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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-11-20 · 47 (20.11.1896) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
47 (20.11.1896)
Date
1896-11-20
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Sir. 47 Dr. VLortz's WoürrnfltzriN Seite 987 lebten, sind sie durch die Emaneipation übermüthig geworden und aus Selavennaturen hätten sich freche Herren entwickelt. Beide, hätten so wenig moralisches Gefühl, daß sie Dank und Anerkennung nicht empfinden, sondern eher „die Füge lecken, von welchen sie getreten werden" (Leite 49). Juden und Weiber fügen unserer Cultur wenig hinzu, machen aber die meisten Ansprüche auf Lebensgenuß und Luxus. In beiden lebt ein eingeborener ursprünglicher Erbhaß, der aber nur höchst selten zu Tage tritt, so lange sich die Böller geduldig aussaugen lassen, und schließlich kommt der Verfasser zu dein Resultat, daß die moderne Frauenbewegung ebenso wie die Herrschaft des Judenthnms ein Zeichen des Verfalles nuferer sich immer mehr überreizenden Civilisation sei (Zeile 87). Namentlich gegen die deutsche Frau hat der anonyme Antisemit einen fanatischen Haß. Zuerst wirst er dem deutschen Weib vor, daß es immer den Ausländer seinem Landsmann vorzieht. In den Jahren 1866 und 1870 hätten die deutschen Frauen in den Lazarethen ihre Liebesgaben fast ausschließlich slavischen Oesterreichern und Franzosen dargeboten, während sie ihre eigenen Verwundeten oder kranke Landsleute fast ganz übergangen hätten, bis sich schließlich die Militärverwaltung ins Mittel legen mußte und diesen Zuständen dadurch ein Ende machte, daß sie selbst die Bertheilung übernahm. „Ilnd wie haben sie damals mit den Kriegsgefangenen, die frei umhergehen konnten, Offieieren fvwvhl, als Soldaten, charmirt! Diese haben ihnen dafür auch manches Andenken zurückgelassen, welches, mit einer slavischen oder keltoromanischen Physiognomie versehen, zwischen uns nmherlänft." (Seite 40.) Der Verfasser behauptet, daß unsere deutsche Geschichte kaum ein einziges bedeutendes Weib Nachweise und er macht sich darüber lustig, daß man aus der K ö n i g i n L o n i s e „so etwas wie eine Nativnalheilige zu machen gesucht hat." Und die Treue dieser Königin bespricht er auf ganz hämische Weise. Aber dieser Antisemit hat auch ein gutes Hilfemittel angegeben, um die deutsche Frau zu „veredeln". Er meiur, man hätte anno 1871 statt der 5 Milliarden sich 5 Millionen prachtvolle französische Weiber mitbringen sollen. Das würde eine famose Race abgeben! Ebenso „originell" ist es, wenn er in allem Ernst den Vorschlag macht, alle Weiber über 60 Jahre vollständig abznschaffen. Aus Humauitätsrückfichten könnte man ihnen die mildeste Sterbeart zugestehen, die sie sich selbst zu wählen hätten. Bei so drolligen Ideen kann es nicht Wunder uebmen, wenn er schließlich die Anschauung ausdrückte, daß das Weib ganz entschieden etwas Thierartiges hätte. Wenn es auf allen Vieren ginge, so hätte es mit dem nützlichsten Hausthiere, der Ktlh, viel Aehnlichkeit!! Es kann natürlich die Aufgabe keines vernünftigen Menschen sein, diese Anschauung eines Antisemiten nlid Weiberhassers ernsthaft zu widerlegen. Auch sein Vorschlag, die Inden und Weiber zu „isoliren", verdient nur ein heiterem Lachen. Wir hoffen, daß unsere Leser kräftig darin einstimmen werden. Eingesrndrt. Sehr geehrter Herr Redacteur! ,-tl der letzten Nummer Ihres sehr geschätzten Blattes erweist mir ein Herr L. W. die Ehre, mich in seinem „Eingesendet" als eine jener jüdischen Vereinsmütter namhaft zu machen, welche nichts Eiligeres zu thun haben, als gleich mit dem Beginne der Saison ihre Gedanken mit der Veranstaltung von lustigen Festen re. zu beschäftigen. Gegenüber diesem — nicht zarten Vorwurfe erlauben Sie mir, Folgendes zu erwidern: Wenn der geehrte Herr Anonymus glaubt, daß es der Leitung eines Vereins Vergnügen macht Ballfeste zu arrangiren, nachdem man das ganze Jahr hindurch mit dem Aufgebote aller Kraft und Zeit arbeitet, um die Mittel aufzubringeu, 840 Kinder auszurüsten, zu verpflegen und unter erschweren den Umständen ein behagliches Heim in der Ferienzeit eiuzurichten, so möchten wir ihm mit dieser Arbeit gern ein Geschenk machen. Wenn Steine sprechen, so werden auch Zahlen sprechen. Der Verein nimmt, indem er au die äußerste Opferwilligkeit jedes einzelnen Gönners appellirt, 6—7000 fl. jährlich ein, hat dagegen — in Anbetracht de' ungeheueren Ansturmes von Petenten (700 mußten zurückgewiesen werden) 10.000 fl. verausgabt — in der Anhoffung des Gelingens eines Ballsestes. Nun soll dieser Ball, der das Fehlende hereinbringen fall, wegen der düsteren Gemüthsstimmung eines Einzelnen nicht stattstnden'? Wenn dieser Herr von Schwalben sprichc, so möge er mir gestatten, zu sagen, daß eine Schwalbe noch keine.! Sommer macht und daß man mit den von ihm angebotenen A> fl. eine Colonie nicht gründen kann. Ich erkläre mich bereit, das Fünffache dieses Betrages zu geben, wenn der Schreiber jener 'teilen für den Verein, den ich vertrete, die von ihm vorgeschlagene Aetion beginnt und mir OOoo fl., denn soviel betrug das vor jährige Reinerträgniß, einhändigt. Er rvird dadurch nicht nur Sitfter, Gründer und Mitglied des Vereines in einer Person, sondern er wird sich dadurch ein unsterbliches Denkmal in den Annalen des Vereines fegen und mich persönlich zu außerordentlichem Danke verpflichten. Schon vom Standpunkte der jüdischen Eltern und deren heiratsfähigen Töchter möchte ich die Nichtabhaltnng der Wvhlthätigkeirsakademie als unklug betrachten. Denn man drängt dadurch in jene Kreise, wo man mit dein jetzigen „eisernen Mann" stokettirt, die Gelder der „Fremden" wohl gerrre für feine Zwecke annimmt, diese aber ganz wo anders sehen möchte. Oder glaubt der geehrte Herr Einsender durchsegen zu können, daß töchcerreiche Eltern überhaupt auf gar keinen Ball gehen oder daß die Ersparnisse in Toiletten :c. Wohlthatigkeitsvereiuen zugeweudet werden? Ich erachte feinen Antrag als ein gefährliches Experiment, bei dein everltuekl Hunderte von Hindern, welche dringendst des Landaufenthaltes und einer kräftigen Kost bedürfen, das Bad nusgießen würden. Hingegen lade ich den geehrten Herrn L. W. ein, nicht nur die für unsere Ehrenkarte angebotenen 2<> fl. zu schenken, sondern auch unser Ballfest mir seiner Gegenwart zu beehren. Daß auch er unter dem Schutze der Anoupmucir :u den Reihen der Geladenen sein wird, dafür möchte ich rast garanciren! Hochachtungsvoll Die zu Festen durchaus nicht aufgelegte Sofie G r ü n f e l d Präsidentin des Vereines „Ferienheim". Wien, den 17. Noveniber. Löbliche Redaerivn der „ O ester - | reichlichen Wochenschrift"! In Ihrem sehr geschätzten Blatte vom . 18. d. M. lese ich die Anregung eines Herrn, daß die Wvhl-; rhärigkeitsvereine keine Bälle geben, dafür aber die "Auslagen, j die daraus flir alle Theile erwachsen, de:n wohlthätigen Zwecke j zuführen sollen. Der Vorschlag ist nicht neu, oft wurde von uns j versucht, in solcher Art das Vereinsvermögen zu heben und die ■ Vereinszwecke zu fördern. Leider nicht mit einem Erfolg, wie j es die große Armuth unseres Bezirkes heischen würde. ) Jedenfalls ist eS von dem betreffenden Herrn sehr löblich j ilnd human gedacht, nur kann ich es aus eigener Erfahrung j dem geehrten Herrn nicht bezeugen, daß alle Leute fo denken, j Sehr oft geschieht es, wenn mair mit einem Ansuchen an unsere! Reichen nnd Bemittelten heranrritc, daß man mit der Bei merkung abgewiesen wird, man werde von aßen Seiten so bei lastigt, daß es nlit dem besten Willen nicht möglich ist, mehr ,;u; 0)1111. Wie unangenehm eine derartige "Abfertigung für die; Vereinsvorsteherin ist, brauche ich nicht zu erwähnen, man geht I ohne Resultat selbst ganz deprimirr weg.! Die Mvrivirnng, „kaum find die Schwalben fort", ist aber j ganz gerechtfertigt, denn da fangen auch die Vereinssorgen an, z die Bittgesuche hänfen sich, die Eltern kommen mit ihren armen! dürftig bekleideten Kindern an, bringen ArmnrhS nnd Kranken-! zeugniffe und fleh'n um warme Kleidung für ihre armen Lieblinge: j und es drängen sich Arme heran, denen die Delvgirung in der j rauhen Jahreszeit droht, entlassene Kranke, aller Mittel entblößt, j Wöchnerinnen, Waisenkinder, alte, gebrechliche, arbeitsunfähige j Menschen, denen allen soll geholfen werden: was bleibt so einer j gehetzten Vereinsmütter, nach dem Ausspruche des geehrten Herrn,; anderes übrig, als zu einem erprvpreu Mittel zu greifen, um das Vereinsvermögen zu heben, nnd sich der Mühe zu unrerziehen, einen Ball zu veranstalten, um halbwegs den Bittgesuchen zu : entsprechen. Ich bin fest überzeugt, wenn der betreffende Herr 1 ein einzigeSmal einer solchen Vereinssiizung beiwohnen würde, er j würde ganz gewiß eine andere Ansicht darüber gewinnen. Mit vorzüglichster Hochachtung ' "Amalie Beck,; Präsidentin des isr. FranenvereineS vom Ylll. Bezirke.

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