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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-11-13 · 46 (13.11.1896) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
46 (13.11.1896)
Date
1896-11-13
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 46 Dr. V Lochs WochrnfchriLt Sette 917 Bremen. Unser verehrter Rabbiner Herr Dr. Rosenak hat sich mit Fräulein Bella Carlebach, Tochter des Herrn Rabbiner Dr. Carlebach in Lübek, verlobt. Cambridge. Professor Meldola ist zum zweitenmale zum Prüfungs-Commissär für Naturwissenschaften an der hiesigen Universität ernannt worden. Paterson (New-Jersey). Dr. A. S. Jsaacs, Herausgeber des „Jewish Messenger" in New-Pork, ist zum Rabbiner des hiesigen Nathan Barnett Memorial Tenrpel ernannt worden. London. Sir Josef Sebag Montefiore, welcher namens der jüdischen Cultnsgemeinde der Witwe des verstorbenen Erzbischofs von Canterbury condolirte, erhielt folgendes Antwortschreiben von dem Sohne des Verstorbenen: Geehrter Herr! Meine Mutter bittet mich, Ihnen herzlichst für Ihr freundliches Condolenzschreiben zu danken. Sie ist Ihnen für Ihre gütigen Worte von tiefem Herzen dankbar. Wollen Sie gefälligst auch denk Cultusvorstand ihren besten Dank für sein Schreiben übermitteln. Solche Worte von Männern, für welche der Erzbischof die höchste Achtung empstmden hat, sie haben sie tief gerührt, Ihr Sie hochschätzender Eduard Frederic Benson. London. E. I. Poyeter, der Maler des berühmten Bildes „Israel in Egypten", ist zum Präsidenten der königlichen Akademie gewählt worden. London. Der berühmte Novellist I. Zangwill wird demnächst im Volkspalast (People's Palace) im Osten von London zu Gunsten des Tempel-Renovirungsfond Last London Synagoge Renovation ü'und) einen Vortrag über „Das Ghetto" halten. London. Am 17. November werden der Herzog und die Herzogin von Connaught die Gäste des Lord und der Lady Pirbright in Pirbright, Henley Park sein. London. Mittwoch fand hier die Trauung des Herrn James Castello und des Fräuleins Edith Franklin statt. Acht kleine Nichten der Braut waren Brautjungfern. Das Geschenk des Bräutigams bestand aus reizenden Goldbrochen. Nach der Trauung fand im Elternhause der Braut, Porchester Terrace, Hyde Park, ein Empfang statt, zu welchem 500 Gäste geladen waren. Gleich darauf reiste das junge Paar, das seine Flitterwochen in der Riviera verbringen wird, nach dem Continente ab. Brüssel. Der hiesige Bankier Leon Lambert ist vom König von Belgien zum Baron ernannt worden. Derselbe hat eine Tochter des Baron Gustave de Rothschild in Paris zur Frau. Alexandria. Mit tiefem Bedauern melden wir den Tod des wohlbekannten Bankiers David Aghion, der sowohl in der Finanzwelt Egyptens, als auch in der hiesigen jüdischen Gemeinde eine große Rolle spielte. Herr Aghion hinterläßt acht Kinder, von denen eines die Frau von Ferdinand Cremieux, dem Mitglied der französischen Deputirtenkammer, ist. Feuilleton. Der König der Schnorrer. Von I. Zangwill. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) In der That, nicht wenige unter den Zuhörern waren Juden, denn Goodmansfields war das Ghettotheater und der Sabbath für eine laue Generation kein genügender Abhaltungsgrund. Die Zuhörer, zumeist Deutsche und Polen, kamen wie eine glückliche Familie in das kleine, unelegante Theater. Rangunterschiede wurden nicht beachtet und die Galerie verkehrte mit den Sperrsitzen, das Parterre fraternisirte mit den Logen. Auf den Bänken wurden Soupers abgehalten. In einer Parterreloge saß steif eine nach der letzten Mode gekleidete, stattliche Jüdin; sie trug ein Kleid aus beflittertem indischem Mousselin, ein Halsband und einen Halbmond aus Diamanten und ihr Kopf war mit Terrassen von Locken und Blumen gekrönt. „Betsy," rief eine joviale Frauenstimme aus dem Parterre herauf, nachdem der Applaus nachgelassen hatte. Betsy rührte sich nicht, aber ihre Wangen wurden roth und heiß. Sie war in der Welt vorwärts gekommen und hatte keine Lust, die alte Kameradinzu erkennen. „Betsy", wiederholte die Frau, die es gut meinte, „ich und Du sollen so leben — Du mußt ein Stück von meinem Backfisch kosten." Und sie hielt ein schönes, gebräuntes Stück kalte! Scholle in die Höhe. Betsy zog sich zurück, indem sie sich ohne Erfolg bemühte, ahnuugslos auszusehen. Zu ihrer Erleichterung ging der Vorhang in die Höhe und das Schlvßgefpenst begann zu spuken. Jankele, der kaum je etwas Anderes gesehen hatte als Dilettantenvorstellnngen, welche die Niederlage des bösen Haman und den Sieg der Königin Esther darstellten (eine Rolle, die er einst selbst in den alten Kleidern seiner Mutter gespielt hatte), war von den gruseligen und schrecklichen Vorgängen in dem Gespensterstück ganz entzückt. Erft nach Schluß des zweiten Actes quoll die Erregung, in die die schöne, aber beleidigte Heldin ihn versetzt hatte, wieder in ein Gespräch über das Heiraten über. „Wirklich, wir schließen den Abend herrlich ab", sagte er. „Es freut mich, daß es Euch gefällt. Es ist wirklich eine schöne Vorstellung", antwortete Manasse mit majestätischer Befriedigung. „Und Euere Tochter Debora?" wagte sich Jankele schüchtern hervor. „Geht die auch manchmal in's Theater?" „Nein, ich führe meine Frauenzimmer nicht herum, ihre Pflichten sind zuhause. Wie es geschrieben steht, nenne ich mein Weib nicht Weib, sondern Heim." „Aber bedenkt doch nur, wie sie sich möchten unterhalten." „Wir sind nicht auf der Welt, um uns zu unterhalten." „Wahr, ganz wahr", sagte Jankele und machte ein verschmitztes Gesicht. „Wir sind auf der Welt, um dem Gesetze Moses zu gehorchen. Aber erinnert mich nicht daran, daß ich ein Sünder in Israel bin." „Wieso?" „Ich bin fünfundzwanzig Jahre alt und habe noch kein Weib." „In Polen hattet Ihr wohl einige." „Bei meinem Leben, nein. Blos ein einziges und dem gab ich Gett (Scheidebrief) wegen Kinderlosigkeit. Ihr könnt an den Rabbi meiner Stadt schreiben." „Warum sollte ich schreiben? Es geht ja mich nichts an." „Ach ich möchte, daß es Euch etwas angeht." Manasse starrte ihn an. „Fangt Ihr schon wieder damit an?" murmelte er. „Glaubt mir, ich möchte weniger Euere Tochter zur Frau als Euch zum Schwiegervater." „Es kann nicht fein", murmelte Manasse etwas milder. „Ach, wäre ich doch als ein Sephardi auf die Welt gekommen", sagte Jankele mit einem hoffnungslosen Stöhnen. „Jetzt ist es zu spät", antwortete Da Costa besänftigend. „Zur Besserung ist es nie zu spät, sagen die Leute hier", stöhnte der Pole. „Gibt es denn gar kein Mittel? Kann ich kein spanischer Jude werden? Ich könnte mit Leichtigkeit das Hebräische so aussprechen, wir Ihr es thut." „Unser Judenthum weicht von dem Eurigen nicht wesentlich ab — es ist nur eine Frage des Blutes; das Blut kann man nicht ändern. Wie es geschrieben steht: Und das Blut ist das Leben." „Ich weiß, ich weiß, ich schaue zu hoch hinaus. Oh, warum seid Ihr geworden mein Freund? Warum habt Ihr mir eingeredet, daß Ihr mich liebt — so daß ich an Euch denken muß Tag und Nacht — und jetzt, wenn ich Euch bitte, mein Schwiegervater zu werden, sagt Ihr, es kann nicht sein. Ihr stoßt mir ein Messer in's Herz! Denkt nur, wie stolz und glücklich ich wäre, wenn ich Euch Schwiegervater nennen könnte. Mein ganzes Leben würde Euch gehören — mein einziger Gedanke wäre es, eines solchen Mannes würdig zu sein." „Ihr seid nicht der Erste, dem ich einen Korb geben mußte", sagte Manasse mit Rührung. „Was hilft das mir, wenn es noch andere Schlemihle (Pechvögel) gibt?" rief Jankele schluchzend. „Wie kann ich leben, wenn Ihr nicht mein Schwiegervater werdet?" „Es thut mir leid — mehr leid als je zuvor." „Da liebt Ihr mich doch! Ich werde die Hoffnung noch nicht aufgebeu, ich werde Euer „Nein" nicht für eine Antwort nehmen. Was liegt denn an diesem Blut, daß es trennen sollte Juden von Juden? Daß es mich hindern sollte, zu werden der Schwiegersohn des einzigen Mannes, den ich je geliebt habe? Nein, erlaubt mir, noch einmal anzufragen — in einem Monat oder in einem Jahr — sogar zwölf Monate werd' ich warten, wenn Ihr mir nur versprecht, Euch nicht mit einem Anderen zu verloben." „Mer wenn ich Euer Schwiegervater werden würde — merkt auf, ich sage nur wenn — dann würde ich nicht nur Euch

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