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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-11-20 · 47 (20.11.1896) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
47 (20.11.1896)
Date
1896-11-20
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 932 Dr. VLoch's Wochenkchrtst Nr. 47 zu functioniren. Redner ist wohl für eine Verjüngung, aber nicht für eine gänzliche Beseitigung des alten Vorstandes. (Zustimmung.) Bezüglich der neuen Candidaten sagt Redner: „Wir haben ausgezeichnete Herren mit einer bewunderungswürdigen oratorischen Begabung gehört, die begeistert für die Interessen des Judenthumes eintraten und mit dem tiefsten Brustton dieser Begeisterung Ausdruck verliehen. Ich werde Einzelnen derselben auch meine Stimme geben, aber nur unter der Voraussetzung, daß sie Hand in Hand mit dem alten Vorstand gehen, sich von diesen belehren lasten und bestrebt sind, ihre Worte auch zur That zu machen, denn mit schönen Reden allein ist uns nicht gedient. (Lebhafter Beifall.) Wir möchten ferner verlangen, daß der Vorstand in Contact mit den Wählern bleibe und womöglich jedes Jahr vor die Wähler trete, um deren Wünsche zu hören. Wir müssen daher trachten, daß unsere Glaubensgenossen für die Cultusangelegenheiten wieder begeistert werden. Es muß ein Nachwuchs in der Repräsentanz geschaffen werden, so daß die Jungen die Alten und diese wieder die Jungen controliren." (Allseitige Zustimmung.) Herr Gottlieb Bettelheim ergreift das Wort: Geehrte Anwesende! Bor Allem nehmen Sie meine Erklärung zur Kenntniß, daß ich nicht als Candidat zu Ihnen spreche. Seit 15 Jahren leite ich als Obmann-Stellvertreter und Obmann den Bethausverein des IX. Bezirkes. Unser Verein prosperirt und ist mit mir zuftieden. Außerdem war es mir gemeinsam mit anderen wackeren Männern vergönnt, das Jntereste meiner Glaubens- und Bezirksgenossen wirksamer zu vertreten, als es der Cultusvorstand für die ganze Judenschaft vermochte. Meine Stellung gewährt mir also volle Befriedigung und ich trage kein Verlangen, in einen Wirkungskreis einzutreten, der mir geringere Erfolge verspricht. Da jedoch die Bestrebungen der Tempelvereine hier von Seite des geehrten Gemeindepräses angegriffen worden sind, bleibt mir, als einem ihrer Führer, nichts übrig, als zur Vertheidigung der Tempelvereine das Wort zu.ergreifen. Der heute ausgegebene Rechenschaftsbericht der Cultusgemeinde hat mir trotz seiner Wortkargheit die Entgegnung leicht gemacht. Nach demselben haben z. B. im Jahre 1890, das ist vor Einverleibung der Vororte in die Gemeinde die Subventionen aller Bethäusvereine in den zehn Bezirken zusammen 2700 fl. betragen. In demselben Jahre beliefen sich die (Annahmen der Tempelsection auf 58.177 fl. 25 kr., deren Ausgaben 69.693 fl. 24 kr., somit ein Ausfall von 11.515 fl. 99 kr. Hievon entfallen auf sämmtliche Tempelvereine 2750 fl., auf die beiden Tempel im I. und II. Bezirke aber 8765 fl. 99 kr., wiewohl fast alle Trauungen im Seitenstetten- und Leopoldstädter-Tempel abgehalten wurden. Da kann man meines Erachtens von einer ausgiebigen Unterstützung der Bezirksbethäuser nicht sprechen. Tatsächlich können wir unsere Gotteshäuser nur erhalten, indem wir unsere Functionäre kärglich bezahlen und jeden unsere Bethäuser betretenden wohlhabenden Mann in einer der Würde unserer Religion abträglichen Weise zu Opfern geradezu Pressen. Ein zweites Mal geht der Mann lieber in einen Stadttempel, wo man Spenden zur Erhaltung des Tempels gar nicht annimmt. Der Herr Präses wirft uns vor, wir verlangen, jede Partei solle verpflichtet sein, die Trauung in dem Tempel jenes Bezirkes abzuhalten, in welchem die Braut wohnt, und verpflichtet sein, die geringste Trauungstaxe an den Bezirkstempel zu entrichten, wenn sie die Trauung in einen: anderen Tempel vollziehen läßt. Nun denn: Unser Tempel z. B. ist der einzige des IX. Bezirkes. Wer immer im IX. Bezirk seine Andacht öffentlich verrichten will, wenn das Kind den Jugendgottesdienst besucht, der Mann Kadis ch sagt oder das Maskir verrichtet, besucht unseren Tempel, oft ohne dem Verein auch nur einen Kreuzer zu leisten. Ist es da zu viel verlangt, wenn wir wünschen, daß diese Leute auch ihre bezahlten Functionen uns überlasten. (Lebhafter Beifall.) Und wer sagt denn, daß die Partei es sein muß, welche uns die Taxe entrichtet. Die Gemeinde berechnet für eine Trauung I. Elaste 250 fl. Was wird es der Gemeinde verschlagen, wenn sie davon 25 fl. an die Casse des Tempelvereines abführt. (Bravo.) Ebenso steht es mit den Leichenbegängnissen; zu dem Leichenbegängnisse desselben Mannes, der zeitlebens seine Andacht in unserem Gotteshause verrichtet hat, erscheint Herr Ober-Cantor Singer mit seinem Chore. Unser Cantor aber mit seinen: armseligen Einkonlmen kann danebeir stehen und Zusehen. Ist das gerecht, ist das billig? (Lebhafte Zustimmung.) Und weil ich schon beim Worte bin, will ich auch auf einen anderen Gedanken zurückkommen, in welchem ich mich zu meiner Freude mit Herrn Dr. S t e g e r begegne. Auch die Tempelvereine haben die Ordnung des Armenwesens nach dem Elberfelder System zu einem Punkte ihres Programmes gemacht. Dem entgegen meint nun der Herr Vorsitzende, „woher die Mittel nehmen?" Diese Frage beweist nur, daß der Herr Präses über diese brennende Frage noch nicht genügend nachgedacht hat. Gegenwärtig lastet das Armenwesen auf 2 oder Z Schultern. Und wenn diese Herren auch eine Arbeitskraft und Hingebung an ihre Aufgabe entfalten, welche unsere vollste Bewunderung und Dankbarkeit verdienen, so können sie doch unmöglich ausreichen, um 15- bis 20.000 Nothleidenden Hilfe zu bringen. Ja, es ist ihnen nicht einmal möglich, den Simulanten vom Darbenden zu unterscheiden. Wenn Sie in allen Th eilen der Stadt humane und in ihren Kreisen angesehene Armenpfleger bestellen, werden diese nicht blos mit den: Gemeindefonde Haushalten. Sie werden sich, wenn ihnen gerade Gemeindemittel nicht zur Verfügung stehen, solche von den Wohlhabenden des Bezirkes schon verschaffen, oft von solchen, welche jenes Maß von Edelmuth besitzen, um in die Armencaste der Gemeinde, von welcher sie nichts sehen und nichts hören, ihr Geld hinzutragen. Sie sehen, meine Herren, daß den Tempelvereinen gerade so wie jedem von Ihnen das Wohl der ganzen Gemeinde am Herzen liegt Was an uns liegt, werden wir gewiß thun, um die Ehre unserer Gemeinde zu wahren, aus der größten Gemeinde Oesterreichs auch die Erste zu machen." (Lebhafter Beifall.) Herr Dr. Schreiber entgegnet auf die Ausführungen des Vorsitzenden, daß er dem Cultusvorstande als solchen und seinen einzelnen Mitgliedern die höchste Achtung entgegenbringe. Seine Kritik habe keine persönliche Spitze gehabt. Aber kommei: Sie einmal in die Bezirke, überzeugen Sie sich, welch scandalöse Zustände hier herrschen, wie viel da per Kopf auf die Armenpflege entfällt! Wähler W e r t h e i m spricht dem Vorstaude seine volle Anerkennung und dem greisen Vicepräsidenten Herrn Gustav Simon unter der stürmischer: Zustimmung der Versa:nmlur:g seine höchste Verehrung aus. Herr S i m o n hat nicht c a n d i d i r t, aber wir w e r d e u ihn dennoch e i u st i m m i g wähle n. (Brausender Beifall.) Wähler Commercialrath S t i a ß n y sagt gleichfalls dem Vorstande für dessen mühevolle Thätigkeit besten Dank und fordert zur Wiederwahl der alten Mitglieder auf. Dr. Adolf Stein (mit lebhaftem Beifall begrüßt): Meine verehrten Herren! Neue Männer sind aufgetreten und haben ihre Candidaturen angemeldet. Im Namen des gesammten Cultusvorstandes erkläre ich Ihnen hiemit, daß es uns außerordentlich fteut, daß eine solche Wahlbewegung entstanden ist und die Neuwahlen ein solch' lebhaftes Interesse in der Wählerschaft hervorgerufen haben; wir danken allen Jenen, die sich das Verdienst erworben haben, dieses Interesse unmittelbar in die Wählerversammlungen zu tragen. Jeder Organismus bedarf stets der Erneuerung, das ist das Princip des Stoffwechsels, welcher nothwendig ist, soll der Organismus nicht verkümmern. Darun: nehmen wir auch bereitwilligst neue Männer in unserer Mitte auf und wein: wir uns Ihnen in erklecklicher Zahl — es sind wohl 16 Herren — wieder zur Verfügung gestellt haben, so geschieht das nicht etlva deshalb, weil wir uns an die Stellung klammern, sondern unsere Pflicht erfüllen wollen. Wir wollen solche neue Männer in unserer Mitte, welche die Interessen dev Genleiude und des Judenthums energischer vertreten können. (Beifall.) Dies vorausgeschickt, gestatten Sie nur nun einige Bemertungen über Manches, was in der heutigen Versammlung vorgekommen ist. Es wurde uns nabegelegt, öfter auch Wählerversainmlungen einzuberufen. Das thun wir ja recht gerne, und wenn es nicht geschah, so ist das nicht auf den Umstand zurückzuführen, daß kein Anlaß hiezu vorhanden war, sondern auf die Thatsache, daß wir bisher kein Statut hatten und aus diesem einziger: Grunde unsere

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