Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 47 (20.11.1896)
- Date
- 1896-11-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 926 Dr Vloch's Wochenschrift Nr. 47 Als Candidaten für die bevorstehenden.allgemeinen Neuwahlen des Cultusvorstandes empfehlen wir die nachbenannten Herren: Dr. Alfred Berger, Hofu. Gerichis-Advocat, I., Judenplatz 8 Max Kleischer, Architekt, VH., Nenstistgass: 64 Theodor Ritter v. Goldschmidt, k. k. Baurath und beeideter Civil- Jngeuieur, I. Opernring 6 Med. u. Chir. Dr. Joses Grünfeld, Uuiv.-Docent,!., Schotlenring 2 Samuel Ritter v. Hahn, k. k. Regierungsrath und Generalöirecror der k. t. pnv. österr. Länderbank, I., Opernring 8 Joses Hieldburghäusser, Privatier, I., Wollzeile 5 Moriz Hirsch, Privalier, I., Kärntnerstraße 38 Emanuel Hoffmann» Hausbesitzer, XVIII., Carl Ludlvigstraße 24 Heinrich Klinger, t. Rath u. Fabriksbesitzer, I., Ebenüorserstraße 8 Dr. Gustav Kohn, Hof- und Gerichts-Advocat, IX., Hahngasse 25 Karl Kohn, Privatier, I., Rathhausstraße 17 Salo Cohn, Privatier, I., Schottenring 32 Arthur Edler von Mises, Ingenieur der k. k. Staatsbahnen, 1., Frievrichstratze 4 Wilhelm Pollak, k. u. k. Hof-Weinhändler, XIV, Reichsapfelgasse 8 Salomon Rosner, Fruchthändler, XVII., Beronikagasse 38 Gustav Simon, Metallwaarei.fabrikant, I., Bauernmarkt 7 - Phil. u. Jur. Dr. Marcus Spitzer, Hof- und Gerichts-Advocat, 11., Overe Donaustraße 28 Dr. Heinrich Steger, Hof- und Gerichts-Adv., I., Werderthorgasse 14 Dr. Adolf Stein, Hof- und Gerichts-Adv., I., Hohenstaufeugasse 10 Dr. Maximilian Steiner, General-Repräsentant der „Germania", 1., Graben 16 Dr. Alfred Stern, Hof- und Gerichts-Adv., II., Unt. Donaustraße 27 Wilhelm Stiaßny, k. k. Baurath und Architekt, I., Rathhausstraße 13 Gottlieb Taussig, Fabriksbesitzer, k. und k. Hoflieferant, XII. Bezirk, Meidling, Schönbrunnerstraße 67 Friedrich Vogel, k. Rath und Dampfmühlenbesitzer, XI., Dampfmühtgasse II. Die Stimmzettel sind in Gemäßheit dieser Liste in allen Rubriken genau auszufüllen und am Wahltage Sonntag, den 22. November 1896, zwischen 9 und 2 Uhr, in dem auf der Legitinlationsurknnde bezeichneten Orte abzugeben. Angesichts der Wichtigkeit dieses Wahlactes werden die Herren Wähler dringend gebeten, sich an der Wahl a u s n a h m sl o s zu betheiligen und dadurch ihr Interesse an unserer Cultnsgemeinde zu bekunden. Wien, im November 1896. Das Wahlcomit« für die israelitischen Cultuswahlen in Wien Dr. Hermann Fialla, Obmann. Der Vorstand Der Vorstand der „Oesterr.-Jsrael. Union" des „Politischen Volksvereines" Jacob Jaiteles, B. Kanitz. A. Marek, Dr. Marcell Hoffman». Das Exemtiv-Comite der Bethausvereine: Gottlieb Bettelheim, Dr. Jacob Engel, Moses Hirschler, S. Meisels, Adolf Schrämet, Moriz Baum, Emil Beer, Dr. Joses S. Bloch, Herausgeber der „Oefterreichiichen Wochenjchrm", S. Brod, Kriedrich Fanto, Dr. S. Feilbogen, Leopold Fried, L. Gutman«, S. Heit, Leo Hildesheimer, Med. Dr. Norbert Kanitz, Ignaz Kantor, Dr. Jacob Kohn, Julius Kopstein, Salo Landau, Siegmund Mayer, Dr. Philipp Meitner, Nathan Neumann, Julius Reitlinger, Adolf Rosenbaum, N. Schefftel, Moriz Schey, Dr. Alfred Skrein, S. Steiner, Leopold Strauß, Heinrich Teltscher, Jacob Theumann, Ignaz Zucker, Sigmund Ritter von Bauer, David Bloch, Bürger uno k. k. beeideter Schatzmeister, Albert Janowitzer, Leopold Langer, k. k. Commercialrath Moritz Leinkaus, Julius Mauthner, Professor Dr. A. Politzer, Leopold Simon, Gemeinoerata Karl Tagleicht, S. A. Wasservogel, Jonas Weil, Donath Zifferer. Der Bericht des Vorstandes der ifra elitischen Cultusgemeindr in Wien. Soeben ist der Bericht des Vorstandes der Wiener israelitischen Cultusgemeinde über seine Thätigkeit in der Periode 1890—1896 erschienen. Derselbe entwirft das klare, umsasiende Blld eines großen imposanltn Gemeinwesens, das über höchst ansehnliche, nach jeder Richtung hin mustergillige Institutionen verfügt, die von berufenen Männern geleitet und verwaltet werden. Wir lernen mannigfach verzweigte Wirkungskreise kennen, die das höchste Interesse aller Mitglieder der Gemeinde er.egen werden, die Sinn und Verständniß für jüdische Angelegenheiten haben. Der Bericht bietet einen erfreulichen Einblick in die Entwicklung der immer größer werdenden Cultusgemeinde und zeigt, wie den steigenden Forderungen und Bedürfnissen, welche Zeit und Verhältnisse stellen, entsprochen wurde. Aus dem Berichte der Section I (Gottesdienstliche Angelegenheiten, Häuser-Jnspectiou) an deren Spitze der verdienstvoll wirkende Herr Josef Hieldburghä'usser als Obmann steht, entnehmen wir u. A.: Die beiden Bethäuser der Cultusgemeinde wurden mit ansehnlichem Geldaufwande baulich renovirt und mit elektrischer Beleuchtung versehen. Der Tempel der Inneren Stadt ward zugleich, den seinerzeit nicht ausgeführten Intentionen des Architekten entsprechend, künstlerisch ansgeschmückt. Für das erhöhte Interesse, das den Tempeln entgegengebracht wird, zeugen auch die neuen herrlichen Gotteshäuser in Wien, deren berühmter Erbauer, M. Fleischer, gleichfalls ein Mitglied der hiesigen Cultusgemeinde ist. Bereits bestehende Tempelvereine, sowie einige neuentstandene wurden mit Jahressubventionen und Darlehen unterstützt. Auch hat der Cultusvorstand zahlreiche Privatbetlocale durch Ankauf von Sitzplätzen gefördert, welch letztere mittellosen Personen zum Zwecke ihrer Andachtsübnng zur Verfügung gestellt wurden. Im Personalstande ergaben sich vielfache Veränderungen. Dr. Adolf I e l l i n e k ging — zum tiefsten Leidwesen der Gemeinde — mit Tod ab (28. December 1893). An seine Stelle wurde der im Leopoldstädter Bethause fungirende Oberrabbiner Dr. Moritz G ü d emann berufen, der seinerseits durch den am Fünfhauser Tempel als Rabbiner fungirenden Dr. Adolf Schmied! ersetzt wurde. An des Letzteren Stelle wurde Dr. Jonathan W o l f berufen. Die Bereinsrabbiner Dr. M. S. G e l b h a u s und I. T a g l i ch t wurden zu Gemeinde-Rabbinern ernannt. Der im Juli 1895 verstorbene Rabbinatsaffessor Marcus Pollak wurde durch den Religionslehrer Rabbiner Josef B r e i e r ersetzt. Dem Berichte der II. Section (llnterrichtswesen), der von Herrn Dr. Gustav Kohn als Obmann und Herrn Dr. M. Steiner als Referent erstattet wurde, entnehmen wir, daß der Wirkungskreis dieser Section im Laufe dieser Periode eine außerordentliche Ausdehnung und Vergrößerung erfahren hat, wozu der Zuwachs der jüdischen Bevölkerung überhaupt, wie insbesondere die Einbeziehung der Vorortegemeinden in die Wiener Cultusgemeinde die äußere Veranlassung bot. Mit besonderer Genugthuung muß da hervorgehoben werden, daß ans Antrag dieser Section der Cultusvorstand ungeachtet der ungünstigen Gemeindefinanzen eine namhafte materielle Besserung in der Lage der Religiontzlehrer durchführte und dieselben auch zu definitiven und somit auch pensionsfähigen Beamten bestellte. Der im Jahre 1893 begründeten „Israelitisch-Theologischen Lehranstalt" widmete der Cultusvorstand eine Jahressubvention von fl. 4000 mit der Maßgabe, daß an derselben eine eigene Abtheilung zur Heranbildung von Religionslehrern eingerichtet werde. Um vielfach gerügten Uebelständen im Religionsunterrichte abzuhelfen, veranstaltete die II. Section zu verschiedenen Malen Enqueten, bei welchen zahlreiche Sachverständige einvernommen wurden. Auf Grund der hiebei fast einmüthig kundgegebencn Ansichten und nach vergleichender Prüfung der in anderen Cultusgemeinden (Budapest, Prag, Berlin, Hamburg, Frankfurt, München, Carlsruhe) geübten Lehrweise wurde der im Jahre 1878 eingeführte Lehrplan aufgehoben und ein neuer Lehrplan eingeführt, welcher dem Hebräischen erhöhte Beachtung einräumt und insbesondere den hebräischen Bibelunter' richt von der vierten Bolksschulclasse auswärts, durch alle Classen der Bürgerschule und Mittelschule vorschreibt. Hierbei wurde selbstverständlich der enge Rahmen des gesetzlichen Religionsunterrichtes beachtet und jede Ueberbürdung der Schuljugend vermieden. Demungeachtet konnten unter hingebender Pflichterfüllung der Lehr- und Aufsichtsorgane und unter Ausnützung der durchschnittlich guten Befähigung unserer Schuljugend befriedigende Erfolge erzielt werden. Diese Abänderung des Lehrplanes geschah unter Zustimmung der Schulbehörden, welche seither wiederholt Gelegenheit nahmen, sich anerkennend über den neuen Lehrplan und die Lehrerfolge auszusprechen. Der Ausgestaltung des Jugend-Gottesdienstes wendete die II. Section volle Aufmerksamkeit zu und die Theilnahme an demselben ist eine ebenso lebhafte als erfreuliche. Diese Jugend-Gottesdienste wurden in zahlreichen Gemeinden zum Muster und Vorbilde genommen. Die Benützung der Gemeinde-Bibliothek, deren Leitung sich der gelehrteProsessor Hammerschlag in der liebevollsten und uneigennützigsten Weise mit dem ganzen Aufwande seiner reichen Gelehrsamkeit widmete, nimmt von Jahr zu Jahr zu. Es äußert sich hierin das erhöhte Interesse für die Kenntniß und die Wissenschaft des Judenthums. Die Bibliothek selbst hat durch eine munificente Spende des Vorstandsmitglirdes Herrn Salo Cohn eine außerordentliche Bereicherung erfahren. Er hat für den Preis von 6000 fl. die Bibliothek des Gelehrten Halberstamm angekauft und sie der Gemeinde zum Geschenke gemacht. Der Bericht der III. Section (Armenwesen), erstattet von dem Obmann Herrn Gustav Simon und dem Referenten Herrn Dr. M. Steiner, entwirft gleichfalls das Bild eines außerordentlich