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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-11-13 · 46 (13.11.1896) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
46 (13.11.1896)
Date
1896-11-13
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 916 Dr Vloch's Wochrnfchrifl. Nr. 46 l ich solche Eltern von dieser Mehrleistung getroffen werden, welche nicht mit irdischen Glücksgütern gesegnet sind. Wohl haben einige Ausschußmitglieder für gleiches Schulgeld plaidirt, jedoch vergebens! Denn viele einflußreiche und gutsituirte Herren unterstützten diesen wohlgemeinten und anerkennenswerthen Antrag nicht! Es ist überhaupt in den anderen jüdischen Volksschul- Classen ein solch hohes Schulgeld zu entrichten, daß viele minder bemittelte Glaubensbrüder ihre Kinder aus dieser Ursache in die städtischen Schulen schicken müssen, wo natürlich nicht so viel hebräisches Wissen geboten ist. Den maßgebenden Herren der Ostrauer Cultusrepräsentanz für diesen Uebelstand zur geneigten Beherzigung wärmstens empfohlen. I. Berger Tabak-Verleger. Mahr.-Ostra«, 3. November. Am 17. October l. I. feierte Herr Heinrich Hahn. Lehrer an der hiesigen israelitischen Volksschule sein 25jähriges Dienstjubiläum. Aus diesem Anlässe wurde im Tempel ein Gottesdienst für die Schuljugend abgehalten, bei welcher Gelegenheit Herr Rabbiner Dr. S p i r a eine Ansprache an die Kinder hielt, die Bedeutung des heutigen Tages hervorhebend und die Kinder zur Liebe und Ehrfurcht für ihre Lehrer ermahnend. Um 11 Uhr Vormittags versammelte sich der gesammte Cultusvorstand, sowie eine Deputation der ehemaligen Schüler und Schülerinnen in der Wohnung des Jubilars. Der Präses Herr M. Straßmann beglückwünschte den Jubilar im Namen der ganzen Cultusgemeinde und überreichte ihm eine schöne Ehrengabe. Im Namen des gesammten Beamtenstandes sprach Herr Rabbiner Dr. S p i r a. Er würdigte die Verdienste des Herrn Hahn in besonders warmen Worten. Herr Oberlehrer K o h n, im Namen des Lehrkörpers, gab seiner Freude ob des heutigen Tages Ausdruck. Dann sprach Herr Schmelz, als Obmann des Vereines Bikur-Chaulim. Und zuletzt gratulirte Herr Salomonowitz im Namen sämmtlicher ehemaligen Schüler und Schülerinnen seinem Lehrer und überreichte eine prachtvoll ausgeführte Adresse und ein Geschenk. Bei dem am Abend stattgehabten Bankett im Restaurant ..zur Linde" waren über 70 Personen anwesend. Nach den officiellen Reden der Herren Straßmann, Rabbiner Dr. Spira, Dr. Hilf, Friedländer, Professor Schwarz und CantorKläger sprachen noch viele Andere. Es langten auch viele Telegramme ein. Dieser Tag war ein Beweis hiefür, welche Achtung und Sympathien sich der Herr Lehrer Hahn durch die Zeit seines Wirkens bei Alt und Jung in Mähr.-Ostrau erworben hat. Karolinenthal. (Concertabend des Tempelgesangsvereines.) Der jüngst gegründete Tempelgesangsverein in Karolinenthal veranstaltete daselbst Samstag, den 24. Oktober l. I. im Saale „gum rothen Stern" einen äußerst gelungenen Concertabend unter Mitwirkung des Hrn. E. Guszalewicz, Mitgliedes des königl. Deutschen Landestheaters, der Frau Karoline R o n z, Stadtrathsgattin in Karolinenthal in gefälliger Stellvertretung der Frau Matura, Mitglied des königl. Böhmischen Landestheaters, welche in Folge einer Repertoireveränderung an der zugesagten Mitwirkung verhindert war, und des Cellovirtuosen Herrn V a z k a. Der geräumige, geschmackvoll decorirte Saal war von einem überaus zahlreichen distiuguirten Publicum bis auf das letzte Plätzchen gefüllr. Unter den Erschienenen waren der Leiter der k. k. Bezirkshauptmannschast Karolinenthal, Herr k. k. Statthaltereirath Rehak. Herr Bürgermeister T o p i n k a, der Vorsteher der israelitischen Cultusgemeinde Herr Ignaz Kallberg mit dem gesammten Cnltusvorstande, der Landtagsabgeordnete Herr Dr. Schars und Andere mehr. Die vom Tempelgefangsoerein stimmungsvoll voraetraqenen Chöre, und zwar »Jagdlied" von Mendelssohn. „Vse ve svete teä' usnulo" von B e n d l e r, „Hochamt im Walde" von Stransky und „Bnrak a rnze" von B e i 1-B enbl errangen sämmtlich einen durchschlagenden Erfolg und rauschenden Beifall. Ebenso riß die wahrhaft künstlerische Behandlung der von den Solisten zum Vortrage gebrachten Nummern das Publicum zu stürmischem Beifall hin; Herr Guszalewicz brachte eine Arie aus „Aida", ferner Lieder von Rubinstein, Hermann und Schubert, Frau Ro n z eine Arie aus der Oper ,,Der Prophet", sowie Lieder von Dvorak und Basa Laub'' zum Bortrage. Der jugendliche Cellokünstler Herr Vazka entzückte durch gediegenen Wohllaut und Präcision in der meisterhaften Wiedergabe des Andante von Nedbal und der Serenade von Suk. Die musterhafte Leitung der Chöre, sowie die eracte Clavierbegleitung sämmtlicher Solonommern besorgte der Vereinsdirkgent Herr M. U. C. Wilhelm Ze manek, welcher durch Ueberreichung eines riesigen, mit Widmungsschleifen versehenen Lorbeerkranzes ausgezeichnet wurde. Nach Erschöpfung des Programmes vereinigte ein äußerst animirtes Tanzkränzchen die tanzlustige Jugend bis nahezu in die frühen Morgenstunden. Der Tempelgesangsverein kann somit auf seinen ersten Schritt in die Oeffentlichkeit, in welche sich derselbe aufs Beste eingeführt hat, mit voller Befriedigung zurückblicken. Dkalkeua« a. d. Eqer. Am 8. November l. I. fand in dem Sitzungssaale der hiesigen Cultusgemeinde die Constituirung des neugewählten Cültusvorstandes statt. Zum Cultusvorsteher wurde der bereits seit 15 Jahren amtirende Vorsteher Herr Johann Steiner wiedergewählt. Zum Cultusvorsteher-Stellvertreter Herr David Steininger, zum Caffier Herr Leopold Mohr, zugleich Jnspector der Religionsschule, zum Tempelvorsteher Herr- Carl Pollak, zum Stellvertreter desselben Herr David Kohn, zum Schriftfrüher Herr I. U. Dr. Max Mendl, Advocat. Außerdem gehören dem Cultusvorstande noch an, die Herren: Hermann Adler, I. U. Dr. Jacob Kohn, Advocat in Elbogen, Adolf Basch in Chodau, zugleich Bethaus Vorsteher daselbst, Jacob Kohn. zugleich Bethausvorsteher in Graslitz. Sämmtliche Vorstandsmitglieder wurden mit Stimmeneinhelligkeit gewählt. Gologory. (V e r l o b u n g). Herr Hermann Davidsohn aus Gologory hat sich mit Frl. Fanny Holpern, Tochter des Herrn I. S. Halpern aus Zborow in Galizien, verlobt. Budapest. Außer den durch Sie mitgetheilten jüdischen Abgeordneten wurden noch folgende Juden ins Parlament gewählt : Victor Pichler, der Secretär Franz Kossuth's (in Kölesd), und Dr. Soma Vis o n t a i (in Gyöngyös). Beide gehören der Unabhängigkeitspartei an. Budapest. (Richtigstellung.) Graf Theodor A nd r a s s y . hat der Mlszsszer israelitischen Gemeinde nicht 20.000 fl., sondern 20.000 Ziegel zum Synagogenbau geschenkt. Drohobyez. Von einem schweren Schicksalsschlag wurde unsere Stadt und insbesondere unsere jüdische Cultusgemeinde am 8. d. M. heimgesucht. Während die gesammte hiesige Bevölkerung die Ankunft des Statthalters Sr. Excellenz des Fürsten Sanguszko und anderer Würdenträger, die aus Anlaß der Einweihung des neu erbauten Gymnasiums unsere Stadt mit ihrem Besuche beehrten, an dem zum Empfange errichteten Triumphthore erwartete, wurde knapp vor der Ankunft dieser hohen Würdenträger unser langjähriger Vicepräses der hiesigen Cultusgemeinde, Osias Sternbach, welcher an der Spitze des Cultus-Vorstandes ebenfalls dort erschienen, war, um den Statthalter im Namen der jüdischen Gemeinde zu bewillkommnen, von einem plötzlichen Unwohlsein befallen und nach kann: 10 Stunden infolge eines Hirnschlages au^ der Mitte seiner Kinder und Verwandten von einem unerbittlichen Schicksal entrissen. Die Stadt verlor durch seinen Tod einen ihrer ältesten Gemeinderäthe, die jüdische Gemeinde ihren langjährigen Führer und Repräsentanten, einen unerschrockenen eifrigen Kämpfer für Bildung und Fortschritt, der bei all seinem Freisinn streng religiös und fromm bis an sein Ende geblieben und dadurch den Beweis erbracht, hat, daß Religion und Frömmigkeit mit Civilisation und Bildung gepaart sein können. Seine Kinder genossen bei ihm die sorgfältigste Erziehung, dank welcher dieselben ehrenvolle Stellungen in der menschlichen Gesammtheit einnehmen, ja, er erlebte die so seltene Freude, daß einer seiner Enkel, Dr. Leo Sternbach, zum Professor an der Jagellonischen Universität in Krakau ernannt wurde. Der Verblichene war als ein besonders ehrenhafter und pflichttreuer Mann bekannt, der trotz seinem hohen Alter (er zählte 73 Jahre) sowohl seinen Pflichten als Matrikenführer (welche Function er circa 20 Jahre bekleidete), als auch all den verschiedenen Ehrenämtern, die ihm das Vertrauen seiner Mitbürger auferlegte, mit einer bewundernswürdigen Energie und jugendlichen Geistesfrische stets aufs Getreueste nachgekonunen ist. — An seinem Leichenbegängnisse betheiligte sich fast die gesammte hiesige Bevölkerung ohne Unterschied der Confession und Nationalität, denn von den höchsten Stadtwürdenträgern bis zum kleinsten Alltagsmenschen war jeder Stand vertreten. — Sein Verlust wird hier allgemein betrauert. Möge er in Frieden gebettet sein! Paris. In der letzten Sitzung des Vereines für jüdische Colonisation (Jewish Colonisation Association) bestimmte der Verwaltungsrath eine Summe von 160.000 Francs zur Erhaltung zweier Colonien in Palästina. Auf Anregung der Herren Dr. Sonnenfeld und Plotke, welche die Ackerbauschule in Ahlem bei Hannover besucht hatten, wurde beschlossen, vom Vereine für jüdische Colonisation einige Schüler dorthin zu senden. Paris. Die königl. spanische Akademie der Medicin hat Herrn Professor Dr. Emile Baron de Berger, Augenarzt in Paris, zu ihren! ausländischen correspondirenden Mitgliede in der Section für Chirurgie ernannt. Die Wahl war mit Stimmeneinhelligkeit erfolgt.

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