Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 47 (20.11.1896)
- Date
- 1896-11-20
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 940 Dr VLoch's WolNensttzrist. Nr. 47 aussahen und ganz vorzüglich spielten, reichliches Lob, in das auch alle Zeitungen in ihren Berichten, die „Times" und der „Daily Telegraph" an der Spitze, einstiunnten. Jubel und Hochrufe empfingen die jugendlichen Musikanten, am „Strand" wurde ihnen eine förmliche Ovation zutheil und als sie weiter zur Themse gelangten, schwenkten sie ab nach dem königlichen Aquarium, wo ihrer eine reichliche Jause harrte. Am Abend wohnte die ganze jugendliche Capelle auf Einladung des Herrn W. S. Penley, einer Aufführung von „Charley's Aunt" bei, und nach dem ersten Actschlnß erhielt jeder der Knaben von Herrn Penley eine ganze Schachtel mit Chocoladenbonbons. Der neue Bürgermeister wurde auf dem ganzen Wege von der Guildhall zum Justizpalast enthusiastisch begrüßt, ganz besonders aber in seinem Sprengel Farringdon Ward, das ihm zu Ehren sehr hübsch decorirt war. Als der Zug Newgate Street erreichte, wurde dem Lord-Mayor von den Bewohnern seines Sprengels eine Adresse überreicht, für welche er herzlich dankte. Im Jnstizpalast hielt Richter Hawkins eine Ansprache an den Bürgermeister, in welcher er die Tugenden des verstorbenen Sir Benjamin Phillips pries und die er mit den Worten schloß: „Gehe hin und thue desgleichen." Am Abend gaben der neue Bürgermeister und seine Gemalt n ein glänzendes Fest. Sechs Ehrenjungfranen (zwei davon ihre eigenen Töchter)^ umgaben die Frau Bürgermeisterin, alle in Weiß gekleidet. Aussehen erregte der Page des Bürgermeisters, der sechsjährige, in Cavaliercoftüm gekleidete Basil Quixano Henriques. Unter den Gästen befanden sich Lord und Lady Pirbright, der Oberrabbiner Dr. Adler, Sir H. A. Jsaacs -c. Marquis von Salisbury brachte einen Toast auf den Lord-Mayor und die Sheriffs aus. Er sagte: „Ich erhebe mein Glas im Namen der Gäste, die ausgezeichnet dinirt haben, auf das Wohl ihrer Gastgeber, des Bürgermeisters und der Sheriffs. Aber noch aus einein anderen Grunde freue ich mich heute ganz besonders, daß ich die Ehre habe, ans die Gesundheit unseres Lord-Mayors zu trinken; seine Würde ist, wie Sie Alle sehen, erblich. (Hochrufe.) Als ich vor 30 Jahren zum ersten Male ins Ministerium eintrat und Staatsseeretär für Indien wurde, stand ich dem furchtbaren Problem einer Hungersnoth in Indien gegenüber. Die Hauptarbeit fiel natürlich den Behörden in Indien zu. Aber auch wir hier hatten eine schwere Ausgabe, und da fand ich den weisesten Rathgeber, den eifrigsten und vorsichtigsten Helfer in dem Bater meines verehrten Freundes, des jetzigen Bürgermeisters, der damals dasselbe Amt imie hatte. (Hochrufe.) Ich werde niemals die Güte, den Rath und den Beistand vergessen, die er mir damals zu Theil werden ließ, als ich, noch etwas jung und etwas unerwartet plötzlich dieser Schwierigkeit mich gegenüber befand. Darum ist es kein geringes Vergnügen für mich, aus die Gesundheit seines ausgezeichneten Sohnes mein Glas zu erheben, der, woran ich nicht im Mindesten zweifle, für das Amt, zu welchem er berufen wurde, eine Zierde sein wird, wie es sein Vater vor ihm war." (Hochrufe.) Der Lord-Mayor erhob sich, um zu danken. (Hochrufe.) „Es ist mir ganz unmöglich, dem edlen Marquis gebührend für die beredte, reizende und rührende Art, in welcher er von meinem seligen Vater sprach, zu danken. Ich werde dieses Amt als ein Erbtheil und als ein heiliges Vermächtniß betrachten und mich redlich bemühen, Ihnen mein Lord und meinen Mitbürgern zu beweisen, daß der Mantel meines Vaters nicht ganz unverdient meine Schultern bekleidet. Die Sheriffs, zu denen zu gehören nur eine große Ehre ist, werden ihren Theil der Pflichten getreulich erfüllen. Ich baue auf ihren Rath und Beistand, auf ihre Unterstützung wie auch ans die meiner Collegen, der Aldermänner und meiner Freunde im Stadtrath. Ich danke allen meinen greuitbeu, die uns heute mit ihrer Anwesenheit beehrt haben, und ich kann wohl mit Lord Byron sagen: Nur getheilte Freude ist wirkliche Freude." (Hochrufe.) Loudon. Seine königliche Hoheit der Herzog von Cambridge hat die Einladung des Lord-Mayors, den Neubau des jüdischen Kranken- und Waisenhauses (Jews Hospital and Orphau Asylum) in West Norwood zu eröffnen, frenndlichst angenommen. Der Bürgermeister und die Sheriffs werden der Feierlichkeit in vollem Staate beiwohnen. Bei der Gelegenheit müssen wir daran erinnern, daß Se. königliche Hoheit, der Vater des jetzigen Herzogs ein mehr als oberflächliches Interesse an dem alten jüdischen Hospital in Mile End nahm; so führte er den Vorsitz bei den feierlichen Diners tu den Jahren 1843, 1844, 1845 und 1847. Wie wir hören, soll der Bürgermeister die Absicht haben, die Eröffnung des Neubaues durch eilt Bauket tut Mausiou Hvnse zn feiern. Staraya Sinyarn (Provinz Podvlsk). Nicht weit von hier befinden sich die Güter des Grafen Stadnizky, der seit einiger Zeit jüdische Ackerbauer, Männer und Frauen, beschäftigt. Der Taglohn beträgt 40 Kopeken, und die Leute sind sehr zufrieden damit; ihre einzige Sorge ist nur, daß die Arbeit bald beendet sein wird. Der Güterdirector ist mit ihnen sehr zufrieden und versichert, daß sie ihre Arbeit gründlich verstehen und sie gerne thun, und daß viele jüdische Mädchen lveit mehr leisten als russische Bäuerinnen, daß sie deshalb auch über den Winter dort bleiben werden. London. Anläßlich der Bürgermeisterwahl wird hier vielfach an eine interessante Anecdvte erinnert, die Ihre Leser sehr interessiren dürfte. Als Sir David Solomon im Jahre 1856 zum Bürgermeister von London gewählt wurde, sagte ein wohlbekannter Bischof zum Prinz-Gemal Albert: Gott sei Dank, Königliche Hoheit, endlich haben wir einen Gentleman auf dem Bürgermeisterstuhl. . ." „Jawohl, mein Lord," erwiderte Prinz Albert, „aber ihr mußtet in das Ghetto hinansgehen, um ihn zu finden." London. In der letzten Svnntagsausgabe der „WVe'dy Sun“ spricht derHeransgeber, das Parlamentsmitglied Mr. T. P. O'Connor, über Beiträge für Krankenhäuser und knüpft daran folgende Betrachtimg: „Ich halte es für meine Pflicht, zu sagen, daß ich, so oft ich in solchen Dingen zu thun hatte, in erster Reihe mich immer an Inden wendete und daß ich da immer auf Freigebigkeit und Großmuth stieß. Bon allen mitleidigen Menschen sind doch die Inden die wvhlthätigsten. Wie oft hatte ich für Arme und Bedrückte zn sammeln. Wenn ein Christ ein Pfnno gab, so gab ein Jude sicherlich zehn. Männer, die man für geizig und geldgierig gehalten hat, haben mir so oft zehn, fünfzig, hundert Pfund gegeben, .während mancher Christ, der sich des Rufes größter Menschenliebe erfreute, nur widerstrebend mit einem Pfund herausrückte." Columbns. Baroniir Clara H i r s ch hat dem Tempel B'nai Israel hier lausend Dollars gespendet. Die Veranlassung zu dieser Schenkung war ein Brief der Frau Gabriel, der Präsidentin des hiesigen jüdischen Frauenhilfsvereines. Es war ein seltsames Zusammentreffen, daß Frau Gabriel an dem Tage, da der Check aus Pari s eintrat, ans dem Todtenbettc lag. New-Aork. Der „New-Pvrk Herald" bringt in einer seiner letzten Nummern eine interessante Notiz. Der Erste, der um 9 Morgens die Stimme zur Präsidentenwahl abgab, dürfte der älteste Wähler in New-Aork sein. Es ist Herr Emannel Schwab, ein Mann von 100 Jahren. Er hat schneeweißes Haar und ebensolchen Bart und ist ein kleiner Mann von ernstem Wesen. Er war sehr eifrig bei der Wahl, und als zwei Männer seinen Platz einznnehmen suchten, wurde er sehr zornig tmd gab ihnen zn verstehen, daß er sich sein gutes Recht nicht nehmen lassen werde. Schwab kam 1854 her und erhielt 10 Jahre später das Bürgerrecht. In seiner Heimat war er ein Advocat gewesen, hier eröfsnete er eine Privatschnle. Später wurde er Rabbiner in Bridgeport und Scheneetady. Obgleich ein leidenschaftlicher Rancher, hat er noch nie am Sabbath geraucht. Am Jom-Kipur ging er um 4 Uhr Morgens in die Synagoge. Wien. (T r a u u n g.) Sonntag, den 29. d. M. findet im israelitischen Tempel, II. Tempelgasse, die Trauung von Fräulein Cäcilie T h e u m a n n, Tochter des in den weitesten Kreisen seit vielen Decennien bekannten Selchwaarenfabrikanten Herrn Jacob T h e u m a n n, mit Herrn Dr. Julius Weiß aus M.-Kromau um V-2 Uhr Nachmittags statt. Wien, 17. November. Gestern fand die dritte Plenarversammlung der Comitemitglieder des Frauenvereins vom VIII. Bezirke statt, der wie alljährlich so auch heuer am 12. December in Ronacher's Ballsaale eine Akademie, verbunden mit Tanzkränzchen arrangirt. Die Plenarversammlung, die in derzeitiger Abwesenheit des Obmannes Herrn Architekten Max Fleischer von dessen Stellvertreter Herr Victor Fuchsbalg geleitet wurde, gestaltete sich nach Absolvirnng der nöthigen Spenden, unter denen die Verausgabung der Einladungs- und Entreekarten die meiste Zeit für sich in Anspruch nahm, zu einer sehr animirten Festlich-