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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-11-13 · 46 (13.11.1896) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
46 (13.11.1896)
Date
1896-11-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 46 Vr. Vloch's Wochenschrift' Seite 909 „Ich ersuche inständigst, daß in Cz .. ehemöglichst eine Baron Hirsch'sche Schule für israelitische Knaben errichtet werde. Wir haben hier eine öffentliche zweiclassige Volksschule. Die Zahl der schulpflichtigen Kinder beträgt jährlich 487, von denen meine mit 3 Lehrkräften versehene Schule höchstens 300 Kinder besuchen können. 180 Kinder dagegen haben keine Möglichkeit den Unterricht zu genießen! Es ist selbstverständlich (sie!), daß der größte Theil der israelitischen Kinder, und zwar die Knaben ohne Unterricht und auf das „Cheder" beschränkt bleiben." So jener Schulleiter der Etat-Schule im naiven Selbstbekenntnisse. Es wirst dies ein charakteristisches Streiflicht aus unsere herrlichen Schulzustände. Ein Pendant hiezu bildet folgende, mir anläßlich eines geschäftlichen Aufenthaltes in Tarnopol gemachte Mittheilung eines Mitgliedes der dortigen Cultusgemeinde, die ich hier wörtlich ansühren will: „Da in unserer (das ist von der israelitischen Cultusgemeinde erhaltenen) Schule eure Ueberfüllung herrscht und bedeutend mehr Kinder dieselbe besuchen, als eigentlich Platz sinden können, ordnete der k. k. Landesschulrath die Errichtung einer vierclassigen Mädchenschule mit der ausdrücklichen Weisung an, daß diese Schule in dem von Juden bewohnten Viertel locirt werde, damit sie von einem Theile der gegenwärtig die israelitische Schule besuchenden Mädchen srequentirt werden könne, um derart der in der israelitischen Schule herrschenden Ueberfüllung wenigstens theilweise abzuhelfen. Nichtsdestoweniger wurden Heuer christliche Kinder, welche in der christlichen Hauptschule inscribirt waren und diese Schule bereits durch eine gewisse Zeit besucht haben, in die besagte, zur theillveisen Entlastung unserer consessionellen Schule errichtete Anstalt versetzt, wohingegen aus der letzteren 20 jüdische Mädchen, welche bereits in die vierte Claffe ausgenommen und solche bereits besucht haben, ausgeschieden und der israelitischen Schicke zugetheilt wurden. Da aber die erste Abtheilnng der ersten Mädchenclasse 93, die zweite Abtheilung 92 Kinder zählt und somit eine weitere Aufnahme einfach wegen Raummangels unmöglich war, verweigerte der israelitische Cultusvorstand die Aufnahme dieser Kinder und schickte solche an die Landesschule, wo sie bereits ausgenommen waren, zurück. Sie wurden jedoch 'nicht mehr aufgenonnnen und besuchen demnach gar keine Schule. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde hat hierüber beim Landesschülrathe Beschwerde geführt, jedoch bis nun gar kein Resultat erhalten, während der hiesige Bezirksschulrath in einer an den Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde gerichteten Note die Nichtanfnahme von Kindern seitens des Vorstandes in scharfen Worten rügt." Soweit mein Gewährsmann in Tarnopol. Allein selbst dort, wo Juden schon das Glück haben, in die öffentliche Schule anfgenommen zu werden, werden sie, wie eine jüngst in den Tagesjournalen verbreitete Notiz aus Tarnow besagt, nach Confessionen getrennt und die jüdischen Kinder also zu Parias gestempelt. Aber von Antisemitismus in Galizien zu sprechen, ist ein erimso laesae majestatis. Deutschnationale Sitten! Nette Geschichten werden auf der achten allgemeinen Co nferenz der deutschen Sittlichkeitsvereine, die zur Zeit in Breslau tagt, erzählt. Der Generalsecretär des Verbandes, Hennig- Berlin, erwähnte in seinem Jahresberichte Folgendes: „Zurückgegangen sind die Vereine in Kiel, Hamburg und Braunschweig. Was speciell die Hamburger Verhältnisse anlange, so sei dort die Mitwirkung der Staatsmissionare an dem Sittlichkeitswerk freudig zu begrüßen. Als die Studenten in Friedrichsruh den Für st e n B i s m ar ck ihre Huldigung dargebracht hatten und dann Ab end s n ach Hambur g zurück gek ehrt seien, hätten sich die Stadtmissionare muthig auf den Weg gemacht, um die Studenten, welche massenhaft nach den verrufenen Quartieren zogen, von dem Laster zurück z u h a l t e n und sie zum Besuche einer Sittlichkeitsversammlung aufzufordern. Dabei seien die Missionare in eine furchtbare Situation gekommen, nicht sowohl durch die Studenten, als durch die Dirnen und ihre Zuhälter, die hinter ihnen herliefen und schrien: „Schlagt die Hunde todt, sie wollen uns den Verdienst wegnehmen!" Es geht doch nichts über kleine Sittenbildchen dieser Art, die man allerdings aus der Verborgenheit eines stillen Sittlichkeitscongreffes herausnehmen muß, um sie in die Beleuchtung des vollen Tages zu rücken! So viel wir die Studenten kennen, die für Bismarck schwärmen, betrachten sie sich selbst als die „Blüte" des urteutschesten Teutschthums, die sowohl in den Liedern, die sie nüchtern singen, als in denen, die sie in ihren „gehobenen Zuständen" brüllen, vor Allem deutsche Treue, deutsche Sitte und das deutsche Weib feiern. Die meisten Studenten dieser Art schöpfen auch wohl ihre geistige Nahrung aus der antisemitischen Presse, die sich niemals genug thnn kann in der Entrüstung über die Unsittlichkeit, die angeblich von den Juden in den gesunden Kern teutschen Volkslebens hineingetragen wird. Und nun? Nicht einmal der Eindruck des „hehren, weltgeschichtlichen Moments" — ohne den gehts nun einmal bei den echten Bismarckschwärmern nicht ab — den sie in Friedrichsruh verlebt haben, hält diese „Blüthe" der teutschen Jugend davon ab, in den Hamburger Bordellen den Rest des „denkwürdigen" Tages zu beschließen, nachdem sie sich an patriotischen Liedern die Kehlen heiser geschrieen haben. In wie vielen Fällen es den frommen Missionaren gelungen ist, den Damen, auf welche es die teutschen Studenten abgesehen hatten, den ihnen zugedachten Verdienst zu entziehen, wird in dem Jahresbericht nicht mitgetheilt. Jedenfalls aber wird mancher biedere Studio über die edle Dreistigkeit der Missionare geflucht haben, die ihn abzuhalten suchten, nach der Last des Tages seinem „standesgemäßen" Vergnügen nachzugehen, wenn auch späterhin der eine oder der andere der würdigen Roues in frommen Conventikeln oder in noch frommeren Blättern sich vielleicht erhitzen wird für die „unerläßliche Nothwendigkeit", der „zunehmenden Unzucht" im Volke mit allen Mitteln der Kirchenzucht und der leiblichen Strafen zu begegnen! Zur Rueensrage. Die Gregorianische Decretalen-Sammlung (V. Buch, vi. Titel, 15. Capitel) enthält ein hinsichtlich dieser Frage überaus wichtiges Docnment. Es ist dies der im Jahre 1216 auf dem vierten im Lateran gehaltenen ökumenischen Concil unter Mitwirkung des Papstes Jnnocenz III. gefaßte Beschluß, der folgendermaßen lautet: „Im manchen Gegenden unterscheiden sich Juden und Sarazenen von den Christen durch die Verschiedenheit des 'Anzuges, in manchen aber hat in dieser Hinsicht eine solche Vermischung unter ihnen platzgegriffen, daß keine Unterscheidung mehr mö g l i ch ist, w e s h al b e s sich denn auch nicht selten z u t r ä g t, daß C h r i st e n m i t j ü d i s ch e n und s a r a z e n i s ch e n. I u d e n u n d Sarazenen aber mit christlichen Frauen sich aus I r r t h u m v e r h e i r a t e n. Damit nun aber ein solcher Jrrthum dergleichen so streng verbotenen Geschlechtsverbindungen nicht auch ferner zum Tecki mantel und zur Ausrede dienen möge, verordne:: wir hiemit, daß der Anzug der Christen in allen Gegenden und zu allen Jahreszeiten, sowie hinsichtlich beider Geschlechter, sich von der Tracht anderer Völker allgemein unterscheiden soll." Es gab also demnach kein anderes Erkennungszeichen und kein anderes Mittel, um diesen „aus Jrrthum" geschlossenen Mischehen vorzubeugen, als die Herbeiführung einer Verschiedenheit in der Kleidung. Die Juden in den betreffenden Gegenden scheinen sich aber auch noch in Sprache und Sitte von den Christen nicht unterschieden zu haben, da sonst ein solcher Jrrthum ganz undenkbar wäre. Daß solche Eheschließungen nicht sporadisch vorgekommen waren, wird in diesem Concil-Beschluffe selbst ausdrücklich bemerkt, was wir übrigens auch ohne diese ausdrückliche Bemerkung schon aus dem Umstande hätten schließen können, daß es Gegenstand der Berathung und Beschlußfassung einer so bedeutsamen Kirchenversammlung war. Dr. L. B a r d o w i c z. Arischer Aberglaube. Ein ei g en t h ü m l i ch e r P r o c e ß wurde dieser Tage vor dem Strafgericht zu K a l n c z verhandelt. Unter der Schafherde des Gutsbesitzers S u ch o rz e w s k i in dem Dorfe K o s z n b y unweit Slupce brach eine Seuche aus, der zahlreiche Schafe zum Opfer fielen. Der Besitzer wandte vergebens allerlei Mittel an: da beschloß der Schafhirt Brzonkowski, der, wie alle seine Berufs genossen „zauberkundig" war, aus eigene Faust ein Mittel anzuwenden, welches bei der abergläubischen polnischen und ruthenischeu Bauernbevölkerung traditionell ist, nämlich die Leiche eines jüdischen Kindes aus dem Weideplätze der Schafe zu vergraben. Er verband sich mit zwei Coin-

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