Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 48 (27.11.1896)
- Date
- 1896-11-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 946 Kr. VLoch's Wochenschrift Nr. 48 er erkrankt, er stirbt an diesem Aerger und erweist dadurch seinen Feinden den größten Dienst. Nach dem Tode des Antiochus kam in den Kreisen der Syrer die Besonnenheit zur Herrschaft und zu dem Nachfolger sprachen die Berather: „Wir wollen diesen Männern unsere Hände reichen und wollen mit ihnen Frieden schließen." Wir wollen ihnen gestatten, wie früher nach ihren Gesetzen zu wandeln, denn nur um ihrer Satzungen willen, die wir zertrümmert haben, sind sie erzürnt und haben dies Alles gethan." Mn schien Alles geordnet, aber in diesem Moment trat in Syrien' ein anderer Thronbewerber auf, der den Ankläger Judas und dessen Brüder das Ohr lieh; ein Priester aus dem Stamme Arons Alkimos war im Bunde mit den Syrern und viele fromme, schlichte Männer sagten sich von den Makkabäern los und suchten Frieden mit den Syrern, dem:, sagten sie, ein Priester aus dem Stamme Aron ist jetzt an der Gewalt nnd wird uns nicht kränken. Das war eine schwere Prüfung für Makkabi, aufrecht zu bleiben, wenn die Besten ihn verließen und aus allzugroßer Friedensliebe absichtslos den Glauben verriethen. Aber der Held wich nicht und erfocht einen glänzenden Sieg; um die Früchte des Sieges zu sichern, schloß er einen Bund nnt den Römern. Jndeß die Römer gaben freundliche Worte, rührten jedoch keine Hand, als auf's Neue Streitkräfte gegen Judäa aufgeboten wurden. Nach so vielen Jahren der Kriege, der Siege sah sich Juda verlassen; nur achthundert Mann blieben bei ihm; auch diese waren verzagt. Aber Juda feuerte sie an zu imgleichem Kampfe; er fiel im Streite, die Uebrigen flohen. War jetzt Alles verloren? O nein, der Tapfere hatte nicht vergebens gelebt; ausdrücklich heißt es: „Die Freunde Juda's versammelten sich", sein Geist lebte in seinem Volke, sein Tod erweckte die Seelen der Freunde, und unter der Führung der Brüder Juda's wurde die Unabhängigkeit erstritten. Es hatte den Friedensfreunden nichts geholfen, als sie vordem judenfeindlichen Feldherrn auf die Opfer zeigten, die im Tempel zu Jerusalem für den syrischen König, als den Fürsten des Landes, gebracht wurden, wie es uns nichts hilft, wenn wir die Uebelwollenden unserer Loyalität versichern und daß unsere Religion die Lehre der Liebe ist; der Feldherr verhöhnte sie nur, so heißt es, und lachte sie aus und beschimpfte sie und redete übermütyig. Schwer ist der Streit der Worte mit denen, die nicht hören wollen. Aber auf dem Grabe Juda Makkabi's pflanzen seine Freunde das Banner des Triumphes; noch im Tode siegt sein Vorbild. Jndeß so gewaltig die Persönlichkeit dieses Helden heraustritt, so groß und ruhmreich sein ganzes Geschlecht ist, so wichtig es für die Matten und Schwachen unserer Tage ist, sich an diesem Vorbilde aufzurichten und die Hoffnung nicht zu lassen, auch wenn das Schicksal und der Lauf der Welt gegen uns ist, so ist doch nicht Alles an diesen Männern vorbildlich, und wenn auch das Makkabäerbuch sie überschwänglich rühmt, das Makkabäerbuch hat in Israel nicht wie anderwärts den Charakter eines heiligen Buches; wir freuen uns, daß wir aus jüdischen Federn Schilderungen jener Heldenkämpfe besitzen; aber wir sind nicht des Rechtes und der Pflicht überhoben, selbstständig nachzuprüfen, ob nicht die Begeisterung für das Hasmonäergeschlecht die Verfasser zu weit führt und sie Thaten billigen und preisen läßt, die mehr der Tapferkeit des Helden als der Milde des Frommen entsprechen. Es war vielleicht doch nicht nur auf den Respect vor dem Sprossen Arons zurückzuführen, der im Gefolge des syrischen Feldherrn war, wenn die Assidäer, das ist die fromme Secte der Essäer, sich von Juda Makkabi lossagten und mit den Syrern Frieden schlossen. Die Blutarbeit, die Juda überall vollzog, die erbarmungslose Wuth. mit der er über die „Gottlosen" herfiel, mochte nicht nach dem Sinne jener milden, tiefreligiösen Menschen gewesen sein. Die „Gottlosen", wie oft ist im religiösen Streite jeder Fanatiker geneigt, seinen Gegner so zu nennen. Selbst der Talmud hält mit dem Lobe der Makkabäer zurück; der Talmud, der schon einen Gerichtshof, der nach sieben Jahren ein Todesurtheil fällt, einen mörderischen nennt, konnte offenbar mit dieser summarischen Bestrafung der Gottlosen nicht zufrieden sein. Dem Talmud ist das Lehrhaus und nicht das Schlachtfeld der Ort, von dem aus das Judenthum verbreitet wird und jene bösen Drlmudjuden lehren (Sanhedrin 82), man gehe nicht bewaffnet ins Lehrhaus, man entscheide den Streit der Geister nicht mit der Schneide des Schwertes. Matatias, der Ahn des Geschlechtes, wird in Modin von dem syrischen Machthaber aufgefordert, den Götzen zu dienen; er weigert sich; das war edel und erhaben; ein anderer Israelit ist weniger stark; er tritt vor und folgt dem Befehle; da erwacht in Matatias der Eifer und er tobtet den Abtrünnigen, und diese That des Greises war ein Sporn für seinen Sohn Inda, den Löwen, daß er wie ein wildes Thier über die Griechenfreunde herfiel und eigentlich sich ebenso gewaltthätig benahm, wie Antiochus. Hat Matatias recht gethan? Hat der Israelit, welcher am Altäre opferte, nicht höchst wahrscheinlich nur einem Zwange nachgegeben? Hatte Matatias ein Recht, zu richten und zu strafen? Der Greis berief sich auf Pineas, von dem die Schrift erzählt, daß er einmal in der Wüste zur Zeit einer sittlichen Verwilderung durch die Tödtung eines sündhaften Paares das öffentliche Gewissen wieder wachrief. Der Talmud aber ist gar nicht damit einverstanden, daß aus dieser einmaligen Handlung des Pineas eine allgemeine Regel gezogen wird, welche die Fanatiker ermuthigt. Die angesehensten Talmudlehrer vereinigen sich in der Ansicht, die auch religiöse Norm geworden ist, daß, wenn irgend ein Eiferer fragt, ob er einen Sünder, der nicht zur Verantwortung gezogen werden kann, ohne Rechtsspruch tödten dürfe, die Gesetzeslehrer dies dem leidenschaftlichen Manne unter keinen Umständen gestatten dürfen; lieber eine ungesühnte, eine straflose Sünde als eine Gewaltthat. Ein göttlicher Mann wie der Prophet Elias erreicht sein Ziel nicht, weil er ein Eiferer, ist, weil er die Menschen auf blutigen Wegen zum Glauben führen will. Der Talmud will offenbar, daß die That des Pineas nicht nachgeahmt wird, weil dann dem Fanatismus Thür und Thor geöffnet wird. Das war die Folge, der Fluch des bösen Beginnens des Antiochus, daß es in so frommen Herzen, wie die der HasmonÜer, das Gift des Fanatismus, des leidenschaftlichen religiösen Hasses erzeugte. Aber dieser Schatten verdunkelt diese sonnigen Seelen nur wenig. Wenn Muthlosigkeit unsere Herzen ermattet und verödet, dann sollen wir der Makkabäer gedenken, die ihr Heldenthum gerade in schlimmen Tagen bekundeten. So glauben auch wir, ob auch die Schaar der Feinde uns mächtig umbraust, daß es licht werden wird, daß nach dem Worte des Psalmisten „die Kinder der Gottes diener dereinst sicher weilen werden und ihr Nachwuchs vor Gott gefestet wird." B. N. Lueger's Zukunftsträume. Herr Dr. Carl Lueger hat sich von dem Wiener Correspondenten eines Pariser Blattes interviewen lassen und er hat dem französischen Journalisten mit großen! Freimulh — das muß man anerkennen — seine Zulünftspläne verrathen. Es gibt noch immer viele Leute, die der festen Meinung sind, daß Dr. Lueger in seinem Innern gar nicht antisemitisch denke und fühle. Die Unterhaltung des ersten Vice-Bürgermeisters mit deni Correspondenten des „Temps" straft diese Meinung ebenso Lüge, wie die bei den letzten Gemeinderathswahlen von Dr. Lueger, einer Anzahl jüdischer Wähler ertheilte Versicherung: „Aber Leutl'n, fürcht's Euch nit, Euch g'schieht ja nichts." Wenn Herr- Lueger den französischen Journalisten nicht großartig „gefrozzelt" hat, dann ist sein ganzes Sinnen und Trachten ebenso wie dasjenige seiner Freunde Schneider, Gregorig und Purscht auf die effective Beraubung und Austreibung der Juden gerichtet. Dr. Lueger erklärt, er sei Antisemit, weil die Juden Alles überschwemmt, Alle überwältigt haben. Von allen Seiten, von Ungarn, Galizien und Rumänien seien sie nach Wien gekommen, wo man kein Stück Möbel, kein Kleidungsstück, kein Stück Fleisch kaufen könne, ohne den Juden Tribut zu zahlen. Der Kampf gegen die Juden sei nothwendig, weil dieselben nicht die gleiche Moral hätten wie die Arier. Die Antisemiten müssen die politische Macht erlangen und dann eine Reihe von Maßregeln ergreifen, um das christliche Volk von der jüdischen Herrschaft zu befreien. Wenn dann die Juden sehen werden, daß hier nichts mehr zu holen ist, werden sie einfach Weggehen. Auf die Frage des Besuchers : „Wohin?" antwortet Herr Lueger: „Mögen sie gehen, wohin sie wollen und wo man sie aufnimmt. Nur bei uns sollen sie nicht bleiben." Der Interviewer macht nun den „Herrn von Wien" darauf aufmerksam, daß man auf dem von ihm betretenen Wege zum Socialismus oder noch deutlicher gesagt, zum Collectivismuskommen müsse, da diewackeren Wähler Lneger's nach der Confiscativn des den Juden gehörigen mobilen Capitals