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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-11-13 · 46 (13.11.1896) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
46 (13.11.1896)
Date
1896-11-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Vr. Vlortz's Wochenschrift -Leite 913 Nr. 46 bürg, Schriftsteller Rab bin o witz in W ar s ch au, Herr Gottlieb Bettel heim in Wien, Secretär Landau in Wr.-N e u st ad t, historische Medaillen Professor Politzer und Rabbiner Dr. Le w i n i n M a l a e z r a eine sehr werthvolle alte Thorarolle (vielleicht aus dem Geresch Znaim stammend), die israelitische Cultus gem einde in Mähr.- Kromau durch den Wiener Antiquitätenhändler Herrn M. B l u m, dieser selbst eine K e t h u b a ans dem vorigen Jahrhundert, reich mit Ornamenten und Miniaturen verziert, gewidmet. Indem das Curatorium für diese munificenten Gaben den wärmsten Dank ansspricht, richtet es an alle Freunde jüdischer Kunst und Wissenschaft die Bitte, die Bestrebungen d e r G e s e l l s ch af t, sei es durch den Beitritt a l s M i t g l i e d, sei es d u r ch Z u w e i s u n g v o n Geschenken oder leihweise U e b e r l a s s u n g von Objecten: Graphischen Darstellungen, K u n st g e g e n st ä n d e n, M ü u z e n u n d M e d a i l l e n, Büchern re., zu u n t e r st ü tz e n. Wien, den 10. November 1896. (Wohlthätigkeits- Verein „Frauen h o r t", IX., M ü l l n e r g a s s e 21.) Frau Baronin Clara Hirsch-Gereuth hat dem „Frauenhort", zu Händen der Vice-Präsidentin Frau Julius Kopstein, eine Spende von tausend Gulden zukommen lassen. Es geschah dies in Anerkennung der humanen Tendenzen dieses Vereines, dessen Bestreben von jeher darauf gerichtet war, nicht nur der momentanen Noth durch eine Geldunterstützung abzuhelsen, sondern den in Folge von Arbeitslosigkeit in Noth gerathenen Ernährer der Familie durch Verschaffung einer Stelle oder Handwerkszeuges, oder durch Zuweisung von Arbeit wieder auf die Bahn des Erwerbes zu bringen. Tie Devise dieses Vereines lautet: „Nicht nur den Gesunkenen zu unterstützen, sondern auch den Sinkenden nicht fallen zu lassen." Der „Frauenhort" unterstützt die wirkliche verschämte Armuth mit bedeutenden Summen, er schickt arme, kranke Arbeiterinnen, welche die Ernährer der Familie sind, für mehrere Wochen in die Cur, um der Familie diese Stütze zu erhalten, er bekleidet arme Schulkinder und zwar nicht öffentlich, sondern schickt ihnen die Bescheerung direct ins Haus. Dieses warhaft humane Wirken hat auch die volle Anerkennung der Frau Baronin Hirsch-Gereuth gesunden. Möge das edle Beispiel dieser vornehmen Dame, die das geistige Erbe ihres verewigten Gemahls, des großen Philantropen Baron Moritz Hirsch-Gereuth, angetreten hat. Nachahmung finden. Der Andrang zur Kinderbekleidung des „Frauenhort" ist groß, denn manche arme Mutter, die ihr Kind niemals öffentlich beschenken lassen würde, bittet um die Bekleidung ihres Kindes durch den „Franenhort", und sie nimmt gerne eine Gabe in Empfang, die ihr in so schonender Weise ins Haus' geschickt wird. II. Spendenliste des „Franenhort". Zur Kinderbekleidung haben gespendet: Herr Jacob Rothberger sl. 5, Herr Alois Hosmaml fl. 5, Herren Gebrüder Gutmann fl. 10, Frau Emilie Quittner fl. 5, Herr Joses Qnittner sl. 6, Frau Dr. 'Armin Stern sl. 10, Frau Therese Kafka fl. 10, Frau Nizza Thalberg fl. 20. Brünn. (A u s dem T e st a m e n t e des B a r o n H i r s ch.) Bekanntlich hat der verstorbene Baron Moriz Hirsch für Wohlthätigkeitsanstalten in Mähren den Betrag von einer Million Francs testirt, und zwar zur Hülste für israelitische und zur Hälfte für Anstalten, deren Wohlthateu Bedürftigen ohne Unterschied der Consession zu Theil werden. Die Zuweisung der Teilbeträge an die einzelnen Anstalten war der Witwe des Barons überlassen. Baronin Clara H i r s ch hat nunmehr den 9. December d. I., den Geburtstag ihres Gatten, als Termin für die Auszahlung der Legate bestimmt und die bedachten Anstalten und Vereine verständigt, daß ihr Rechtsanwalt Dr. Gustav Haas mit der Liquidiruug beauftragt wurde. Es wurden angewiesen: Sämmtlicheu 50 israelitischen Cultusgemeiuden Mährens für humanitäre Zwecke Beträge von 1000 bis 5000 fl., der Cultusgemeinde Brünn 10.000 sl., dem mährisch-jüdischen Waisenhilfsverein 110.000 fl., zum Ausbau des Brünner Kinderspitals 40.000 fl., den Barmherzigen Brüdern für ihre vier mährischen Spitäler 41.000 fl., dem Elisabethinerinnenspital in Brünn 5000 fl., den Brünner Blinden- und Taubstummen-Jnstituten je 10.000 fl., dem Blinden-Wohlsahrtsverein 5000 fl., dem patriotischen Landeshilfsverein 50.000 sl., schließlich einer großen Anzahl humanitärer Vereine und Institutionen kleinere Beträge. (Spende der Baronin H i r s ch.) Wie man aus C o n st a n t i n o p e l schreibt, hat die verwitwete Baronin H i r s ch behufs Gründung einer Pensiouscasse für die Beamten der Orientalischen Bahnen einen Betrag von zwei M i l l i o n e n Francs gespendet, mit der Bestimmung, daß derselbe alle» jenen Beamten zu Gute kommen soll, die vor dem Jahre 1890, in welchem Jahre bekanntlich Baron H i r s ch sein Verhältniß zu den Orientalischen Bahnen gänzlich löste, bereits in Diensten der Gesellschaft standen. Des Weiteren hat die Baronin H i r s ch die Anordnung getroffen, daß, im Falle kein Pensionssond zu Stande kommen sollte, der Betrag mit Zustimmung der Spenderin oder ihrer Erben an die bezeichneten pensivnsberechtigten Beamten zu vertheilen sei. Die Direction der Orientalischen Bahnen beschäftigte sich bereits mit der 'Ausarbeitung der Statuten und Bezugsquoteu für den Pensionsfond, welcher ans der Spende der Baronin H i r s ch und ans der vorhandenen Reise- und Unterstützungscasse gebildet werden soll. Lemberg. In der künftigen Landtagssessivn wird ein Project zur R e s o r m der S t a d t g e m e i n d e - V e rs a s s n n g vorgelegt und wahrscheinlich auch angenommen werden, welches daraus berechnet ist, durch ein gesetzgeberisches Schnippchen den Einfluß der Juden im Gemeindeleben lahmzulegen. Tie sogenannte zweite Curie, welche ans den meistbestenerten Kanslenten und Gewerbetreibenden besteht, hatte eine entsprechende 'Anzahl von Mandaten für die Gemeindeverwaltung zu vergeben. Da in dieser Curie die Juden ausschlaggebend sind, so war ihnen auch ein entsprechender Einfluß aus die Gemeindegeschäfte gesichert. Nun sollen alle kleinen autonomen und staatlichen Beamten aus der dritten Curie, in der sie bisher stimmten, in die zweite übertragen werden, wodurch die Juden in die entschiedene Minorität gedrängt werden. Vom Anbeginn der autonomen Epoche haben unsere Glaubensgenossen stets regen Antheil nur Gemeindeleben genommen, in vielen mittelgroßen Städten wurden Inden wiederholt zu Bürgermeistern gewählt, und haben sich in hervorragender Weise bewährt, was am besten durch die große Anzahl von Fällen bezeugt wird, in denen Juden das Ehrenbürgerrecht der Städte verliehen wurde. Zu diesem Kniff, durch den der Kaufmannsnitb der Gewerbestand überhaupt stark beeinträchtigt wird, haben sich denn auch die einzelnen Gemeinden nicht bewegen lassen wollen, daher muß es vom Landtag besorgt werden, in dem die Schlachta den Ausschlag gibt. Frankfurt a. M Ans Veranlassung des Bürgermeisters von Dörnigheim, Herrn Lapp, sollte in der Kirche seines Ortes eine Tafel ausgehängt werden, welche die Namen Derer verzeichnete, die am letzten französischen Kriege theilgenommen hatten (siehe „Mittheilnugen" Nr. 19 vom 11. Mai 1895). Unter den sich anmeldenden Kriegern befanden sich auch die Herren Wolf S t e i g e r w a l d und Löser S t e i g e r w a l d, Beide jetzt in Frankfurt wohnhaft. Ter Geistliche verbot aber die Anbringung der beiden israelitischen 'Namen. Tie Herren beruhigten sich nicht bei diesem Bescheide. Auf unsere Anfrage schreibt uns nun Herr L. S t e i g e r w a l d : „Dem Dörnigheimer Pfarrer ging seitens des Landrathsamts in Hanau die 'Aufforderung zu, sowohl mich als meinen Vetter zu benachrichtigen, daß die Gedenktafel mit unseren Namen in der Kirche altsgestellt wird, was auch bereits geschehen ist. Im Uebrigen hatten die Dörnigheimer Kriegskameraden auch bereits beschlossen, daß, im Falle unsere Namen nicht aus die Tafel gesetzt werden dürfen, die Errichtung einer Taiel unterbliebe." Bonn, 28. October. Aus B o n n wird uns geschrieben : „Es wird Sie vielleicht die Mittheilnng interessiren, daß in sämmtlichen st n d e n t i s ch e n Verbindungen der Bonner Universität nur eirie Jude sich befindet, daß aber in diesem Se-! mester zwei j ü d i s ch e n Stndirenden, nämlich den Herren! eaud. med. Siegfried G 0 ldschmidt ans Hamm in Westfalen und Land. jar. Arthur O p p e n h e i m e r aus M.-Gladbach die Ehrengabe des H 0 h e n z 0 l l e r n p r e i s e s für hervor-! ragende Leistungen zu Theil geworden ist.! Thorn. (D e r d e u t s ch e P r i v a t b e a m t e n v e r e i n und d i e A -l t i s e m i t e n.) In einer Sitzung des Deutschen Privatbeamtenvereiues zu T h 0 r n hatte ein 'Antisemit sich über j die Ausnahme von Jude n in den Verein beschwert und hierbei; betont, daß unter einem Deutschen llur ein Arier verstanden werden könne- Daraus erhielt er, wie der „Deutsche Generalanzeiger" mittheilt, folgendes Schreiben:

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