gestimmt, wie es heißt auf Commando von Lueger! Wenn die Waidhofener schon etwas Jüdisches wählen wollten, warum nicht lieber gleich einen Verwandtei: von Schmul Leeb Kohn? So herrscht tiefe Trauer im Lager der Strammdeutschen und Wodansverehrer, und Herr Pacher soll vor Kummer schon ganz heiser sein. Im Unglück werden aber die Menschen gewöhnlich fromm oder abergläubisch, und so ist zu befürchten, daß die heiligen Haine wieder zahlreicheren Zuspruch finde:: und die Altäre der germanischen Götter von frischen Opfern rauchen werden. Zu befürchten? fragt hier vielleicht ein Leser. „Was kann es die Juden angehen, ob die Heiden zu Wodan oder Mars beten, ob sie der Venus oder dem Bacchus mehr opfern. Und was wäre überhaupt zu fürchten? Das sind ja keine rohen Seiniten, das sind edle gesittete Arier, die keine blutigen Opfer bringen werden, menschenfreundliche Arier, die über einen geschlachteten Ochsen oder über einen von ihnen selbst erfundenen sogenannten Ritualmord, wenn auch keine Thränen vergießen, doch Gift und Galle spritzen. Oh nein, ein racenreiner, nicht von der „judäochristlichen Religion" verdorbener Wodansanbeter kann sich nicht begnügen, hie und da zu Ostern einen: Christenkinde etwas Blut abznzapfen oder seinen Göttern wohlgemästete Thiere zu opfern, die er lieber selbst verzehrt. Aber Opfer fallen hier, Weder Lamm noch Stier, Aber Menschenopfer unerhört. Ein Abfall von dem aus Judäa gekommenen Christenthum eine Rückkehr zum Dienst der Heidengötter muß unfehlbar die Rückkehr zu den Menschenopfern zur Folge haben. Schon im Jahre 1893 hat im niederösterreichischen Landtage der Abgeordnete H a u ck beantragt, der Erhaltung der germanischen O P f e r st e i n e im Waldviertel besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Der Antrag wurde am 15. Mai dem Landesausschusse zur Berichterstattung zugewiesen, aber es scheint, daß kein Bericht erstattet wurde. Da er jetzt in: Landtage mit antisemitischer Majorität wahrscheinlich wieder eingebracht werden wird, so will ich hier einiges Material dafür beibringen, das dem eventuellen Referenten gewiß von Nutzen sein wird. Daß in den ältesten Zeiten bei allen wilden und barbarischen Völkern Menschenopfer zu Ehren der Götter gebracht wurden, ist bekannt. Die jüdische Religion hat zuerst diese Opfer aufs Strengste verboten, während ringsum von den Nachbarvölkern der Juden die gräßlichsten Menschenopfer dargebracht wurden. Manchmal erlagen noch zur Zeit der Könige einzelne Juden der Ansteckung durch den Aberglauben ihrer Nachbarn und wiederholt haben die Propheten Jesaias, Jeremias und Ezechiel diese Verirrung gebrandmarkt, bis das jüdische Volk vor britf Halbtausend Jahren ganz von diesem Laster gereinigt ward. Viel länger, ja fast bis in die Gegenwart, erhielten sich die Menschenopfer bei den sogenannten Ariern, wie ja die Witwenverbrennungen in Indien, trotz eiftigster Bemühung der englischen Regierung, erst in neuester Zeit, wenn überhaupt, aufgehört haben. Bei einem andern, für noch viel edler als die Hindus gehaltenen arischen Volke, den Griechen, kamen Menschenopfer häufig vor. In der Ilias wird erzählt (XXIII 175), daß Achilles bei der Leichenfeier des Patrokles zwölf edle trojanische Jünglinge schlachtete, und ich könnte noch zahlreiche andere Beispiele von Menschenopfern bei Griechen und Römern aus viel späterer Zeit anführen. Selbst als das Christenthum schon seit mehr als hundert Jahren im römischen Reiche gepredigt wurde, brachten die heidnischen Römer noch Menschenopfer dar. Bei den germanischen Stämmen, zu denen das Christenthum später gelangte, erhielten sich die Menschenopfer noch viel länger. Tacitus erzählt in der Germania (9), daß sie den Mercur anbeteten und ihm an bestimmten Tagen Menschen opferten. Von anderen germanischen Stämn:en, die an der Seeküste saßen, berichtet er, daß sie die Göttin N e r t h u s anbeteten, deren Wagen (wahrscheinlich mit dem verhüllten Götzenbilde) an Festtagen herumgeführt wurde. Nach dem Umzug wurden Wagen und Geräthe gewaschen und die Sclaven, welche dabei ministrirten, ertränkt. Germania 40). Und das war eine Friedensgöttin! Umso reichlicher floß das Blut der Kriegsgefangenen zu Ehren der Götter. Der griechische Geograph Strabo erzählt. (Buch VII) Folgendes von den Gebräuchen der Cimbern: Unter den ins Feld ziehenden Weibern befanden sich auch alte wahrsagende Priesterinnen in weißen Gewändern. Diese gingen de:: Gefangenen entgegen und führten sie an einen ehernen Kessel, der ungefähr zwanzig Amphoren hielt, dort schlachteten sie die Gefangenen, so daß das Blut in den Kessel floß, während Andere die Eingeweide zerrissen und daraus Sieg prophezeiten. Das war doch ein ausgiebiges germanisches „Blutritual", an dem ein Rohling seine Freude hätte haben können; und diese edle Weiblichkeit! Nach einem Kriege zwischen den Kelten und Hermonduren wurden, wie Tacitus (Annalen XIII, 57) erzählt, von den siegreichen Hermonduren, ihren: früheren Gelübde gemäß, alle Gefangenen. getödtet. „Im Kriege", sagt Fr. Kauffmann in seiner Deutschen Mythologie, „galt jeder Schlachttag als hochheiliges Opferfest, wo der Kriegs- und Siegesgott die Ernte hielt. Für ihn fielen die Feinde, und die Kriegsgefangenen wurden ihm zum Opfer an Baum oder Galgen aufgehängt. Wilde Grausamkeit eines rohen Geschlechts spricht aus der nordischen Sitte, dem Feinde einen Blutadler zu schneiden, das heißt, mit dem Schwert die Rippen vom Rückgrat loszutrennen und durch die offene Wunde die Lunge herauszunehmen. In Skandinavien kan: es auch zu Beginn der Seefahrten vor, wenn die Schiffe flott gemacht wurden, die Opfer auf die Rollen zu legen, auf denen die Fahrzeuge in's Meer gelassen wurden, und die Gottgeweihten von: Schiffe zermalmen zu. lassen." (Götterverehrung, Capitel 2, Opfer.) Von der grausamen Ermordung Kriegsgefangener durch Gothen und andere nordische Völker berichtet auch Prokopins von Cäsarea. Häufig waren auch die Menschenopfer bei der Bestattung von germanischen Fürsten und Großen. In der Edda (8ixuräharbvidha Fafniabana thridbja) erbittet sich Bryehild vor dem Tode für sich und Sigurdh eine standesgemäße Leichenfeier: „Dem Hunnengebieter brennt zur Seite Meine Knechte, mit kostbaren Ketten geschmückt: Zwei zu Häupter: und zwei zu den Füßen, Dazu zwei Hunde und der Habichte zwei. Unsere Fahrt wird nicht ärmlich sein. Ihn: folgen mit mir der Mägde fünf, Dazu acht Knechte edlen Geschlechts. (Nach Simrock's Uebersetzung.) Diese Todfenopfer beruhten auf den: Glauben, daß der Verstorbene nut zer Habe — also auch mit deu Sclaven und Mägden — die 'mit ihm verbrannt wurde, in Walhalla einziehen werde. ' Aber dies waren nicht die einzigen Menschenopfer, welche arischer Aberglaube forderte: Sehr weit verbreitet war der Gebrauch, Menschen lebendig zu vergraben, um Abwehr von Feinden

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