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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-11-20 · 47 (20.11.1896) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
47 (20.11.1896)
Date
1896-11-20
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 47 Br. Vlortz's WochrnfthrifL. Mittheilung, daß ein gewisser Herr Adols Frei von dem Johne des - Sparcassen-Directors Lenoch in Teschen im Hotel Anstria mit ' einem Schnappmesser gestochen wurde, so daß Adols Frei längere i Zeit für seinen Beruf unfähig war und noch heute, die oiinie mit einem Pflaster beklebt, umhergeht. Auf Verwendung hochstehender israelitischer Kanflente in Teschen wurde mit Rücksicht auf den Vater des Lenoch die Sache in der Weise geordnet, daß von einer strafgerichtlichen Verfolgung Umgang genommen wurde und dem Frei wurden die Krankenkosten gezahlt. Alan sollte nun glauben, daß durch diesen hochherzigen Vorgang sich dieser Lenoch verpflichtet fühlt, sich jeder antisemitischen Aenßerung zu enthalten. Der davon überzeugt sein will, der lese die „Deutsche Wehr" vom 7. November 1896, da steht dieser saubere Herr mit unterschrieben auf dem Artikel „Zur Abwehr". Ich erlaube mir nun an die Teschener Israeliten die Anfrage 511 richten, ob unter solchen Verhältnissen es angezeigt war, diesen Lenoch so zu behandeln? Unbegreiflich aber ist es, daß der Vater dieses Lenoch nicht die Macht besitzt, auf seinen Sohn derart einznwirken, daß er die israelitischen Mitbürger, die ihm seine Existenz gerettet, zumindest unbehelligt läßt. Hat die löbliche Staatsanwaltschaft keinen Grund gefunden, gegen Lenoch einznschreiten? Ein T r 0 p p a u e r Israelit. Agram. (Die Opposition auf dem Land e.)! Diesen Titel führt ein neues Lustspiel von Dr. M. D e- I reuet it, welches am 1. d. M. sein erstes Debitt aus der j Bühne des Croatischen Nationaltheaters feierte und welches bei > der zweiten Aufführung auch hinaus ge—feiert wurde. Dieses! Lustspiel, welches ausgesprochene antisemitische Tendenzen verj folgt, beschreibt unsere crvatische Opposition und deren Gebahren, j bei den Wahlen auf dem Lande und bemüht sich, die Inden zum > Gegenstände des Spottes zu machen. Die Inden, die uns in! dem Stücke vorgesührt werden, sollen das Jndenthum in Eroatien ' repräsentiren, sie find aber nur eine vom Hasse gezeitigte Carricatur. j Wer die kroatischen Juden kennt, muß empört sein, wenn er; sieht, wie sie in diesem „Lustspiele" earrikirt und sodann dem! Spotte preisgegeben werden. j Als der Autor sein nicht einmal für das „Brett'l" passendes j „Lustspiel" der Censur vorlegte, mußte er die gegen die liberale > Partei gerichteten Anwürfe und Witze streichen, aber die ■ blödesten und verletzendsten Insulten gegen die Inden durften , steheit bleiben. Man staunt, daß der Herr Intendant des Agramer Nationaltheaters Dr. M. v. M i l l e t i c ein solches das ganze ' Judenthum beleidigendes Schandstück anfführen ließ. Herr v. M i l l e t i c scheint nebst manchem Anderen bei der Annahme desselben vergessen zu haben, daß die Erhaltung feines Theaters : zum großen Th eile den Juden zu verdanken ist. Er möge einmal in dem Theater Umschau halten und wird finden, daß ein imposanter Theil der Theaterbesucher eben aus jenen Inden be-; steht, die in diesem „Lustspiel" so herabgesetzt und beleidigt; werden. Der Herr Intendant hätte schon längst das Theater; sperren müssen, wenn diese Juden nicht wären. > Der Autor dieses „Lustspieles" Dr. M. D e r e n e i n; ist Advoeat und gehört der Obzor-Partei an, welche nicht nur! elerical, sondern auch antisemitisch ist. Das Leiborgan dieser 1 Partei, der „Obzor", brachte in seiner Donnerstagnnmmer vom j 12. d. M. einen veritablen Hetzartikel gegen die Inden, worin! über ihr „Geserres" gespottet uitb behauptet wird, die Inden hätten 100 Karten vertheilt, damit Lehrbuben und derlei „Ge- > sindel" die zweite Vorstellung durch Pfeifen und Gejohle stören mögen. Selbstverständlich sind diese Behauptungen erlogen. Die hiesigen Juden hatten es nicht nothwendig, zu solchen Mitteln zu greifen. Bei der zweiten Vorstellung wurde wohl heftig gezischt, aber unter beit Demonstranten befanden sich weder Inden noch „Lehrbuben". Aus allen Räumen des Theaters, ja selbst ans den Logen wurde gegen das Schandwerk demonstrirt, das nur uitter großen Lärm und Widerspruch zu Ende gespielt wurde. Nach der zweiten Vorstellung beschloß das Theatercomite, dieses „Lustspiel" nicht mehr zur Aufführung zu bringen, welches die liberale Partei und die Juden insbesonders in den Koth zerren und die clericale Obzor-Partei als die Erretterin des Vaterlandes darstellen will. Wie eilt solches schmutziges Tendenzstück überhaupt aus die Bühne eines Nationaltheaters in Eroatien kommen konnte? Nun, das ist eine Frage, die zuvörderst an die Censur nnd sodann auch an den Intendanten desselben zu richten ist. Die Bühne, die für die Kunst da ist, darf nicht dazu dienen, Haß und Zwist zwischen den Nationalitäten und Consessionen zu schüren. Oder ist die Nationalpartei etwa anderer Meinung? Argus. S-eite 939 Rom. «Wie Inden sich rächen.) Alles Elend nnd alle Schlechtigkeit dieser Welt rübrt bekanntlich von den Inden her. Die Unthaten jedoch, welche die Inden nicht allein fertig bringen, werden durch die Freimaurer besorgt; darum bat sich neben den vielen vrganisirten und wilden Anti-Jndenvereinignngen consequenterweise auch ein Anti-Freimanrerbund gebildet. Der Viee- Präsident dieses Bundes, der Journalist B v n e t t i, ist nun kürzlich in den dürftigsten Verhältnissen gestorben nnd hat seine Familie im größten Elend znrückgelassen. Da sich nun der Anti- Freimanrerbnnd bekanntlich in den ungeheuerlichsten Beschimpfungen gegen die Freimaurer erging, hat sich der Großmeister der italienischen Freimaurerloge, R a t h a n «der Mann scheint auch noch Jude zu sein), mit eineni namhaften Betrage an die Spitze einer Aetivn gestellt, welche die unglückliche Familie B e n 0 t t i's vor Roth schützen soll. Welche Hinterlist mag sich da wieder verbergen? München, 9. 'November. ,,D i e E r i m i n a l i t ä t d e r Juden i n B a i e r n> zeigt ein günstiges Resultat. Im Königreich Baiern wareli zu Anfang des Jahres 1 <s*»4 in den Strafanstalten internirt 3864 Katholiken, 1674 Protestanten, 30 Israeliten. Das ergab bei einer Bevölkerung von 3,939.« >77 Katholiken, 1,371.833 Protestanten, 33.883 Israeliten, auf je 1<H).<><><> Personen der betreffenden Eonfession 148, 106, 36. München, 11. 'November. Die Arbeit der jüdischen P a r l a m e n l a r i e r in den verschiedenen Provineialvertretungen wie im deutschen Reichstage wird später einmal, in einer weniger leidenschaftlich anfgewühlte'n Zeit, sicher unbefangen und nach ihrer vollen Bedeutung gewürdigt werden. Heilte ist dies durchaus nicht der Fall. Deshalb erscheint die Klage mehr als berechtigt, die in denk folgenden, von hochgeschätzter Seite uns aus M ü n ch e u zngehenden Briefe angesichts des Hinscheidens des Abgeordneten M a i s 0 n angestimmt wird. „Seit dem Jahre 1818 ungefähr sind Inden Mitglieder de^ Kammer der Abgeordneten des Königreiches Baiern gewesen. Doctor M 0 r g e n st e r n, Fabriksbesitzer in Fürth, Adveeat Dr. A r n h e i in in Bayreuth, seine Bernssgenvssen Frankenburger in 'Nünberg, der auch als Mitglied des deutschen Reichstages Hervorragendes leistete, der jetzige Geheime Hosrath Dr. von H ä n l e in München, Justizrath Gnuzenhänser in Fürth, dann der pfälzische Notar Adler in Freinsheim, sie Alle waren von Haus ans Juristen. Während in Baiern ans 35.009 Einwohner ein Abgeordneter treffen soll und die Zahl der baierischen Juden ungefähr 500.009 gewesen sein wird, hatte nach dem französischen Kriege die Kammer der Abgeordneten drei Juden zu Mitgliedern: Frankenburger H ä n l e, 'Adler. 1887 wählren die Wahlmänner der Stadt München in der Person des Cvmmerzienrathes nnd Handelsrichters Carl M a i s 0 n, welcher der Sohn eines wüntembergischen L hrers war, einen Kaufmann israelitischer Eonfession in die Kammer, welcher als liberaler Abgeordneter die Interessen seines Wahlkreises in hervorragender Weise vertrat; seine glänzenden Reden galten stets Gegenständen, die er vollauf beherrschte, und sie bewiesen oies auch durch ihren Inhalt. Die Kammer verwerthete seinen Scharfblick durch seine Wahl zum Mitglieds des Finanzausschusses. Daß er mit Recht durch das ihm zutheil gewordene Vertrauen Mitglied der Handelsnnd Gewerbekammer für Lberbaiern. ferner Consul von Schweden, Norwegen und Dänemark war, haben Diejenigen eingesehen, die seine Thätigkeit verfolgten. Ein frühzeitiger Tod hat die Thätigkeit dieses Mannes unterbrochen, und in der Kammer der Abgeordneten ist jetzt nur noch ein Jude, und dieser ist — sozialdemokratischer Abgeordneter der Stadt Nürnberg. An M a i s 0 n's Grabe standen heute der Ministerpräsident und der Präsident der Kammer der Abgeordneten; nachdem der Vertreter der liberalen Fraction der Kammer einen Kranz unter einer Ansprache niedergelegt hatte, trat der Abgeordnete Tberlaudesgerichtsrmh Geiger mit einem Kranze an das Grab und legte ihn mit den Worten: „Aus Hochachtung namens der Centrumsfraction der baierischen Kammer der Abgeordneten" nieder. „Es will Abend werden," sagte der Vorstand der Handels- und Gewerbekammer für Oberbaiern bei der Niederlegung seines Kranzes. Es ist Abend geworden: Denn wo noch im deutschen Vaterlande ist jetzt ein Abgeordneter israelitischer Religion, an dessen Grabe einst eine Centrumsfraction aus Hochachtung ihren Kranz niederlegen wird.' London. jD e r B ü r g e r m e i st c et a g.» Mit dem üblichen Ceremoniell fand vergangenen Montag der feierliche Amtsantritt des Bürgermeisters von London statt. Das schöne Wetter statte eine nngewöhnliche Menge Schanlnstiger herbeigelockt. Was jüdische Zuschauer ganz besonders interessirte nild erfreute, rvar die 'Anwesenheit der Knaben-Musikeapelle des jüdischen Krankenilnd Waisenhauses «Jews Hospital and Orphan Asylnni); aber auch die Christen spendeten den frischen, sröhlichen jungen Burschen, die in ihren netten Uniformen äußerst fesch

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