Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 47 (20.11.1896)
- Date
- 1896-11-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 47 Dr Vwch's Wocheuptzrifl. Seite 931 auszugleichen, damit immer nur Harmonie herrsche. (Sehr richtig.) Er muß ferner den jüdischen Geist wach erhalten und ihn hochschätzen (Beifall), so daß man sagen muß, das ist ein Volk, das keinesgleichen hat. (Bravo!) Aber wir müssen auch dem Gegner Achtung abgewinnen, dann will ich Vorsteher der Judengemeinde Wiens werden, welche als Muster und anregendes Beispiel für sämmtliche Juden dienen soll. Als ein aufgeklärter Perserkönig den gefangenen Inden erlaubte, zurückzukehren und ihren Tempel wieder aufzurichten, gruben dieselben den Schutt aus, aber es schlugen die Flammen aus demselben hervor, Auch hier sind die Juden von den Flammen des Hasses und der Scheelsucht umlodert, aber wir wollen nicht zurückschrecken, sondern an der Wiederaufrichtung des großen Tempels der Menschlichkeit und Nächstenliebe arbeiten. (Stürmischer Beifall.) Wenn Sie mich als einfachen Mitarbeiter zu diesem erhabenen Werke berufen, werde ich freudig folgen uud mich der ehrenvollen Aufgabe unterziehen. In diesem Sinne bitte ich um Ihre Stimmen. (Anhaltender Beifall.) Herr Kammerrath Friedrich Vogel, welcher sich nun der Versammlung als Candidat vorstellt, führt aus, daß er in der Tags vorher stattgefundenen Wählerversammlung mit großer Freude bemerkt habe, wie die schärfere Tonart mit der alten Erfahrung sich zusammenfinde, so daß aus dieser Verbindung wohl ein ersprießliches Resultat zu erhoffen sei. Unter solchen Umständen habe er geglaubt, daß er als alter Kaufmann das Feld ruhig jüngeren Kräften iiberlassen könne und habe zurücktreten wollen. Da aber seine Freunde auf die Aufrechterhaltung seiner Candidatur drängen, trage er dem Wunsche derselben Rechnung. Bei früheren Wahlen sei sehr viel versprochen worden, was nicht eingehalten wurde oder einzuhalten nicht möglich war. Er vermeidet es deshalb, heute große Versprechungen zu machen, er könne nur erklären, daß er ebenso, wie seit 15 Jahren in anderen öffentlichen Vertrauensstellungen, auch als Mitglied des Cultusvorstandes seine volle Kraft einsetzen und sein Bestes thnn werde für das Wohl seiner Glaubensgenossen. (Beifall.) Wenn auch zugegeben werden muß, daß das neue Statut nicht in allen Punkten freiheitlich ist, so müsse man doch mit dem Umstande rechnen, daß es nicht immer möglich ist, ein Gesetz in idealer Vollkommenheit herzustellen. Die thatsächlichen Verhältnisse verlangen aber auch Berücksichtigung, und man kann nur fordern, daß Dasjenige, was verbesserungsbedürftig ist, in Zukunft auch wirklich verbessert werde. Redner schließt mit der nochmaligen Versicherung, daß er im Falle seiner Wahl seines Amtes nach besten Kräften walten werde. (Beifall.) Herr Bernhard Hofbauer, von einem Theil der Versammlung sympathisch begrüßt, erklärt, einer Aufforderung seiner Freunde und Bekannten zu folgen, indem er sich um eine Stelle im Vorstande bewerbe, da derzeit Niemand von seinen engeren Gesinnungsgenossen im Vorstande sitze. Da ein Mandatar nur dann ersprießlich wirken könne, wenn er sich in Uebereinstimmung mit seinen Wählern weiß, hält er, Redner, für nothwendig, eine Art Programm zu entwickeln. In Bezug auf das Statut bemerke er, daß er in bescheidener Weise an demselben mitgewirkt habe und auch für den Füufguldeu-Census eingetreten sei. Man habe dagegen eingewendet, daß dann zu viele Executionen gerade dem armen Glaubensgenossen ins Haus geschickt werden müßten, und es sei mißlich, geimde die kleinen Leute zu exequiren. Der aber keine Steuer zahle, soll auch kein Wahlrecht haben. Er habe sich daher der Majorität gefügt. Was die Zusammensetzung der Repräsentanz betrifft, so ist Redner dafür, daß die eine Hälfte nach Bezirken, die andere Hälfte central gewählt werden soll. (Zustimmung.) Eine wichtige Frage sei jene der Vermehrung und Förderung des Religionsunterrichtes. Dies soll, da die staatliche Schulbehörde nur zwei Stunden wöchentlich bewillige, durch Errichtung von Bibelschulen geschehen. Die geeigneten Vermittler hiezu wären die Bethausvereine, deren Rabbiner und Prediger auf solche Weise ihr Nebeneinkommen erhielten. Redner will ferner dafür eintreten, daß alle Institutionen der Gemeinde ihren ursprünglichen und eigentlichen Zwecken entsprechen. Es soll ferner der Unfug abgestellt werden, daß das Beten als ein Verdienstzweig angesehen werde. Da aber die Cultusgemeinde fiir die hohen Feiertage in Wien nicht eine große Anzahl von Bethäusern Herstellen könne, sollten die Bezirksvereine verhalten werden, an den Feiertagen Filialen zu errichten, die unter der Controle und Verwaltung der Bezirksvereine ständen. Die Letzteren wären, auch von der Gemeinde ausreichend zu subventioniren. Endlich gibt Redner der Ueberzeugung Ausdruck, daß es Sache des Cultusvorstandes sei, das Judenthum nach Außen in würdiger Weise zu repräsentiren, wie dies ja zum Theil auch schon bisher geschehen sei. Im Falle seiner Wahl verspricht Herr H o f b a u e r in gut conservativem Sinne wirken zn wollen und sich jeder Modernisirnng, die den Kern und das Wesen des Judenthnms gefährdet, entgegenzustellen. (Beifall.) Damit ist die Reihe der Caudidateu abgeschlossen. Vorsitzender Herr Bicepräsident Gustav Simon erklärt, einige gegen den' Cnltusvorstand gerichtete Anwürfe zurückweisen zn müssen, die nur in Unkennmiß der thatsächlich bestehenden Verhältnisse erhoben werden konnten. Herr Dr. Schreiber habe gesagt, daß der Cnltusvorstand die verschiedeueu Riten ignorire und die Bethausvereine nicht unterstütze. Der Herr kennt offenbar den Vorstand und seine Thätigkeit nicht. Ich bin nun 26 Jahre im Vorstände (Stürmischer, langanhaltender Beifall), aber es ist in dieser Zeit nie vorgekommeu, daß wir gegen irgend einen Ritus Stellung genommen hätten. Ich rufe die hier anwesenden Vertreter der Riten und der Bethausvereine als Zeugen auf, ob je von unserer Seite eine Bevormundung vorgekommeu ist. Ja, mehr noch, als hier eine Spaltung unter den Chassidim eintrat, habe ich sie wieder zusammengebracht. Nicht wir, sondern die Regierung hat die Borortegemeinden aufgelöst, wir haben alle Beamte und Diener derselben und selbst die Gemeindeschulden übernommen, aber wir haben ihnen nie eine Vorschrift gemacht, wie sie leben sollen, und selbst die Chassidim haben wir mit 300 fl. subventionirt. Wir haben auch große Summen den einzelnen Bethäusern als Subvention zugewendet, theils als Beitrag zum Baue derselben gegeben. Es ist weiters von einem Redner gestreift worden, daß die Functionäre der Bethausvereine durch uns in ihrem Einkommen verkürzt werden. Ich habe ein warmes Herz für alle Angestellte, aber höher als das Interesse der Angestellten steht mir das Interesse der Gemeindemitglieder. (Stürmischer Beifall.) Wir lassen jeder Partei die Freiheit, sich trauen zn lassen, wo sie will, aber wir lassen es nicht zn, daß dafür doppelt gezahlt werde. Der Vorstand erlegt Niemandem ein Gebot auf, daß er diesen oder jenen Functionär berufen müsse, der Vorstand mischt sich da gar nicht hinein. Wir haben uns ausgesprochen, daß kein Rabbiner in einen andern Bezirk gehen dürfe; der Partei stehe es aber frei, hinzugehen wohin sie will. Aber dafür soll nicht doppelt gezahlt werden, dagegen werde ich stets anstreten, denn ich bin nicht nur Mitglied des Vorstandes, sondern vertrete auch meine Wähler. Wie oft hat aber auch die Gemeinde Opfer für die Bezirke gebracht, sie hat dem Verein in der Alservvrstadt 16.000 fl., ferner in Margarethen und Wieden 7000 fl. zugewendet, das ist gewiß nicht wenig. Die hier vorgebrachterl Anwürfe sind also, wie sie sehen, unrichtig. (Lebhafter, anhaltender Beifall.) Wähler Sternberg fragt im höflichen Tone, wo denn der Cultusvorstand bis jetzt war, da doch der Antisemitismus bereits 15 Jahre bestehe. Sache des Vorstandes wäre es, dahin zn wirken, das man die Juden nicht mit Füßen trete, daß unsere Kinder nicht von antisemitischen Lehrern erzogen werden. Redner sagt weiters, warum der Vorstand nicht alles in Bewegung gesetzt habe, um es zu ermöglichen, daß ein um das Judeuthum so verdienter Mann wie Dr. Bloch wieder in den Reichsrath gewählt wurde. lieber Aufforderung des Wählers Otto L a n g erhebt sich die Versammlung zu einer begeisterten Huldigung für Se. Majestät den Kaiser, der mit der Sanctionirung des Gesetzes, betveffeub die Regelung der äußeren Rechtsverhältnisse der israelitischen Religionsgemeinschaft, neuerdings die gesetzliche Gleichberechtigung der jüdischen Staatsbürger manifestirt hat. Die Versammlung bricht in dreimalige, stürmische Hochrufe aus. Ter Vorsitzende theilt mit, daß sich noch Herr Marcus B o n d i als Candidat angemeldet habe, jedoch durch Krankheit verhindert sei, sich vorzustellen. Wähler R i p p e r bezeichnet es als nothwendig, daß neue Mitglieder in den Vorstand eintreten, damit dürfe aber nicht über den alten Vorstand der Stab gebrochen werden. Kritisiren sei leichter als Bessermachen. Es wäre sehr zu bedauern, wenn bei den Neuwahlen durchaus neue Männer gewählt würden, denn ein ganz neuer Vorstand wäre nicht im Stande, ordentlich