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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-11-13 · 46 (13.11.1896) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
46 (13.11.1896)
Date
1896-11-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 914 Nr. 46 Vr. Vloch's Wochenfchrist. „Unter Bezugnahme ans Ihre in der letzten Monatssitzung des Vereines gemachten Bemerkungen machen wir Sie darauf aufmerksam, daß wir ein derartiges Benehmen nicht dulden dürfen und sowohl zur Wahrung des Ansehens unseres Vereins, als auch zum Schutze unserer Mitglieder energisch Verwahrung dagegen einlegen müssen. Wir weisen Sie noch besonders darauf hin, daß im Deutschen Privatbeamtenverein weder politische, noch religiöse Zwecke verfolgt werden, noch verfolgt werden dürfen, und daß bei den Zusammenkünften des Vereins Alles zu vermeiden ist, was einen Andersdenkenden oder Andersgläubigen in seinem Denken und Glauben beleidigen könnte. Hochachtungsvoll Deutscher Privatbeamtenverein, Zweigverein Thorn. Der Vorstand. Hamburg. Der Präsident der hiesigen Bürgerschaft, Herr Sigmund Hinrichsen, feierte sein 25jähriges Jubiläum als Mitglied dieser Körperschaft. Die Stadtgemeinde, überhaupt alles von Bedeutung gratulirte, darunter Baron von Schleinitz, der Cvmmandant von Hamburg und Altona, sowie Hauptmann Baron de la Motte-Fouqiw, der Letztere Namens des Officierscorps des 76. Infanterie-Regimentes, dessen Musikcapelle den, Jubilar ein Ständchen brachte. Hinrichsen ist wegen seiner seltenen Eigenschaften überall hochgeachtet und beliebt. Das Geschenk, das er vom Vorstand der Bürgerschaft erhielt, besteht in einem reizenden Schiffe aus Blumen, an welchem ein prachtvoller goldener Federstiel befestigt ist. Paris. Die zweite Wahl der Mitglieder des jüdischen Consistoriums für Frankreich und für Paris hat stattgefunden und sehr günstige Resultate gehabt. In das Centralconsistorium wurde Ferdinand Cremieux, das Mitglied der Deputirtenkammer au Stelle des Generals See gewählt: diese Wahl überraschte eigentlich Jedermann, da General See bei der ersten Wahl der einzige Candidat war. Cremieux wurde eigentlich ohne jedes Dazuthun von seiner Seite gewählt. Noch am Tage der Wahl veröffentlichte er in der „Lib re Parole" einen Brief des Inhalts, daß er weder zu candidireu gedenke, noch irgend jemand ermächtigt habe, ihn zu nominiren. In diesem Briefe gestand er, daß er ein Freidenker sei, der eigentlich keinerlei religiöses Ceremoniell befolge, aber doch stolz darauf sei, einer alten französischen und jüdischen Familie anzugehören. Wenn eines seiner Kinder, fügte er in dem Schreiben hinzu, seine jüdische Abkunft verleugnete, so würde er dieses Kind als einen Bastard betrachten. Daß General See nicht gewählt wurde, mag seinen Grund darin haben, daß ein anonymes Schreiben circulirte, des Inhalts, General See habe seine Söhne nicht beschneiden lassen. In demselben Circulär wurde Cremieux ohne sein Wissen zur Wahl empfohlen. Rom. Anläßlich der Hochzeit des Kronprinzen hat der König von Italien mehrere neue Senatoren ernannt. Unter diesen besinden sich zwei Glaubensgenossen, die Herren Giacomo Malvano und Ulderico Levi. Der Name Malvano ist in den Ministerien der europäischen Mächte wohlbekannt. Er hat jahrelang den verantwortlichen Posten eines Generalsecretärs im Ministerium des Aeußern innegehabt und ist ein Diplomat ersten Ranges. Signor Malvano ist es, mit dem die Gesandten im Quirinal alle internationalen Angelegenheiten besprachen. Signor Ulderico Levi war eine Zeit lang Adjutant des Generals Cialdini und Mitglied der Deputirtenkammer für Reggio. Er besitzt einen ungeheuren Reichthum. Es verlautet, daß er die Ehre, die ihm der König verlieh, abgelehnt hat. London. Sonntag fand eine Versammlung der englischjüdischen Allianz (Anglo Jewish Association) statt. Anwesend waren u. A. die Herren: Claude G. Montefiore (als Vorsitzender), Sir Philip Magnus, Hauptmann Goldsmid, Capitän Nathan, Oswald I. Simon zc. zc. Der Vorsitzende gedachte in anerkennenden Worten des verstorbenen Sir Albert Sassoon, der 23 Jahre lang Vicepräsident der Allianz gewesen sei, und spracht Hoffnung aus, daß sein Söhn und Erbe, Sir Edward Sassoon, dasselbe Interesse für die Allianz beweisen werde, wie sein verewigter Vater. Es wurde beschlossen, an Sir Edward undW^r. Renben D. Sassoon ein Condolenzschreiben zu richten. Baronin Clara Hirsch sandte der Allianz neuerdings eine Spende von 200 Pfund Sterling. Es wurden hierauf die Berichte des Executivcomites verlesen. Die Juden von Kermanshah in Persien bitten die Allianz um Schutz gegen die Verfolgungen, Im sie anszustehen haben. Die Verfolger gehen straflos aus, goM besonders sind es zwei Beamte, die es jederzeit zu verhindern wissen, daß die Klagen der Bedrückten zur Kenntniß der obersten Behörden gelangen. Das Elend ist so groß, daß mehrere Juden, den mohammedanischen Glauben anzunehmen gezwungen waren. Es wird beschlossen, dem Ministerium des Innern Vorstellungeil in dieser Angelegenheit zu machen. Aus Bombay wird ein Bericht verlesen, der besagt, daß es Herrn Haeem Samuel, dem Präsidenten der von der Allianz errichteten Beni-Jsrael-Schule, gelungen ist, neuerdings eine Unterstützung von der Regieruilg fiir die dortige Mädchenschule zu erhalten. Die Herren Rothschild und Mocatta haben je 50 Pfund für den Baufond (behufs Errichtung eines neuen Schulgebäudes) gespendet. Die Allianzschule in Cairo und die englische Schule in Tangier bitten, die Allianz möge ihnen Lehrer für Englisch senden. Das Executivcomite beschließt, Lehrer des Englischen in London zu engagiren Die kleine Gemeinde der Samaritaner in Nablous (Schechem) hat eine religiöse und weltliche Schule errichtet, in welche Kinder der dortigen jüdischen Gemeinde ausgenommen werden; sie bittet also die Allianz um eine Unterstützung. Das englisch geschriebene Gesuch ist von Jacob, dem Hohepriester, und von Jsaac, dem Priester der Samaritanergemeinde, unterzeichnet und schließt mit den Worten: „Möge uns Gott wieder vereinigen, wie wir früher waren, ein Volk Gotte s." — Das Executivcomit«- beschließt, erst einen unparteiischen Bericht aus Jerusalem abzuwarten. Ans Smyrna sendet der englische Lehrer der dortigen Allianzschule, Herr Henry F. Scott, einen Bericht über die Fortschritte der Schüler. Nach sechsmonatlichem Unterricht habe eine Prüfung vor dem englischen Generalconsul und einer Jury von englischen Lehrern stattgefunden, welche alle von den außerordentlich günstigen Resultaten überrascht waren. London. (Tod der Gräfin Rachel d'A v i g d o r.) Donnerstag verschied hier nach langem, schweren Leiden _ die Gräfin Rachel d'Avigdvr, die Tochter des verstorbenen Sir Jsaac Lyon und Isabel Goldsmid. Die Verstorbene war eine hochgebildete Dame, die eine ausgezeichnete Erziehung genossen hatte; unter ihren Lehrern befand sich z. B. der berühmte Dichter Thomas Campbell. Ihr Schwiegervater war ein Mitglied des großen von Napoleon einberufenen Sanhedrin. Die Namen Figdor und Avigdor sind wohlbekannt in der jüdischen Literatur. Im Süden Frankreichs leben einige Bankiers, Verwandte des Gatten der Verstorbenen. Von drei Söhnen, die sie ihrem Manne schenkte, lebt nur noch einer, Sergius d'Avigdvr. Ihre einzige Tochter ist die Witwe von Horatio LucaS. Die Verstorbene, eine ungemein fromme, streng orthodoxe Jüdin, trennte sich von ihrem Manne Salomon Henri d'Avigdvr, als dieser nach Paris ging, wo er ein persönlicher Freund Napoleons des Dritten wurde, der ihm sogar den Herzogstitel verlieh. Sie war Präsidentin und Mitglied vieler wohlthätiger Vereine, bezeugte großes Interesse für jüdische Schulen und jüdische Künstler und Künstlerinnen, z. B. für die Schauspielerin Miß Giulia Marwick. Eine schöne, anmuthige Frau, war sie ungemein empfindlich und leicht beleidigt. Sie war ursprünglich ein Mitglied der englischen Judengemeindx iui Westen von London. Als aber eine ihrer Nichten, welche einen Christen geheiratet hatte, aber Civil getraut worden war, einen Sitz in demselben Tempel erhielt, in dem auch sie ihre Andacht verrichtete, verließ sie diesen und gehörte fortab mit ihrer Familie der portugiesischen Gemeinde an. Vermilchtes. Wien, 9. November 1896. Einladung zur allgemeinen Wählerversammlung der Mitglieder der israelitischen Cultusgemeinde für Montag, den 16. November 1896, Abends um V,6 Uhr im großen Musikvereinssaale, l., Künstlergasse 3. Programm: 1. Rechenschaftsbericht. 2. Discussion über denselben. 3. Candidaturen. Anmeldungen von Candidaten für die Vorstands- Wahlen werden im Secretariate der Cultusgemeinde, I., Seitenstettengasse Nr. 4 und in der Wählerversammlung selbst entgegengenommen. Der Eintritt in die W ä h l e r v e r s a m ml u n g i st n u r g e g e n B o r w e i s u n g d e r L e g i Lima t i o n s u r k u n d e zur Wahl g e st a t t e t. Der Präsident. Wien. (Traunng.) Sonntag den 22. November findet im israelitischen Tempel zu Wien, VI., Schmalzhofgasse, die Trauung von Fräulein Bertha Strauß, Tochter des Fabrikanten

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