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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-11-13 · 46 (13.11.1896) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
46 (13.11.1896)
Date
1896-11-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 912 Vr Vloch's VochenfchrM Nr. 46 1. Es ist unwahr, daß „die Politische Neutralität den jüdisch-nationalen Verbindungen nicht behagt", wahr ist vielmehr, daß die Lesehalle von der akademischen Verbindung „Kadimah", also von Jüdisch-Nationalen, gegen den Willen der Nichtnationalen zum Zwecke eines neutralen Centralisationspunktes begründet wurde. 2. Ist es unwahr, „daß die Nationalen durch terrorisirendes Auftreten ihr Ziel zu erreichen suchten", wahr ist vielmehr, daß der Rechenschaftsbericht des Präsidiums, der nicht einmal dem Ausschüsse früher vorgelegt worden war, ziemlich scharf kritisirt wurde, wie dies bei seinen vielen Mängeln und offenbaren Unrichtigkeiten nicht anders möglich war. 3. Es ist unwahr, „daß ein Mitglied der Verbindung „Unitas" zum Zwecke der Majorisiruug der Lesehalle die statutenwidrige Ausstellung von Mitgliedskarten erzwang", vielmehr nahm er im Verein mit zwei anderen Ausschußmitgliedern das jedem Ausschußmitgliede zustehende Recht der Kartenausstellung für sich in Anspruch. 4. Es ist unwahr, „daß nur von nationaler Seite Zwischenrufe ertönten", wahr ist vielmehr, daß in Folge der schwachen Leitung die Unruhe eine allgemeine war, und es nur der Intervention eines nationalen Verbindungsstudenten zu verdanken ist, daß zeitweise Ruhe und Ordnung eintrat. 5. Es ist unwahr, „daß sich die Redner der nationalen Vereine in beleidigenden Ausfällen gegen den Ausschuß und das Präsidium insbesondere ergingen", wahr ist vielmehr, daß diese Redner Aufklärungen zu einigen dunklen Punkten des Rechenschaftsberichtes verlangten und sich dagegen verwahrten, daß der Ausschuß in seinem Rechenschaftsberichte den „Satisfacttonsrummel" im vergangenen Jahre auf sein Conto gutbuchte, während es doch der Wahrheit entspricht, daß die ganze Action von den Verbuchungen eingeleitet und durchgeführr wurde. 6. Es ist wohl wahr, daß das Präsidium den Lärm zum Anlaffe für die Auflösung der Versammlung nahm, offenbar liegt jedoch der Grund der Schließung darin, daß das Präsidium eine jüdisch-nationale Majorität befürchtete. 7. Es ist unwahr, daß es sich gezeigt hat, daß „Toleranz und Nationalismus selbst bei den Juden schwer zu vereinende Begriffe sind", wahr ist vielmehr, daß die Nationalen in einer leider nicht gerechtfertigten Toleranz, trotzdem sie die Majorität hatten, auf ihre Wahlliste nur sechs Verbindungsmitglieder und 13 außerhalb derselben stehende Candidaten gesetzt hatten. Ihnen für die gefällige Aufnahme dieser Zeilen im Vorhinein bestens dankend zeichnen hochachtungsvoll Med. S t e i n b a ch, derzeit Präses der Verbindung „Jvria". Jur. Max Piekarski, derzeit Präses der „Kadimah". S. H. L o e b l, derzeit Präses der jüdisch-akademischen Verbindung „Unitas". Wien. (I ü d i s ch e a k a d e m i s ch e L e s e h a l l e.) Aus den Kreisen der Förderer erhalten wir folgende Zuschrift, die wir ohne irgend eine Parteinahme publiciren, da sie einer weit verbreiteten Stimmung Ausdruck zu geben scheint. Hochgeehrte Redaction! Ihr Bericht über die bedauerlichen Vorgänge im Schoße der Jüdischen akademischen Lesehalle mag nach deren glanzvoller Eröffnung und dem so schön ausgefallenen Benedikt-Abend, an welchem zahlreiche Celebritäten des wissenschaftlichen und künstlerischen Lebens durch ihre Anwesenheit ihre Sympathie für die jung und kühn auftretende Lesehalle bethätigten, manchem Leser überraschend erschienen sein. Allein für die Kenner hatten schon gewisse Reden und Kundgebungen, die voll nationaler Seite selbst an diesen Abenden nicht unterdrückt wurden und der Lesehalle bei den Gasten nur schaden konnten, den Beigeschmack, daß die nationalen Verbindungen, die kein volles Drittel der Lesehalle bilden, die unbedingte Beherrschung derselben anstreben, vielleicht um sie zu einem Organ der bekannten Herzlichen Bestrebungen zu machen, und jedenfalls ohne ernste Rücksicht auf die ihnen als bloßes Mittel erscheinende Lesehalle und ihre Entwicklung. Es ist nämlich sicher, daß die Jüdische akademische Lesehalle so wenig wie die beiden anderen Lesehallen aus den materiellen und geistigen Mitteln der Studentenschaft allein ein anderes als ein kümmerliches Dasein ftisten könnte. Sie verdankt ihren Auffchwung ihren Förderern. Kein Förderer von Ansehen und Rang in Wissenschaft und Kunst kann mit ihr in Verbindung bleiben, wenn er nicht ahnen kann, für welche Ziele die Lesehalle durch die völlig unberechenbare Begeisterung der nationalen Verbindungen und ihrer außenstehenden Rathgeber demnächst engagirt werden mag. Soll daher die akademische Lesehalle Männer von Namen als Vortragende und Männer von socialer Stellung als Beitragende gewinnen und behalten, so müssen diese leidenschaftlichen Elemente, die jederzeit wegen eines ihnen nicht passenden Wortes Ehrenaffairen mit ihren opferwilligsten Förderern vom Zaune zu brechen und den Antisemiten das Schauspiel unerhörter Scandale in der jüdischen Studentenschaft zu bieten geneigt sind, von jeder Jngerenz auf die Angelegenheiten der Lesehalle ferngehalten werden. Selbst das Arbeiten an ihrer Seite ist auch geduldigen Ausschußmitgliedern anderer Richtung, wie man schon oft hören konnte, dadurch sehr erschwert, daß sich die nationalen Verbindungen gerne als die Herren Generale der Studentenschaft oder gar des Judenthums betrachten und geriren, ohne bisher viel Anderes als ein paar Universitätsbalgereien geleistet oder erduldet zu haben, die überdies (am Samstag!) wie das ganze Unwesen der Paukerei gar nicht unserer nationalen Tradition entsprechen, sondern die reinste „Assimilation" an das Arierthum darstellen. Die anderen Studenten sollen ihnen „als Gemeine" blind gehorchen, wäre es auch zuni offenbarer! Ruine der „Lesehalle". Denn die „nationale Idee" steht höher als die Lesehalle und als alles Nützliche, was wir anderen Juden in unserer Kurzsichtigkeit hier geschaffen haben und mit Opfern Hochhalten. Was soll der ganze Kram von jüdischen Einrichtungen? Auf nach Jerusalem! Der Sultan wird schon „Herein" rufen, wenn wir nur erst anklopfen. Vorläufig freilich ist er gegen die Zulassung selbst von Colonisten nur immer strenger vorgegangen. Die Herren haben eben mit ihren etwa zwanzig Lebensjahren einen in unserer materialistischen Zeit sehr rühmlichen Idealismus, aber auch nicht einen Dunst vom Leben; und mit ihrer völlig unklaren und unpraktischen „Idee" möchten sie um jeden Preis das Leben, das vielgestaltige, regieren, werden aber strickgrob, wenn das Leben sich wehrt. Darum dürfte wohl leider eine saubere Scheidung hier sehr von Nöthen sein. Getrennt marschieren, um sich gegenseitig achten zu lernen, aber vereint schlagen und — was unendlich wichtiger ist — vereint lernen, scheint für die nächste Zukunft die einzige gesunde Lösung zu sein. Haben die persönlich sehr schätzbaren, aber bei den Reibungen mit den Antisemiten etwas rauh gewordenen jungen Herren von den nationalen Verbindungen einmal gelernt, sich auf dem Boden der Lesehalle blos als Gäste zu betrachten und demgemäß aufzuführen, so wird die Zeit gekommen sein, die Gegensätze nicht durch kurzsichtige Compromißmeierei dürftig zu verkleistern, sondern in der höheren Idee des Judenthums und seiner so überaus nothweudigeu achtunggebietenden Haltung alle kleinliche Zänkereien für immer verschwinden zu machen. Was an der Lesehalle uns älteren Leuten imponirt, ist keineswegs die jederzeitige Redefertigkeit einzelner, sich sehr überschätzender — fast hätte ich geschrieben: überschwätzender — Elemente, die sich auch _ mit dem illustresten Gaste — aus die Gefahr, der Lesehalle alle Gäste von dieser Qualität zu entfremden — gerne auf gleich und gleich setzen und in ihrer Polemik Schrankenlosigkeit mit Freimuth verwechseln möchten, wenn man sie zügellos walten ließe. Das Imposante an d e r L e s e h a l l e i st die ernste Schaar pünktlich erscheinender, Alles überdenkender, rastlos lernender, mit altjüdischer Ehrerbietung ihren Meistern lauschender Jünger d e r W i s s e n s ch a f t; in ihrer Mitte wohnt der Ernst altjüdischen Strebens; in ihnen ahnen wir unsere künftigen Meister, die Richter und Geschichtsschreiber unserer Thaten und Gedanken, die wahren Generäle des künftigen Judenthums. Der Grundton dieser „Gemeinen" muß gewahrt werden, wenn das im letzten Jahre so sehr gestiegene Ansehen der Lesehalle auch weiterhin wachsen soll, was weit wichtiger ist, als die Aeußerlichkeit der Mitgliederzahl. Wien. (Jüdisches Musenm.) Dem Museum der „Gesellschaft für Sammlung und Conservirung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums" sind im Laufe dieses Sommers zahlreiche Geschenke von Freunden und Gönnern zugekommen. So hat Herr Universitätsprofessor Politzer in Wien abermals eine große Anzahl von Kupferstichen und Radirungen, Darstellungen aus der heiligen Schrift, Herr Max Liebes in Berlin und Herr Robert Kolisch in W i e!n haben eine Anzahl von Portraits hervorragender Juden sowie Darstellungen des religiösen Lebens gespendet. Werthvolle Buchspenden haben Staatsrath Dr. Harkavi Exc. in Peters-

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