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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-11-13 · 46 (13.11.1896) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
46 (13.11.1896)
Date
1896-11-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 46 Vr. Vloch's Wochrnschrtfi Eingefendet. Löbliche „O e st e r r e i ch i f ch e Wochenschrift" Wien, den 8. November 1896. Hier! In Ihrem Blatte vom 6. d. M. lese ich, daß der Frauen- Wohlthätigkeitsverein im 8. Bezirke unter dem Präsidium der Frau Amalie Beck ein großes Ballfest abzuhalten beschlossen hat. — Heute lese ich im „Neuen Wiener Tagblatt", daß das Präsidium des „Ferienheim" (Präsidentin Frau Sophie Grünfeld) eine große Wohlthätigkeits-Akademie mit darauffolgendem Balle veranstalten wird. Kaum sind die Schwalben fortgeflogen, beginnen bereits die jüdischen Vereins-Mütter ihre Gedanken mit den Ballfesten 511 beschäftigen, die veranstaltet werden sollen, um die Einnahmen der ihnen an's Herz gewachseneil Anstalteil zu hebert. — Die gute Absicht verkeime ich nicht, doch wäre es nicht besser, solche Feste gänzlich zu unterlassen und die durch alle „Künste" hereinzrrbringenden Ueberschüffe geradeaus von jüdischen Wohlthätern, die Einer Meinung mit mir sein dürften, zu erbitten? Die „Einnahmen" für die Vereine würden dadurch allein, daß die geehrten Ballbesucher ihre durch Nichtabhaltung des Festes gemachten Ersparnisse dem Vereine zuwenden würden, stets die mehrfache Reinerträgnißsunlme ergeben; freilich müßten die P. T. Damen und Herren auf das eventuelle Amilseinent verzichten. Ich für meinen Theil stelle jedem jüdischen Vereine hier, der Heuer von dem so beliebten Feste Umgang nimmt, 20 fl. zur Verfügung und hoffe, daß sich gleichdenkende Menschen finden werden, um den zweifelhaften Ertragsüberschuß der Bälle zu paralellisiren. Hochachtungsvoll L. W. Correspondenzen. Wien. Verehrliche Redaction! Anläßlich des unglücklichen Ausfalles der Landtagswahl im zweiten Bezirk wird der Jndenschaft dieses Bezirkes Abstinenz zum Vorwurf gemacht. Dies ist einfach unwahr, und namentlich der ärnrere Theil der jüdischen Wähler war fast vollzählig erschienen. An den unglückseligen Ausgang der Wahl war nichts Anderes als das Foppsystem Dr. L u e g e r 's mit den Stimmzetteln itt den zwei Taschen schuld. Außer den 1400 Antisemiterr der Brigittenau fanden sich in der Leopoldstadt 3000 Christen, von denen wahrscheinlich ein sehr großer Theil das Luegersystem practicirte. Nun geniach! Wir werden hoffentlich bis zur Reichstagswahl Gelegenheit haben, diesen Herren auf die Finger zu — sehen. Es werden sich schon Mittel und Wege finden, diesen Leuten zu zeigen, daß wir uns nicht länger — foppen lassen. Hievon später einmal! — Von den abscheulichen Straßenscenen während und nach der Wahl hatten die Tagesblätter bereits ausführlich berichtet, aber auch mancher Antisemit hatte Gelegenheit, die Wahrnehmung zu machen, daß sich nicht jedes „Jüdel" auf die Seite drückt, wenn er ihn mit seinen antisemitischen Augen — anglotzt! und daß die Makkabäer noch nicht ausgestorben. So drangen gegen Mittag in das Sectionslocale der Liberalen in der großen Sperlgasse drei stämmige Brigittenauer Antisemiten, mit dem Ausrufe „Hoch Lueger, Nieder mit den Juden" und wollten für unser Geld bei einem Zechgelage „Lueger" leben lassen. Schon glaubten sie die Herren im Locale zu sein, als sich der jüdische Fiaker K . . ., eine wahre Hünengestalt, ihnen entgegenstellte, und die drei Luegerverehrer — flogen zur Thüre hinaus. Wenn irgend einmal ein Mandat, das den Zweck hätte, einen Gregorig, Schneider einen halbwegs ebenbürtigen Mann, der den Ton trifft, in welchem diese Leute zu behandeln sind, und der auch über genügende physische Kraft verfügt, frei wird, so wählen Sie den jüdischen Fiaker K . . ., dessen voller Namen folgt im Wahlaufruf. Marcus. Wien, 8. November. (Wie in Jerusalem gebaut wird.) Dieser Tage hatte ich Gelegenheit, einen Blick in zwei Berichte über den gegenwärtigen Stand des großen Hospitalbaues in Jerusalem zu werfen, die nach manchen Seiten hochinteressant sind, besonders fiir denjenigen, der die Verhältnisse in der heiligen Stadt nicht aus eigener Anschauung kennt. Die Berichte sind von dem königlich württembergischen Baurath C. Schick und dem Architekten Theodor S a n d e l dem Bancomite erstattet. Die ganze Art der Bericht- Seite 9 i 1 erstattung zeigt, mit welcher Einsicht und Umsicht das große Bauunternehmen geleitet wird. Ein anderer Bericht, den das Jerusalemer Localcomitö an das europäische Central-Cvmitö gerichtet hat, in den ich ebenfalls Einsicht hatte, zeugt von der musterhaften Ordnung und einer alle Details umfassenden Darstellung der Arbeiten, sowie deren Fortgang von Woche zu Woche. Der Bericht umfaßt den Zeitraum vom 8. Elul bis zum 13. Tischri. Die Rechnungen und Aufstellungen, welche alle iu hebrä ischer Sprache abgefaßt sind, bieten eine Fülle von Interessantem. Zunächst stößt sich der europäische Leser daran, daß sich unter deu regelmäßigen Ausgaben ein ansehnlicher Posten für Wasser befindet. Die Listen umfassen gewöhnlich eine Woche und finden wir für Wasser allein 722, 661, .722, 601, 63c; Piaster verausgabt, ch Piaster 18 Pfennig.» Herr Architekt S a n d e l klärt uns darüber in seinem Bericht durch folgende Bemerkungen auf: „2. Cisrernen: Wasser ist eines der nothwendigstcu Dinge für Jedermann, besonders für ein Hospital. Ich will mich darüber nicht weiter verbreiten. Auf eine Wasserleitung nach Jerusalem zu warten, ist, wie die Erfahrung lehrt, eine Thorheit. Die nächste Quelle ist eine halbe Stunde entfernt, in tiefer Thalfchlncht gelegen und liefert kaum genug Trinkwaffer für die Eingeborenen. Man ist daher darauf angewiesen, das Regenwasser, das gewöhnlich von November bis Ende März fällt, in genügend großen Cisternen aufzuspeichern. Doch ist dabei zu bedenken, daß d>e Regenmenge im Jahre von 33 Kubikcentimeter bis 100 Kubikcentimeter wechselt Es gibt Jahre, wo es nur wenig regnet und die Regierung von weit her in Fässern Wasser führen ließ, um nur dem allerdringendsten Bedürfnist abzuhelsen. Entsprechend der Größe des zu erbauenden Hospitals, habe ich daher im Plane drei Cisternen vorgesehen, von denen eine, ans der Nordseite gelegen, für Landwasser und zwei auf der Südseite für Dachwasser bestimmt und. Alle drei Cisternen sind in Arbeit. Die nördliche ist bereits ganz ausgesprengt. Der Felsen war möglichst ungünstig, zugleich zäh und sehr lährig. DaS Pulver konnte um der Löcher willen nicht recht wirken; auch beschwerten sich die Nachbarn über das Schießen so nahe an der Straße und ihren Häusern. Der Wassergehalt der fertigen Cisternen wird 314 Kubikmeter betragen oder 744 Kubikellen. Das Kubikmeter wird voraussichtlich bei den heutigen Kalkpreisen 14 Francs (die Kubikelle nahezu 6 Francs) kosten und die Cisterne daher etwa 4400 Francs. Die beiden Cisternen auf der Südseite sind gleich groß Projectirt. Es wird aber wegen der Schichtenneigung gegen Osten die östliche voranssrchtlich etwas größer werden, als die westliche (Länge 16'/, Meter, Breite 6’/* Meter, Tiefe 5 bis 0V2 Meter); der Kubikgehalt der westlichen Cisterne wird daher voraussichtlich 560 Kubikmeter oder 1323 Kubikellen sein, der der östlichen 600 Kubikmeter oder 1422 Kubikellen, zusammen 1 i60 Kubikmeter oder 2750 Kubikellen. Der Kubikmeter fertige Cisterne wird voraussichtlich hiebei 12—12^ Francs oder die Knbikelle 5—5'/, Francs kosten. Die beiden Cisternen werden daher einen Kostenanfwand von zusammen 14.200 Francs machen." Nach dem Berichte des Jerusalemer Comitös ist der Bau der Cisternen bereits so weit vorgeschritten, daß sie schon diesen Winter sich zur Aufnahme des Regenwassers eignen, wodurch eine wesentliche Ersparnis der Baukosteil erreicht tvürde. Sv nvthwendig auch die Anlage der Cisternen in erster Reihe geboten erscheint, legen die vorliegenden Berichte auch sehr großen Werth auf sofortige Herstellung der Umfassungsmauer, um Grenzstreitigkeiten, die ja in Jerusalem sehr häufig find, oft Jahre dauern und große Proceßkosten verursachen, von vornherein abzuschneiden. Die Aufführung derselben, welche setzt gleichfalls in Angriff genommen ist, wird aus 82t >0 Francs veranschlagt. Man sieht aus diesen knappen Notizen, daß der Ban rüstig fortschreitet. Die Arbeiter (durchschnittlich 8o> sind zum größten Theil Inden. Bis jetzt aber handelt es sich noch nicht um den eigentlichen Oberbau, sondern um die Fundamentirnngsarbeiten, die Fertigstellung der Cisternen und Kellerräume. Für 'den eigentlichen Spitalbau fügen wir den Wunsch bei. mit welchem Herr Baurath Schick nach feiner Bemerkung, „'Alles, was bis jetzt gemauert wirrde, ist schön und gut ausgeführt," seinen Bericht schließt: „Möchte zum Schluß den Wunsch hinzumgen, daß auch mit dem eigentlichen, schon sehr viele Jahre angestrebten Hospitalbau selbst bald begonnen werde, um das schon so lange gefühlte Bedürfnis« zu befriedigen, wozu der Allmächtige seinen Segen geben möge!" Wien. Geehrter Herr Redacteur! Mil Bezug ans die in der Nummer 45 Ihres geschätzten Blattes vom 6. d. M. erschienene Notiz „Jüdische akademische Lesehalle" ersuchen die Unterzeichneten Sie, folgendc Berichtigung aufnehmen zu wollen.

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